5.000 Euro für ein Menschenleben

Caroline Stollmeier am 10. Dezember 2009

Kratzt man irgendwo ein bisschen an der Oberfläche, dann können sich Abgründe auftun. Das Statistische Bundesamt hat für das Jahr 2008 insgesamt 114.484 Schwangerschaftsabbrüche registriert.

114.484 Babys, die nie geboren wurden. 114.484 Leben, die nie gelebt werden können. – Das sind Hunderte an jedem einzelnen Tag. In Deutschland.

Nach Schätzungen von Manfred Spieker, Professor für Christliche Sozialwissenschaften an der Universität Osnabrück, ist die tatsächliche Zahl der Schwangerschaftsabbrüche doppelt so hoch. Er führt das auf Ungenauigkeiten in der statistischen Datenerhebung zurück.

Welche Zahl nun gilt – sie muss erschrecken.

Aber hier geht es nicht um Statistiken, denn hinter jedem Schwangerschaftsabbruch steht eine Geschichte. Man wird unterstellen dürfen, dass die allerwenigsten Frauen diesen Schritt leichtfertig machen. Ein Abbruch ist schließlich kein Verhütungsmittel.

Brigitta Thurmaier spricht für das seit Oktober laufenden Projekt 1000plus: „Wir wollen in den nächsten Jahren tausend und mehr Frauen helfen, ihre Babys zu retten.“ Und dabei setzt das Projekt auf qualifizierte Beratung konsequent hin zum Leben. Die 1000plus-Beratung ist eine von wenigen „scheinfreien“ in Deutschland.

Nach § 218 StGB ist ein Schwangerschaftsabbruch zwar grundsätzlich für alle Beteiligten strafbar, es gibt aber Ausnahmen. Eine davon ist die so genannte Beratungsregel, die besagt, dass ein Schwangerschaftsabbruch auf Wunsch der Schwangeren von einem Arzt durchgeführt werden kann, wenn die Schwangere durch eine Bescheinigung nachweist, dass sie mindestens drei Tage zuvor eine Schwangerenkonfliktberatung nach § 219 StGB in einer anerkannten Beratungsstelle bekommen hat.

1000plus stellt keine Beratungsscheine aus. Das würde nicht zum Selbstverständnis und zum klaren Bekenntnis zum Leben passen. Befürchtungen, dass 1000plus aus diesem Grund nicht genügend Frauen in Konfliktsituationen erreichen könnte, kann Brigitta Thurmaier sofort entkräften: „Wie müssen regelmäßig unsere Internet-Werbung abschalten lassen, weil sich mehr Frauen melden, als wir zur Zeit beraten können. Wir brauchen zuerst noch mehr Beraterinnen.“

Dass eine Frau sich nicht (uneingeschränkt) über ihre Schwangerschaft freut, kann viele Gründe haben. Beispielsweise, dass sie noch mitten in der Ausbildung oder im Studium ist, dass keine stabile Partnerschaft zum Vater des Kindes besteht oder dieser sie sogar zur Abtreibung drängt, dass sie sich wegen bereits geborener Kinder überfordert fühlt oder dass ihre Wohnung ungeeignet scheint.

In einer sensiblen und individuellen Beratung geht es an erster Stelle um die betroffenen Frauen. Ihre Probleme gilt es gemeinsam zu lösen und Wege zu finden, Krisen und Ängste zu überwinden. Erst dann können sie mit Herz und Verstand ja zu ihrem Baby sagen.

Neben der Beratung ist unmittelbare materielle Hilfe ganz wichtig. 1000plus bietet Frauen im Konflikt konkrete Unterstützung an. Beispielsweise hilft 1000plus bei der Suche nach einer größeren Wohnung, vermittelt auf Wunsch Plätze in Mutter-Kind-Heimen, stellt eine Tagesmutter zur Verfügung oder zahlt für die ersten Jahre Zuschüsse zum Lebensunterhalt für das Kind.

„Nach unserer Erfahrung brauchen wir etwa 5.000 Euro, um einer Frau zu helfen, damit sie sich für ihr Kind entscheiden kann.“, sagt Brigitta Thurmaier. Da 1000plus keine Steuerzuschüsse bekommt (weil keine Beratungsscheine ausgestellt werden), muss diese Hilfe komplett durch Projektpartner wie die STIFTUNG JA ZUM LEBEN und andere Unterstützer aufgebracht werden.

Frauen, die Hilfe suchen, werden in der Regel monatelang, manchmal sogar über Jahre, begleitet. „Die Erfahrung beweist, dass sich die überwältigende Mehrheit der Frauen – im Jahr 2008 waren es 84 Prozent – für ihr Baby entscheidet, wenn sie intensive Beratung und Begleitung bekommen.“, kann Brigitta Thurmaier berichten. Damit mehr Frauen im Konflikt geholfen werden kann, will 1000plus mehr Beraterinnen ausbilden, um das erfolgreiche „scheinlose“ Beratungskonzept auf ganz Deutschland auszuweiten. Dafür ist 1000plus auf der Suche nach Kooperationspartnern.

1000plus wünscht sich MitMACHER: Kommunikative Menschen, die sich klar für das Leben aussprechen, die hinsehen und protestieren, wenn Schwangerschaftsabbrüche irgendwo als normal dargestellt werden, die ihre Freude am (ungeborenen) Leben teilen und die zur Verbreitung der 1000plus-Botschaft beitragen.

Und natürlich geht es bei 1000plus auch um Geld – wie heutzutage fast überall. Aber nicht überall ist so leicht nachvollziehbar, wie Geld erfolgreich Menschen-Leben retten kann…

 1000plus für das Leben

Mehr Informationen über das Projekt 1000plus und die Möglichkeit, selbst MitMACHER zu werden, gibt es auf: www.1000plus.de

Abgelegt unter 1000plus | Leben,Allgemein,Gute Menschen | Gute Taten | 14 Kommentare

14 Kommentare zu “5.000 Euro für ein Menschenleben”

  1. Matthias Kayßam 11. Dezember 2009 um 12:53

    Wie gut, dass es Menschen und Einrichtungen gibt, die ungewollt schwangeren Frauen helfen – kein Wenn und Aber in dieser Hinsicht!

    Eine echte Schwangerschaftskonfliktberatung kann allerdings nach meinem Verständnis nur ergebnisoffen sein. Eine “qualifizierte Beratung konsequent hin zum Leben” ist etwas anderes.

    Ok, da ist es wohl nun: das Thema Abtreibung, *das* Referenzthema für alle bioethischen Debatten. Will man diesem schwierigen moralischen Problem gerecht werden, so greift ein ‘Bekenntnis zum Leben’ zu kurz.

    Hier muss sich moralblog.de wohl entscheiden, ob geworben oder debattiert werden soll.

  2. Prof. Dr. Josef Spindelböckam 11. Dezember 2009 um 13:14

    Die Rede von einer “ergebnisoffenen Beratung” ist verschleiernd: Es liegt ja in der Natur einer Beratung, dass sich jemand nach einer Beratung selber entscheiden muss, wie er mit dem durch Beratung gewonnenen Wissen bzw. mit einem Hilfsangebot umgeht. Wenn man gerade im Hinblick auf eine “Schwangerschaftskonfliktsituation” die Ergebnisoffenheit hervorheben will, kann das auch heißen: Man akzeptiert, dass Abtreibung in einigen (wenigen) Fällen ein konkreter Weg zur Lösung eines Problems sei. Diesem Eindruck will sich das Projekt 1000plus von vornherein entgegenstellen. Wenn eine Frau zu ihrer Beratung kommt, dann weiß sie: Hier werde ich ernst genommen und zugleich in meiner Sorge um das ungeborene Leben unterstützt, ohne dass mit einer Abtreibung einer Schein-Lösung zugestimmt wird.

  3. Harald Stollmeieram 11. Dezember 2009 um 14:06

    Der liebe Gott muss immer ziehen – dem Teufel fällt’s von selber zu: In der deutschen Öffentlichkeit scheint die Auffassung vorzuherrschen, dass der Schwangerschaftsabbruch die nächstliegende, jedenfalls aber eine gleichwertige Lösung sei. Da der Abbruch unter den Bedingungen unserer gesellschaft zumindest kurzfristig zugleich der bequemere Weg ist, führt eine ausdrücklich “ergebnisoffene”, gezielt neutrale Beratung mit erhöhter Wahrscheinlichkeit zum Abbruch. Deshalb ist 1000plus in meinen Augen eine Bereicherung.
    Ich finde übrigens ein Bekenntnis zu einer bestimmten Haltung nicht notwendigerweise unvereinbar mit der Einladung zur Diskussion. Möglicherweise ist es sogar fruchtbarer, wenn zu Beginn einer Diskussion jeder Teilnehmer definiert, woher er kommt.
    Meines Erachtens ist dann aber auch zu differenzieren zwischen einer Diskussion darüber, wie Schwangerschaftsabbrüche an sich zu bewerten sind (immer schrecklich, weil ein Mensch getötet wird), und einer Diskussion darüber, wie das Handeln von Menschen zu beurteilen ist, die in einer Konfliktsituation keinen anderen Ausweg mehr finden.

  4. Brigitta Thurmaieram 11. Dezember 2009 um 16:13

    Ich denke, dass unsere Beratung (1000plus) “ergebnisoffen” ist. Denn die Frauen, die zu uns kommen sind alles mündige Frauen, die am Ende selber entscheiden wie das “Ergebnis” aussieht. Wir sind aber davon überzeugt, dass es für JEDE Frau die richtige Entscheidung ist, sich für ihr Baby zu entscheiden. Denn die Erfahrung beweist, dass Abtreibungen Frauen verletzt. Eine Entscheidung ist auch nur dann wirklich frei, wenn ich Alternativen kenne. Nicht nur Abtreibung oder Abtreibung.
    Viele Frauen sehen aber leider keinen anderen Ausweg als den der Abtreibung. Dafür müssen wir uns alle schämen. Denn das Phänomen der Massenabtreibung ist ein Phänomen der unterlassenen Hilfeleistung, wie unsere Arbeit beweist. Deshalb sollten wir uns selber zur Verantwortung ziehen und nicht Frauen verurteilen, die abgetrieben haben. VG

  5. Matthias Kayßam 11. Dezember 2009 um 19:39

    Statt “ergebnisoffene Beratung” könnte man auch sagen: eine Beratung, die dem Prinzip der Autonomie von Schwangeren folgt. Das Prinzip der Autonomie verlangt aber, dass ich die Entscheidung von Schwangeren für eine Abtreibung akzeptieren muss, auch wenn ich diese als BeraterIn nicht teilen kann.

    Selbstverständlich kann ich nur dann eine solche Beratung anbieten, wenn ich die Abtreibung als individuelle, vollwertige Entscheidungsoption ansehe.

    Offenbar ist dies nicht der Fall. Alle Beratung steht unter der Prämisse: Entweder gibt es einen Extremfall (wahrscheinlich wenn Leben gegen Leben steht) oder die Schwangere befindet sich in einer psychischen Notlage, in der die Abtreibung nur als “Schein-Lösung” angesehen wird.

    Verscheleiernd empfinde ich es, vordergründig der Schwangeren die Entscheidungskompetenz zuzugestehen, aber ihre Entscheidung nur dann zu akzeptieren, wenn diese der eigenen Überzeugung entspricht.

    Zugespitzt formuliert: Wer Abtreibung als Option grundsätzlich ausschließt, sollte helfen, aber nicht beraten.

    ———-

    Im übrigen teile ich Haralds Ansicht, dass eine Diskussion vor allem dann fruchtbar ist, wenn die gegensätzlichen Positionen klar auf dem Tisch liegen.

    Um eine Position einzunehmen und dafür zu argumentieren, brauche ich freilich kein Bekenntnis. Ich muss mich doch der Kraft des besseren Arguments anvertrauen und riskieren, ggf. meine Überzeugung ändern zu müssen.

    Insofern finde ich es eher schwierig, auf der Basis miteinander unvereinbarer Bekenntnisse zu diskutieren, wenn diese selbst Gegenstand der Diskussion sein sollen.
    Bekenntnisse sind doch gemeinhin gerade nicht diskutabel.

    Vielleicht habe ich aber auch nur ein zu enges Verständnis von ‘Bekenntnis’.

  6. Harald Stollmeieram 11. Dezember 2009 um 21:55

    Zugegeben, lieber Matthias: Vielleicht war “Bekenntnis”, weil als Konfession in der Tat durch etwas sehr Grundlegendes besetzt, nicht der günstigste Ausdruck. Gemeint ist die Meinung, mit der man in eine Diskussion geht; je nach Vorbereitung kann diese nicht viel mehr als ein Vorurteil oder doch eine festgefügte Überzeugung sein. Bessere Argumente sind haben immer ein hohes Gewicht.
    Aber wie sich zeigt, gehört zu jeder anständigen Diskussion eine Klärung der Begriffe – der Moraltheologe wie der Philosoph werdenzustimmen …
    Dabei fällt mir auf, dass die Autonomie der Schwangeren, obwohl letztlich entscheidend, insofern nicht absolut ist, als ihr Rechte des Ungeborenen gegenüberstehen.
    Dennoch stimme ich zu: Eine Beratung, die diese Autonomie der Schwangeren nicht grundsätzlich akzeptierte, wäre nicht Beratung, wahrscheinlich nicht einmal Hilfe. Wenn ich richtig informiert bin, besteht eine Beratung zum Leben hin vor allem darin herauszufinden, was die Probleme der Schwangeren sind, und ob man sie (ohne Abbruch) lösen kann. Ich finde es dabei nicht unredlich, dass ein solcher Berater seine Beratung als gescheitert empfinden mag, wenn es dennoch zu einem Abbruch kommt.
    Vielleicht bezieht sich der Dissens vor allem auf die Frage nach dem Gewicht der verschiedenen Optionen: Für mich sind sie in der Tat nicht alle gleichwertig.
    Herzliche Grüße (und vielen Dank für die lebhafte Diskussion!)
    HS

  7. Christine Speckam 11. Dezember 2009 um 22:03

    Sehr geehrte Vorreder(innen),

    wir können den Gwissenkonflikt einer Abtreibung in Begrifflichkeiten definieren, sie philosophieren und mit Wonne für das Verbale sogar sezieren. Hilfreich ist es letzlich nicht. Das ist abstraktes Geschehen.

    1000plus, und damit Frau Brigitte Thurmaier als anpackende Visionärin, kann/können auf Daten und Fakten mittels Ihrer Tätigkeit zurückgreifen. Hier handelt es sich nicht um bloße Statistiken, die gemeinhin angepaßt werden können.

    Ich stolpere über den Satz meines Vorredners, Herrn Kayß, unter dem Punkt “Zugespitzt formuliert”:
    “Wer Abtreibung als Option grundsätzlich ausschließt, sollte helfen, aber nicht beraten”.

    Eine Führung zur Erkenntnis eines Handels ist Beratung. Beratung ist demgemäß die Grundlage für den Zustand/die Bereitschaft einer Verhinderung der Abtreibung.
    Wenn diese Bewußtwerdnung eingetreten ist, dann genau hört bei 1000plus die Hilfe nicht auf sondern setzt genau und gezielt ein!!!!!
    Bei 1000plus werden somit mehr Faktoren erfüllt und keine schließt die andere aus, sondern sie wird erweitert.

    In unseremLand werden zu viel in Talk-Shows und anderen präsenten Plattformen die Thematiken rauf und runter zerredet, aber Konstruktives ist nicht erkennbar.

    Ich beglückwunsche eine mutige und engagierte Frau wie Frau Thurmaier und die ihr wohlgesonnen MitMacher, die ihr die Chance vermitteln, über Medienengagement Ihr Anliegen und Ihre Intention zu vermitteln.
    Nur durch mutiges Anpacken können wir “verwirrtes” Gedankengut entwirren.

    Ich wünsche dieser Arbeit (und dieser Asudruck ist voll zutreffend) viel Glück und viel Segen.

    Schließen möchte ich mit einem Songtext von Xavier Naidoo: “Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg ist steinig und schwer. Nicht mit Vielen wirst Du Dir einig sein, doch diees Leben biete so viel mehr”…..

  8. Matthias Kayßam 12. Dezember 2009 um 11:53

    Danke, lieber Harald, für deine Präzisierungen!

    Deine Anmerkungen zum Autonomieprinzip treffen den Kern der Sache: Autonomie gerät an ihre Grenzen, wenn es um die Rechte Anderer geht.

    Ganz deutlich: Ginge es um Mord oder Vergewaltigung, dann würden wir den möglichen TäterInnen von vornherein keine Entscheidungskompetenz zugestehen. Diese Menschen würden wir daher auch nicht beraten, sondern wohl eher in Sicherungsverwahrung stecken und möglicherweise therapieren.

    Dass wohl kaum jemand bereit ist, so mit Schwangeren, die abtreiben wollen, umzugehen, zeigt doch, dass wir die Rechte von Ungeborenen durchaus anders bewerten als die von Geborenen.

    Und hier sind wir nun mitten in der Abtreibungsdebatte, für die man wohl einen eigenen Blog einrichten müsste.

    Diese Zusammenhänge machen aber auch unmittelbar deutlich, dass es hier nicht um intellektuelle Wortklauberei geht, sondern um eine wichtige Selbstvergewisserung der in der Beratung tätigen Menschen, denen ich wirklich weder Engagement noch Redlichkeit absprechen möchte.

    Mit Haralds Formulierung des Beratungsziels, dass man zusammen mit der Schwangeren alle Möglichkeiten auslotet, die Probleme ohne Abbruch zu lösen, kann ich gut leben. Die Person der Schwangeren muss in der Beratung im Mittelpunkt stehen. Dabei ist klar: Sie ist die Entscheiderin und trägt die Verantwortung.

    Frau Thurmaiers Überzeugung, “dass es für JEDE Frau die richtige Entscheidung ist, sich für ihr Baby zu entscheiden”, spricht deutlich eine andere Sprache. Wäre dem so, bräuchten wir von Autonomie, Entscheidungskompetenz oder Ergebnisoffenheit gar nicht reden. Dann wäre die einzige Verantwortung die von Frau Thurmaier, das Leben des Ungeborenen zu retten.

    Ich bleibe dabei: 100plus ist der richtige Ort für die Schwangeren, die ihre Entscheidung gegen die Abtreibung bereits getroffen haben.
    Gut, dass sie dort Hilfe bekommen und mit den Folgen ihrer Entscheidung nicht allein gelassen werden!

  9. Christine Speckam 12. Dezember 2009 um 12:31

    Oberstes Prinzip ist auch bei 1000plus die Entscheidungsfreiheit – das ist unbestritten. Dass Trauer über verloren geganges Lebens mit möglichen Talenten und Begabungen – die nie eine Chance bekamen – die Folge sind, ist das Risiko einer Beratung. Diese Gefühle müssen Menchen in einer Beratung aushalten und es bedarf dafür STARKER SEELEN!!!

    Über die Beratung hat Frau Thurmaier auch parallel die Folgen einer Abtreibung bei Betroffenen erfahren. Es geht nicht nur um einen zeitlich begrenzten Bewältigungsablauf, sondern um ein zutiefst eingreifendes Erlebnis in die psychischen Abläufe einer Frau. Besonders wenn die Fakten für eine erzwungene Abtreibung vorliegen!!!
    Diese Frauen können ohne ärztliche und psychotherapeutische Betreuung ihren normalen Alltag nicht bewältigen.
    Nun mache ich die Rechnung für die über den Ratio gesteuerten Männer auf: Haben sich diese Köpfe mal darüber Gedanken gemacht, was diese Betreuung für ein Kostenfaktor für unser Gesundheitswesen ist.
    Ich bringe diesen Vergleich nur für eine andere Perspektive in Richtung Männerwelt.
    Die Sensibilität einer Abtreibung kann und darf man nicht in kaufmännische Strukturen packen!!!!

    Deshalb bestätige ich persönlich zu 100 %
    Frau Thurmaiers Überzeugung, aus der ihr aktives Handeln resultiert: “Für jede Frau ist es die RICHTIGE ENTSCHEIDUNG, sich für ihr Baby zu entscheiden”!!!

    Und außerdem, Schwangere, die sich bereits gegen eine Abtreibung entschieden haben, benötigen nicht die sensible Hinführung zu einem JA zum Leben!! Sie haben aus sich und zusammen mit ihrem unterstützenden Umfeld bereits einen Weg gefunden!!

  10. Harald Stollmeieram 12. Dezember 2009 um 22:46

    Richtig ist, dass 1000plus kein Angebot für Frauen ist, die sich bereits für einen Schwangerschaftsabbruch entschieden haben – denn 1000plus sagt ganz offen: Wir stellen keine Scheine aus.
    Daraus jedoch abzuleiten, dass 1000plus n u r für Frauen geeignet wäre, die sich bereits für das Kind entschieden haben, scheint mir nicht einleuchtend. Da stimme ich Ihnen zu, liebe Frau Speck: Es ist definitiv ein Angebot an und für Frauen, die noch nicht wissen, wie ihre Entscheidung aussehen wird. Das offene Bekenntnis von 1000plus, die Entscheidung für das Kind für die richtige Entscheidung zu halten, ist sicher eine Orientierungshilfe, aber wenn sich immerhin 16 Prozent der beratenen Frauen dennoch für einen Abbruch entscheiden, spricht das sowohl dafür, dass unentschiedene Frauen zu 1000plus gehen als auch dafür, dass die Beratung etwas anderes ist als eine Gehirnwäsche.
    Deine Unterscheidung, lieber Matthias, zwischen Beratung und Hilfe, beruht offenbar auf einem extrem neutralen Beratungsbegriff im Sinne von “beraten aber nicht einmischen” oder “Ich helfe Dir herauszufinden, was Du eigentlich willst.”
    Ich vermute, dass mein Beratungsbegriff darüber hinaus die Möglichkeit einschließt: “Ich helfe Dir, die richtige Entscheidung zu treffen.” Das bedeutet natürlich, und hier wird es prinzipiell, das es nach meiner Ansicht eine objektiv richtige Entscheidung gibt, nicht nur eine subjektiv richtige.
    Ich finde übrigens, liebe Frau Speck, dass Sie das kaufmännische/volkswirtschaftliche Argument zu recht für ungeeignet halten. Allzu sehr kommt es der Neigung m a n c h e r Männer entgegen, nur Messbares wichtig zu finden. Von dieser bedauerlichen Neigung (ein kluger Kollege spricht dabei gern von “Zahlenknechten”) möchte ich allerdings das Bemühen um klares Denken deutlich abgrenzen. Klares Denken erleichtert richtiges Handeln.

  11. Christine Speckam 13. Dezember 2009 um 0:35

    Dieser Konsens zwischen weiblicher und männlicher Logik ist ein gutes Etappenziel. Mein verzeihe mir meine “weibliche Tücke”, die diese Anmerkung nicht umgehen konnte, und sich einem gelungenen Plädoyer
    als “Satzergänzung” anhängt.

    Ich wünsche allen hier beteiligten Menschen, die sich aktiv oder passiv über das Thema gedanklich berühren ließen, einen gesegneten 3. Advent.

  12. Matthias Kayßam 13. Dezember 2009 um 16:55

    Werte Frau Speck,

    es tut mir leid, dass ich die adventliche Harmonie nur mit ein paar kritischen Dissonanzen bereichern kann, aber ich frage mich ernsthaft, auf welcher Grundlage Sie hier von der Entscheidungsfreiheit als “oberstes Prinzip” sprechen können.

    Wenn ich das recht verstehe, dann gibt es Ihrer Ansicht nach ja in der Frage des Schwangerschaftsabbruches ohne jede Differenzierung nur die Entscheidung zwischen Richtig (kein Abbruch) oder Falsch (Abbruch), gleichbedeutend mit der Entscheidung zwischen Recht und Unrecht, zwischen Krankheit und Gesundheit oder zwischen Sünde und Verpflichtung.

    Für eine Beratung, die diesen Namen verdient, sehe ich bei solchen Alternativen einfach keinen Platz: Wer falsch liegt, muss belehrt, wer krank ist, muss therapiert und wer unrecht tut, muss bestraft werden. Wer sündigt, wird bekämpft oder ihm bzw. ihr wird per Gnadenerweis vergeben.

    Ich glaube nicht, dass Autonomie oder Selbstbestimmung unter diesen Prämissen überhaupt irgendeine Rolle spielt oder überhaupt spielen kann. Vielmehr scheint es, als sei die Schwangere nur von Belang, weil sie de facto zwischen der Beratenden und ihrem alles andere unterordnenden Ziel steht, möglichst viele ungeborene Leben zu retten.

    Wo bleiben eigentlich Ihre politischen Forderungen, alleinerziehenden Frauen oder gar Eltern mit behinderten Kindern, die nun noch eines bekommen sollen, mit allen erdenklichen (auch finanziiellen!) Hilfen *nach* der Geburt eine Entscheidung für dieses Kind überhaupt zu ermöglichen? Mit einer “sanften Hinführung zu einem JA zum Leben” ist es da ja wohl kaum getan!

    Und was die Unterscheidung zwischen Beratung und Hilfe angeht, lieber Harald:
    In dem hier vorliegenden Fall laufen die Zielsetzungen “Ich helfe Dir herauszufinden, was Du eigentlich willst” und “Ich helfe Dir, die richtige Entscheidung zu treffen” auf das gleiche hinaus. Das versuche ich die ganze Zeit deutlich zu machen. Wer berät (im vollwertigen Sinne des Wortes, s.o.), muss in der Lage sein, seine eigene Überzeugung hintanzustellen. Dafür sehe ich bei denen, die sich hier zu Wort gemeldet haben, keine Bereitschaft.

    Mir ist natürlich klar, dass wir hier keinen Konsens erzielen werden. Woran das liegt, ist auch klar. Aber da drehen wir uns jetzt im Kreis…

  13. Harald Stollmeieram 13. Dezember 2009 um 19:39

    Dissens ist ja keine Schande. Im Übrigen wirft der Themenkomplex “Ungewollt schwanger” eine Reihe von Fragen auf, die man mit erhöhtem Blutdruck diskutieren könnte. Mir fiele die Aggressivität ein, mit der “Lebensschützern” besonders bei öffentlichen Auftritten begegnet wird, oder die Frage, ob und gegebenenfalls warum bei einer Beratung bei Pro Familia vielleicht nicht alle Argumente zugunsten der Geburt des Kindes erwähnt werden. Oder die Frage, ob es ein Recht auf Abtreibung gibt. Oder die Frage, ob ausgerechnet die Menschen, die sich für ein Ja zum Kind einsetzen, für die Defizite verantwortlich gemacht werden sollten, die in unserer Gesellschaft das Aufziehen von Kindern erschweren. Und natürlich auch die Frage, ob Empfängnisverhütung mit Schwangerschaftsabbruch gleichwertig einzuschätzen ist (natürlich nicht).
    Aber ich bin bislang nicht berufen, über diese Fragen zu schreiben, und deshalb erwähne ich sie nur, um darauf hinzuweisen, dass es sehr schwierig ist, in der Diskussion über die segensreiche Arbeit von 1000plus wirklich nur über die näherliegenden Implikationen dieser Arbeit zu schreiben; die anderen Aspekte schwingen immer mit.
    Wir haben Konsens darüber, dass 1000plus Gutes tut. Wir haben Dissens darüber, ob das Hilfe ist oder Beratung, aber das müsste auch für Dich, lieber Matthias, sekundär sein, solange keine Schwangere gezwungen wird, sich auf die Beratung durch 1000plus zu beschränken.
    Dissens sehe ich auch in weiteren Fragen, aber ohne diesen gäbe es ja auch wenig Diskussion. Deren Grundbedingung ist allerdings ein Konsens, der deshalb nicht verhandelbar ist: Den Gesprächspartner, der anderer Ansicht ist, zu achten und zu ehren, auch wenn man seine Aussagen bisweilen zum Verzweifeln findet. Insofern: Allen Gesprächsteilnehmerinnen und -teilnehmern herzlich einen gesegneten dritten Advent!

  14. testiosseam 2. März 2010 um 16:04

    Hello to EveryBody!

    i’ve just joined here and wanted to say hi to all of you!I really hope to give something back to this board…

    Cheers

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