„Für mich soll niemand ausgeweidet werden“

Caroline Stollmeier am 13. Dezember 2009

Vom Mut zum Leben ohne Spenderherz

Alfred Garbens* Leben änderte sich nicht mit einem Schlag, sondern mit sechs. Genauer gesagt: in einer Nacht hatte er sechs Schlaganfälle und eine Thrombose an der Herzkammerwand. Das ist ziemlich genau drei Jahre her. Er hat es überlebt.

Der ehemalige Anwalt aus Düsseldorf musste seinen Beruf aufgeben. Obwohl er gesund wirkt, muss er damit rechnen, dass seine Ärzte ihm bald dringender zu einer Herztransplantation raten. Mit diesem Thema hat sich Alfred Garben jedoch schon auseinander gesetzt: „Ich möchte nicht, dass ein Mensch wegen mir künstlich am Leben gehalten und dann ausgeweidet wird. Mit einem solchen Organ könnte ich nicht leben.“

Ihm ist klar, dass sich seine Lebenserwartung um zwanzig bis dreißig Jahre verringert, wenn er auf die Transplantation verzichtet. Eine selbstbewusste Entscheidung, die vor allem seine Ehefrau nicht leicht akzeptieren kann.

Vor drei Jahren musste Alfred Garben durch Notärzte wiederbelebt werden. Die Schilderung seiner Nahtoderfahrung geht ihm noch immer sehr nah: „Ich sah das Licht und fühlte einen unendlichen Frieden. Alles war so friedlich, ich wollte nur noch dort bleiben.“

„Jetzt hat der Tod seinen Schrecken für mich verloren.“, kann Alfred Garben heute sagen.

Seine Erfahrung, seinen Mut und sein Mitgefühl teilt er inzwischen täglich mit Menschen, die im Sterben liegen. Er hat sich als ehrenamtlicher Sterbebegleiter der deutschen Hospizbewegung angeschlossen.

Manchmal kommt es vor, dass diese Menschen sterben, während Alfred Garben gerade bei ihnen ist. „Ich halte ihre Hand, und die wird dann langsam kalt. Dann weiß ich, dass es vorbei ist und alles im Reinen.“

„Früher habe ich oft an die Zukunft gedacht. Das ist mir alles gleichgültig geworden. Ich lebe Tag für Tag. Es ist wichtig zu akzeptieren, dass das Leben endlich ist.“, kann Alfred Garben heute gelassen sagen.

 

* Der richtige Name ist der Redaktion bekannt, wird aber auf Wunsch der genannten Person nicht veröffentlicht.

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2 Kommentare zu “„Für mich soll niemand ausgeweidet werden“”

  1. Josef Spindelböckam 13. Dezember 2009 um 20:43

    Die Entscheidung, eine Organspende anzunehmen oder auch selbst bereit zu sein, ein Organ zu spenden, ist eine ganz persönliche Entscheidung, die man im konkreten aus der Außenperspektive nur schwer beurteilen kann und die jedenfalls zu respektieren ist. Ich habe versucht, auf der Grundlage der katholischen Glaubenslehre generell einige Überlegungen über die sittlichen Kriterien der Organspende beim Menschen zu formulieren. Dieser Beitrag wurde publiziert in: Studia Moralia 47 (2009) 237-264. Er findet sich inzwischen auch online: http://stjosef.at/artikel/organspende_ethisch.htm
    Vielleicht ist es für manche eine Orientierungshilfe, um dann ihre ganz persönliche Entscheidung zu treffen!

  2. Marekam 19. Januar 2010 um 12:55

    Ein irgendwie tragische Beispiel, das vor allem zwei Dinge zeigt: wie groß die Unkenntnis über Organspenden ist. Und wie religiöser Glauben dem gesunden Menschenverstand im Wege steht.

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