Geschäft Abtreibung

Caroline Stollmeier am 5. Januar 2010

Schwangerschaftsabbrüche sind nicht nur eine unzählig oft erlebte menschliche Tragödie, sondern inzwischen auch ein Milliardengeschäft. In ihrem Buch „Geschäft Abtreibung“ deckt die Journalistin Alexandra Maria Linder auf, wer von der Tötung ungeborener Kinder finanziell profitiert.

Ein bemerkenswertes Beispiel: Viren vermehren sich nur in lebenden Zellen. Wenn man also Impfstoffe gegen Virenerkrankungen wie Masern, Mumps und Röteln herstellen will, muss man auf lebende Organismen zurückgreifen. Linder fand heraus, dass die Hersteller vieler in Deutschland gängiger Impfpräparate Viren auf Zellen abgetriebener Kinder züchten.

Und ein weiteres, vielleicht noch erschreckenderes Beispiel: Für die kosmetische Faltentherapie wird häufig Kollagen benutzt. Kollagen ist ein Bestandteil der menschlichen Haut, der auch aus Rindern gewonnen werden kann. Linder macht darauf aufmerksam, dass verschiedene Hersteller von Anti-Aging-Produkten jedoch auf Kollagen aus Föten zurückgreifen.

„Dieses Buch möchte Sie aufklären über Fakten und Hintergründe, die Ihnen bisher nicht bekannt sein werden. Es wird Ihnen vielleicht Illusionen nehmen. Illusionen darüber, dass das Recht auf Leben und der Lebensschutz im Mittelpunkt staatlicher und internationaler Aktivitäten stehen und dass diese Rechte nicht für kommerzielle und ideologische Zwecke missbraucht werden. (…) Dieses Buch wird Ihnen zeigen, dass in unserer Zeit die Chance, das Licht der Welt zu erblicken, ein gefährdetes Privileg geworden ist.“, heißt es in der Einleitung.

Linder scheut deutliche Worte nicht. Auch im „richtigen Leben“ engagiert sie sich für das Lebensrecht. Im Gespräch mit Moralblog sagt die dreifache Mutter, was ihr dabei besonders am Herzen liegt: „Zum einen die Aufklärung und Hilfe für Frauen, die überwiegend nicht freiwillig und schon gar nicht ‚selbstbestimmt’ abtreiben, was uns bestimmte interessierte Kreise gerne erzählen möchten. Abtreibung ist unnatürlich und unmenschlich.

Zum anderen das Recht der Kinder auf ihr eigenes Leben. Es gibt nichts, was deren Tötung rechtfertigen kann. Wenn jeder das weiß und entsprechend handelt, können wir die meisten Kinder retten und die Frauen vor einem Trauma bewahren – unabhängig von der Gesetzeslage, auf die man sich leider nicht verlassen kann.“

Aus tiefer Überzeugung möchte Linder einer Frau in einer Konfliktsituation sagen: „Sie erlebt einen der faszinierendsten Momente, die ein Mensch überhaupt erleben kann: das Entstehen und die Entwicklung eines ganz neuen Menschen, ihres Kindes, dem sie auf die Welt helfen darf.

Sie leistet mit Schwangerschaft und Geburt unglaublich viel, sowohl körperlich wie geistig, ganz abgesehen von der Zeit, die darauf folgt. Und für diese Leistung hat sie das Anrecht, jede nur erdenkliche Hilfe von allen Seiten zu bekommen.

Schwangerschaft und Mutterschaft ist weder eine niedere Tätigkeit noch der Tod der Selbstverwirklichung oder der Lebensplanung, sondern das genaue Gegenteil davon.“

Linder, Alexandra M.: Geschäft Abtreibung, Augsburg, 2009, ISBN 987-3-86744-084-4, 18,90 Euro.

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5 Kommentare zu “Geschäft Abtreibung”

  1. P. Robert Jauch ofmam 15. Januar 2010 um 16:29

    Alexandra M. Linder schreibt ja schon seit einziger Zeit im VATICAN-Magazin und ist jetzt auch im PUR-Magazin vertreten. Gut so!
    Hoffentlich ist aber auch Karin Struck (gestorben am 6.2.2006) noch nicht vergessen. Ihr Buch ICH SEHE MEIN KIND IM TRAUM von 1992 ist für mich ein ungemein eindrückliches Zeugnis einer Mutter, die unter der Abtreibung eines ihrer Kinder ein Leben lang leidet. Struck zeigt auch auf, wie sie damals in die Abtreibungsmaschinerie geraten ist, ohne sich damit selbst exkulpieren zu wollen. Ihr abgetriebenes Kind zählte die lange Jahre allein erziehende Mutter als ihr fünftes Kind später immer mit. Ihre Konverion zum Katholizismus 1996 mußte Karin Struck damit bezahlen, daß sie kaum noch Verlage für ihre Arbeiten der letzten Lebensjahre fand. Dem schwerkranken Papst Johannes Paul II. dankte sie in einem offenen Brief für das Zeugnis seines geduldig ertragenen Leidens und nahm ihn gegen “wohlmeinende Ratgeber” in Schutz, die letztlich seinen Rücktritt vom Papstamt gefordert hatten.

  2. Matthias Kayßam 20. Januar 2010 um 11:57

    Ich werde mich hier nicht weiter zu der für meine Begriffe viel zu simplen Lebensschützerposition äußern. Die vorangegangenen Diskussionen waren nicht gerade ermutigend für Menschen, die eine differenzierte Bewertung des Schwangerschaftsabbruches bevorzugen.

    Für Leute, die es für nötig halten, sich einmal gründlich kritisch mit Pro und Contra auseinanderzusetzen, empfehle ich ein grundsätzlich anderes Werk als das von Frau Linder:

    Dworkin, Ronald: Die Grenzen des Lebens. Abtreibung, Euthanasie und persönliche Freiheit, Hamburg: Rowohlt 1994, ISBN: 3-498-01297-5.

    Dass dieses Buch mittlerweile schon 16 Jahre alt ist, macht es nicht weniger wertvoll, denn es setzt bei den grundlegenden Moralprinzipien an. Dworkin versucht zwischen den beiden Pole des Lebensschutzes und des Liberalismus vor dem Hintergrund der z.T. sehr handgreiflichen Auseinandersetzung um die Abtreibung in den USA insofern zu vermitteln, als es die Gemeinsamkeiten in einer im eigenen Sinne “wertorientierten” Position auslotet.

    Spannend für alle, die bereit sind, sich in ihrer eigenen Position auch mal verunsichern zu lassen.

    PS: Ich kann mir übrigens sehr gute Gründe vorstellen, warum man die ökonomische Verwertung von Föten verbieten sollte, ohne den Schwangerschaftsabbruch in Bausch und Bogen zu verurteilen.

  3. Flug USAam 29. Januar 2010 um 9:24

    Ich bin schockiert! Also die zwei oben genannten Beispiele lassen lass Blut in meinen Adern gefrieren. Ich kann es nicht glauben wozu die Menschen heutzutage fähig sind, und das allles für die Forschung! Verwerflich! Das sind nun wieder weitere Gründe die gegen eine Abtreibung sprechen und das obwohl es ja eigentlich noch unzählige andere gibt! Toller Artikel!

  4. UGG Bootsam 18. Februar 2010 um 2:58

    This article was very useful for a paper I am writing for my thesis.

    Thanks

    Bernice Franklin

  5. noircam 23. Dezember 2010 um 3:13

    oh mei oh mei. also, für die meisten frauen ist das nicht mit physischen oder psychischen folgen verbunden, abzutreiben und auch diejenigen, die sich damit schwer tun, geben i.d.r. an, dass sie diese entscheidung wieder so treffen würden. kann man alles nachlesen, z.b. in einer studie des familienplanungszentrums hamburg.
    abgesehen davon, einer frau das recht auf abtreibung zu gewähren bedeutet nicht, sie zum abbruch zu zwingen. es bedeutet, ihr zuzugestehen, für sich selbst entscheiden zu können. es ist unmenschlich, einer frau das zu verwehren und es ist unmenschlich, einer frau schuldgefühle zu machen, wenn sie diesen schritt geht.
    und das, was von einer abtreibung übrigbleibt, ist organischer abfall, wenn es für den noch eine sinnvolle verwendung gibt, warum nicht.

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