Die Todesstatistik von Deutschland

Caroline Stollmeier am 28. Januar 2010

Sie lieben Krimis? Sie sind mit den Tatorten dieser Welt vertraut und wissen, wie diverse fiktive Sondereinsatzkommandos mit unnatürlichen Todesfällen umgehen?

Statistiken hingegen finden Sie langweilig? Man kann ihnen sowieso nur trauen, wenn man sie selbst gefälscht hat?

Vielleicht habe ich dann hier etwas für Sie… Nein, keine selbstgefälschte Statistik! Sondern einen kurzen Blick auf bemerkenswerte Zahlen, hinter denen sich die wahren Todesfälle verbergen – buchstäblich vor Ihren Augen.

Das Statistische Bundesamt erhebt jährlich auf Basis der  Bescheinigungen leichenschauender Ärzte eine Statistik aller Todesursachen in Deutschland. Das dauert manchmal ziemlich lange, und zurzeit liegen die Daten nur bis zum Jahr 2007 vor.

„Im Jahr 2007 verstarben in Deutschland 827.155 Personen.“, heißt es in dem entsprechenden Bericht. 91 % dieser Menschen waren zum Zeitpunkt ihres Ablebens älter als 65 Jahre. 5.011 Personen verstarben in Folge eines Verkehrsunfalls, 461 durch die HIV-Krankheit.

Lassen Sie uns einen Moment innehalten. Der Tod gehört zum Leben. Das wissen wir. Das ist uns allen klar. Trotzdem, wenn ein Mensch stirbt, dann hinterlässt er immer eine Lücke. Dann gibt es andere Menschen, die hier geblieben sind, die trauern. Schön, wenn diese Menschen zum Trost sagen können: Aber er/sie hat ein erfülltes Leben gehabt…

Leider ist das nicht immer so. Wie vermutlich in den 9.402 Fällen, in denen Menschen durch „vorsätzliche Selbstbeschädigung“ gestorben sind. Oder die 451 Personen, die Opfer eines tätlichen Angriffs waren.

Menschen, die sterben, hinterlassen Lücken. Dann fehlt jemand. Dann ist plötzlich jemand weg, der vorher da gewesen ist. Ein Mensch. Ein Jemand mit Eigenheiten, die einen in den Wahnsinn treiben konnten. Jemand, der sich immer um alles gekümmert hat. Jemand, der so leckeren Kuchen gebacken hat. Jemand, der ein Seelenverwandter war. Vielleicht jemand, den man nie vergessen möchte. Ein jeder einzelne von ihnen.

Wir haben diese Menschen gesehen, gehört. Wir haben mit ihnen geredet oder sie einfach nur im Fernsehen gesehen. Wir sind ihnen im Supermarkt begegnet oder im Büro. Und ihren Tod zu akzeptieren fällt uns schwer. Vielleicht suchen wir einen Schuldigen. Vielleicht hadern wir mit Gott. Aber würden wir sagen, weil es den Tod gibt, lohnt sich das Leben nicht?

Das Statistische Bundesamt erhebt noch eine weitere Statistik des Todes, nämlich über die Schwangerschaftsabbrüche in unserem Land. (Merkwürdigerweise sind die – unwiederbringlich – abgetriebenen Kinder nämlich in der oben genannten „Personen“-Zahl nicht enthalten.) Um jetzt nicht in den Verdacht zu geraten, Äpfel mit Birnen vergleichen zu wollen, lassen Sie uns gemeinsam einen Blick auf die Zahlen für 2007 werfen: 116.871 Kinder sind in diesem Jahr vor ihrer Geburt getötet worden.

Das Statistische Bundesamt verrät uns, dass 2007 bei 30.650 Personen eine „nichtnatürliche Todesursache“ festgestellt wurde. Nun wird man zugestehen müssen, dass das ungeborene Kind bei einem Schwangerschaftsabbruch nicht auf natürliche Weise ums Leben kommt. Statistisch gesehen erhöht sich die Zahl der nichtnatürlichen Todesfälle damit also um etwa 280 %.

Jeder Mensch, der stirbt, hinterlässt eine Lücke. Ob wir sein Gesicht kennen oder nicht – jeder Mensch ist von Anfang an einzigartig. Und ob es sich zu leben lohnt, sollte jeder einzelne Mensch selbst herausfinden dürfen.  

   

(Foto: Caroline Stollmeier)

(Foto: Caroline Stollmeier)

Abgelegt unter 1000plus | Leben,Allgemein | 3 Kommentare

3 Kommentare zu “Die Todesstatistik von Deutschland”

  1. Christine Speckam 29. Januar 2010 um 11:06

    Meine Hochatung Frau Stollmeier – toll recherchiert und dokumentiert – DANKE

  2. Michelam 3. März 2010 um 18:43

    Ich hatte vor 3 JAhren auch mal recherchiert und dabei folgende Liste zusammengestellt:

    Ein Teil der Zahlen ist naturgemäß nur geschätzt und ein Todesfall kann auch mehreren Ursachen zugeordnet sein. Die Zahlen der Opfer weichen je nach Intention der Quelle voneinander ab weshalb die jeweils niedrigste gefundene Zahl angegeben ist)

    Tote Ursache

    395.000 Herz- und Kreislauferkrankungen (2004)

    210.000 legale Drogen (2005)

    200.000 Krebs (2004)

    75.000 Feinstaub (2005)

    55.000 Blutvergiftung (2004)

    35.000 Verletzungen und Vergiftungen (2004)

    30.000 Ärztepfusch (2005)

    24.000 Falsch verordnete Medikamente (2005)

    20.000 Autoabgase (2004)

    20.000 Grippe (2005)

    16.000 Arzneimittel-Nebenwirkungen (2004)

    11.000 Suizide (2005)

    10.000 Pflegemängel in Heimen (2004)

    6.500 Verkehrstote (2004)

    1.500 illegale Drogen (2004)

    1.200 Hepatitis (2004)

    1.000 Asbest (2003)

    750 Mord und Totschlag (2004)

    700 Malaria (2004)

    650 Badeunfälle (2003)

    500 Psychopharmaka (2002)

    500 HIV (2004)

    400 Tuberkulose(2005)

    140 BSE / CJK (2004)

    40 Jagdunfälle (2004)

    10 Hochwasser (2002)

    10 Polizeiliche Todesschüsse (2004)

    0 Terroranschläge in Deutschland (seit Ende der RAF 1993)

  3. […] Darüber hinaus gibt es viele andere Argumente, die gegen Abtreibungen sprechen. Aber keins davon finde ich so zwingend, wie die, die ich Ihnen gerade genannt habe. Da jedoch im öffentlichen Umgang mit Abtreibungskritikern häufig mit üblen Verleumdungen gearbeitet wird, möchte ich noch einige Aspekte ansprechen, bei denen Sie zustimmen oder andere Meinung sein können. Keinesfalls jedoch sollten Ihnen diese Dinge „egal“ sein. Immerhin geht es hier im wahrsten Sinne des Wortes um eine Frage von Leben und Tod – für mehr als 100.000 Menschen in jedem Jahr alleine in Deutschland. […]

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