Leben in Gottes Gegenwart

Caroline Stollmeier am 24. März 2010

„Das hier macht keine für etwas zu essen und ein Dach über dem Kopf – es geht immer nur um Gott.“, sagt Schwester Maria Adjutrix im Moralblog-Interview im niederländischen Ort Steyl. Die „rosa Schwester“ ist zwar durch ein hölzernes Gitter von ihren Gesprächspartnern getrennt, spricht jedoch offen und herzlich über ihr kontemplatives Leben in ständigem Gebet und die Dinge, die sie bewegen.

Die Gemeinschaft der Steyler Anbetungsschwestern, eigentlich der Dienerinnern des Heiligen Geistes von der ewigen Anbetung (SSpSAp), wurde 1896 durch den heiligen Arnold Janssen gegründet. Zuvor hatte er bereits die Kongregationen der Steyler Missionare und der Steyler Missionsschwestern ins Leben gerufen.

Die wegen der Farbe ihrer Ordenstracht so genannten „rosa Schwestern“ sollten durch ihre Fürbitten und Gebete die in der Welt aktiven Mitglieder der Steyler Familie bei ihrer Arbeit unterstützen und Rückhalt geben. Inzwischen gibt es etwa 400 Steyler Anbetungsschwestern in Deutschland, den Niederlanden, Polen, den USA, Argentinien, Brasilien, Indien, Indonesien, auf den Philippinen und in Togo.

„Werbung machen können wir nicht.“, sagt Schwester Maria Adjutrix, „Da muss Gott sich drum kümmern.“ So wie auch andere Ordensgemeinschaften haben die „rosa Schwestern“ zunehmend mit Nachwuchssorgen zu kämpfen. „Früher waren die Frauen beim Eintritt 20 bis 25 Jahre alt, heute sind sie eher um die 30“, so Schwester Maria Adjutrix. Das ist aber kein Problem, denn die Gemeinschaft nimmt gerne Frauen auf, die schon gefestigt im Leben stehen und eine Berufsausbildung abgeschlossen haben. Wer unüberlegt oder aus den falschen Motiven ins Kloster geht, hält ein Leben wie das der „rosa Schwestern“ wohl auch nicht durch.

Die Schwestern leben in strenger Klausur. In der Regel verlassen sie ihr Kloster nicht. Von ihren Besuchern sind sie durch Gitter getrennt. Den Friedhof auf der anderen Straßenseite erreichen sie durch einen unterirdischen Tunnel. Sie verrichten Gartenarbeiten und andere Dienste im Haus. Rund um die Uhr wird das Allerheiligste angebetet. Dabei kniet immer mindestens eine Schwester vor der Monstranz. Gewechselt wird tagsüber halbstündlich und nachts nach einer Stunde.

Schwester Maria Adjutrix (SSpSAp)

Schwester Maria Adjutrix (SSpSAp) im Besucherzimmer des Anbetungsklosters in Steyl, NL (Foto: Caroline Stollmeier)

 
Die Steyler Anbetungsschwestern spüren die Gegenwart Gottes – nicht nur im Gebet. Deshalb wünscht sich Schwester Maria Adjutrix vor allem eins: „Dass die Menschen wieder mehr glauben und sich Gott wieder bewusster machen.“ Mit Sorge beobachtet sie die gesellschaftliche Entwicklung weg von der Religion. Sie betet darum, dass Gott Geduld mit den Menschen haben möge.

Ein bisschen ist es schon, als lebten die Schwestern in einer anderen Welt. Zwar verschließen sie sich technischen Errungenschaften wie dem Internet oder dem Fernsehen nicht, aber diese Dinge spielen eher eine kleine Nebenrolle in ihrem Leben. Trotzdem bleiben die Schwestern natürlich Menschen. So kann es vorkommen, dass ihre Gedanken beim Beten abschweifen. Und auf die Frage, ob eine Anbetungsschwester denn auch einmal flucht, wenn ihr ein Missgeschick passiert, antwortet Schwester Maria Adjutrix schmunzelnd: „Das sollte natürlich nicht sein.“

Jeder kann die Steyler Anbetungsschwestern um Fürsprache bei Gott in eigener Sache bitten. Ebenso stärkt es die Schwestern, wenn jemand für sie betet. Schwester Adjutrix ist sich sicher: „Jedes Gebet hilft. Was Gott daraus macht ist seine Sache.“

 

Kontakt:

Anbetungskloster Steyl
Postfach 2244
D-41309 Nettetal

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3 Kommentare zu “Leben in Gottes Gegenwart”

  1. Kerstinam 24. März 2010 um 23:39

    achja…schön…und wie nett die immer gelacht hat!
    Ich bin begeistert…ein liebvoll und informativer Artikel!

    Danke dir meine Liebe…mal wieder!

  2. Carolineam 25. März 2010 um 13:48

    Ein Blick in die Kapelle…

  3. Speck Christineam 29. März 2010 um 19:17

    Liebe Frau Stollmeier,

    Ihre Reportage spricht von der Einfachheit und doch Erfülltheit dieser Lebensweise. Ich selbst habe als Betreuerin einer Firmgruppe von langer Zeit den Carmel in Speyer (ebenfalls kontemplativer Orden) besucht. Die Schwingung und unbeschwerte Heiterkeit einer hinter Gittern kommunizierenden Schwester hat die jungen Menschen teils irritiert, aber auch sehr erstaunt und beeindruckt;-)

    Ich bin überzeugt, dass sie wirklich die Gegenwart Ihres Herrn körperlich spüren. Aus diesem Empfinden heraus resultiert ihr starkes Bedauern, dass die Menschen sich so sehr von Gott entfernt haben. Es ist eine große Demut, mit ihrer Art des Wirkens an die große Macht des Gebetes zu glauben und Gott den Einsatz/die Verwendung zu überlassen.

    Herzliche Grüße
    Ihre
    Christine Speck

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