„Als Christ muss man helfen wo Hilfe gebraucht wird – egal was der Papst dazu sagt.“

Caroline Stollmeier am 2. Juni 2010

Die katholische Kirche hat sich im Jahr 2000 aus der Schwangerenkonfliktberatung zurückgezogen. Dieser Schritt hat viele Menschen verärgert. Diplom-Pädagogin Ulla Beckers gehört dazu: „Ich habe sieben Jahre im Caritasverband gearbeitet und Frauen beraten. Und von heute auf morgen soll alles falsch gewesen sein, was ich bis dahin gemacht habe?“ Ihre Gefühle von damals beschreibt sie am liebsten bildhaft: „Unsere Bischöfe habe sich gewünscht, dass die Frauen standhaft sind und zugunsten ihres ungeborenen Kindes nicht den Forderungen ihrer Familien und Männer nachgeben. Aber genau zu dieser Standhaftigkeit waren sie selber nicht in der Lage und haben stattdessen das ungeliebte Kind ‚Schwangerenhilfe’ abgetrieben.“

„Als Christ muss man helfen wo Hilfe gebraucht wird – egal was der Papst dazu sagt.“, ist der Rentner Alois Bassier überzeugt. Ihm liegen die ungeborenen Kinder und die werdenden Mütter in Not am Herzen.

Als Ulla Beckers und Alois Bassier sich zufällig kennen lernen entsteht die Idee für die Beratungsstelle „Haus im Hof“, die inzwischen seit zehn Jahren erfolgreich in Duisburg-Marxloh Schwangere, Paare, Familien und Schüler berät und aufklärt. „Die Schwangerenberatung ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit, aber ich komme auch immer wieder auf das Thema Verhütung zu sprechen. Sie können sich nicht vorstellen, was ich da manchmal zu hören kriege…!“, verrät Ulla Beckers im Moralblog-Interview.

Wer ungewollt schwanger ist darf unter bestimmten Bedingungen in Deutschland straffrei abtreiben. Dafür ist unter anderem der Nachweis einer staatlich anerkannten Konfliktberatung erforderlich. Im „Haus im Hof“ können Frauen diese Beratung bekommen. „Wenn wir keine Scheine ausstellen würden, dann käme doch keiner.“, meint Alois Bassier. Und Ulla Beckers stimmt ihm zu: „Das weiß ich aus Arbeitskreisen mit anderen Beratungseinrichtungen.“

Die typische Beratungssituation im „Haus im Hof“ gibt es nicht, weil die Erfahrungen und Lebensgeschichten der Frauen, die dort Hilfe suchen, zu individuell verschieden sind. „In vielen Fällen fühlen sich Frauen aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage, ein Kind zu bekommen; einer davon sind Depressionen.“, erzählt Ulla Beckers. „Es kommt vor, dass die Frauen von ihren Eltern oder ihrem Partner zur Abtreibung gedrängt werden. Und immer häufiger haben junge Frauen Angst um ihren Ausbildungsplatz oder ihre Arbeitsstelle.“

In der Beratung werden alle Möglichkeiten besprochen. Wie könnte das Leben mit oder ohne dieses Kind weiter gehen? Manchmal sind Dinge ausschlaggebend, die einem als Kleinigkeit erscheinen können: Begleitung bei Behördengängen oder Geld für einen Kinderwagen. Die Beraterinnen im „Haus im Hof“ kennen sich damit aus, welche Fördermöglichkeiten es gibt. Und dank treuer Spender und Unterstützer (übrigens auch aus Kirchenkreisen) können sie auch darüber hinaus einspringen, wenn es nötig ist.

„Mut macht den Frauen oft, dass jemand einfach sagt: Ich verstehe, dass du ein Problem hast.“, erzählt Ulla Beckers. „Wenn man beispielsweise jung schwanger wird, dann ist das nicht der gerade Weg. Aber es gibt Umwege und Schleifen, die man gehen kann. Und wir gehen mit.“, sagt sie.

Alois Bassier kümmert sich um das Fortbestehen der Beratungsstelle. Reparaturen am Haus erledigt er nach Möglichkeit selbst. Außerdem wirbt er unermüdlich um finanzielle Unterstützung und Akzeptanz für das „Haus im Hof“. Im Büro der Beratungsstelle ist er vor kurzem zufällig mit einer jungen Frau ins Gespräch gekommen. Sie hat ihm ihr Neugeborenes gezeigt und gesagt: „Das wäre ohne Sie nicht da.“ Ein unvergessliches Erlebnis. 

„Als Christ können wir nur unsere Hilfe anbieten, und das müssen wir auch. Entscheiden müssen die Frauen dann aber alleine. Das ist ihr Grundrecht. Und diese Entscheidung müssen wir akzeptieren.“, sagt Alois Bassier. „Und Jesus würde das auch so machen.“, fügt er hinzu.

 

 Haus im Hof

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20 Kommentare zu “„Als Christ muss man helfen wo Hilfe gebraucht wird – egal was der Papst dazu sagt.“”

  1. Prof. Josef Spindelböckam 11. Juni 2010 um 20:56

    Gegen das Helfen im Sinne lebensfreundlicher Beratung (inkl. konkreter Hilfen) kann niemand etwas haben – auch nicht der Papst!
    Das Problem ist aber gerade der Beratungsschein. Und wer braucht ihn? Wer eine Abtreibung durchführen lassen will. Und so würden kirchliche Stellen “ungewollt-gewollt” zu Komplizen des staatlich garantierten Tötungssystems ungeborener Kinder. Papst Johannes Paul II. hat hier – nach endlosen Diskussionen – autoritativ eingegriffen und die Kirche in Deutschland aus dem Zwang des todbringenden Systems befreit.
    Das Zeugnis für den Lebensschutz ist nunmehr wieder ungebrochen; konkrete Hilfe wird von vielen auch in Anspruch genommen!

  2. Ilka D. Amannam 11. Juni 2010 um 21:49

    Bei aller Achtung Dir gegenüber, Josef: Ich frag mich, ob Du das Problem gerade überhaupt verstanden hast.

    Niemand kann ernsthaft Abtreibung gut finden. Das ist wirklich nicht der Punkt.

    Lass uns mal nicht so tun, als könnte sich irgendwer aus den sündhaften Strukturen verabschieden – wir werden immer auf die ein- oder andere Weise mit schuldig. Wir sind auch beteiligt daran, dass die armen Länder ausgebeutet werden und dass dort, noch mehr als hier, die Umwelt zerstört wird. Wir sind daran beteiligt, dass bei uns Leute so schlecht bezahlt werden, dass sie von ihrem Lohn nicht leben können. usf.

    Ganz richtig: Den Beratungsschein braucht man nur, wenn man abtreiben will. Aber die das ohnehin nicht wollen, sind hier ja auch gar nicht, worüber es etwas zu streiten gäbe – denen muss man einfach helfen, mit der Situation klar zu kommen.

    Es gibt eben auch die, die kommen, um einen Beratungsschein zu kriegen und gehen ohne, weil sich im Gespräch die Verzweiflung gelöst hat und sie nun den Weg sehen, das Kind auszutragen.
    Und es gibt die, die den Schein zwar nach dem Gesprächs noch “zur Sicherheit” mitnehmen und sich dann doch für das Kind entscheiden.

    Diese Frauen kommen nur dorthin zur Beratung, wo sie bekommen können, was sie ursprünglich wollen: Den Beratungsschein. Wer den nicht ausstellen kann, kommt mit diesen Frauen gar nicht ins Gespräch.

    Der Rückzug aus der Beratung bedeutet: Die Katholische Kirche kommt für diese Frauen als Ansprechpartner nicht mehr in Frage. Die Katholische Kirche steht für diese Frauen von vorne herein auf der Seite derer, die sie verurteilen. Die Katholische Kirche wird kein Gesprächspartner mehr sein.

  3. Isabella Gründhammeram 12. Juni 2010 um 0:54

    Das ist eine verquere Logik, den Betratungsschein als unumgehbares Übel in Kauf zu nehmen, damit man mit den betroffenen Frauen ins Gespräch kommt.
    So verquer, so wie es die ganze Abtreibungslogik ist.
    Als ob das etwas Gutes und Befreiendes wäre, wenn Frauen ihrem Kind das Leben verweigern.
    Es ist doch nur ein Milliardengeschäft für einige. Nichts weiter. Und dafür werden Frauen verheizt und Kinder gemordet. Als ob es den Frauen danach gut ginge!
    Gott sei Dank mussten sich die katholischen Beratungsstellen aus diesem totbringendem System herausnehmen. Gut, dass sich der Papst durchsetzen konnte.

  4. Prof. Josef Spindelböckam 12. Juni 2010 um 6:42

    Ich stimme zu: Es geht um wirkliche Hilfe für die Frauen und auch darum, dass wir sie erreichen.
    Es geht aber auch um Glaubwürdigkeit nach außen und um die Verantwortung jener, die aus katholischer Überzeugung helfen wollen, gegenüber Gott! Und das widerspricht echter Hilfe nicht.
    Wie könnte die Kirche glaubwürdig sein, wenn sie a) die Abtreibung verurteilt und dann b) doch den Schein ausstellt? Eben dies war ein Skandal – nicht nur für Johannes Paul II.!
    Wie kann ein katholischer Helfer Gutes erreichen wollen, indem er das Böse tut und bejaht? Wenn ich nämlich einen Abtreibungsschein ausstelle, weiß ich doch, wofür dieser verwendet werden kann. Und da ist die Nähe zur formellen Mitwirkung doch sehr groß!
    Übrigens zeigen Beispiele aus vielen deutschen Diözesen, dass die kirchlichen Beratungssstellen auch nach dem Ausstieg aus dem System der staatlichen Konfliktberatung weiterhin bzw. mancherorts sogar noch stärker in Anspruch genommen werden als zuvor!
    Ich empfehle das hervorragende Buch von Manfred Spieker, Kirche und Abtreibung in Deutschland. Ursachen und Verlauf eines Konflikts, Paderborn 2000. Oder seinen Artikel: Katholische Kirche und Schwangerschaftskonfliktberatung in Deutschland. Eine Bilanz nach zehn Jahren, in: Tadeusz Styczen u.a., Hrsg., Unvollkommene oder ungerechte Gesetze?, Lublin 2005, S. 228-245.
    Vielleicht kann “moralblog” auch ein Interview mit Prof. Spieker führen?! Er ist hier wirklich kompetent.

  5. Harald Stollmeieram 12. Juni 2010 um 9:40

    Lieber Herr Professor Spindelböck,

    Moralblog hat Herrn Prof. Spieker schon einmal, im Artikel über 1000plus zitiert (http://moralblog.de/2009/12/10/5-000-euro-fur-ein-menschenleben/). Wir bleiben dran …

    Übrigens scheint mir klar, dass unsere Kirche inkonsequent handeln würde, wenn sie weiterhin an der staatlichen Beratungsscheinpraxis teilnähme.

    Andererseits ist auch die Sorge der vielen anständigen Katholiken plausibel, dass Beratungsstellen ohne Schein möglicherweise nennenswert viele Schwangere nicht erreichen, die doch noch umzustimmen wären.

    Liegt hier nicht insofern ein moralisches Dilemma vor, als das richtige Verhalten mehr oder weniger unweigerlich bedeutet, ungeborene Kinder im Stich zu lassen, die man vielleicht retten könnte, während der Versuch, diese Kinder zu retten, das Zeugnis für das Leben gefährdet?

    Immerhin: Nicht die Kirche hat dieses Dilemma geschaffen sondern der Staat.

    Herzliche Grüße
    Harald Stollmeier

  6. Prof. Josef Spindelböckam 12. Juni 2010 um 9:49

    Ja, das Dilemma hat der Staat geschaffen! Ich spreche auch niemandem den guten Willen ab, der die Dinge anders sieht, als es dann von Johannes Paul II. entschieden wurde. Dieser hat sich die Sache wahrlich nicht leicht gemacht, sondern die Problematik in Deutschland gründlich studiert und reflektiert, wie schon der publizierte Briefverkehr zeigt! Vielen Dank für die Diskussion des für uns alle wichtigen Themas.

  7. Christine Speckam 12. Juni 2010 um 10:45

    Ich als Katholikin schließe mich Frau Stollmeiers gedanklichem Anstoss an und stelle mich zu 100% hinter den Kommentar von Frau Ilka D. Amann. Wir dürfen als Christen nicht nur den moralischen Zeigefinger erheben und die Vielschichtigkeit gerade in dieser Problematik mit “Hopp oder Topp”, JA oder NEIN quittieren.
    Es ist auch keine Generalaussage: “Der Staat hat dieses Problem geschaffen” angebracht. Der Staat sind letztlich WIR! Dass sich falsche Auswüchse aus reformerischen Bewegungen ergaben, darf die Verantwortlichen in der Kirche nicht dazu verleiten, einen Rückzug in ein moralisches Bollwerk zu vollziehen, sondern individuell den Menschen an die Hand zu nehmen. Eine Kirche, die aus Angst vor eiem “Mißbrauch” in der Beratung, resultierend daraus, dass ein Gespräch über den Verlauf doch mit dem Beratungsschein “scheitert”, verrät all Diejenigen, die – und hier liegen vielfach belegbare Erfahrungserte vor!!! – die mithilfe einer persönlichen Zuwendung doch anders entschieden!!
    Kirche macht sich durch feigen moralischen Rückzug MITSCHULDIG!!!
    Der moralische Zeigerfinger einer Institution geht – wie gerade die letzte Vergangenheit aufzeigt – komplett am Menschen und seinen Nöten vorbei.
    Wenn ich mit an Jesus selbst orientiere, dann heißt Nachfolge nicht Verurteilen, reglementieren, Dogmen kreiieren oder gar herrschen sondern einfach NUR DIENEN!!!

  8. Christine Speckam 12. Juni 2010 um 11:12

    Schachtelsätze sind verfänglich und enden mitunter “unqualifiziert”;-):-)
    Ich hoffe dennoch, meine Intention ist nicht mißverständlich….

  9. Isabella Gründhammeram 12. Juni 2010 um 13:42

    Der Zweck heiligt die Mittel nicht.
    Ein ausgestellter Beratungsschein trägt dazu bei, ein Kind zu töten.
    Wie kann man konsequentes Handeln als feige bezeichnen? Ich finde das sehr mutig.
    Wie kann man das Ausstellen eines solchen Scheines als blosses Scheitern eines Beratungsgespräches sehen? So nach dem Motto “Kollateralschäden muss man in Kauf nehmen”?
    Hier geht es doch um Leben oder Tod?
    Abtreibung kann man doch nicht nur nicht gutheissen, man muss konsequent und ernsthaft dagegen sein.
    Bei einer Abtreibung wird ein Mensch bei lebendigem Leib grausam zerstückelt oder verätzt.
    Wieso kann man da so relativierend sein?
    Nur weil man ein Problem mit dem “Zeigefinger” der “Kirche” hat?

  10. Prof. Josef Spindelböckam 12. Juni 2010 um 14:23

    Hier einige zentrale Aussagen aus dem Brief, den Kardinalssekretär Angelo Sodano im Auftrag Johannes Pauls II. am 20.10.1999 den deutschen Bischöfen geschrieben hat:
    „Weil also das Gesetz in unentwirrbarer Weise Ja und Nein verknotet, den Lebensschutz durch die Beratung über den Nachweis der Beratung zugleich zum Mittel der Verfügung über menschliches Leben macht, kann die Kirche an diesem zentralen Teil des Gesetzes nicht mitwirken.“
    „Die Beraterinnen, die durch die Unterschrift unter den Schein in die gesetzliche Verknüpfung von Lebensschutz und Freigabe der Abtreibung eintreten, können nämlich nicht einfach individuell als Mitwirkende am negativen Aspekt des Gesetzes qualifiziert werden. Sie handeln nicht im eigenen Namen sondern im Auftrag ihrer Verbände und damit letztlich im Auftrag der Kirche.“
    „Um so schwerwiegender aber ist es, dass durch die Beratungsstellen die Kirche selbst in den Vollzug des Gesetzes verwickelt wird, das die Tötung unschuldiger Menschen zulässt. Die Kirche als solche macht sich zum Mitträger des Gesetzes in seiner Ganzheit. Diese Kooperation, die die Kirche belastet und die Klarheit und Entschiedenheit ihres Zeugnisses verdunkelt, ist mit ihrem moralischen Auftrag und mit ihrer Botschaft unvereinbar.“
    „Weil es so steht, ist es unzulässig, die Zahl der vermutlich durch die Konfliktberatung mit Scheinangebot geretteten Kinder gegen die Zahl der Kinder aufzurechnen, die mit Hilfe von Scheinen abgetrieben werden konnten, die in katholischen Beratungsstellen ausgestellt worden waren. Eine solche ‚Güterabwägung‘ kann da nicht statthaben, wo es um Leben und Sterben des Menschen geht: Wir sind nicht Herren über Leben und Tod.“
    „Die kirchliche Beratung für das Leben bleibt voll gegenwärtig und muss voll gegenwärtig bleiben. Wer nur des Scheins wegen kam, war immer schon bei kirchlich verantworteten Beratungsstellen an der falschen Adresse. Der Heilige Stuhl hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass die Kirche den Frauen in Not und den ungeborenen Kindern mit allen möglichen Mitteln zur Seite stehen muss. Mehrfach hat er darauf verwiesen, dass die Beratung als solche nicht nur fortgeführt, sondern sogar nach Möglichkeit verstärkt werden soll.“

  11. Ilka D. Amannam 12. Juni 2010 um 19:19

    Ich sage erstmal gar nichts darüber, was wer tun soll, schon gar nicht dem Papst. Ich weise auf ein Problem hin, das der ursprüngliche Artikel anspricht.

    Ich habe kein Kind abgetrieben. Ich würde kein Kind abtreiben. Ich würde niemandem raten, ein Kind abzutreiben. Ich unterschreibe auch keine Beratungsscheine.

    Wenn jemand allerdings absolut abtreiben will, wird sie niemand davon abhalten, auch nicht ein striktes Abtreibungsverbot.

    Den Papst als Autorität anführen hilft gar nichts: Wer denkt, was der Papst denkt, und setzt es auch um, treibt ja dann eh nicht ab, oder?

    Es ändert sich nichts davon, dass wir unsere Emotionen austoben, indem wir über die Unmoral “der anderen” und “der Gesellschaft” herziehen, und überall um uns rum “gehen die Jalousien runter”, weil sich zurecht niemand sowas anhören will.

    Lasst uns aufhören zu schimpfen und anfangen zu reden. Ich halte folgendes für sinnvoll – wer es lesen will, der lese es:

    1. Hör genau hin, was dein Gegner in einer Debatte tatsächlich sagt und sagen will. Nimm seine Argumente ernst. Du willst auch von ihm gehört werden.

    2. Hinter jeder Position stehen Gefühle. Auch hinter denen deiner Gegner. Finde heraus, welche Befindlichkeit ihn so denken lässt.

    3. Meide es, die “Schublade” zu schnell zu zu machen.

    4. Einfache Antworten taugen selten, um Konfliktsituationen angemessen zu begegnen. Niemand kommt “mit weißer Weste” durchs Leben. Wähle deine Worte.

    5. Suche das Gespräch, nicht die Belehrung.

    6. Ehre Deinen Gegner.

  12. Christine Speckam 12. Juni 2010 um 21:11

    Frau Ilka D Amann – ich habe dem NICHTS hinzuzufügen!! Völlig da core!!
    Herr Stollmeier (gem.facebook) NEIN, das hat nicht der Staat produziert! Es ist eine Eigendynamik aus der “Befreiungsbewegung”…..
    Allerdings, jeder der die Handreichung in der Kirche untersagt, übersieht konsequent, dass eine Beratung DiE CHANCE ÜBERHAUPT ist… Un die vielen, vielen positiven Entscheidungen sprechen ihre eigene Sprache!
    Jesus sagte auch, wo Zwei oder Drei in einen Namen versammelt sind,d a bin ich mitten unter ihnen….
    Aber legte ebenfalls nicht zugrunde, dass eine gefüllte Kirche seine Anwesenheit allein bedingt!!!
    Ratio und menschliches Handeln widersprechen sich grundsätzlich!

  13. Christine Speckam 12. Juni 2010 um 21:19

    Ich muss doch hier hoffentlich nicht appelieren, dass Jesus cCristus selbst die Gesetze der Pharisäer angefochten hat… Und mit Verlaub, unsere Kirche hat Gesetze am Menschen vorbei zementiert!

  14. Christine Speckam 12. Juni 2010 um 21:49

    Für mich sls Christ (und man merke auf bei der Formulierung;-)) ist die Frohbotschaft und SEIN VORLEBEN maßgend, und nicht eine weltliche Instanz – die letztlch auch (ich unterstelle Hochmut, wenn man den Papst in eine unfehlbare direkte Linie einordnet) – fehlbar ist. Jesus selbst sagte: “Nnent niemand VATER, außer meinen Vater im Himmel”…?????
    Denn die Wirkung des Hl. Geistes (Zusage der verschiedenen Gaben) ist der Gemeinschaft der Gläubigen zugesagt, und nicht ausschließlich Würdenträgern.
    Sorry, aber das mußte ich hinsichtlich “Egal,was der Papst dazu sagt” einach mal los werden.

  15. Iris Krämeram 14. Juni 2010 um 9:54

    Sehr geehrte Damen,
    sehr geehrter Herr,

    ich behaupte mal einfach als Mann kann man
    es sich sowieso leicht machen und den Zeigefinger erheben.
    Weder kann er sich in eine Frau hineinversetzen,
    wie sie wirklich bei solch einer Entscheidung leidet, noch hat er die leiseste Idee was Frau/Mutter sein bedeutet. Und der Papst ist auch “nur” ein Mann.
    Er ist hauptsächlich von Männern gewählt, gewünscht und in so eine “Position” nur durch Menschen gebracht. Er hat auch auf gar keinen Fall einen besseren Draht zum “Lieben Gott” als irgendeinanderer Christ!

    Ausserdem, wenn der Staat wieder ein striktes Abtreibungsverbot erlassen würde, wäre nicht “nur”
    das Leben eines Ungeborenen in Gefahr, nein sondern auch wieder dass der Schwangeren. Es würde wieder in Holland (oder sonstwo) durch sogenannte “Engelmacher” abgetrieben (und wer weiß schon genau bis zur wievielten Schwangerschaftswoche) oder Frauen in verzweifelten Lagen, würden, wie nach den Kriegen
    sich wieder Kleiderbügel zurechtbiegen… oder sofort
    aus dem Fenster springen. Was ist mit den Frauen, wo die Krönung der Schöpfung (der Mann) das Kind nicht will und mit den wildesten Dingen droht? Was ist mit Kindern, die durch die Krönung der Schöpfung (dem Mann) bei einer Vergewaltigung entstanden sind? Wollten “SIE” so entstanden sein oder sich ein Leben lang fragen, warum kann meine Mutter mich nicht lieben; warum hat sie mich in ein Heim gegeben, oder noch Schlimmer, warum hasst und misshandelt sie mich?
    Will dass die Kirche oder der Herr Papst? Verantwortung heißt Gespräche und Hilfe wo Hilfe gebraucht wird. Eine Hilfe ist es nur dann, wenn es dass ist was eine Frau in solch Lage “gebrauchen” kann.

    Stellen Sie sich eine Entscheidung für oder gegen ein Kind, bloss nicht so einfach vor, denn

    die kürzesten Worte, nämlich “Ja” oder “Nein” erfordern das meiste Nachdenken! …

    Pythagoras

    …. und die längste Konsequenz

    Iris

  16. Sr. Mirjamam 14. Juni 2010 um 19:04

    Ich glaube, wir reden hier über zwei verschiedene Dinge und darum reden einige aneinander vorbei.

    Ich habe jahrelang mit Frauen in Notsituationen gearbeitet, und war sehr traurig und auch wütend, als die Kirche aus dem Beratungsscheinsystem ausstieg, und glaubte an einen Fehler des Papstes.

    Außerdem habe ich kurz nach dem Ausstieg aus dem Beratungsscheinsystem ein Praktikum bei einer kath. Beratungsstelle ohne Scheinausstellung gemacht, im Rahmen einer Fortbildung.

    Daher weiß ich, von was ich nun rede.

    Kurz nach dem Ausstieg aus dem Beratungssystem sagte mir die Mitarbeiterin der kath. Beratungsstelle, dass nur noch ein verschwindend geringer Prozentsatz von Frauen kommt, und dass diese keinen Schwangerschaftskonflikt haben, sondern Hilfe benötigen. Diese Hilfe gäbe sie natürlich gerne, aber sie stünde nun nicht mehr im direkten Kampf um das Leben eines Kindes, bzw. nur noch in verschwindend geringer Zahl, was sie sehr traurig machen würde, da die Beratungsqualität bei anderen Stellen die Option für das Leben nicht so betonten.

    Wie es jetzt ist, weiß ich nicht, aber ich glaube nicht, dass sich das wesentlich verändert hat.

    Ich selber bin Frauen begegnet, die abtreiben wollten, und ich selber mußte erleben, wie Frauen abgetrieben haben. Solche Frauen habe ich nie aus unserer Einrichtung gewiesen, sie konnten immer bleiben. Ihr Beispielt hat niemanden animiert, selber auch abzutreiben, jedenfalls ist mir das nicht bekannt.

    Niemals habe ich die Adresse einer nichtkirchlichen Beratungsstelle weitergegeben, um nicht mit in die Abtreibung verwickelt zu werden, meiner Meinung nach bewegte ich mich damit immer kurz davor, meine Stelle zu verlieren, denn als Sozialpädagogin habe ich die Pflicht, auf entsprechende Stellen hinzuweisen! Als eine meiner Kolleginnen einen Termin für eine Frau bei einer nichtkirchlichen Beratungsstelle ausmachte – ich war in Urlaub – bin ich nach der Rückkehr aus dem Urlaub mitgegangen, weil die Frau das wünschte, und ich das Schlimmste verhindern wollte. – Ich habe es nicht verhindert!

    Meiner Meinung handelt es sich hier um die praktische Seite der Frauen, die fürchten, abtreiben zu müssen, weil sie keinen anderen Ausweg mehr sehen! Es steckt eine unglaubliche Not dahinter! – Auf der anderen Seite steht die offizielle katholische Kirche, die ihre Lehre klar weiter geben möchte.

    Eine Mitwirkung an der Abtreibung ist klar gegen die katholische Lehre. Somit verstehe ich den Beratungsscheinausstieg, und den Beratungssystemausstieg der katholischen Kirche vollständig.

    Das äußere Vertreten der katholischen Lehre hat aber bewirkt, dass konkrete Kinder höchstwahrscheinlich nicht gerettet werden konnten. Im Erzbistum Köln, in dem ich gearbeitet habe, habe ich die Zahl von 5000 geretteten Babys im Kopf, von Seiten der kath. Beratungsstellen zur Zeit der Scheinausstellung. Die Zahl nach dem Ausstieg ist so gering, ich weiß sie nicht mehr, ein Riesengefälle.

    Der Konflikt, den ich sehe ist der: eine klare Linie in der katholischen Lehre, verfolgt auch durch die Beratungsstellen, und dann das konkrete Leben und konkrete Kinder, die leben würden – aber auch konkrete Frauen, die sagen würden: ich habe mein Kind mit Erlaubnis der katholischen Kirche abgetrieben.

    Eine Lösung dafür kann ich nicht anbieten. Ich verstehe beide Seiten. Und natürlich hat die kath. Kirche nicht 5000 Babys getötet (also, das kann man so nicht daraus schließen) – aber inzwischen habe ich gehört, dass diözesane Hilfsgelder für Frauen in Not an die Organisation “Donum Vitae” gehen, weil DORT nun die Konfkliktberatungen geschehen, und dort die Kinder gerettet werden können. Donum Vitae wird offiziell aber abgelehnt. Das ist Doppelmoral.

  17. Beckers, Ullaam 17. Juni 2010 um 10:08

    Als Beraterin unterschreibe ich auf dem Beratungsnachweis, dass eine Beratung stattgefunden hat, die dem Ziel, das ungeborene Kind zu schützen, verfolgt.

    In Anerkennung der individuellen Lebenssituation der Rat Suchenden und in Anerkennung der persönlichen Entscheidung einer Frau, die ihr niemand abnehmen kann und die nur sie verantworten kann, sezte ich mien Unterschrift unter diesen Beratungsnachweis.

    Was ich tun kann, ist für eine gute Gesprächsatmosphäre sorgen, in der die Frau sich öffnen kann, Hilfen aufzeigen, die Konsequenzen der jeweiligen Entscheidung besprechen, nach Ressourcen suchen, eine Entscheidung und die Folgen zu bewältigen.

    Nicht der Schein ist das Wichrige, sondern das Gespräch !

    U. Beckers

  18. Ilka D. Amannam 17. Juni 2010 um 12:24

    Danke Sr. Miriam!
    Sie sprechen mir aus der Seele!

    Genau das ist, worum es mir geht: Hört auf, an einander vorbei zu reden. Wir kommen sonst keinen Schritt weiter!

    Ob es Doppelmoral ist – vielleicht eher die einzig vernünftige Lösung: Solche Dinge in die Hand von Vereinen zu legen, statt eine “offizielle” Stelle zu unterhalten. Nur sollte man *dazu* dann auch stehen.

    Danke auch Ulli Beckers!
    Wenn Leute wie Sie sich zu Wort melden, hilft das zur Klarheit, worum es eigentlich geht.

  19. Christine Speckam 27. Juni 2010 um 19:45

    Habe erst jetzt nocheinmal hier reingeschaut…
    Danke für das fachkundige Kommentieren und besonderen Dank an Sr.Mirjam für ihr Zeugnis des mutigen Menschseins!

  20. […] auf Sie hören wird. Stimmen Sie beispielsweise hier dafür, dass die Stadt ihre Unterstützung der Schwangerenberatungsstelle „Haus im Hof“ nicht einstellt. Aber vergessen Sie auch nicht die lange Liste anderer Einsparvorschläge […]

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