Anders geht es auch

Caroline Stollmeier am 1. September 2010

 

In Amazonien, im Bundestaat Pará im Norden Brasiliens, liegt die kleine Gemeinde Alenquer. Dort traf Moralblog Pater Manuel Lopes Rodrigues (SVD), um mit ihm über eines der größten gesellschaftlichen Probleme der Region zu sprechen: ungewollte Schwangerschaften.

Etwa die Hälfte der Menschen in Pater Manuels Gemeinde leben nicht in der Stadt, sondern teilweise mehrere Tagesreisen über die Flüsse von ihr entfernt. Insbesondere diese Menschen sind es, von denen er spricht.

 

Pater Manuel (SVD)

Pater Manuel (SVD), Foto: Caroline Stollmeier

„Dass Mädchen früh schwanger werden ist natürlich und erstmal kein Problem. Das Problem entsteht, weil fast niemand heiratet, sondern die Partnerschaften oft wechseln. Daraus resultieren viele Schwierigkeiten. Beispielsweise wollen Söhne sich von ihren Stiefvätern nichts sagen lassen. Oder die Männer schlafen mit ihren Stieftöchtern. Es wird offen damit umgegangen, dass es keine leibliche Beziehung zwischen Vätern und Kindern gibt. Obwohl fast alle getauft sind, glauben die Menschen, dass heiraten Unglück bringt.“, berichtet Pater Manuel.

Auf die Frage nach Verhütungsmitteln bricht Pater Manuel spontan in Lachen aus: „Machen Sie Witze?! Selbst die Kirche verteilt hier bei uns Kondome, aber niemand benutzt sie.“

Trotzdem sind Schwangerschaftsabbrüche in Alenquer kein Thema. „Es gibt keine Abtreibungen.“, sagt Pater Manuel, „Nur reiche Leute könnten ihre Mädchen nach Manaus schicken.“ Aber davon gibt es nicht viele. „Die Großmütter nehmen die Kinder auf und ziehen sie groß – so gut es eben geht.“, so Pater Manuel. 

Pater Manuel arbeitet in einem von Missionsschwestern geführten Hospital, in dem es ein Haus für werdende Mütter gibt. Dort können Schwangere die letzten Wochen vor der Geburt ihres Kindes verbringen, alle Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nehmen und den verantwortungsbewussten Umgang mit einem Neugeborenen erlernen, bevor sie die Stadt wieder verlassen. Kostenlos.

 

 Das Mütterhaus in Alenquer, Foto: Caroline Stollmeier

 Das Mütterhaus in Alenquer, Foto: Caroline Stollmeier

(Das Gespräch mit Pater Manuel führte Caroline Stollmeier am 8. Juni 2010.)

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