Monatsarchiv für Oktober 2010

Wann ist ein Mensch ein Mensch?

Caroline Stollmeier am 23. Oktober 2010

KOMMENTAR

„Da war doch noch nichts“, sagte mir neulich die 19-jährige Sandra* über ihre zwei Schwangerschaften, die durch Abtreibungen nach wenigen Wochen endeten. Und eine Beraterin*, die häufig mit ungewollt Schwangeren zu tun hat bestätigt: „Es gibt die wildesten Theorien, mit denen vor allem junge Schwangere versuchen, eine Abtreibung zu rechtfertigen. Dadurch werden sie innerlich hart.“

Das Lehrbuch sagt: Die Entwicklung eines Menschen beginnt mit der Befruchtung. **

Ein Mensch ist ein Mensch ab dem Zeitpunkt der Verschmelzung von männlicher und weiblicher Keimzelle. Es gibt keine nachvollziehbaren Gründe, von einem früheren oder späteren Zeitpunkt auszugehen. Inzwischen gibt es Bilder***, die dies eindrucksvoll zeigen. Bei der Befruchtung wird ein neuer menschlicher Organismus gebildet. Dieser ist nicht nur von Anfang an ein Mensch, sondern auch von Anfang an ein bestimmter, einzigartiger Mensch. Was ihn einzigartig macht, steckt in der kleinen Struktur von Zellen in den ersten Tagen im Mutterleib genau so wie in dem fertigen Körper eines Neugeborenen.

Obwohl sie ihre damaligen Beweggründe nach wie vor für überzeugend hält, sagt Sandra heute: „Natürlich bin ich traurig, weil wegen mir zwei fröhliche Kinder nicht leben dürfen.“

Einen Menschen zu töten ist mit wenigen Ausnahmen – wie zum Beispiel Notwehr – ein Verbrechen. Und obwohl die Tötung eines Menschen, der noch nicht geboren ist, in Deutschland unter bestimmten Umständen straffrei ist, bleibt auch sie ein Unrecht.

 

 * Der richtige Name ist der Redaktion bekannt, wird jedoch aus Gründen der Diskretion nicht veröffentlicht.

** Sadler, Thomas W./Langman, Jan: Medizinische Embryologie: die normale menschliche Entwicklung und ihre Fehlbildungen, 10. Aufl., Stuttgart, 2003, S. 2.

*** Nilsson, Lennart, u.a.: Wie ein Kind entsteht, München, 2009.

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Vom Daseinszweck des Staates

Caroline Stollmeier am 7. Oktober 2010

„Der Schutz des menschlichen Lebens ist die erste Aufgabe des Staates. Sie ist die Bedingung seiner Legitimität.“, sagt Manfred Spieker, Professor der Christlichen Sozialwissenschaften an der Universität Osnabrück. Im Moralblog-Interview ärgert er sich darüber, dass sich die Bundesrepublik Deutschland zwar im Grundgesetz zur Unantastbarkeit der Menschenwürde bekennt und das Recht auf Leben bejaht, aber insbesondere im Umgang mit den schwächsten Menschen in unserer Gesellschaft – den ungeborenen Kindern –  völlig inkonsequent ist.

„Der Staat tritt seinen eigenen Grundsatz, dass er unschuldiges Leben schützen muss, mit Füßen. Ein Rechtsstaat beruht darauf, dass er gewaltsame Konflikte zwischen Privatpersonen löst. Und dabei muss er den Schwächeren schützen. Der Schwächere ist diesem Fall das ungeborene Kind“, so Spieker. „In Deutschland überlässt jedoch der Staat Privatpersonen die Lösung eines Konfliktes. Er ermöglicht nämlich Frauen gemeinsam mit ihren Ärzten, Gewalt gegenüber unschuldigen Kindern auszuüben.“, erläutert er.

Skandalös findet Spieker auch wie offensichtlich der Staat wider seine eigenen Bekenntnisse handelt: „Im Schwangerschaftskonfliktgesetz ist geregelt, dass der Staat Abtreibungseinrichtigen flächendeckend vorhalten muss. Flächendeckend bedeutet in diesem Zusammenhang, dass es keiner Frau zumutbar ist irgendwo zu übernachten, weil sie eine Abtreibung vornehmen lassen möchte.“

Und ein weiterer Aspekt ist die Finanzierung von Schwangerschaftsabbrüchen. „Es ist einfacher, Sozialhilfe für eine Abtreibung zu bekommen als wenn man unter schwierigen Umständen sein Kind durchbringen möchte“, beklagt Spieker, „die Frauen dürfen mehr verdienen, um einen Anspruch zu haben. Und außerdem wird das Einkommen des Mannes nicht mitberücksichtigt. Es ist also möglich, dass eine Frau mit einem Millionär verheiratet ist, und die Steuerzahler  müssen trotzdem für die Abtreibung dieser Frau aufkommen.“ Insgesamt geben die Bundesländer jedes Jahr etwa 42 Millionen Euro Steuergelder für die Tötung ungeborener Kinder aus.*

Spieker bedauert den Paradigmenwechsel, der in den letzten Jahrzehnten in Deutschland stattgefunden hat und der bewirkt, dass das Selbstbestimmungsrecht abtreibungswilliger Frauen über das Lebensrecht ungeborener Kinder gestellt wird: „Der Rechtsstaat missachtet seine konstituierende und legitimierende Existenzbedingung, die darin besteht, das Leben Unschuldiger zu schützen und das Tötungsverbot unter seinen Bürgern durchzusetzen“.*

Aktuell freut sich Prof. Spieker auf einen Besuch bei seinem 14. und die bevorstehende Geburt seines 15. Enkelkindes.

  

*Spieker, Manfred: Gescheiterte Reformen, Zur Problematik des Lebensschutzes in Deutschland, Kirche und Gesellschaft, Nr. 306, Köln, 2004.

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Moralblog: Wir sind 1000plus-Botschafter

Caroline Stollmeier am 4. Oktober 2010

„Siebzig Prozent der Frauen, die wir beraten, entscheiden sich für ihr Kind – und das beweist: Das Phänomen der massenhaften Abtreibung in Deutschland ist in Wirklichkeit ein Phänomen der massenhaften unterlassenen Hilfeleistung“, sagte Projektleiter Kristijan Aufiero am 2. Oktober 2010 bei der Auftaktveranstaltung zur neuen 1000plus-Kampagne in Heidelberg.

1000plus hat sich zum Ziel gesetzt, in jedem Jahr 1000 und mehr Müttern im Schwangerschaftskonflikt beizustehen. Durch vertrauensvolle Beratung und tatkräftige Unterstützung erfahren verzweifelte Schwangere realistische Alternativen zu einem Schwangerschaftsabbruch. Die Projektpartner sind Pro Femina e.V., die Stiftung Ja zum Leben, die Birke e.V. sowie zahlreiche ehrenamtliche MitMACHER.

Eine Besonderheit von 1000plus ist die Kommunikation im Internet. „Frauen in einem Schwangerschaftskonflikt suchen Rat und Hilfe heute bei Google“, erläutert Brigitte Stelzle, Leiterin der Online-Beratung, „und sie posten ihre Sorgen in verschiedenen Foren. Wir sind im Internet präsent, und wir bieten in solchen Foren unsere Hilfe an.“

Ist ein Kontakt über das Internet zustande gekommen, nehmen sich die Beraterinnen von pro Femina und Birke viel Zeit, um gemeinsam mit den betroffenen Frauen nach Lösungen zu suchen. Die entscheidende Hilfe besteht dabei erstaunlich oft nicht in Geld, obwohl die Beraterinnen auch finanzielle Unterstützung vermitteln. Entscheidend sind vielmehr häufig vermeintlich kleine Aktivitäten wie die Hilfe bei der Wohnungssuche oder bei der Formulierung eines Briefes an Eltern oder Schwiegereltern, die beispielsweise durch hochgesteckte Karriereerwartungen dazu beigetragen haben, dass die ungeplante Schwangerschaft wie eine Katastrophe erschien.

Für die nahe Zukunft ist geplant im gesamten Bundesgebiet Beratungsstellen sowie ein eignes Internetforum einzurichten. Da 1000plus ganz bewusst darauf verzichtet, Beratungsscheine nach § 219 StGB auszustellen und somit keine Steuerzuschüsse erhält, muss die Arbeit alleine aus Spenden finanziert werden.

Moralblog teilt die Vision von einer deutschlandweit verfügbaren, echten Beratung, die es Müttern trotz schwieriger Umstände möglich macht ein klares Ja zum Leben ihres Kindes zu sagen. Deshalb sind wir Moralblog-Redakteure, Caroline und Harald Stollmeier, ab jetzt 1000plus-Botschafter.

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