Monatsarchiv für Januar 2011

Verhütung ja – Abtreibung nein!?

Caroline Stollmeier am 24. Januar 2011

Viele Menschen haben sich entschlossen zu verhüten, um ihre Sexualität unbeschwert ausleben zu können. Bei einer ungewollten Schwangerschaft käme eine Abtreibung für sie persönlich jedoch nicht in Frage.

Aber gibt es eine klare Grenze zwischen Schwangerschafts-verhütung und einem Schwangerschaftsabbruch? Worauf muss man achten, um ethisch „auf der sicheren Seite“ zu sein?

Auf den ersten Blick ist das ganz einfach: Wenn gar nicht erst eine Schwangerschaft entsteht, gibt es auch keinen Schwangerschaftsabbruch. Manche Frauenärzte sprechen von einer Schwangerschaft erst nach der Einnistung der Zygote in der Gebärmutter. Das ist praktikabel aber ungenau.

Die Schwangerschaft und somit der Beginn eines neuen menschlichen Lebens beginnt im Moment der Vereinigung von Samen- und Eizelle. Alles, was diese Vereinigung verhindert, gilt als Verhütung. Jedes Eingreifen danach kommt einer Abtreibung gleich.

Bei der Wahl eines geeigneten Verhütungsmittels spielen mehrere Faktoren eine Rolle: die Zuverlässigkeit, die leichte Handhabung, mögliche Auswirkungen auf Körper und Gesundheit, aber eben auch die Vermeidung eines Schwangerschaftsabbruchs.

Kondome können bei geübter Anwendung relativ zuverlässig das Eindringen von Spermien in den Körper der Frau verhindern und schützen zusätzlich vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Aber insbesondere in einer stabilen Partnerschaft können sie auch als störend empfunden werden. Für andere mechanische Verhütungsmittel, wie das Pessar, braucht man viel Übung in der Anwendung.

Es gibt verschiedene hormonelle Verhütungsmittel, wie die Spirale oder die Pille. Diese haben meistens drei Auswirkungen: der Eisprung wird unterdrückt, und die Konsistenz von Zervixschleim und der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut verändern sich.

Hier lohnt es sich genau hinzusehen. Wird der Eisprung unterdrückt, kann keine Eizelle befruchtet werden. Belegt ist jedoch, dass es trotz korrekter Einnahme der Verhütungspille zum Eisprung kommen kann.*

Der Zervixschleim erschwert während der meisten Tage des weiblichen Zyklus durch seine zähe Konsistenz, dass Spermien, in Gebärmutter und Eileiter aufsteigen. Nur in der Zeit um die fruchtbaren Tage der Frau verflüssigt sich der Schleim und wird durchlässig. Unter Verwendung der Pille bleibt der Zervixschleim jedoch zäh.

So genannte Minipillen unterdrücken den Eisprung nicht. Aber auch bei anderen Pillen (und Spiralen) besteht immer ein Risiko, dass eine Eizelle befruchtet wird. Sollte es dazu gekommen sein, verhindert die künstlich hervorgerufene Veränderung der Gebärmutterschleimhaut, dass sich der Embryo in der Gebärmutter einnistet. Als Folge dessen stirbt er ab. Spüren kann man das nicht.

Wer (unbemerkte) Schwangerschaftsabbrüche verhindern möchte, muss wirksam die Verschmelzung von Samen- und Eizelle verhindern. Möglich ist das mit Hilfe der Natürlichen Familienplanung (NFP). Dabei beobachtet die Frau relevante Veränderungen an ihrem Körper im Laufe ihres Zyklus: Temperatur, Zervixschleim, Lage des Gebärmutterhalses.

„Mit fachgerechter Anleitung verhüten Paare mit der Natürlichen Familienplanung genau so sicher wie mit der Pille. Das besagen auch neueste Studien.“, erläutert NFP-Beraterin Adelaide Dechow. Und ihre Klientinnen bestätigen, dass die NFP bereits nach kurzer Zeit ganz einfach anzuwenden ist.

„Viele Frauen finden es spannend, ihren Körper noch besser kennenzulernen“, sagt Dechow, „die bewusste Auseinandersetzung mit ihrer Fruchtbarkeit und Weiblichkeit wirkt sich positiv auf ihre Sexualität aus. Nebenwirkungen und gesundheitliche Beeinträchtigungen, wie sie beispielsweise von der Pille hervorgerufen werden, gibt es bei der NFP nicht. Und sollte sich später doch ein Kinderwunsch einstellen, hilft das Wissen um die fruchtbaren Tage, diesen ganz schnell zu erfüllen.“

 

  Pille_Moralblog

Unbemerkt schwanger trotz Pille? (Foto: Caroline Stollmeier)

 

* Süßmuth, Roland (Hrsg.): Empfängnisverhütung – Fakten, Hintergründe, Zusammenhänge, Holzgerlingen, 2000.

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Denkmal für Ungeborene

Harald Stollmeier am 15. Januar 2011

Denkmäler für Fürsten, Krieger und Politiker gibt es zuhauf. Mahnmale für die Opfer staatlichen Unrechts gibt es zumindest in Deutschland. Denkmäler für ungeborene Kinder muss man lange suchen. Eines steht seit Oktober 2010 in Jerusalem. Aufgestellt hat es ein deutscher Franziskaner.

„Mortem obiit prae nativitate“ – frei übersetzt: „Vor der Geburt gestorben.“ So lautet die Inschrift des Denkmals an der Kirche Dominus flevit auf dem Ölberg in Jerusalem. „Dominus flevit“ heißt „der Herr weinte“ – an dieser Stelle soll Christus geweint haben, als er die Zerstörung Jerusalems voraussagte (Lukas 19, 41-44). Die tränenförmige Kirche aus dem Jahr 1955 steht auf den Fundamenten einer byzantinischen Kirche aus dem sechsten Jahrhundert. Sie gehört dem Franziskanerorden.

Foto: P. Robert Jauch OFM

„Das Denkmal schmückt tatsächlich das Grab eines im Mutterleib gestorbenen Kindes, einer sogenannten Fehlgeburt“, berichtet Pater Robert Jauch OFM, von 2007 bis 2010 Hüter der Kirche Dominus flevit, „wir konnten auf Wunsch der Eltern die Bestattung des Kindes ermöglichen – ähnlich wie in Deutschland enden totgeborene Kinder unter 500 Gramm Körpergewicht auch in Israel sehr oft im Klinikabfall.“ 

Foto: P. Robert Jauch OFM

(Fotos: P. Robert Jauch OFM)

Das Denkmal auf dem Grab hat die Form einer abgebrochenen Säule. Wie das Leben der ungeboren verstorbenen Kinder ist sie zu kurz. „Das Denkmal gilt allen Kindern, die vor ihrer Geburt gestorben sind“, sagt Pater Robert, „aber ganz besonders gilt es den unzähligen Opfern von Schwangerschaftsabbrüchen. Viel zu oft wird vergessen, dass diese Kinder genauso Menschen sind wie alle anderen, für die wir auf den Friedhöfen beten. Also beten wir auch für sie.“

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Der größte Fehler meines Lebens: ein Erfahrungsbericht

Caroline Stollmeier am 12. Januar 2011

Eine junge Frau und ein junger Mann verlieben sich. Die Beziehung ist kompliziert. Er will sich von ihr trennen. Aber so ganz kommen sie nicht von einander los. Dann ist sie plötzlich schwanger. Er jedoch will von seinem Kind nichts wissen und verlässt sie endgültig …

Melanie Berdowski hat diese Geschichte erlebt und schildert sie eindringlich in ihrem autobiographischen Bericht „Der größte Fehler meines Lebens“. Gegenüber Moralblog sagt sie: „Mein Buch zu veröffentlichen kostete enorme Überwindung – allein der Gedanke hat mich angetrieben, damit anderen Frauen helfen zu können.“

Die anfängliche Freude über das Kind weicht schnell tiefer Verzweiflung und innerer Zerrissenheit, als Melanie merkt, dass ihr Freund nicht zu ihr stehen wird. „Das kleine Lebewesen in meinem Bauch hat kein Mitspracherecht und war von seinem Vater bereits zum Tode verurteilt worden.“, schreibt sie.

Sie fühlt sich für die Situation und für das Kind verantwortlich. Neues strömt auf sie ein. Rückhalt findet sie in ihrer Familie, aber dennoch glaubt sie sich allein. Sie möchte ihrem Kind eine gute Mutter sein, ihm einen Vater geben können. Doch das kann sie nicht. Nichts ist so, wie sie es sich erträumt hat.

Melanie glaubt zunächst, dass sie es auch alleine schaffen kann. Doch im letzten Moment verlässt sie der Mut. Die Abtreibung ihres Kindes bezeichnet sie heute als den größten Fehler ihres Lebens.

Inzwischen ist Melanie Berdowski glücklich verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Trotzdem kann sie ihr erstes Kind nicht vergessen. Ihren Schmerz über seinen Verlust hat sie inzwischen als Teil ihres Lebens akzeptiert. In ihm bleibt die Erinnerung an ihr Kind lebendig. Und in ihrem Buch.

 

 

 

Berdowski, Melanie: Der größte Fehler meines Lebens, Gelnhausen, 2010, € 8,90.

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