Unplanned – Vom bemerkenswerten Sinneswandel der Abby J.

Caroline Stollmeier am 1. Februar 2011

Sie leitet eine Abtreibungsklinik, um Frauen zu helfen. Eines Tages assistiert sie zufällig bei einer ultraschallüberwachten Abtreibung. An diesem Tag wird ihr klar, dass sie auf der „falschen Seite des Zaunes“ steht.

In „Unplanned“ erzählt Abby Johnson ihre eigene Geschichte, die sicher jeden – egal ob pro-choice oder pro-life – beeindrucken muss.

Als Studentin in Texas arbeitet sie ehrenamtlich für Planned Parenthood, eine Organisation, die übrigens mit pro familia Deutschland verwandt ist. An „Abtreibungstagen“ muss Abby Frauen vom Parkplatz in die Klinik geleiten. Das geschieht, damit diese möglichst unbehelligt an den Pro-Life-Aktivisten vorbei kommen, die regelmäßig vor der Klinik beten, mahnen und ihre Hilfe anbieten.

Nach ihrem Studium macht Abby Karriere bei Planned Parenthood. Sie wird innerhalb weniger Jahre zur Leiterin der Klinik, in der sie bereits als Studentin im Einsatz war, und zur Mitarbeiterin des Jahres. Sie fühlt sich wohl mit der Gewissheit, Frauen durch Aufklärung, Beratung und das Bereitstellen von Verhütungsmitteln vor ungewollten Schwangerschaften schützen zu können. Immerhin hatte man ihr auch zu Beginn ihrer Tätigkeit gesagt: „Planned Paranthood ist dafür da, die Abtreibungszahlen zu senken.“

Als Klinikleiterin ist Abby nicht nur für die Motivation des Personals und die gute interne Organisation zuständig, sondern auch für die Bilanz. Und die sieht zunehmend schlecht aus, da Abby Aufklärungsarbeit anstatt Abtreibungen fördert, wie sie es für selbstverständlich hält. Aber so kann man eben kein Geld verdienen. Und ihre Vorgesetzten sagen zu ihr: „Du musst deine Prioritäten klären“, und meinen damit, dass sie für mehr Abtreibungen in ihrer Klinik sorgen soll. Ihren Standpunkt fassen sie zusammen: „Abby, nonprofit is a tax status, not a business status.“

Und dann kommt der Tag, an dem Abby zufällig während einer Abtreibung das Ultraschallgerät bedienen soll. Und was sie da sieht, macht ihr erstmals vollends bewusst, was bei einer Abtreibung wirklich geschieht. Unzählige Male hat sie Frauen bei ihrer Entscheidung zwischen Mutterwerden, Adoption und Schwangerschaftsabbruch geholfen, hat Abtreibungstermine koordiniert und, wie ihr wieder klar wird, zwei ihrer eigenen Babys vor der Geburt getötet.

Es ist eben nicht nur ein „Fötus“, der da stirbt, sondern ein Kind. Und Abby beschreibt eindrucksvoll wie schon die gezielte Wortwahl, auf die Planned Parenthood großen Wert legt, das wahre Geschehen verharmlosen und das Gewissen überlisten kann.

Mehr oder weniger Hals über Kopf kündigt sie wenige Tage später ihren Job und wechselt – zunächst heimlich – in das Pro-Life-Lager. Planned Parenthood versucht gerichtliche Schritte, die aber im Sande verlaufen. Erschreckender ist für sie, wie sich vermeintliche Freunde verhalten, die sich nämlich plötzlich von ihr zurückziehen oder gar gegen sie sind. Gleichzeitig versteht sie, dass die Leute auf der anderen Seite des Klinikzauns sie trotz ihrer gegensätzlichen Positionen in der Abtreibungsfrage stets geschätzt haben und nun verlässliche Partner sind.

Abbys Weg war und ist kein einfacher. Über ihre Zeit bei Planned Parenthood sagt sie: „Right reasons, wrong choices.“ Am Ende jedoch hat die Wahrheit gesiegt.

 

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(Foto: Abby Johnson)

Johnson, Abby: Unplanned: The Dramatic True Story of a Former Planned Parenthood Leader’s Eye-Opening Journey across the Life Line, Salt River, 2010.

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Ein Kommentar zu “Unplanned – Vom bemerkenswerten Sinneswandel der Abby J.”

  1. […] „Lebenslinie“ zeigt, dass es gute Menschen und vor allem gute Absichten auf beiden Seiten des Zauns… Alexandra M. Linder hat das Buch kürzlich aus dem Amerikanischen übersetzt und dabei immer den richtigen Ton getroffen. Sie selbst setzt sich auf vielfältige Weise für das Leben ungeborener Kinder ein. Zum Beispiel ist sie selbst Autorin und gehört dem Bundesvorstand der ALfA an. […]

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