Gesucht: 575 Menschen für Dresden

Caroline Stollmeier am 8. Februar 2011

Als Reaktion auf die angestrebten Veränderungen des § 218 im Jahr 1971 schrieb die damals 14-jährige Barbara Witzgall einen Artikel für ihre Schülerzeitung. Darin ging es um den Vorgang einer Abtreibung aus Sicht des heranwachsenden Babys. Sie wollte zeigen, dass sich ein Kind im Mutterleib vermutlich nur eines wünscht, nämlich geboren zu werden.

Die Leidenschaft für das Leben hat seither Barbara Witzgalls Leben geprägt. Seit 2009 unterstützt sie das Internet-Team von Pro Femina. „Früher wusste ich nicht, wie ich zu den Frauen, die in einer konkreten Situation Hilfe brauchen am besten Kontakt aufnehmen kann”, beschreibt sie die einschneidenden Veränderungen durch Online-Beratung, “jetzt habe ich sie in meinem Wohnzimmer“.

Viele schwangere Frauen suchen täglich nach Informationen im Internet. Pro Femina e. V. konnte zahlreichen von ihnen helfen. Der größte Vorteil ist die Anonymität im Internet, die es Betroffenen erleichtert, sich zu öffnen und Dinge zu erzählen, die sie manchmal ihrer besten Freundin nicht anvertrauen würden. Auch der Beraterin erleichtert das die Arbeit, denn sie kann schnell zu den eigentlichen Problemen vordringen.

„Mit unserem Projekt 1000plus möchten wir die bundesweite Beratung und Hilfe für Schwangere stärker vernetzen und ausbauen. Der nächste konkrete Schritt soll die Eröffnung einer Beratungsstelle in Dresden sein“, sagt Witzgall. Notwendig ist dieser Schritt, da sich aus den Online-Kontakten und Telefonaten mit Betroffenen oft ein Beratungsgespräch vor Ort ergibt. Und das geht bisher nur in Heidelberg.

Barbara Witzgall steht nun vor der schwierigen Aufgabe, die finanziellen Mittel für den Ausbau der Schwangerenberatung zusammen zu bringen. Die Arbeit von Pro Femina wird nämlich rein aus Spenden finanziert. „Ich brauche 575 Menschen, die bereit sind 10 Euro pro Monat zu spenden, damit wir die erste Beraterin einstellen können“, rechnet Witzgall.

„Ich begegne in den Internetforen so großer Not… Früher dachte ich, dass manche Frauen dem Leben eine andere Bedeutung beimessen als ich, dass ihnen das Leben einfach nicht so viel wert ist wie mir. Aber das ist nicht so. Die Frauen wissen, dass es um ihr Baby und nicht um einen Zellklumpen geht. Tatsächlich treiben aber ganz viele Frauen unfreiwillig ab, weil sie unter enormem Druck stehen. Und diesen Frauen müssen wir helfen, und können wir helfen“, beschreibt Witzgall ihre persönliche Motivation sich unermüdlich für Mütter und ihre ungeborenen Kinder einzusetzen.

 meinherzmeinhirn[1]

Pro Femina e.V. in DRESDEN | Projekt 1000plus
Spendenkonto 88 514 | BLZ 850 205 00 | Sozialbank Dresden

Abgelegt unter 1000plus | Leben,Allgemein,Gute Menschen | Gute Taten | 4 Kommentare

4 Kommentare zu “Gesucht: 575 Menschen für Dresden”

  1. Gisi Fisselam 9. Februar 2011 um 11:48

    Eine gute Sache <3

  2. Magdalena Trögeram 10. Februar 2011 um 14:27

    Ich frage mich, wieso so viel Geld für eine Beraterin gebraucht wird, wo doch in Dresden schon eine große KALEB Beratungsstelle ist. An vielen Orten in Deutschland beraten wir als KALEB-Mitglieder und auch andere Lebensrechtsorganisationen die Frauen ohne monatlich 5750 € dafür zu benötigen. Die meisten machen diese Arbeit ehrenamtlich und tun es von Herzen

  3. Kristijan Aufiero, Projektleitung 1000plusam 14. Februar 2011 um 13:08

    Schwangerschaftskonfliktberatung und Zahlen

    Nach Angaben des statistischen Bundesamtes hat es im Jahr 2009 über 110.000 Abtreibungen in Deutschland gegeben. Die offiziellen Zahlen für das Jahr 2010 liegen noch nicht vor. Nach durchaus plausiblen Schätzungen (vgl. bspw. Manfred Spieker: Der verleugnete Rechtsstaat) liegt die tatsächliche Zahl noch erheblich höher.

    Insofern sollte unter jenen, die sich – auf welche Weise auch immer – für ungewollt Schwangere und ihre Babys einsetzen und für die diese Zahlen entschieden zu hoch sind, zumindest darüber Einigkeit herrschen, dass es ganz offensichtlich noch nicht ausreichend wirksame Beratung und Hilfe für Frauen im Schwangerschaftskonflikt gibt: Ob in Dresden, Berlin, Hamburg, München oder sonst wo.

    Die großen Einrichtungen und Organisationen in Deutschland, die im Bereich der Schwangerschaftskonfliktberatung tätig sind, heißen Caritas, Diakonie, AWO, Pro Familia und Donum Vitae. Daneben dienen auch die Gesundheitsämter als Anlaufstelle für viele ungewollt Schwangere im Konflikt. Die genannten Organisationen finanzieren ihre Beratung dabei fast ausschließlich aus staatlichen Mitteln bzw. Kirchensteuergeldern und arbeiten in diesem Bereich nahezu ausschließlich mit hauptamtlichen Mitarbeitern.

    Dem gegenüber ist es bis heute keiner „Lebensrechtsorganisation“ gelungen, im Bereich der Schwangerschaftskonfliktberatung hinsichtlich Verbreitung, Struktur und Beratungszahlen auch nur annähernd an die genannten Organisationen heranzukommen.

    Im Rahmen des Projekts 1000plus stand das Online-Team von Pro Femina im vergangenen Jahr 2010 mit insgesamt 804 ungewollt Schwangeren im Konflikt in Kontakt und hat diese unterschiedlich intensiv beraten. An die Beratungsstelle Die BIRKE in Heidelberg wandten sich im selben Zeitraum 537 ungewollt Schwangere mit der Bitte um Beratung und Hilfe. Die Arbeit in beiden Organisationen wird von hauptamtlichen Mitarbeitern getragen und von vielen Ehrenamtlichen unterstützt.

    Beide Zahlen könnten noch erheblich höher sein, wenn wir über die finanziellen und personellen Ressourcen verfügten, um unser Beratungsangebot weiter auszubauen.

    Wie viele Schwangere, die akut vor einer Abtreibung stehen, von KALEB beraten wurden, ist nicht bekannt, da diese Zahlen ebenso wenig veröffentlicht werden, wie Kostenstrukturen oder Spendenziele.

    Auf dem Fundament von 25 Jahren Beratungsarbeit der BIRKE für Schwangere im Konflikt haben wir uns dafür entschieden, im Rahmen des Ausbau-Projekts 1000plus, wie alle großen Beratungseinrichtungen auch, auf fachlich qualifizierte, hauptamtliche Beraterinnen zu setzen.

    Nach allen uns bekannten Angaben bzgl. Kosten und Strukturen anderer Organisationen, die vergleichbare Beratungszahlen vorweisen können, lässt sich leicht feststellen, dass Pro Femina e. V. und Die BIRKE e.V. sehr effizient arbeiten.

    Dazu ein kleines, ganz aktuelles Beispiel zum Thema Schwangerenberatung und Kosten:

    http://www.rp-online.de/niederrheinsued/moenchengladbach/nachrichten/Donum-Vitae-sucht-Spender-zum-10-Geburtstag-des-Verbandes_aid_964340.html

    Da alle Beratung im Rahmen von 1000plus konsequent darauf ausgerichtet ist, der Schwangeren eine Entscheidung für ein Leben mit Kind zu ermöglichen und wir deshalb keine s. g. Beratungsscheine ausstellen, erhalten wir keinen Cent an staatlichen Zuschüssen. Zur Finanzierung unserer Beratung und Hilfe für Schwangere und ihre Babys sind wir deshalb gänzlich auf Spenden angewiesen.

    Im Falle unserer konkreten Bemühungen, eine Beratungsstelle in Dresden aufzubauen, ist die Aussage von Barbara Witzgall, wonach wir mit 5.750 Euro monatlich für den Start der Beratungsstelle benötigen, vollkommen korrekt. Darin enthalten sind die Kosten für zwei Halbtagsstellen, Miete, Einrichtung und technische Ausstattung einer Beratungsstelle sowie sämtliche finanziellen, akuten Hilfen für Schwangere und ihre Familien. Dabei basiert diese Kalkulation auf unserer Erfahrung mit über 2.000 Beratungsfällen in den vergangenen 10 Jahren.

    Wir sind optimistisch, dass es uns mit einer kleinen Beratungsstruktur in Dresden gelingen kann, in den ersten 12 Monate etwa 100 ungewollt schwangeren Frauen in Sachsen, die unmittelbar vor einer Abtreibung stehen online, telefonisch und persönlich mit Rat und Hilfe zur Seite zu stehen. Mittelfristig und mit zusätzlichem Personal halte ich das Ziel von 200 Schwangeren im Jahr für realistisch.

    Ich denke, dass der dafür kalkulierte finanzielle Aufwand angemessen und vertretbar ist.

    Wir haben uns bewusst dafür entschieden, hinsichtlich Beratungszahlen, Kostenaufwand und Spendenzielen offen und transparent zu kommunizieren. Auch wenn andere Organisationen dies nicht tun, ein solches Vorgehen zu kritischen Nachfragen führt und in Einzelfällen weiterer Erklärungsbedarf geweckt wird, wollen wir an dieser Art der Kommunikation festhalten.

  4. Christine Speckam 14. Februar 2011 um 16:35

    Frau Tröger, die Arbeit von 1000plus beschränkt sich nicht nur auf die Beratung, sondern den Schwangeren wird aktive und konkrete Hilfe in viele Richtungen gewährt, weit über die Zeit der Schwangerschaft hinaus!
    Eine Frau in dieser Konfliktsituation geht nach einem Beratungs-Gespräch wieder in das sie bedrängende Umfeld und wird evtl.wieder unsicher. Das Aufzeigen von finanziellen Unterstützungen, das Wegweisen durch amtlichen Dschungel und Hile dabei sind soooo sehr wichtig!! und unterstützt den Mut, das Kind zur Welt zu bringen.
    Wobei keine Frau bei 1000plus massiv überredet wird, sondern eben konkrete Hilfe aufgezeigt bekommt!

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