Integration: Nicht alle Muslime sind gleich

Harald Stollmeier am 18. März 2011

„Die Deutschen sind keine Rassisten“, sagt Dr. Abdelmoula Kangoum, „und in Wirklichkeit ist es für Einwanderer ganz einfach, mit ihnen in Frieden zu leben: Man muss sich unauffällig kleiden, man muss einigermaßen gut Deutsch sprechen, und man muss sich an ein paar einfache Regeln halten. Die wichtigste davon heißt: Nicht laut reden.“

Abdelmoula Kangoum ist in Darfur im Sudan geboren und aufgewachsen, studierte unter anderem in Münster Medizin und hat viele Jahre als Arzt in Deutschland und in den USA gearbeitet. Heute forscht und lebt er in Duisburg und in Linköping/Schweden.

Wie viele Afrikaner ist er Muslim – und sieht darin keinen Widerspruch zu Menschenrechten, Demokratie und einem friedlichen Zusammenleben. „Im Koran steht ausdrücklich“ sagt Dr. Kangoum, „wer einen Menschen tötet, der tötet die ganze Menschheit. Das finden Sie in der fünften Sure. Wer sich zur Rechtfertigung von Gewalt auf den Koran beruft, tut Unrecht.“

Für Islamisten hat Dr. Kangoum nicht viel übrig – schon allein wegen der schrecklichen Dinge, die sein Volk von der islamistischen Diktatur in Khartum erdulden muss –, und die beste aller Welten ist die islamische Welt von heute für ihn nicht. Als Vorsitzender des Deutsch-Afrikanischen Ärztevereins in der Bundesrepublik Deutschand engagiert er sich seit Jahren für eine bessere medizinische Versorgung von Afrikanern in Afrika und Europa. Dazu gehört die Bekämpfung der oft fälschlich mit dem Islam begründeten Genitalverstümmelung von Mädchen. Kritik an Missständen findet Dr. Kangoum berechtigt.

„Aber es beginnt mir auf die Nerven zu gehen“, sagt er, „dass ich als Muslim immer mehr unter Rechtfertigungsdruck stehe und dass immer mehr Menschen in Deutschland den Islam mit Barbarei gleichsetzen. Das ist trotz der vielen schlechten Nachrichten aus der islamischen Welt ein großes Unrecht. Muslime gehören zu einer Kultur, die der abendländischen lange überlegen war und schon vor über 1000 Jahren den Grundstein für die Naturwissenschaften von heute legte. Selbst unter gebildeten Europäern wissen nicht viele, was die Welt muslimischen Forschern wie al-Chwarizmi, Ibn Sina und Ibn Rushd verdankt. Und auch wenn das lange her ist, gehört es zu einem vollständigen Bild des Islam unbedingt dazu.“

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Als Abdelmoula Kangoum nach Deutschland kam, war er ein Exot – ein willkommener Exot. „Es ist oft vorgekommen“, erinnert er sich, „dass ich in der Gaststätte mein Abendessen bezahlen wollte und der Kellner zu mir sagte: Die Menschen an dem Tisch dort haben für Sie bezahlt.“ Noch heute fühlt er sich in Deutschland wohl, wird regelmäßig freundlich gegrüßt und angelächelt. Sorgen macht er sich um die Afrikaner, die unter oft abenteuerlichen Bedingungen nach Deutschland kommen und dann, zum Teil illegal, unter erbärmlichen Bedingungen leben.

„Diese Menschen haben es schon schwer genug“, sagt er, „auch ohne dass die Regierungschefin dieses Landes sich den Kampfbegriff Multikulti zu eigen macht. Mit der Aussage „Multikulti ist gescheitert“ ruft sie ja nicht zu mehr Differenzierung auf, sondern sie ermutigt Abgrenzung und Feindseligkeit. Dabei gewinnen auch die Deutschen nicht. Natürlich darf Deutschland von seinen Einwanderern Integrationsbereitschaft verlangen.

Aber die Einwanderer sind darauf angewiesen, dass man sie als Individuen ernst nimmt, anstatt ihnen mit Schubladendenken zu begegnen. Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe ist eine wichtige Eigenschaft, aber man darf Menschen nicht darauf reduzieren. Ein Freund von mir ist ein gutes Beispiel dafür, wie kontraproduktiv das sein kann: Als er nach Deutschland kam, trank er Whiskey, flirtete mit Frauen und war in religiösen Dingen tolerant. Aber man akzeptierte nicht, dass er so war, fragte ihn immer wieder, ob er nicht als Muslim anders sein müsse. Heute ist mein Freund ein strenggläubiger Muslim, der es mit den Geboten sehr genau nimmt.“

Moralblog veröffentlicht einen Aufsatz von Abdelmoula Kangoum über den muslimischen Beitrag zur modernen Wissenschaft.

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