Babyprämie statt Abtreibung

Caroline Stollmeier am 16. Februar 2012

Seit Ende 2009 kooperieren die ProLife Deutschland GmbH & Co. KG und die BKK IHV. Das Besondere an dieser Kooperation von Vertriebsgesellschaft und gesetzlicher Krankenkasse: Wer in der „Verwaltungsstelle ProLife“ versichert ist, verpflichtet sich, auf Abtreibungen zu verzichten. Im Gegenzug zahlt ProLife Deutschland bei der Geburt jedes versicherten Babys eine Prämie in Höhe von 300 Euro.

Nach § 24b des Sozialgesetzbuches V sind alle gesetzlichen Krankenkassen verpflichtet, die Kosten für Schwangerschaftsabbrüche in den Fällen zu übernehmen, in denen der Eingriff nicht rechtswidrig durchgeführt wird. Davon bildet auch die BKK IHV keine Ausnahme. In der aktuellen Fassung ihrer Satzung vom 6. Juni 2011 bekräftigt sie explizit: „Die Versicherten der Betriebskrankenkasse erhalten die gesetzlich vorgesehenen Leistungen (…) bei Schwangerschaftsabbruch und Sterilisation.“ In der Regel werden den Krankenkassen die Kosten für Abtreibungen übrigens aus Steuermitteln erstattet.

Um es noch einmal deutlich zu sagen: Die BKK IHV verweigert ihren Versicherten keine gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen oder zwingt diese gar, darauf zu verzichten. Wer der Verwaltungsstelle ProLife beitritt, tut dies freiwillig und ohne zusätzliche Kosten. Und wer das tut, möchte damit ein Zeichen dafür setzen, dass ihm der Schutz von Kindern bereits vor ihrer Geburt wichtig ist. Eine Prämie von 300 Euro wird vermutlich sowieso keine Schwangere im Konflikt dazu bewegen, sich für ihr Baby und gegen eine Abtreibung zu entscheiden.

In der Schweiz gibt es ein ähnliches Modell bereits seit über 20 Jahren. Entstanden ist die Idee nicht nur mit dem Ziel, das Leben von Anfang an zu schützen, sondern auch aus handfesten wirtschaftlichen Erwägungen heraus. Eingespart werden nämlich nicht nur die Kosten für den Eingriff selbst, sondern auch mögliche Folgekosten für medizinische oder psychologische Behandlungen, die nach einer Abtreibung anfallen können.

Die zuständige Aufsichtsbehörde, das Bundesversicherungsamt, prüft derzeit, ob bei der BKK IHV in diesem Zusammenhang alles rechtens ist. Mit Versichertengeldern muss nämlich besonders wirtschaftlich und verantwortungsbewusst umgegangen werden. Deshalb ist in Deutschland beispielsweise auch genau geregelt, wie viel Geld eine gesetzliche Krankenkasse für Werbung und Maklerprovisionen ausgeben darf.

Wolfgang Treuter, Geschäftführer von ProLife Deutschland erläuterte gegenüber Moralblog: „Für jedes neue Mitglied, das wir über die Verwaltungsstelle ProLife für die BKK IHV gewinnen können, erhalten wir nur die gesetzlich vorgeschriebene Vergütung. Deshalb können wir leider auch nicht mehr als 300 Euro Babyprämie bezahlen.“

Die „Verwaltungsstelle ProLife“ hat inzwischen mehr als 1.200 Versicherte. „Und es werden jeden Tag mehr“, freut sich Treuter.

Abgelegt unter 1000plus | Leben,Allgemein | 3 Kommentare

3 Kommentare zu “Babyprämie statt Abtreibung”

  1. Janneam 21. April 2012 um 11:04

    Aber kann man dazu verpflichtet werden?

  2. fazlixam 21. Mai 2012 um 19:53

    Am besten wäre wenn die Krankenkassen mit Vergütungen Wirksame Beratung und Hilfe für Schwangere im Konflikt fördern würden, weil die Abtreibung im Grunde genommen ein psychische Problem ist.

  3. […] Die seit Ende 2009 bestehende Kooperation der ProLife Deutschland GmbH & Co. KG mit der BKK IHV wurde beendet. Anscheinend ist die zuständige Aufsichtsbehörde, das Bundesversicherungsamt (BVA), auf Drängen abtreibungsbefürwortender Gruppierungen aktiv geworden und hat mit unangenehmen Konsequenzen für die BKK gedroht. Daraufhin hat der Verwaltungsrat der BKK IHV es vorgezogen, den Kooperationsvertrag zu beenden, obwohl nach Angaben von ProLife Deutschland nicht einmal klar ist, ob das BVA verfassungskonform gehandelt hat. […]

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