Spenden-Experiment: Einsparung Kirchensteuer?

Caroline Stollmeier am 26. Februar 2012

Im Sinne unserer Experiment-Regel 2 „wenn wir im Alltag mit vertretbarem Aufwand Geld sparen können, spenden wir davon die Hälfte“ hatte ich eine Idee: die Kirchensteuer. Wir hier in Nordrhein-Westfalen zahlen 9 % Aufschlag auf die Lohnsteuer. Das bedeutet erhebliches Einspar- bzw. Spendenpotenzial!

Wir bezahlen die Kirchensteuer jeden Monat. Aber freiwillig. Sie ist keine richtige Steuer, die sich (legal) nicht vermeiden ließe. Wie auch andere nicht zwingende Ausgaben, die bei uns inzwischen seit gut einem Jahr auf dem Prüfstand stehen, lohnt es sich auch hier näher hin zu schauen, wofür die Kirchensteuer eigentlich verwendet wird.

Die Bistümer geben an, dass der größte Teil der Kirchensteuereinnahmen für die Seelsorge ausgegeben wird. Dahinter verbergen sich hauptsächlich Personalkosten. Für Verwaltung und die Instandhaltung von Kirchen und anderen Gebäuden wird auch relativ viel Geld ausgegeben. Nur ein kleiner Teil der Kirchensteuereinnahmen wird direkt für soziale und karitative Zwecke ausgegeben. Die konfessionellen Krankenhäuser, beispielsweise, müssen sich selber tragen. Auch Ordensgemeinschaften, die oft viel Gutes für die Menschen tun, bekommen kein Geld aus der Kirchensteuer.

In Kirchenaustritt wäre der einfachste Weg, die Kirchensteuer nicht zu bezahlen. Aber das kommt für meinen Mann nicht in Frage. Vielleicht ist das aber nicht der einzig mögliche Weg?

Wer sagt eigentlich, dass man zwingend Kirchensteuer zahlen muss, um Mitglied (in unserem Fall der katholischen) Kirche zu sein? In den meisten anderen Ländern lebt die Kirche nicht von Steuern, sondern von Spenden und anderen Einnahmen. Dieser Frage sind schon andere Leute nachgegangen. Allen voran der Kirchenrechtler Prof. Hartmut Zapp. Er ist der Meinung, dass man aus der Körperschaft des öffentlichen Rechts Kirche austreten kann, ohne automatisch aus der Kirche als Glaubensgemeinschaft ausgeschlossen zu werden. Das Kirchenrecht selbst kennt nämlich gar keinen Kirchenaustritt. Eine Taufe kann nicht ungültig werden.

Tja, diese Frage ist höchst brisant und anscheinend gar nicht so einfach zu beantworten. Prof. Zapp hat bereits vor mehreren Jahren in genau dieser Angelegenheit einen Rechtsstreit angefangen, der bis heute noch nicht entschieden ist. Es scheint jedoch grundsätzlich nicht ausgeschlossen zu sein, dass man bald auch in Deutschland keine Kirchensteuer zahlen muss, obwohl man Mitglied der Kirche bleibt, wenn man glaubt.

Im Rahmen unseres Spenden-Experiments komme ich aber zu dem Ergebnis: So lange der Rechtsstreit nicht entschieden ist, könnten wir die Kirchensteuer nur um den Preis des Kirchenaustritts einsparen, ein Aufwand, der uns unverhältnismäßig hoch erscheint.

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