Monatsarchiv für März 2012

Jeder Mensch kann friedlich sterben

Harald Stollmeier am 27. März 2012

Rezension: Gian Domenico Borasio, Über das Sterben, Verlag C. H. Beck, München 2011

Sterben kann entsetzlich sein. Aber eine gute und gut organisierte Palliativmedizin kann dazu beitragen, dass es nur noch sehr, sehr selten entsetzlich ist. Der andere entscheidende Faktor für ein friedliches Sterben ist die Vorbereitung, die jeder Einzelne für sein eigenes Sterben treffen kann.

Das wichtigste Einzelinstrument dabei ist die Vorsorgevollmacht, mit der jeder Mensch für den Fall, dass er sich nicht mehr äußern kann, einen Menschen seines Vertrauens umfassend bevollmächtigt, auch für Entscheidungen gegenüber dem Arzt. Der entscheidende Schritt aber, den jeder Mensch tun kann, ist mit den eigenen Angehörigen oder auch engen Freunden über den eigenen Tod und die eigenen Wertvorstellungen und Wünsche im Zusammenhang damit zu reden, reden, reden.

Gian Domenico Borasio, einer der Wegbereiter der Palliativmedizin in Deutschland, klärt in diesem Buch über das Sterben auf: über das Missverhältnis zwischen den Wünschen und Befürchtungen der Menschen einerseits und der statistischen Wirklichkeit andererseits, aber auch über gefährliche medizinische Mythen, deren Folge furchtbares Leid über Sterbende bringt. Das gilt vor allem für Atemnot und Durst, die Plagen, vor denen sich die meisten Menschen zu Recht fürchten.

Zu Bekämpfung von Durst ist die Bekämpfung des Durstgefühls entscheidend, und dabei spielt die Befeuchtung der Mundschleimhaut eine zentrale Rolle. Die Zuführung großer Mengen von Flüssigkeit ist, zumindest bei Menschen in der Sterbephase, eher schädlich und belastet Herz und Lunge.

Gegen Atemnot hilft nichts besser als Morphin, von dem es aber in vielen Lehrbüchern immer noch heißt, es führe zu Atemlähmungen. Borasio (S.135): „Diese Fehlvorstellung ist zwar wissenschaftlich längst widerlegt […]. Trotzdem haben viele Ärzte immer noch Angst davor, Morphin bei Atemnot einzusetzen …“

Gegen die Angst, die naturgemäß mit Atemnot einhergeht und diese in einem Teufelskreis verstärkt, nennt Borasio Benzodiazepine als wirksames Mittel. Dringend empfiehlt er, die Angehörigen anzuleiten, wie man diese Medikamente unter die Haut verabreicht. Atemnot (S. 136) „ist ein medizinischer Notfall.“

Mehr Aufklärung unter Ärzten führt zu besserer Aufklärung der Patienten und ihrer Angehörigen und kann manches Dilemma lindern: Höfliche, in der Sache aber deutliche Kritik übt Borasio, der den Willen des Patienten hoch achtet, auch den Sterbewillen, an der Aufklärung im Vorfeld von Euthanasien (S. 159): „Zwei Ärzte bestätigten dem Patienten unabhängig voneinander, dass er ohne Euthanasie ‚qualvoll ersticken‘ werde. Der Patient entschied sich dann nachvollziehbarerweise für die Euthanasie […]. Das Problem ist nur, dass die Information, die er bekommen hatte, falsch war.“

Ein friedliches Sterben braucht mehr als Medikamente: Menschen in der letzten Phase ihres Lebens brauchen Zuwendung, brauchen Menschen, die Zeit für sie haben. Oft gehen diese Menschen als Beschenkte nach Hause, denn (S. 191): „Im Angesicht des Todes erkennen die Menschen, worauf es wirklich ankommt.“

Gian Domenico Borasios nützliches, gut lesbares Buch Über das Sterben kostet 17,95 Euro.

Abgelegt unter Allgemein,Lesenswerte Bücher | Keine Kommentare

Wie Lämmer unter den Wölfen

Harald Stollmeier am 24. März 2012

Rezension: Eva-Maria Kolman, Pakistan. Christen im Land der Taliban. München 2012

Als Mitglied einer Delegation des katholischen Hilfswerks  KIRCHE IN NOT bereiste Eva-Maria Kolmann im November 2011 Pakistan und hatte Gelegenheit, genau hinzusehen. Ihr tagebuchartiger Bericht macht die Situation der ungefähr 1,2 Millionen katholischen Christen in einem der gefährlichsten Länder der Welt erfahrbar. Gemeinsam mit Eva-Maria Kolmann begegnet der Leser Christen von atemberaubendem Lebensmut.

Schwester Daniela Baronchelli in der Buchhandlung der Paulusschwestern in Karatschi hat eine Polizeirazzia hinter sich. Schwester Timothy Villaram hat einen schweren Bombenanschlag auf die Kathedrale von Lahore überlebt. Die 26-jährige Nähschülerin Asia zieht ihre Kinder in einem der Slums von Karatschi groß. Bischof Andrew Francis von Multan kann nicht ohne Polizeieskorte aus dem Haus gehen. Schwester Nazreen Daniels in Rawalpindi betreut Frauen, die vergewaltigt wurden. Der 9-jährige Samir aus Lahore wurde kurz vor seiner Erstkommunion entführt, konnte aber entkommen.

Die Christen in Pakistan sind eine stark benachteiligte, oft bedrohte Minderheit. Der Islam, der sie umgibt, wird dem Leser nicht pauschal sympathisch. Dabei hat er viele Gesichter (S. 77): „Es gibt in Pakistan Muslime, die an Weihnachten ihre Festtagskleidung anziehen, um mit ihren Kindern in einer Kirche eine Krippe anzuschauen, und es gibt andere, die selbst ihre moderateren Glaubensgeschwister töten.“

Eva-Maria Kolmanns Buch löst widerstreitende Empfindungen aus. Eine ist Zorn über das Unrecht, das Christen widerfährt (Hindus übrigens auch). Eine zweite ist Scham darüber, dass uns deutschen Christen so wenig klar ist, wie gut wir es haben. Eine dritte ist Freude darüber, dass es KIRCHE IN NOT immer wieder gelingt, den katholischen Christen in Pakistan zu helfen, durch Unterstützung für Kirchenbauten aber auch durch weniger sichtbare Taten. Die letzte ist: Dankbarkeit. Denn das Glaubenszeugnis von Menschen wie Shahbaz Bhatti, dem Minister für Minderheiten, der am 2. März 2011 wegen seines Einsatzes gegen das bösartige pakistanische Blasphemiegesetz ermordet wurde, kann auch unseren Glaubensmut stärken.

Eva-Maria Kolmans Pakistan. Christen im Land der Taliban ist kostenlos bei KIRCHE IN NOT zu beziehen. Eine Spende für die Arbeit von KIRCHE IN NOT in Pakistan ist es aber wert.

Bischof Max John Rodrigues von Hyderabad erzählt Kindern von Jesus. Bild: KIRCHE IN NOT

Bischof Max John Rodrigues von Hyderabad erzählt Kindern von Jesus.

(Bild: KIRCHE IN NOT)

Abgelegt unter Allgemein,Glaube | Religion,Lesenswerte Bücher,Politik | Keine Kommentare

Warum ich gegen Abtreibung bin – und warum nicht

Caroline Stollmeier am 11. März 2012

Um es gleich vorwegzunehmen: Ich bin weder ein Fundamentalist noch ein Neo-Nazi noch sonst etwas, was Abtreibungsgegnern im Allgemeinen nachgesagt wird, damit man sie nicht ernst nehmen muss. Ich finde Abtreibungen aus logischen Gründen falsch – nicht aus ideologischen:

1. Ungeborene Kinder sind Menschen.
Inzwischen ist die Entstehung des Menschen ziemlich gut erforscht. Wie unter anderem in dem anerkannten medizinischen Lehrbuch von Sadler/Langman ausgeführt wird, ist der Mensch ein Mensch ab der Verschmelzung von Samen- und Eizelle. Es kann also keine Diskussionen darüber geben, dass das Wesen, das im Bauch seiner Mutter heranwächst ganz von Anfang an ein Mensch ist – egal wie wir es nennen und egal, ob es gewünscht oder ungeplant entstanden ist.

2. Es gelten die Menschenrechte.
Nach Artikel 3 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte hat jeder das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person. Auch wenn nicht in jedem Land jedes Menschenrecht umgesetzt wird (auch in Deutschland wird beispielsweise gleiche Arbeit nicht immer gleich entlohnt), so ist die Erklärung doch eine wichtige Orientierungshilfe, die annähernd weltweite Anerkennung findet.

3. Kinder haben ein Recht auf Leben.
Selbstverständlich berührt eine ungewollte Schwangerschaft die Freiheit der Mutter (in der Regel bedroht sie jedoch nicht deren Leben). Es gibt jedoch keinen zwingenden Grund, die Rechte der Mutter höher zu bewerten als die ihres Kindes, zumal hier eine zeitlich befristete Einschränkung der individuellen Freiheit einem Todesurteil gegenüber steht.

Darüber hinaus gibt es viele andere Argumente, die gegen Abtreibungen sprechen. Aber keins davon finde ich so zwingend, wie die, die ich Ihnen gerade genannt habe. Da jedoch im öffentlichen Umgang mit Abtreibungskritikern häufig mit üblen Verleumdungen gearbeitet wird, möchte ich noch einige Aspekte ansprechen, bei denen Sie zustimmen oder andere Meinung sein können. Keinesfalls jedoch sollten Ihnen diese Dinge „egal“ sein. Immerhin geht es hier im wahrsten Sinne des Wortes um eine Frage von Leben und Tod – für mehr als 100.000 Menschen in jedem Jahr alleine in Deutschland.

Nur Gott darf über Leben und Tod entscheiden.
Wenn man daran glaubt, dass alles Leben von Gott geschaffen ist und nur Gott selbst dieses Leben auch wieder beenden darf, dann ist alleine aus diesem Grund eine Abtreibung Unrecht. Ich halte es jedoch eher mit Kant: Handle nur nach der Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie allgemeines Gesetz wird. Das bedeutet für mich beispielsweise, dass ich mir manchmal aus einem Impuls heraus für bestimmte Verbrecher die Todesstrafe wünsche, obwohl ein allgemeines Recht auf Leben besteht. Gleichzeitig ist mir aber klar, dass auch ich durch ein rechtstaatliches System mit dem Tode bestraft werden könnte, falls ich mich entsprechend strafbar gemacht hätte. Und nur so ist es richtig.
Es gibt Menschen, die rechtfertigen Abtreibungen damit, dass bestimmte Kinder in ihren Augen kein lebenswertes Leben vor sich haben und deshalb besser sofort getötet werden sollten; vielleicht weil die Eltern arbeitslos sind, vielleicht weil sie Ausländer sind. Für mich sind all diese Argumente Unsinn. Denn warum sollten diese Dinge ausreichende Gründe sein, nicht zu leben? Was ist, wenn plötzlich die Mehrheit oder die Staatsgewalt der Meinung wäre, dass nur Kinder von Millionären geboren werden sollten oder nur Kinder mit grünen Augen? Dann ist man selber vielleicht ganz plötzlich betroffen (obwohl man es doch vorher nur gut gemeint hat). Wie will man rechtfertigen, dass für einen selber etwas nicht gelten muss, was man doch vorher als gültig für andere definiert hat?
Ich möchte, dass eine Institution oder Gruppe über Leben und Tod entscheidet, der ich auch die Entscheidung über mein eigenes Leben (oder das meiner Kinder) anvertrauen würde. Und das bedeutet, dass ich im Zweifelsfall niemanden über Leben und Tod anderer entscheiden lassen möchte.

Wer weiß, was aus dem Kind geworden wäre?
In jedem neugeborenen Kind steckt unvorstellbares Potenzial. Und ob jemand später ein Heilmittel gegen Krebs entdeckt oder auf die schiefe Bahn gerät, kann man vorher nicht wissen. Das hängt nämlich nicht davon ab, wer die Eltern sind und unter welchen Umständen man gezeugt wurde. Ich finde, jeder sollte die Chance bekommen, das Beste aus seinem Leben zu machen. Und das geht eben nur, wenn man geboren wird.

Der Mensch ist ein gottgleiches Wesen.
Vielleicht stimmt das, vielleicht auch nicht. Das kann ich weder beweisen noch widerlegen. Ganz sicher ist das für mich aber kein ausschlaggebender Grund Abtreibungen abzulehnen.

Wir hätten kein demographisches Problem, wenn alle abgetriebenen Kinder geboren wären.
Dieses Argument halte ich für ein rein statistisches, das dem Thema nicht gerecht wird. Wer sichere Renten möchte, der kann nicht erwarten, dass andere Menschen dafür Kinder kriegen. Hier sollte lieber über eine Umgestaltung unseres Sozialversicherungssystems nachgedacht werden.

Wem gehört mein Bauch?
Mein Bauch gehört mir, diesen Ausspruch der Frauenrechtsbewegung kennt wahrscheinlich jeder. Er ist wahr. Aber in dem Moment, in dem ein anderer Mensch beteiligt ist, gehört mit gleicher Selbstverständlichkeit dessen Bauch ihm. Und das bedeutet auch, nur weil ein Mensch im Bauch eines anderen Menschen heranwächst (was einfach so ist und sich nicht wegdiskutieren lässt), darf nicht plötzlich der eine über den anderen verfügen.

Die Freiheit eines Menschen hat Grenzen, wo sie die Freiheit eines anderen beschränkt.
Niemand möchte unfrei sein. Insbesondere Frauen haben lange und hart gekämpft, um annähernd gleiche Rechte durchzusetzen, wie sie Männern zustehen. Aber die eigene Freiheit hat spätestens da ihre Grenzen, wo sie die Freiheit anderer Menschen beschneidet. Und das bedeutet, dass ich jedem zugestehe, seine eigene Sexualität so frei auszuleben, wie er möchte. Aber er darf sich dabei nie über den Willen anderer hinweg setzen. Und schon gar nicht darf die freie Auslebung der eigenen Sexualität mit Todesfolgen für andere Menschen verbunden sein. (Nebenbei bemerkt, ich finde selbstverständlich nicht, dass alle Spermien, die in einem Papiertaschentuch landen, getötete Kinder sind: Der Mensch entsteht erst bei der Befruchtung.)

Abtreiben ist keine Empfängnisverhütung.
Es gibt einige mechanische und natürliche Verhütungsmittel, die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die Verschmelzung von Samen- und Eizelle verhindern. Ich finde, es spricht nichts dagegen, sich dieser Mittel zu bedienen. Das bedeutet aber nicht, dass man quasi das Recht oder gar die Pflicht hätte, bei einer Verhütungspanne sein Kind abzutreiben. Da kein Verhütungsmittel absolut sicher ist, gehört zu einer selbstbestimmten Sexualität immer auch die eigene Verantwortung. Wer das Risiko eingeht, ungeplant schwanger zu werden, der darf im Falle eines Falles nicht sein Kind dafür verantwortlich machen.

Abschließend möchte ich noch anmerken, dass ich nicht der Meinung bin, dass unsere Gesetzgebung in Deutschland geändert werden muss. Wir haben ein relativ liberales Abtreibungsrecht, das eine straffreie Abtreibung zulässt, die außerdem in den meisten Fällen aus Steuermitteln finanziert wird. Aus meiner Sicht ist es keine unzumutbare Belastung für eine abtreibungswillige Frau, sich einer Beratung zu unterziehen, die je nach Beratungsstelle eine reine Formsache ist, ihr aber dennoch die Möglichkeit gibt, diese wichtige Entscheidung zuvor mit einem Unbeteiligten zu besprechen und jedes Für und Wider abzuwägen.
Anstelle einer Gesetzesänderung wünsche ich mir ein neues gesellschaftliches Umdenken. Eine Abtreibung ist keine reine Privatsache einer einzelnen Frau. Es geht immer auch um einen Vater, um Großeltern, um andere Verwandte und Freunde – und natürlich um ein Kind. Wer eine Frau in einer  verzweifelten Situation sich selbst überlässt, so dass ihr die Abtreibung als einziger Ausweg erscheint, lässt diese Frau im Stich – auch wenn er nichts weiter sagt als: Das musst du ganz alleine entscheiden.

Hilfe statt Abtreibung: 1000plus

Abgelegt unter 1000plus | Leben,Allgemein | Ein Kommentar

Spenden-Experiment: Und das Geld geht an…

Caroline Stollmeier am 8. März 2012

1.100 Euro konnten wir im Laufe eines Jahres zusammensparen. Wie versprochen möchten wir dieses Geld zum Menschenlebenretten einsetzen. Wir haben uns viele Gedanken darüber gemacht, wer das Geld am Ende bekommen soll. Neben vielen wichtigen Kriterien hat sich für uns herausgestellt, dass uns vor allem eins wichtig ist: Vertrauen.

Wir haben uns verschiedene Organisationen genauer angesehen. Von vorne herein sind nur diejenigen in Frage gekommen, die ausdrücklich versuchen Menschenleben zu retten. Natürlich retten auch Projekte, deren Ziele beispielsweise eine bessere Schulbildung oder mehr Gerechtigkeit sind, indirekt Menschenleben. Die Beschränkung ist keine Wertung. Sie ist lediglich die individuelle Vorgabe, die wir uns selbst für unser Experiment gemacht haben.

Zwei Vereinen fühlen sich mein Mann und ich in besonderer Weise verbunden, weil wir den Menschen hinter den Kulissen vertrauen und ihre Arbeitsweise überzeugend finden. Dieses Vertrauen ist im Laufe der Zeit gewachsen, nicht erst während des Spenden-Experiments. Wir wissen, beide Vereine retten erfolgreich Menschenleben – der eine in Deutschland, der andere im Sudan.

Nach gründlicher Überlegung und ohne damit gleichzeitig die Arbeit anderer Organisationen abwerten zu wollen haben wir uns entschieden, die gesammelten Spenden je zur Hälfte an Pro Femina e.V. und den Deutsch-Afrikanischen Ärzte-Verein in der BRD e.V. zu übergeben.

Natürlich kann unsere Spende nur einen kleinen Beitrag zur wichtigen Arbeit dieser Vereine leisten. Aber wir hoffen, dass wir mit unserem Spenden-Experiment zeigen konnten, dass man auch mit einfachen Mitteln und ohne spürbaren Verzicht mehr Geld für gute Zwecke oder zur Bekämpfung von Missständen ausgeben kann. Nicht nur der Staat, nicht nur die Reichen, nicht irgendjemand, sondern ich.

Spenden-Experiment

Heute ist unser Spenden-Experiment abgeschlossen. Das Geld geht an Pro Femina und den Deutsch-Afrikanischen Ärzte-Verein. Wir wissen, hier werden Menschenleben gerettet.

Abgelegt unter Allgemein,Spenden-Experiment | Ein Kommentar

Spenden-Experiment: Reaktionen

Caroline Stollmeier am 5. März 2012

Wir haben den Beginn unseres Experiments veröffentlicht und insbesondere in der Anfangsphase kam das Thema gelegentlich mit Freunden zur Sprache. Die Reaktionen waren unterschiedlich. Sie reichten von Äußerungen wie „Respekt!“ bis hin zur Vermutung, dass wir „bekloppt“ seien.

Besonders gefreut haben wir uns über konstruktive Auseinandersetzungen. Ein Freund sagte uns, dass er überzeugt davon sei, dass auch Leute mit niedrigem Einkommen gerne Gutes tun würden, aber absolut nicht in der Lage sind, Geld zu spenden. Er schlug vor die Experimentregeln dahingehend abzuändern, dass man für je 10 Euro, die man für Luxus-Güter ausgibt, eine Stunde gemeinnützige Arbeit entsprechend seinen Fähigkeiten leistet.

Besonders schnell reagiert haben diejenigen, die uns gleich „ihre“ Projekte als Spendenempfänger vorgeschlagen haben. Diese Vorschläge haben wir selbstverständlich in unsere Überlegungen einbezogen.

Auch bei uns selber haben wir verschiedene Reaktionen auf das Experiment beobachtet. Wir haben genauer als vorher hingeschaut, wofür wir unser Geld ausgeben. Manchmal haben wir Dinge nicht gekauft, obwohl wir es unter normalen Umständen getan hätten. Wir haben auch die bisherigen Empfänger unserer Spenden und Mitgliedsbeiträge genauer unter die Lupe genommen. Wir haben uns Gedanken darüber gemacht, ob Menschenlebenretten wirklich das wichtigste Ziel ist, das es für uns geben kann (und sind zu dem Ergebnis gekommen: ja!). Und wir haben viel über andere Menschen gelernt. Beispielsweise haben viele resigniert, weil es gelegentlich Skandale um die Veruntreuung von Spendengeldern gibt oder jede Medaille auch ihre Kehrseite hat. Aber wir haben auch gemerkt, dass sich mindestens genau so viele Menschen für gemeinnützige Projekte einsetzen, einfach, weil sie ihnen wichtig sind und weil es sonst keiner tut.

Abgelegt unter Allgemein,Spenden-Experiment | Keine Kommentare

Das Spenden-Experiment: Selbsterfahrung Teil II

Caroline Stollmeier am 2. März 2012

Im Laufe unseres Experiments hat sich gezeigt, dass wir beim Kauf von alltäglichen Dingen nicht so viel Geld wie erhofft einsparen konnten. Aber es gab ja auch noch unsere Regel 1: „Die Hälfte des Betrags, den wir für Luxus-Güter (also Dinge, die wir nicht unbedingt brauchen und die man nur kauft, weil sie Freude machen) ausgeben, wollen wir spenden.“

Insbesondere in den ersten Tagen und Wochen des Experiments stellte sich immer wieder die Frage, ob eine „Unnützausgabe“ vorlag oder nicht. In dieser Phase haben wir bestimmte grundsätzliche Entscheidungen getroffen. Meistens war es jedoch ein individuelles Abwägen.

Freunde

Natürlich macht es einfach nur Spaß Freunde zum Essen einzuladen oder zu beschenken. Wir haben aber schnell entschieden, dass unsere Freunde nicht durch unser Experiment beeinflusst werden sollen. Immerhin geht es dabei nicht nur um uns. Und wir wollten auch niemandem ein schlechtes Gewissen einreden.

Geschenke, Restaurantbesuche und andere Dinge für unsere Freunde, haben wir grundsätzlich nicht zu den „Unnützausgaben“ gezählt.

Kinder

Natürlich haben unsere Kinder schon mehr als genug Spielzeug. Und auch ein Freizeitparkbesuch ist nicht unbedingt lebensnotwendig. Ähnliche Überlegungen wie im Zusammenhang mit unseren Freunden, haben uns aber dazu gebracht alle Ausgaben für unsere Kinder in unserem Experiment nicht zu berücksichtigen.

Lebensmittel

Gelegentlich konnten wir bestimmte Lebensmittel wie Pralinen oder bestimmte Biersorten eindeutig als Luxus-Güter einstufen. Manchmal fiel diese Entscheidung schwer, oder wir haben einfach nach einem Einkauf vergessen die Ausgaben zu berücksichtigen. Deshalb ist dieser Ausgabenblock der unsicherste in unserer Auflistung und hat dazu geführt, dass wir uns entschieden haben, am Ende die Spendensumme in plausibler Höhe aufzurunden.

Kosmetik

Wir kaufen generell sehr wenig reine Kosmetikprodukte (Duschgel, Deodorant, Klopapier und ähnliches zählt natürlich nicht!). Haben wir doch mal eine Creme oder ein Haarstylingprodukt gekauft, konnten wir das schnell als „Unnützausgabe“ klassifizieren.

Hobby

Ebenso einfach zu identifizieren waren Ausgaben für unsere Hobbys (wie beispielsweise Bastelbedarf), die in der Regel spendenwirksam wurden.

Kleidung

Wir haben nicht das kaputte Paar Schuhe, das ersetzt werden musste, berücksichtigt, sondern Kleidungsstücke und Accessoires, die wir nur kauften, weil sie uns gefielen. Es waren nicht viele, aber der eine oder andere Spendeneuro ist auf diese Weise zusammen gekommen.

Fazit

Aus der Anwendung von Regel 1 haben wir etwa 75 % unserer Spenden gewonnen.

Grundsätzlich konnten wir feststellen, dass sich schnell ein Gefühl dafür eingestellt hat, dass Luxus-Güter während des Experimentzeitraums für uns 50 % mehr kosten. Und entweder wir haben den (gefühlt) höheren Preis akzeptiert oder eben nicht. Wenn nicht, haben wir eben kein Geld ausgegeben. Das hat dazu geführt, dass wir im Experimentzeitraum mit Sicherheit weniger Luxus-Güter gekauft haben als davor.

Abgelegt unter Allgemein,Spenden-Experiment | Keine Kommentare