„Lebenslinie“ von Abby Johnson

Caroline Stollmeier am 12. Juli 2012

„Wenn ich mich heute frage, was man hätte sagen können, um meine Meinung, ein zweites Mal abzutreiben, zu ändern, würde ich folgendes vorschlagen: ‚Was glaubst du, würde deine Eltern am meisten enttäuschen? Herauszufinden, dass du schwanger geworden bist, oder zu erfahren, dass du ihrem Enkelkind das Leben genommen hast?’ Rückblickend ist mir klar, dass meine Angst davor, mit meinen Eltern über meine Konfliktschwangerschaft zu sprechen, wirklich irrational war. Ich wünschte, ich könne schreiben, dass ich über meine Entscheidung in Bezug auf die Schwangerschaft lang und hart gerungen habe. Aber das wäre eine Lüge. Die Wahrheit ist, dass Abtreibung in meinem Leben mittlerweile eine einfache und normale Angelegenheit geworden war.“*

Abby Johnson steigt schnell von der freiwilligen, studentischen Helferin zur Leiterin einer Abtreibungsklinik auf. Zuerst wundert sie sich über die Menschen, die hinter dem Klinikzaun gegen Abtreibungen demonstrieren, später lernt sie diese systematisch zu bekämpfen. Außerdem hat sie selber abgetrieben.

Jahre später, als sie zufällig bei einer ultraschallbegleiteten Abtreibung anwesend ist, erkennt sie, was dabei wirklich geschieht. Dieses Wissen lässt sie ihr Leben von heute auf morgen auf den Kopf stellen. Plötzlich steht sie auf der anderen Seite des Klinikzauns. Sich selbst gegenüber schonungslos erzählt Abby Johnson ihre Geschichte.

Lebenslinie“ zeigt, dass es gute Menschen und vor allem gute Absichten auf beiden Seiten des Zauns gibt. Alexandra M. Linder hat das Buch kürzlich aus dem Amerikanischen übersetzt und dabei immer den richtigen Ton getroffen. Sie selbst setzt sich auf vielfältige Weise für das Leben ungeborener Kinder ein. Zum Beispiel ist sie selbst Autorin und gehört dem Bundesvorstand der ALfA an.

Lebenslinie

Johnson, Abby: Lebenslinie: Warum ich keine Abtreibungsklinik mehr leite, Sankt Ulrich Verlag, 1. Auflage, 2012, EUR 19,95.

* S. 58

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