Monatsarchiv für August 2012

Mein Kind will keinen Alkohol

Caroline Stollmeier am 2. August 2012

„Jede zweite Frau trinkt während der Schwangerschaft Alkohol – ganz leichtfertig und quer über alle sozialen Schichten“, sagt Simone Stein-Lücke, Geschäftsführerin der PR-Agentur Bonne Nouvelle. Zusammen mit der Pernod Ricard Deutschland GmbH hat Bonne Nouvelle die Kampagne „Mein Kind will keinen Alkohol“ entwickelt, die inzwischen seit drei Jahren erfolgreich läuft.

„Angefangen hat Pernod Ricard in Frankreich. Dort muss inzwischen verpflichtend auf jede Alkoholfalsche aller Hersteller das Logo mit der durchgestrichenen Schwangeren abgedruckt werden“, berichtet Stein-Lücke, „das ist ein großer Erfolg. Toll, wie die Regierung dort reagiert hat.“

Der Hintergrund der Kampagne ist erschreckend: Nach Schätzungen werden in Deutschland jährlich etwa 4.000 Babys mit einem unterschiedlich stark ausgeprägten Fetalen Alkoholsyndrom (kurz: FAS) geboren. Diese schwerwiegende Schädigung des Neugeborenen wird nur durch den Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft verursacht. Die Folgen sind beispielsweise Minderwuchs, Fehlbildungen der Geschlechtsorgane, Herzfehler, Intelligenzminderung, Verhaltensstörung, Konzentrationsschwäche. Manche Entwicklungsstörungen können die Kinder mit der Zeit aufholen. Die meisten Behinderungen durch das FAS bleiben jedoch ein Leben lang.

Auch in Deutschland und darüber hinaus hat die Kampagne bereits erste großartige Erfolge erzielen können. „Wir haben es geschafft, die WHO und die Bundesregierung für das Thema zu sensibilisieren“, berichtet Stein-Lücke und lobt ihren Auftraggeber Pernod Ricard für die vorbildliche Übernahme von sozialer Verantwortung.

Einen Widerspruch zwischen dem Geldverdienen mit Alkohol und der Warnung vor dem Alkoholkonsum sieht Stein-Lücke nämlich nicht: „Alkohol kann in der falschen Dosierung und unter bestimmten Bedingungen sehr gefährlich sein. Deshalb plädieren wir für die Punktnüchternheit, das bedeutet, dass man in bestimmten Lebensphasen oder Situationen komplett auf Alkohol verzichtet. Aber Alkohol ist ein Kulturgut. Der maßvolle Umgang damit ist entscheidend. Und den hat die Gesellschaft inzwischen leider verlernt.“

„Schwangeren wird beispielsweise geraten, für den Kreislauf einen Sekt zu trinken. Oder die Frauen sind der Meinung, dass ein Gläschen zum Anstoßen schon nicht schaden kann. Es ist ein großes Problem, wie leichtfertig damit umgegangen wird“, sagt Stein-Lücke, „man weiß nie welches der Schluck zu viel ist, der ein Kind vom Gymnasium auf die Hauptschule bringt. Deshalb konsequent: Finger weg von Alkohol ab dem ersten Tag.“

Die Initiatoren halten die Kampagne „Mein Kind will keinen Alkohol“ für notwendig, weil anscheinend immer noch großes Unwissen über die Risiken des Alkoholkonsums in der Schwangerschaft vorherrscht. Und das ganz klare Ziel ist: Null Promille in der Schwangerschaft soll zur gesellschaftlichen Norm werden.

„Mein Kind will keinen Alkohol“ hat inzwischen viele Unterstützer gefunden: Schauspielerinnen und andere Prominente geben der Kampagne ein Gesicht, Fernsehsender stellen Sendezeit zur Verfügung, Plakatflächen werden bereitgestellt, namhafte Ärzte machen mit. Und das alles unentgeltlich.

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Caroline Stollmeier am 1. August 2012

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