Viereinhalb Wochen

Caroline Stollmeier am 1. Oktober 2012

In der 17. Schwangerschaftswoche erfährt Constanze, dass ihr Wunschkind unheilbar krank ist. Für sie und ihren Mann Tibor bricht eine Welt zusammen. Die meisten Frauen treiben in dieser Situation ab, erklären die Ärzte. Für Constanze und Tibor beginnt die schrecklichste Zeit  ihres Lebens. Sie müssen sich entscheiden, wie es weiter gehen soll.

Heilungsaussichten gibt es für das Kind keine, da sind sich alle Ärzte sicher. Aber möglicherweise überlebt es seine Geburt. Schwerbehindert.

Eine lange Liste mit triftigen Argumenten spricht für die Abtreibung, wenige Punkte dagegen. Dennoch brauchen Constanze und Tibor viereinhalb Wochen voller Verzweiflung, Vorwürfe und selbstgewählter Isolation, um die Entscheidung zu treffen, hinter der sie beide mit Herz und Verstand stehen können: sie werden das Kind bekommen.

„Natürlich waren wir nach wie vor traurig. Wir waren niedergeschlagen über das Schicksal unseres Sohnes, hilflos angesichts seiner Krankheit. Wir waren aber auch überzeugt davon, dass wir einen Weg gefunden hatten, damit umzugehen. Uns war klar, dass wir nichts tun konnten, außer bedingungslos zu lieben. (…) Nun lag alles wieder in Gottes Hand, genauso wie es das vor diesem Monat getan hatte. Das klingt einfach, ist aber ein schwieriger Satz für die, die ihn leben müssen. Für Tibor und mich war es der schwerste Satz, den wir je gesagt hatten in unserem Leben“, schreibt Constanze.

Arztbesuche, Wohnungssuche, Internetrecherche, Streit und Versöhnung mit ihrem Mann, Verständnis und Unverständnis von Freunden und Familie, der Kauf von Umstandsmode und die Frage, warum sie schwanger keinen Alkohol trinkt, obwohl ihr Kind doch sowieso sterben wird. Das alles beschreibt Constanze Bohg offen und schonungslos in „Viereinhalb Wochen“.

Der kleine Julius stirbt zwei Stunden nach seiner Geburt, friedlich und ohne zu leiden. Er hat aus Constanze und Tibor eine Familie gemacht. Und während die beiden versuchen so gut es geht mit ihrem Schmerz, ihrer Trauer und ihrem Verlust umzugehen, empfinden sie tiefe Dankbarkeit, dass sie Julius gehabt haben – ihr perfektes kleines Baby.

Constanze Bogh: Viereinhalb Wochen

Bohg, Constanze: Viereinhalb Wochen. Die Geschichte von unserem kleinen Julius, München, 2012.

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Ein Kommentar zu “Viereinhalb Wochen”

  1. […] Ende. Am Abend fand in unserer Unterkunft eine Pro-Life-Konferenz statt. Eine Autorin stellte ein Buch über Abtreibung vor und ein Gast aus Rumänien berichtete über die dortige Situation rund um Lebensrecht und […]

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