Größere Helden als Spiderman

Caroline Stollmeier am 7. Oktober 2012

Gestern kamen in Heidelberg Freunde, Unterstützer und Mitarbeiter von Pro Femina zum 1000plus-Tag zusammen. Ein befreundeter Hotelier stellte den Tagungsraum zur Verfügung; sogar für Kinderbetreuung war gesorgt. Durch das bunte Programm führte der sympathische neue 1000plus-Mitarbeiter Rolf Schirrmacher.

Johanna Gräfin von Westphalen, die Schirmherrin von 1000plus ist und sich u.a. mit ihrer „Stiftung Ja zum Leben“ unermüdlich für den Lebensschutz in Deutschland einsetzt, äußerte in ihrem bewegenden Grußwort ihre Bestürzung darüber, dass sich viele Menschen heute anmaßen, über Leben und Tod andere Menschen verfügen zu können. Dies ist ihr vor allem vor dem Hintergrund ihrer Kindheit im Dritten Reich unverständlich. Sie zeigte sich beeindruckt von der erfolgreichen Arbeit des 1000plus-Teams und allem, was 1000plus in den letzten drei Jahren bereits erreicht hat.

Hartmut Steeb, Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, überbrachte Grüße verschiedener Lebensrechtsorganisationen und drückte seine persönliche Wertschätzung für 1000plus aus.

Claus Hipp, der den meisten Menschen aus der Werbung bekannt sein dürfte, konnte leider persönlich nicht anwesend sein, hat aber auch ein herzliches Grußwort übermittelt. Er unterstützt die Schwangeren, die bei 1000plus beraten wurden seit langem. In der letzten Zeit hat er außerdem 5.000 Fläschchen für die beliebten Babyflaschen-Aktionen zur Verfügung gestellt.

Cornelia Lassay leitet die telefonische und persönliche Beratung von 1000plus. Anhand von zwei Einzelschicksalen betroffener Frauen erläuterte sie die tägliche Arbeit der Beraterinnen. Ergänzt wurde ihr Vortrag von Brigitte Stelzle, die die bemerkenswerten Erfahrungen und Ergebnisse der Online-Beratung schilderte.

Die inzwischen 14 Beraterinnen sind das Herzstück von 1000plus und, wie Rolf Schirrmacher es ausdrückte, wirklich „größere Helden als Spiderman und alle anderen Superhelden zusammen.“ Sie sind professionell aus- und weitergebildet. Aber vor allem besteht ihre Arbeit aus gelebter Nächstenliebe. Sie verurteilen die Schwangeren nicht, drängen ihnen nichts auf. Mit Einfühlungsvermögen, Kreativität und ihren starken Persönlichkeiten schaffen sie es immer wieder, sich ganz auf den einzelnen Konfliktfall einzulassen und individuelle Lösungen zu finden. Beeindruckende 70 % der Betroffenen, die mit einer der 1000plus-Beraterinnen Kontakt hatten, entscheiden sich anschließend für ihr Kind.

Nach der Pause konnten die Besucher des 1000plus-Tags eine ganz besondere Familie kennen lernen, die Guidos. Simone und Bernhard Guido haben zwei gesunde Söhne und eine stabile Familie. Das Glück darüber wollten sie teilen und entschieden sich, ein Pflegekind aufzunehmen. Nachdem sie die entsprechenden Ausbildungen und Vorbereitungen durchlaufen haben, kam Tim zu ihnen, der das Down-Syndrom hat. Tim wurde vor Jahren als das „Oldenburger Baby“ bekannt, das seine eigene Abtreibung überlebte.

Inzwischen hat das couragierte Ehepaar sogar noch ein weiteres Kind mit Down-Syndrom aufgenommen und bemüht sich, anderen Eltern von behinderten Kindern beizustehen, Tipps zu geben und aufzuklären. Für sie ist die Behinderung ihrer beiden jüngsten Kinder keine Katastrophe, sondern normal. So sind die Kinder eben. Und man merkt der Familie an, dass sie einen guten Weg gefunden hat ihren bestimmt nicht einfachen Alltag zu meistern.

Zum Abschluss der Veranstaltung stellte Kristijan Aufiero, Initiator und Leiter von 1000plus, seine Visionen für die Zukunft der Schwangerenberatung vor. Als vor drei Jahren aus den Vereinen die Birke und Pro Femina unter maßgeblicher Unterstützung der Stiftung Ja zum Leben das Projekt 1000plus hervorging, war das ehrgeizige Ziel: Wir wollen in jedem Jahr mehr als 1000 Frauen und ihren Babys helfen. Dieses Ziel wurde inzwischen erreicht. Aber angesichts der enorm hohen Abtreibungszahlen in Deutschland und der vielen, vielen Frauen, die immer noch nach Hilfe suchen, obwohl sie den „Beratungsschein“ bereits in der Tasche haben, kann das Erreichte nur der Anfang der Arbeit von 1000plus sein.

Immer noch ist es so, dass die Online-Werbung von 1000plus zwischenzeitlich abgeschaltet werden muss, weil die Beratungskapazitäten erschöpft sind. Bis zum Jahr 2020 möchte Kristijan Aufiero deshalb insgesamt 200 Beraterinnen beschäftigen, die sich nach den hohen Maßstäben von 1000plus um die Schwangeren in Not kümmern können. Dies ist wieder ein ehrgeiziges Ziel, weil 1000plus keine Steuerzuschüsse bekommt und sich rein aus Spenden finanziert. Aber es ist ein Ziel, dass sich dank der immer zahlreicher werdenden Unterstützer und Freunde hoffentlich realisieren lässt.

Kristijan Aufiero machte noch einmal ganz deutlich: Keine Frau wünscht sich eine Abtreibung. Jede ungewollt Schwangere würde immer die Lösung der Probleme, wegen denen sie sich zur Abtreibung gezwungen sieht, der Abtreibung vorziehen. Und wenn man das erkannt hat, dann kann man nicht mehr Abtreibung als Freiheitsrecht fordern, sondern man muss helfen. Jeder einzelne.

1000plus Tag

Eindrücke vom 1000plus-Tag in Heidelberg am 6. Oktober 2012: v.l. Johanna Gräfin von Westphalen, Kristijan Aufiero, Brigitte Stelzle, Cornelia Lassay, Tim und seine Eltern, Hartmut Steeb (Fotos: Caroline Stollmeier)

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Ein Kommentar zu “Größere Helden als Spiderman”

  1. […] ringen mit dem demographischen Wandel und suchen nach Erklärungen. Kristijan Aufiero, Leiter des Schwangerenberatungsprojekts 1000plus, entdeckt in den Fragenkatalogen der Wissenschaftler eine […]

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