Das gute Gesetz

Harald Stollmeier am 12. Oktober 2012

Eine erfundene Geschichte

Es war einmal ein Land in Afrika, in dem die Männer gerne schnackselten. Sie taten das nicht nur mit ihren rechtlich angetrauten Ehefrauen, sie taten es auch mit Geliebten, denen sie die Ehe in Aussicht stellten. So sind sie, die Afrikaner.

Immer wieder kam es vor, dass die Geliebten schwanger wurden. Natürlich waren sie daran selber schuld, weil sie doch hätten verhüten können. Viele waren jedoch zu undiszipliniert – schließlich waren es Afrikanerinnen. Einige wurden sogar mit Absicht schwanger, weil sie hofften, den Mann so zur Ehe bewegen zu können. Die afrikanischen Männer wiederum fielen darauf nicht herein: Sie ließen sich das nicht gefallen und gingen auf und davon. Ihre Vorstellung von Männlichkeit erlaubte ihnen das.

Aber die weisen Männer, die das Land regierten, waren voller Sorge, denn die alleingelassenen Frauen brachten alleingelassene Kinder zur Welt. Schande lag auf ihnen, und ihre Familien litten schwer. Zudem wandten sich die alleingelassenen Frauen mit Hilfeersuchen an die weisen Männer, die ihnen Brot und Arbeit verschaffen sollten, damit sie ihre Kinder großziehen könnten.

Die weisen Männer berieten sich, denn sie hatten Mitleid. Die alleingelassenen Frauen dauerten sie, und die vaterlosen Kinder waren eine soziale Zeitbombe. Man konnte dieser Entwicklung nicht länger tatenlos zusehen.

Und die weisen Männer schufen ein gutes Gesetz, um Gerechtigkeit im Lande herzustellen. „Wenn Männer ihre Kinder im Stich lassen dürfen“, sagten die weisen Männer, „dann steht auch den Frauen das Recht zu, ihre Kinder im Stich zu lassen.“ Und die weisen Männer gaben den alleingelassenen Frauen das Recht, ihre Kinder schon vor der Geburt durch geeignete Kräutertränke oder durch den Eingriff eines Medizinmanns zu töten.

Dieses gute Gesetz schuf Frieden in dem afrikanischen Land. Zwar forderten immer wieder einzelne Nörgler, den alleingelassenen Frauen auf andere Weise zu helfen, aber das kam natürlich nicht in Frage – schließlich ging es um ein Menschenrecht.

Das gute Gesetz

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