Jane: Das ist meine Abtreibung

Caroline Stollmeier am 27. November 2012

KOMMENTAR

Letztes Jahr hat Jane sich für eine Abtreibung entschieden. Vor der Klinik wurde die Amerikanerin mit betenden Demonstranten, Bildern von toten Babys und Pro-Life-Slogans konfrontiert. Von dieser „Propaganda“ fühlte sie sich verunsichert und beschloss, ihre Abtreibung heimlich mit ihrer Handykamera aufzunehmen. Mit der Veröffentlichung wollte sie „die hetzerischen Bilder der religiösen und politischen Abtreibungsgegner entzaubern“. Das das ausgerechnet während des Präsidentschaftswahlkampfs geschah, war kein Zufall.

„Ich fühle mich nicht schuldig, beschämt oder schlecht. Ich war mit meiner Entscheidung immer im Reinen. Ich bin dankbar, dass ich Zugang zu einer sicheren Abtreibung hatte. Ich hatte Glück“, schreibt sie uns auf unsere vorsichtige Nachfrage.

Wie das Baby nach der Abtreibung aussieht hängt ab von der Schwangerschaftsdauer und dem Abtreibungsverfahren. Janes Fotos sind sicher nicht so „spektakulär“ wie das Material, das manche Abtreibungsgegner verwenden. Aber bei all dem Streit um authentische oder manipulierte Fotos sollte man nie vergessen, dass dort ein getötetes Kind abgebildet wird – egal ob es als solches (noch) zu erkennen ist. Und für Jane bleibt zu hoffen, dass sie nicht noch einmal vor eine solche unumkehrbare Entscheidung gestellt wird, auch weil ihr das gute Gefühl im Hinblick auf eine Abtreibung vielleicht nicht erhalten bleibt.

Jane: Das ist meine Abtreibung

Abgelegt unter 1000plus | Leben | 6 Kommentare

6 Kommentare zu “Jane: Das ist meine Abtreibung”

  1. Danielam 30. November 2012 um 10:46

    Liebe Caroline,

    eine Frage:

    Wann ist ein Kind, ein Kind? Ab welchem Zeitpunkt nimmt es in die Gruppe der “Personen” auf, welche die gleichen Rechte haben, wie jeder Mensch?

    Grüße
    Der D.

  2. Caroline Stollmeieram 30. November 2012 um 13:40

    Lieber Daniel,

    ein Mensch ist ein Mensch ab der Verschmelzung von Samen- und Eizelle: http://moralblog.de/2010/10/23/wann-ist-ein-mensch-ein-mensch/
    Von diesem Moment an wächst und entwicktelt sich der Mensch “nur noch” weiter; alles, was ihn einzigartig macht, ist dann schon vorhanden. Deshalb müssten auch von Anfang an gleiche Rechte bestehen (die im Einzelfall natürlich abgewogen werden müssten). In der Praxis ist das aber leider nicht so. Die Rechte und sogar das Menschsein werden ungeborenen Kindern oft abgesprochen.

    Viele Grüße!
    Caroline Stollmeier

  3. Danielam 30. November 2012 um 13:48

    Ja, ich verstehe.

    Aber was genau, liebe Caroline, geschieht, wenn Ei-und Samenzelle verschmelzen, dass man ab diesem Punkt von einem Mensch sprechen kann? Welche Eigentschaften, hat diese verschmolzene Zelle, die ihn menschen-gleich macht?

    Vielen Dank für Deine Antwort.

  4. Caroline Stollmeieram 30. November 2012 um 14:05

    Wenn Du es so willst, dann gehört “das Wesen” ab dem Moment der Zeugung zur Spezies Mensch (und nicht z.B. zu den Tieren oder Steinen) aufgrund seiner genetischen Zusammensetzung. Das ist einfach eine Definition.
    Ich kenne die Diskussion, bei der zwischen “Mensch” und “Person” unterschieden wird. Dann geht es aber nicht mehr nur um die Ungeborenen…

  5. Danielam 30. November 2012 um 14:14

    1. Es gibt keine “Spezies Mensch”. “Homo Sapiens” ist nicht weiter als eine Unterkategorie, der Spezies “Säugetier”. Evolutionäre Tatsache und in sämtlicher Fachliteratur berücksichtigt. Und wenn Du also die gesamte Spezies für schützenswert erachtest, müsstest Du für Affen, Wale, Delfine…etc. den gleichen Schutz fordert, wie für Menschen oder nicht?

    Bei der Diskussion wird nicht unterschieden, es wurde nur festgestellt, dass der Begriff “Person” an Eigenschaften geknüpft ist – so ist er in unserem Rechtssystem definiert – zu diesen Eigenschaften gehört Bewusstsein, Schmerzempfinden, Bewusstsein für Vergangenheit/Zukunft usw.
    Fraglich, ob ein Embryo diese Eigenschaften besitzt.

    Leider hast Du noch immer keine konkrete Antwort auf die Frage geliefert, was bei der Zeugung konkret passiert, dass die Zygote als als Mensch, Ei-und Samenzelle für sich allein aber nicht als Mensch gelten. Die Verschmelzung schön und gut, aber was genau passiert dabei, dass du das Resultat Mensch nennst? Welche Eigenschaften besitzt es?
    Dass die menschliche Entwicklung mit dieser Verschmelzung beginnt steht selbstredend außer Frage. Aber das für sich allein ist kein Argument.

  6. Caroline Stollmeieram 30. November 2012 um 22:16

    Guten Abend!

    Ich finde es schwierig das Menschsein an bestimmte Eigenschaften wie die von Dir und anderen genannten zu knüpfen. Es gibt zu viele Ausnahmen, die die Argumentation für mich nicht zielführend erscheinen lassen. Beispielsweise haben kleine Kinder auch kein Gefühl für Zukunft und Vergangenheit, bestimmte Menschen haben vielleicht aufgrund einer Erkrankung kein Schmerzempfinden oder Bewusstsein im üblichen Sinne. Dennoch sind es Menschen.

    Vor der Verschmelzung existieren zwei getrennte, einzelne Chromosomensätze. Nach der Verschmelzung existiert eine Zygote mit einem doppelten Chromosomensatz: nicht nur ein Mensch, sondern ein bestimmter neuer Mensch.

    Den Einwand mit der Spezies kenne ich auch: http://moralblog.de/2011/06/06/ethik-preis-fur-peter-singer-%e2%80%93-ein-ausdruck-der-meinungsfreiheit/ Es gibt sicher gute Gründe – vor allem die genetische Verwandtschaft – dafür bestimmte Tiere mehr zu schützen bzw. mit eigenen Rechten auszustatten. Aber nur weil das (noch) nicht geschieht, heißt das ja nicht, dass man sich um die ganz nahen Verwandten, nämlich die Mitmenschen, nicht oder weniger zu sorgen braucht.

Trackback URI | Kommentare als RSS

Einen Kommentar schreiben

Der Eisvogel