Streit um Limburg: Zwischen den Stühlen

Harald Stollmeier am 23. November 2013

Als hauptberuflicher Pressesprecher wünsche ich mir ja, ich hätte den Bischof von Limburg beraten können. Wegen der Pressesprecher-Überlebensregel Nr. 1: Gehe niemals juristisch gegen den SPIEGEL vor. Überlebensregel Nr. 2 lautet übrigens (vielleicht ganz nützlich für meuternde Domkapitel): Gib nur dann eine Pressekonferenz, wenn Du mehr weißt, als schon in der Zeitung steht.

Als gläubiger Katholik wünsche ich mir, das alles wäre nicht passiert. Denn die Ereignisse rund um das Bistum Limburg und Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst haben furchtbaren Schaden angerichtet. Der Vertrauensverlust ist groß. Und das gilt nicht nur für die Beziehung von Bistum und Bischof. Es gilt auch für die Beziehungen unter den (vor allem) deutschen Katholiken.

Denn wenn es um Bischof Tebartz-van Elst geht, dann gibt es beinahe nur schwarz oder weiß. Die einen („liberal“) sind voll und ganz überzeugt, dass der Bischof schuldig und vor allem seines Amtes unwürdig sei und im Grunde sowieso hinter Gitter gehöre.

Die anderen („konservativ“) sehen fast ausschließlich eine Medien-Schmutzkampagne (nicht das es nicht wirklich eine gäbe!), die wahrscheinlich vom linksliberalen Establishment des Bistums Limburg gefüttert wird. Einigen „Konservativen“ läuft das Wasser im Mund zusammen bei der Vorstellung von der Rückkehr des Bischofs und einer anschließenden Nacht der langen Messer.

Es ist kein Problem, dass es diese Meinungen gibt. Es ist ein Problem, dass immer mehr Katholiken unter Druck geraten, sich einer dieser beiden Meinungen auf Gedeih und Verderb anzuschließen.

Wenn man das Pech hat, keine dieser Meinungen zur Gänze zu teilen, dann kann man was erleben. Ich selbst zum Beispiel meine in der geistigen Nachbarschaft von Felix Honekamp (milder) und Andreas Püttmann (schärfer), dass der Bischof in der Indienflugsache, so scheint es, gelogen hat, und dass eine Fortsetzung seines Dienstes in Limburg dadurch grundsätzlich schwierig wird, so schwierig, dass ein Amtsverzicht ratsam sein könnte.

Ein guter Freund sagte zu mir, solche Kritik am Bischof sei schon beinahe illoyal der Kirche an sich gegenüber, zu der wir stehen und für die wir beten müssten. Das machte mich nachdenklich, aber zustimmen konnte ich nicht. Denn würde auf diese Weise nicht womöglich aus der Treue zum Sünder (und sogar der Papst ist ja einer!) eine Treue zur Sünde?

In einer „konservativen“ Runde verdiente ich mir mit dem Bekenntnis zu großem Unbehagen wegen der Sache mit der falschen eidesstattlichen Erklärung das Verdikt, den Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung verlassen zu haben. Denn mit der Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung von 20.000 Euro sei die Sache erledigt, die Unschuldsvermutung aufrechterhalten, die Tat nicht begangen.

Ich sehe das anders. Die an sich erfreuliche Einstellung der Strafverfolgung kann dazu beitragen, dass die Kirche künftig wieder im Dorf bleibt. Aber die unwahre Aussage selbst schafft sie nicht aus der Welt, und ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass Bischöfe immer die Wahrheit sagen. Also fast immer: Natürlich braucht auch ein Bischof einem Mörder nicht zu sagen, wo sich sein Opfer versteckt. Aber eine unwahre Aussage zum Schutz der eigenen Reputation, die tut schon weh.

Ich meine aber auch, dass die Entscheidung über die Zukunft des Bischofs von Limburg beim Papst liegt und beim Papst allein. Da habe ich mich schön in die Nesseln gesetzt, als ich das in einer „liberalen“ Runde vortrug! Ich schöbe, hieß es, in schäbigster Weise Papst Franziskus den schwarzen Peter zu. Für Moral und die Bereitschaft, für Fehler Konsequenzen zu tragen, hätte ich ja wohl nichts mehr übrig.

In dieser und ähnlichen Runden kommt es auch gar nicht gut an, wenn das Verhalten der Gegner des Bischofs von Limburg kritisiert wird, die Unverhältnismäßigkeit der Medienkampagne („Protz-Bischof“, „Badewanne für 15.000 Euro“) und die Maßlosigkeit der Angriffe bis hin zu Morddrohungen gegen die Familie des Bischofs. Wer auf diese Dinge hinweist, der hat für seine liberalen Zuhörer bestenfalls nicht verstanden, das „TvE“ an allem selber schuld ist, und schlimmstenfalls ist der Kritiker sowieso ein fundamentalistisches U-Boot, das die Meinungsfreiheit torpedieren will. Muss ich erklären, dass ich mich mit einer solchen Haltung vom Typ “Wo gehobelt wird, da fallen Späne” nicht gemein machen kann?

Was mache ich nun? Auf den Papst vertrauen, denke ich. Wenn er irgendwann entscheidet, vermutlich nach Abschluss der Prüfungen in der Baukostenfrage, dann wird er das Richtige tun. Erstens weil er der Papst ist. Und zweitens weil er es in der richtigen Haltung tun wird, in dem Bewusstsein, dass er dafür vor dem Schöpfer des Weltalls geradestehen muss.

Wobei wir das alle müssen.

Abgelegt unter Allgemein,Gerechtigkeit,Glaube | Religion | 3 Kommentare

3 Kommentare zu “Streit um Limburg: Zwischen den Stühlen”

  1. Murielam 24. November 2013 um 9:35

    Das finde ich jetzt interessant, gerade in einem Moralblog:

    dann wird er das Richtige tun. Erstens weil er der Papst ist. Und zweitens weil er es in der richtigen Haltung tun wird, in dem Bewusstsein, dass er dafür vor dem Schöpfer des Weltalls geradestehen muss.

    Ich vermute, dass gar nicht als abschließende Aufzählung gemeint ist, aber zum Verständnis frage ich noch mal nach: Sind das nach deiner (Ich bin nicht mehr sicher, ob hier das Du oder das Sie gilt.) Einschätzung die einzigen Gründe, oder nur die wichtigsten?
    Wüsstest du noch andere wichtige?
    Und haben die beiden für dich irgendwas mit Moral zu tun?

  2. Harald Stollmeieram 24. November 2013 um 11:03

    Ob Du oder Sie, auf die Höflichkeit kommt es an 🙂

    Beide Aussagen setzen die vorausgegangene Einordnung als “gläubiger Katholik” voraus und sind nur für gläubige Katholiken bzw. (Aussage 2) gläubige Christen relevant; alle anderen Beobachter und Diskussionsteilnehmer können die Limburger Angelegenheit ja recht gelassen von außen betrachten.

    Einen gesegneten Sonntag wünscht
    🙂
    HS

  3. Wochenrückblick | FreieWelt.netam 2. Dezember 2013 um 11:30

    […] Zur Causa Limburg hat Harald Stollmeier auf seinem Moralblog Erhellendes geschrieben (mal abgesehen davon, dass er mich zitiert : Streit um Limburg: Zwischen den Stühlen […]

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