Erlösung “goedkoop”

Harald Stollmeier am 8. Februar 2014

Die Ergebnisse der Vatikan-Umfrage sind vielleicht nicht überraschend aber auf jeden Fall ein Anlass, ernsthaft nachzudenken. Der Bischof von Trier signalisiert sogar Änderungen der Lehre (allerdings “nicht völlig”) und nennt Beweggründe wie “… nicht mehr zeitgemäß …” und “… das versteht niemand mehr.” Es sind wohl vor allem diese Motive, die Bischof Stefan Ackermann den Zorn vieler “konservativer” Katholiken zuziehen. Durchaus repräsentativ ist Peter Winnemöller mit dem zumindest von der bischöflichen Wortwahl her nicht völlig abwegigen Vorwurf der “Dudentheologie.” Zu Ende gedacht heißt das bei Winnemöller: “Da Bischof Ackermann nun das 6. Gebot modifizieren will, können wir vielleicht das 5. und das 7. auch mal dudentheologisch überarbeiten. Geklaut und gemordet wird schließlich auch ohne Rücksicht auf die moralischen Vorgaben der Kirche.”

Viele Katholiken sind in einer Lebenssituation, die sie vom Empfang der Sakramente ausschließt. Die größte Gruppe sind wohl die wiederverheirateten Geschiedenen, weniger weil ihre Sünde die häufigste als vielmehr weil sie die am schwersten zu verbergende ist.
Die Menschen, die den Ausschluss der wiederverheirateten Geschiedenen von den Sakramenten kritisieren, lassen sich nach meiner Beobachtung in zwei Gruppen einteilen. Die einen sehen das insgesamt nicht ein, weil für sie keine Sünde vorliegt. Die anderen sehen ein, dass die Sache mit der Unauflöslichkeit der Ehe ihre Berechtigung hat, finden aber die Ausweglosigkeit der Situation, in der die Betroffenen stecken, irgendwie ungerecht.
Und ich muss zugeben: Auch mein Gerechtigkeitsempfinden sträubt sich beispielsweise dagegen, dass ein (cum grano salis) unschuldig Verlassener genauso auf Dauer gestraft ist wie der, der ihn (oder sie) verlassen hat. Und da Gott schlechterdings nicht ungerecht sein kann, hoffe ich, dass in dieser Frage das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Mit den Menschen der zweiten Gruppe habe ich also viel gemeinsam, obwohl ich persönlich in meinem Leben mehr Glück gehabt habe.
Mit den Menschen der ersten Gruppe finde ich aber sowas von keinen Konsens, dass ich geradezu wütend darüber bin, wie wütend diese Menschen auf die Kirche sind. Dafür habe ich einen theologischen und einen sozialen Grund.
Der theologische: Die Unauflöslichkeit der Ehe ist als direkte Aussage von Jesus Christus dokumentiert (Mt 19, 3-6), genau wie ihre Zusammensetzung aus einer Frau und einem Mann. Eine Änderung der katholischen Lehre, die sich darüber hinwegsetzte, könnte nicht anders als häretisch sein.
Der soziale: Wenn man die Regeln an die Realität anpasst, ist das Ergebnis das Recht des Stärkeren. Wenn ein Mensch, der es sich im Übrigen leisten kann, seine Familie zu verlassen, auch den Segen der Kirche dafür bekommt, dann wird das bestimmt nicht seltener vorkommen.
Ein zusätzlicher Gedanke sei den Opfern von Scheidungen gewidmet, die IMMER unschuldig sind: den Kindern. Ich will nichts gegen das oft heroische Unternehmen gesagt haben, ihnen in neuen Familienkonstellationen neue Geborgenheit zu geben. Aber niemand kann mir weismachen, das wäre grundsätzlich gleichwertig oder gar besser. Kinder haben das Recht, bei ihren eigenen Eltern aufzuwachsen.
Wie gesagt, ich hoffe, in der Frage des Ausschlusses der wiederverheirateten Geschiedenen von den Sakramenten ist noch Fortschritt möglich. Aber ich sage all denen meinen Widerstand an, die eine billige Lösung suchen. Sie machen im Grunde die Erlösung selbst zum Sonderangebot, und das ist absurd. Denn die Erlösung kann sich sowieso niemand leisten. In Wirklichkeit ist sie ein Geschenk.

PS: Bei diesen Überlegungen geht es NICHT um Regeln für alle, nur um Regeln für die katholische Kirche und die katholischen Christen.

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