Sex in der Schule

Harald Stollmeier am 15. Februar 2014

Ich bin dagegen, dass der Staat meinen Kindern Gespräche über Sex aufdrängt. Meine Sorge ist nicht, dass sie dadurch schwul oder lesbisch werden könnten – das halte ich für ausgeschlossen. Aber ich fürchte, dass sie dadurch belästigt werden könnten und verunsichert. Und deshalb habe ich die Petition gegen den baden-württembergischen Bildungsplan unterzeichnet. Anders als Ministerpräsident Kretschmann oder Volker Beck MdB deshalb wohl vermuten würden, bin ich weder homophob noch sonst irgendwie hassgeplagt.

Das wichtigste, was meine Kinder im Zusammenhang mit Sex können sollen, ist: Nein sagen. Wer sie womöglich unter Androhung schlechter Schulnoten zwingt, über Sex zu reden, der überschreitet eine Grenze.

Übrigens hoffe ich, dass meine Kinder später einmal normale klassische Ehen führen und selbst Kinder haben. Aber erstens werde ich sie, wenn es anders kommt, nicht weniger lieben. Und zweitens werde ich sie, wenn es anders kommt, nicht weniger gegen Belästigungen verteidigen.

Auch gegen übergriffige Politiker, die ja anscheinend nicht seltener sind als übergriffige Priester. Nur mächtiger.

Abgelegt unter Allgemein | 21 Kommentare

21 Kommentare zu “Sex in der Schule”

  1. Murielam 15. Februar 2014 um 20:04

    Hm.
    Kinder werden unter Androhung schlechter Schulnoten gezwungen, über Mathematik zu reden, über Schwerkraft, über Literatur und über Musik und Handball.
    Ist das auch übergriffig, oder was grundlegend anderes?
    Und bei der Gelegenheit eine ganz andere Frage zum selben Thema: Sollte es denn wirklich um die Einzelheiten des Sexualaktes gehen?
    Ich dachte bisher, es sollten verschiedene Formen des Zusammenlebens thematisiert werden.

  2. Harald Stollmeieram 15. Februar 2014 um 20:41

    Die Details der Durchführung variieren. Mir geht es aber nicht um besonders plastische Details. Mir geht es darum, dass meine Kinder bestimmen dürfen, wann sie über Sex reden.
    Die eigene Sexualität ist etwas sehr Persönliches. Das wird man von Algebra wohl nicht behaupten können, und vom “Wilhelm Tell” wohl auch nicht. Wer diesen Unterschied nicht sieht, den möchte ich lieber nicht in der Nähe meiner Kinder wissen.

  3. Murielam 15. Februar 2014 um 21:08

    Okay, ich denke, damit ist das Gespräch beendet.
    Besten Dank

  4. Harald Stollmeieram 15. Februar 2014 um 22:42

    Jedenfalls dieses Gespräch. Alles Gute!

  5. altkatholischam 16. Februar 2014 um 0:18

    Aber ich fürchte, dass sie dadurch belästigt werden könnten und verunsichert.

    Belästigt und verunsichert werden durch die Eröffnung, dass es gleichgeschlechtlich Liebende auf Gottes schöner Erde gibt, nur Kinder, denen man bis dahin kein Sterbenswörtchen darüber gesagt hat, was es mit dem Unterschied zwischen Mädchen und Buben auf sich hat und wo denn überhaupt die Kinder wie entstehen.

    Für Kinder von verantwortungsvollen Eltern, die ihre Kinder beim hineinwachsen in ihre Geschlechterrolle und damit meine ich NICHT Puppen für die Mädels, Spielzeugautos für die Jungs, begleitet und altersgerecht aufgeklärt haben, ist dies bestimmt weder belästigend noch verunsichernd.
    Aber wenn zwei Menschen absolut nichts über ihre je eigene Geschlechtlichkeit und die des anderen Geschlechts erfahren haben, außer einem hilflosen Gestammel über Reinheit, Moral und Werte, dann ist Ihre Angst völlig berechtigt.

  6. Harald Stollmeieram 16. Februar 2014 um 2:38

    Sehr geehrter Gesprächspartner “altkatholisch”,

    es ist überhaupt nichts dagegen einzuwenden, dass Kinder erfahren, wie Kinder entstehen und übrigens auch, dass manchmal Männer Männer und Frauen Frauen “heiraten.” Auf die Frage, wann das zu geschehen hat, gibt es aber nur eine Antwort, mit der ich mich einverstanden erklären kann: Wenn die Kinder fragen.

  7. altkatholischam 16. Februar 2014 um 12:09

    Na dann muss die erste Sexualaufklärung im Kindergarten beginnen. Dann fragen die Kleinen nämlich erfahrungsgemäß danach wo sie her kommen; und sie muss dann natürlich kontinuierlich weiter geführt werden. Oft genug erlebt man ja (wenn man Glück hat und sich das Vertrauen der Jugendlichen erworben hat), dass ein Mädchen oder ein Junge konsterniert feststellt, dass sie plötzlich blutet und er nasse Schlafanzughosen hat. Das muss VORHER bekannt sein, dass sich die Jugendlichen nicht ängstigen müssen.
    Und ganz nebenbei, sind Sie auch dafür, dass man den Kindern erst dann lesen, schreiben, rechnen oder gar Religion beibringt, wenn diese danach fragen?
    Hoffentlich nicht.

  8. Harald Stollmeieram 16. Februar 2014 um 14:27

    Ganz recht: Wenn die Kinder im Kindergartenalter zu fragen beginnen, dann müssen auch die Antworten beginnen. Und wenn die Kinder im Kindergarten fragen, dann ist auch nichts dagegen einzuwenden, dass sie dort Antworten erhalten. Die Schlussfolgerung mit der Kontinuität finde ich nicht zwingend. Eher wird es wohl gelegentlich bzw. anlassbezogen weitergehen, jedenfalls wenn die Kinder das Tempo bestimmen. Dabei stimme ich Ihnen soweit zu, dass Kinder bzw. Jugendliche möglichst nicht z. B. ihre erste Regel haben sollten, ohne zu wissen, worum es sich dabei handelt.

    Ich bin überrascht, wie viele Menschen keinen Unterschied zwischen Gesprächen über die persönliche Sexualität der Kinder und dem Unterricht im Lesen und Schreiben sehen und deswegen ein Recht zu haben meinen, die Kinder zu Gesprächen über Sexualität zu zwingen. Man sollte doch meinen, dass spätestens nach den Missbrauchsskandalen die meisten Menschen für diese Problematik sensibilisiert wären.

  9. altkatholischam 16. Februar 2014 um 21:53

    Zitat:
    Die Schlussfolgerung mit der Kontinuität finde ich nicht zwingend.

    und:
    Ich bin überrascht, wie viele Menschen keinen Unterschied zwischen Gesprächen über die persönliche Sexualität der Kinder und dem Unterricht im Lesen und Schreiben sehen…

    Hier geht es nicht um Moral, sondern um Wissen. Ich weiß zwar, dass manche Gläubige auch Wissen an sich als unmoralisch denunzieren, aber das ist hier wohl ein Nebenkriegsschauplatz.

    Also ist es sicher nicht unmoralisch, den Kindern und Jugendlichen, nach dem Stand ihrer Entwicklung, Wissen über den menschlichen Körper und seine Sozialisation zu vermitteln.
    Und was das Grundwissen in den anderen Fächern angeht, wollen Sie -hoffentlich- auch nicht, dass der Mathematik-Unterricht nach dem Bruchrechnen eingestellt wird und erst wieder aufgenommen wird, wenn die Jugendlichen nach der Infinitesimalrechnung oder nach Ordinate und Abszisse fragen.
    Warum Sie also Grundwissen über die menschliche Sexualität und deren Auswirkungen auf uns alle und die Gesellschaft anscheinend NICHT zu den Grundfertigkeiten zählen wollen, ist nicht nur mir schleierhaft.
    Vor allem deshalb, weil für die Vermittlung von den beliebten “Werten und Moral” die Schule gar nicht zuständig sein KANN, weil sie dafür viel zu spät kommt. Wenn den Kindern nicht bis zum sechsten Lebensjahr VORGELEBT wird, was Liebe ist und wie sie gut funktioniert, dann ist es für die Schule, vor allem in den höheren Klassen, wenn die Kinder in die Pubertät kommen, längst zu spät.

  10. Harald Stollmeieram 17. Februar 2014 um 1:27

    Wenn es nur um die Vermittlung von Wissen ginge, wäre das Unbehagen der Kritiker sicher erheblich geringer. Aber es geht im Bildungsplan (und seinen Pendants) ganz offziell um Werte und Wertungen. Außerdem werden heute weithin unter der Flagge von Gender Mainstreaming Aussagen zur Sexualität als Wissen verkauft, die bestenfalls Wertungen sind, namentlich die Anerziehbarkeit und Aberziehbarkeit sexueller Identitäten. Über diese Dinge könnte man übrigens gelassener diskutieren, wenn sie nur Unterrichtsgegenstand in einem Fach wären. Sie sind aber (ganz offiziell) Lernziele in ALLEN FÄCHERN, wobei mir ein Rätsel ist, wie man das in den Mathematikunterricht einbauen will.

    Ich kann immer noch nicht glauben, dass Sie im Ernst Infinitesimalrechnung in dieselbe Kategorie einordnen wie z. B. die Rechtfertigung der eigenen sexuellen Orientierung (GEW-Unterrichtsmaterial) Ich meine übrigens, dass sich niemand für seine sexuelle Orientierung zu rechtfertigen braucht) oder Befriedigungstechniken bei Lesben (Berliner Material). Gibt es bei der Infinitesimalrechnung persönliche Betroffenheit? Oder Schamgrenzen?

    Bei der Wichtigkeit des Vorlebens von Liebe gerade in den ersten Lebensjahren von Kindern stimme ich Ihnen von ganzem Herzen zu. Sie dürfen ruhig sagen, wie man die Umgebung nennt, in der das geschieht: Familie.

  11. Harald Stollmeieram 17. Februar 2014 um 10:43

    Zur Ergänzung der Link auf eine Stellungnahme von Monika Metternich mit der berechtigten Frage, wozu in diesem Zusammenhang ein Styroporpenis (erigiert) erforderlich sei: http://www.katholisch.de/de/katholisch/themen/standpunkt/standpunkt_montag.php

  12. Harald Stollmeieram 17. Februar 2014 um 12:21

    Und so könnte der Unterricht ablaufen. Gut, das war in Basel … http://bazonline.ch/basel/stadt/Besuch-der-Sextante/story/21578252

  13. Claus Hilbigam 17. Februar 2014 um 15:30

    Lieber Harald, gerade WEGEN der diversen Mißbrauchsskandale halte ich es für richtig, frühzeitig und auch – wie Du es nennst – “gezwungenermaßen” aufzuklären. Wie sollen Kinder im Fall des (drohenden) Mißbrauchs NEIN sagen können, wenn sie gar nicht wissen, was passiert?

  14. Harald Stollmeieram 18. Februar 2014 um 6:47

    Da ist was dran, lieber Claus. Aber dieses Ziel sucht man im Bildungsplan vergeblich. Ich habe auch den Begriff “Missbrauch” selbst nicht gefunden. Wenn Du Dir eine Vorstellung davon machen willst, wie sich die Initiatoren des Bildungsplans den Unterricht vorstellen, dann ist wohl diese Broschüre https://www.gew-bw.de/Binaries/Binary20121/L-S-Lebenswesen.pdf der nicht ganz einflusslosen GEW (Baden-Württemberg) ein nützliches Dokument. Auch darin kann ich nicht erkennen, wie Kinder in ihrer Fähigkeit gestärkt werden sollen, Nein zu sagen.

  15. altkatholischam 19. Februar 2014 um 2:03

    Sehr geehrter Herr Stollmeier,

    eine sehr ausführliche Stellungnahme zu Ihren letzten Beiträgen habe ich geschrieben – und wieder verworfen.
    Erstens wäre der Rahmen des Möglichen des Diskurses hier gesprengt worden und zweitens sehe ich nicht, wie ich Ihnen in Kürze einsichtig machen könnte, wie zum Beispiel Schamgefühl und Infinitesimalrechnung direkt zusammenhängen. Dazu müsste ich Ihnen zu viel Biologie und über die Macht kultureller Prägung und Lernvorgänge bei Kindern erklären.

    Was ich Ihnen aber kurz und bündig (mit einem Beispiel der grün-roten Landesregierung) beantworten kann, ist diese Frage:

    … wobei mir ein Rätsel ist, wie man das in den Mathematikunterricht einbauen will.

    Im Mathebuch werden Dreisatzaufgaben gestellt. Eine Hochzeitstorte bei der Vermählung von Klaus und Petra soll unter den Gästen aufgeteilt werden.

    Im neuen Bildungsplan würden sich dann nicht Klaus und Petra lebenslange Treue versprechen, sondern Klaus und Peter.
    Und schon wissen die Kinder, dass auch gleichgeschlechtlich Liebende einander lebenslang treu sein wollen, genau wie Mama und Papa; oder eben Mama und Mami.

    Und @Herrn Hilbig

    Sie haben völlig Recht! Was Kinder nicht BENENNEN KÖNNEN (oder glauben benennen zu DÜRFEN, oft genug ist alles vom Nabel abwärts ja äh bäh!) darüber können sie nur angstvolles, eingeschüchtertes Schweigen bewahren.
    So spielt man Kindervergewaltigern direkt in die dreckigen Pfoten!
    Indem man Kinder möglichst lange möglichst unwissend lässt. Je mehr sie über ihre eigene Sexualität und die anderer Menschen wissen, um so besser sind sie vor Straftätern geschützt. Das erzwungene -falsche- Schamgefühl der Kinder schützt die Täter!

  16. Harald Stollmeieram 19. Februar 2014 um 4:41

    Sehr geehrter Gesprächspartner “altkatholisch”,

    vielen Dank für das Beispiel mit der Torte, das in der Tat das Problem löst, vielen Dank aber ausdrücklich für die Betonung der Treue.

    Mit Ihrer Warnung vor einem erzwungenen falschen Schamgefühl, dessen Folge sowohl angstvolles Schweigen als auch Wehrlosigkeit sind, haben Sie wahrscheinlich sogar Recht. Sie haben aber Unrecht mit der Einschätzung, dass so etwas die einzige Alternative zum Vorgehen nach Bildungsplan und GEW-Broschüre wäre – und natürlich auch mit der Einschätzung, ich würde so etwas propagieren. Das könnten Sie sogar wissen, weil ich es ja geschrieben habe.

    Denn es gibt offensichtlich einen großen Unterschied zwischen dem Verbot, über sexuelle Themen zu sprechen – Ihr Zitat: “Was Kinder nicht BENENNEN KÖNNEN (oder glauben benennen zu DÜRFEN, oft genug ist alles vom Nabel abwärts ja äh bäh!)” und der Ablehnung des Zwangs, über sexuelle Themen zu sprechen – meine Forderung war, darüber zu sprechen, wenn die Kinder fragen. Und ich kann Ihnen versichern, dass Kinder fragen, auch schon im Vorschulalter.

    Ich wäre wirklich interessiert zu erfahren, wie Infinitesimalrechnung und Schamgefühl zusammenhängen. Ich rechne fest damit, dass Sie bei dieser Gelegenheit Ihre Verwendung des Ausdruck “Prägung” präzisieren, der ja als Begriff aus der Verhaltensforschung etwas Irreversibles beschreibt. Dasselbe gilt für die Unterscheidung von “biologisch” und “kulturell”, mit der Sie mitten in der Gender-Ideologie sind, für die das Biologische ja ohnehin eine untergeordnete Rolle spielt. Aber der Biologieunterricht soll ja, wie man lesen kann, in Baden-Württemberg drastisch eingeschränkt werden.

  17. AndreasKam 27. Februar 2014 um 17:33

    Herr Stollmeier,
    Politiker beeinflussen mit ihren Entscheidungen die Rahmenbedingungen unseres Lebens. Manche davon kann man mögen, manche halt weniger. Psychisch zerstörte und für immer in ihrer Sexualität gehemmte Menschen hinterlassen diese Entscheidungen nach meinem Wissen nicht.

    Deshalb löst es bei mir – höflich ausgedrückt – ein wenig Unbehagen aus, wenn Sie sexuelle Übergriffe von Priestern an jungen Menschen in einem Satz auf eine Stufe stellen mit der ganz normalen Arbeit eines Politikers. Ich verstehe die rhetorische Spitze, die sich dahinter verbirgt, sehr wohl. Ich finde nur, dass sie Misshandlung und Vergewaltigung herabsetzt auf das Niveau von Dingen, die man halt nicht so gerne mag.

    Im Biologieunterricht wird seit Jahrzehnten über Sex gesprochen (Sie dürfen dagegen sein, aber die verlinkte Petition wird dagegen nichts ausrichten). Und zwar, ganz entgegen Ihrer Befürchtung, um Wissen zu fördern und Sicherheit zu erlangen im Umgang mit dem anderen Geschlecht. Nur Unwissenheit führt am Ende zum naiven Umgang mit Sex. Man vermeidet Unsicherheiten nicht, indem man ein Thema verschweigt. Das gilt für den Sexualkundeunterricht im Allgemeinen genauso wie für das Thema Homosexualität im Speziellen.

    Werte und Wertungen sind im Bildungsplan festgeschrieben, stimmt. Diese werden in vielen Fächern gefestigt. Warum Biologie eine Ausnahme machen soll, weiß ich nicht. Es ist zwar umstritten, aber die Anhänger mancher Religionsgemeinschaften versuchen, dien Einfluss dieser Werte zu verringern, indem sie ihren Kindern einige Unterrichtsfächer bzw. -einheiten vorenthalten. Klingt, als wäre das ein guter Weg für Sie und ihre Kinder?

  18. Harald Stollmeieram 28. Februar 2014 um 10:53

    Sehr geehrter Herr AndreasK,

    Sie tun mir unrecht. Ich habe nicht sexuelle Übergriffe von Priestern mit der ganz normalen Arbeit von Politikern gleichgesetzt. Das wäre auch nicht richtig. Es wäre nicht einmal richtig, sexuelle Übergriffe von Politikern mit schlechter Arbeit von Politikern gleichzusetzen. Ich verwende den Bergiff “übergriffig” in Anlehnung an Pater Klaus Mertes SJ, der eine Schlüsselrolle bei der Aufdeckung des katholischen Missbrauchsskandals hatte, und der mit Übergriffigkeit gerade nicht sexuellen Missbrauch beschreibt sondern Verhaltensweisen und Haltungen, die den Missbrauch begünstigen. Eine solche Begünstigung befürchte ich allerdings anlässlich des Bildungsplans 2015 und seiner Illustration, der GEW-Broschüre, sehr wohl.

    Übrigens teile ich Ihre Meinung, dass Aufklären besser schützt als Verschweigen und bin deswegen keineswegs gegen Sexualkundeunterricht schlechthin. Ich bin aber der Meinung, dass ein Unterricht, der seiner Anlage nach die Intimsphäre der Kinder nicht achtet, dieses Ziel verfehlen dürfte. Im aktuellen Fall kommt ein inhaltliches Problem hinzu: Die Kernbotschaft des Bildungsplans lautet: Alle sexuellen Lebensformen sind gleichwertig. Ausnahmen (wie Pädophilie) werden nicht genannt. Und damit sind wir auch schon bei der Frage, was Wertungen im Unterricht zu suchen haben.

    Wertungen dürfen nämlich durchaus sein. Aber die im klassischen Journalismus gelehrte Unterscheidung von Nachricht und Meinung wäre hier m. E. ein gutes Vorbild, und das nicht nur in der Biologie (die in Baden-Württemberg als eigenständiges Fach ja abgeschafft werden soll). Wäre es nicht beispielsweise sinnvoll, VOR der Abgabe des Urteils, das der Bildungsplan als Bildungsziel definiert, den Kindern bzw. Jugendlichen Maßstäbe zu vermitteln, anhand derer die Gleich- oder Ungleichwertigkeit sexueller Handlungen beurteilt werden kann, ebenso vielleicht Maßstäbe, anhand derer beurteilt werden kann, wer ein Recht auf ein Urteil hat, wen also die betreffende Handlung etwas angeht (das schließt ggf. die Frage ein, ob und warum sie den Staat etwas angeht)? Das kann so schwierig nicht sein, denn auf irgendeiner Grundlage müssen die Verfasser des Bildungsplans ja ihrerseits zur der Wertung gelangt sein, die sie nun vorgeben. Wie denken Sie darüber?

  19. Drakonisam 28. Februar 2014 um 13:31

    Alle die diesen Müll verteidigen, sind in meinen Augen Pädophile! Die Pädophilen(die Grünen) hoffen wahrscheinlich, das Kinder sich nach dem Dreck freiwillig Ihnen anbieten! Ivh kläre mrine Kinder selbst auf! Auch werde ich Sie aufklären das LSBTTI-Menschen sich entschieden haben so zu sein! Es gibt aber nur 2 Biologische Geschlechter! LSBTTI-Menschen sind sozial produzierte Geschlechter keine Biologischen!

  20. Harald Stollmeieram 28. Februar 2014 um 19:11

    Drakonis: Ich bin sicher, dass Sie den Befürwortern des Bildungsplanes mit dieser Einschätzung und diesem Verdacht massiv Unrecht tun. Und ich fürchte, mit Ihrer Aussage, LSBTTI-Menschen hätten sich entschieden, so zu sein, den Gender-Ideologen auf den Leim gehen. Die Betroffenen, die ich persönlich kenne, hatten bezüglich ihrer homosexuellen Neigung genausowenig eine Wahl wie ich mit meiner heterosexuellen. Und da ich tatsächlich auch schon Menschen begegnet bin, die ihr Geschlecht mit ärztlicher Hilfe “gewechselt” haben, würde ich auch auf diesem Gebiet keine Wahl unterstellen sondern einen großen Leidensdruck. Die Betroffenen sind nicht zu beneiden.
    Kennen Sie den Gender-Paradefall Bruce/Brenda/David Reimer? Es ist bedrückend, welche Grausamkeit dieser Mann erdulden musste. Um so mehr beweist seine Geschichte, in wie hohem Maße sexuelle Identität ein biologisches Faktum ist und eben nicht ein soziales Konstrukt: http://www.faz.net/aktuell/politik/gender-mainstreaming-der-kleine-unterschied-1329701.html

  21. Harald Stollmeieram 28. April 2014 um 13:02

    Christian Weber schreibt in der Süddeutschen Zeitung aus unverdächtiger Perspektive, und ich werde blass: http://www.pro-medienmagazin.de/paedagogik/detailansicht/aktuell/lack-und-leder-auf-dem-lehrplan-87954/#.U12TFEw1HGc.facebook

Trackback URI | Kommentare als RSS

Einen Kommentar schreiben

Der Eisvogel