Monatsarchiv für Mai 2014

Die 1000plus-Schwangerenberatung und was Katholischsein bedeutet

Harald Stollmeier am 10. Mai 2014

Drei deutsche Bistümer (Speyer, Augsburg, Freiburg) haben Spendenwerbung der Schwangerenberatung Pro Femina/1000plus in ihren Gemeinden verboten; das Erzbistum Freiburg droht Pastören dabei sogar mit persönlicher Haftung. Die Begründungen sind verwandt: Im Wesentlichen heißt es jeweils, die Diözese habe eigene Angebote, denen 1000plus Arbeit und vor allem Spendengelder entziehe.

Ermutigung kommt dagegen aus dem Bistum Rottenburg-Stuttgart: Weihbischof Thomas Maria Renz lobt die Arbeit von 1000plus und hebt hervor, dass 1000plus Frauen helfe, die gerade nicht von den diözesanen Strukturen erreicht würden.

Im Grunde ist alles ganz einfach: Solange pro Jahr über 100.000 Babys im Mutterleib getötet werden, kann es noch lange nicht zu viele Hilfsangebote für ungeplant schwangere Frauen geben. Was also treibt die 1000plus-feindlichen Bistümer um?

Auf diese Frage gibt es zwei Antworten. Zuerst die sozusagen historische: Man kann über katholisches Engagement in der Schwangerenkonfliktberatung nicht sprechen, ohne den von Papst Johannes Paul II. gegen den Willen der meisten deutschen Bischöfe erzwungenenen Ausstieg aus der staatlichen Beratung mit Ausstellung des unmittelbar zur straffreien Abtreibung berechtigenden Beratungsscheins zu berücksichtigen. Den Katholiken, die mit dem Papst übereinstimmten, weil der Schein eine Mitwirkung der Kirche an Schwangerschaftsabbrüchen war, standen damals viele Katholiken gegenüber, die bereit waren, sich sozusagen die Hände schmutzig zu machen, weil sie sicher waren: Anders können wir die betroffenen Frauen nicht erreichen. Und sie gründeten die Beratungsorganisation Donum Vitae in dem Bestreben, Menschenleben zu retten.

Man tut den hauptamtlich Beschäftigten in den deutschen Bistümern wahrscheinlich nicht unrecht, wenn man annimmt, dass die Mehrheit von ihnen zur zweiten Gruppe gehört und der Arbeit der Donum-Vitae-Beratungen wohlwollend gegenübersteht. Einige von ihnen mögen nun in der erfolgreichen Arbeit von 1000plus ohne Beratungsschein eine erfreuliche Ergänzung sehen. Andere wird der von 1000plus erbrachte Beweis, dass es eben auch ohne Beratungsschein geht, zutiefst verunsichern: Wird damit nicht die Daseinsberechtigung von Donum Vitae aufgehoben?

Wer so etwas befürchtete und aus diesem Grund die Arbeit von 1000plus zu behindern versuchte, der beginge einen dreifach tragischen Irrtum. Denn erstens beweist der Erfolg von 1000plus nicht, dass man alle betroffenen Frauen im Internet erreicht. Zweitens beweist er nicht, dass man das schon vor zehn Jahren gekonnt hätte. Drittens aber beweist er eines ganz sicher: dass nämlich 1000plus heute NICHT überflüssig ist. Überflüssig ist einzig und allein die Angst vor einer Konkurrenz, die in Wirklichkeit ein wertvoller Verbündeter ist.

Nicht ganz so einfach verhält es sich mit der zweiten Antwort. Sie durchzieht nicht ohne Grund die verschiedenen diözesanen Abgrenzungen von 1000plus: Dieser Verein ist nicht Teil unserer Organisation und untersteht nicht unserer Weisungsbefugnis. Deshalb können wir ihm nicht vertrauen und verbieten ihm die Nutzung unserer Infrastruktur.

Diese Antwort ist im Grunde völlig normal. Welche Großorganisation, welches Großunternehmen würde es anders machen? Es ist absolut angemessen, den Vertretern dieser Haltung in den Diözesanverwaltungen Verständnis entgegenzubringen.

Das ist aber nicht das letzte Wort. Denn schon rein diesseitig betrachtet ist die katholische Kirche ja mehr als ein Großunternehmen. Schon rein diesseitig betrachtet handelt sie in großem Umfang durch neben- und ehrenamtliche Mitarbeiter, ja sogar durch Sympathisanten ohne jeden Auftrag – aber mit Bekenntnis. In diese Kategorie gehört 1000plus, das noch dazu überkonfessionell auftritt und zum Beispiel der Evangelischen Allianz die Hand reicht.

Schon rein diesseitig betrachtet hat unsere Kirche Veranlassung, bei Aktivitäten an ihren Organisationsrändern Nachsicht und Wohlwollen walten zu lassen, um so mehr, wenn in der Lehre kein Konflikt besteht.

Muss man darüber hinaus erwähnen, dass eine rein diesseitige Betrachtung einen wesentlichen Teil unseres Auftrags als Kirche und als einzelne Christen außer Acht ließe? Nicht einmal ein Kardinal könnte mir weismachen, die Rettung von Menschenleben sei nur dann Gottes Wille, wenn sie im Auftrag des Ordinariats erfolge.

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Ernste Bedrohung für 1000plus

Caroline Stollmeier am 9. Mai 2014

KOMMENTAR

Ich bin traurig, einfach nur traurig. Die immer neuen Hiobsbotschaften aus Heidelberg machen mich sprachlos. Aber dennoch muss etwas dazu gesagt werden. Denn auf keinen Fall dürfen diese Ungeheuerlichkeiten unwidersprochen bleiben.

Seit Jahren unterstütze ich aus tiefster Überzeugung das Projekt 1000plus und den Verein, der dahinter steht: Pro Femina e.V.. Gemeinsam mit den Verantwortlichen durfte ich mich in dieser Zeit immer wieder über die großartige Entwicklung des Projektes freuen. Die Beratungsstruktur für ungeplant Schwangere konnte kontinuierlich ausgebaut werden. Vielen, vielen Frauen wurde in Ihrer Not geholfen und ihre Babys gerettet. Die Nachfrage nach 1000plus-Beratung ist ungebremst.

Besonders beeindruckend ist die positive Entwicklung vor dem Hintergrund, dass die Arbeit von 1000plus ausschließlich aus Spendenmitteln finanziert wird. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, wie schwierig es ist Spender für das wichtige Anliegen des Lebensschutzes zu gewinnen. Denn leider sind nicht viele Menschen bereit, sich wohlwollend damit auseinander zu setzen.

Als wichtiges Instrument haben sich die sogenannten Babyflaschenaktionen erwiesen. Diese Aktionen laufen in der Regel so ab, dass man Kontakt zu einer Gemeinde aufnimmt, im günstigen Fall während eines Gottesdienstes ein paar Minuten Redezeit bekommt und die Arbeit von 1000plus in aller Kürze vorstellen darf. Anschließend werden Babyflaschen verteilt, die die Gemeindemitglieder nach einer vereinbarten Zeit mit Spenden gefüllt zurückgeben.

Ich habe selber schon ein paar Babyflaschenaktionen durchgeführt. Und das habe ich durchweg positiv erlebt. Neben den Spenden, die man sammeln kann, hat man immer auch die Gelegenheit zu informieren und zu guten Gesprächen.

Nun wollen einzelne Bistümer die Unterstützung der Gemeinden für 1000plus unterbinden. Das geht so weit, dass neuerdings Pfarrern mit persönlichen Repressalien gedroht wird, sollten sie Babyflaschenaktionen oder ähnliches zu Gunsten von 1000plus in ihren Gemeinden zulassen. Falls andere Bistümer sich diesem Vorgehen anschließen sollten, wäre das existenzbedrohend für 1000plus, denn die Spenden der katholischen Gemeinden tragen wesentlich zur Finanzierung des Projektes bei. Wer sich die Zeit nehmen möchte, kann hier eine ausführliche offizielle Stellungnahme dazu lesen. Es lohnt sich auf jeden Fall!

Ein großes Problem scheint darin zu bestehen, dass 1000plus keine offizielle kirchliche Einrichtung ist. Dabei bleibt völlig unberücksichtigt, dass gerade das Christsein und die gelebte Nächstenliebe alle Mitarbeiter bei 1000plus antreiben und ihr Engagement im absoluten Einklang mit der kirchlichen Lehre ist.

Im eigenen Haus, darf natürlich jeder die Spielregeln selber festlegen. Und sollte es nur darum gehen, dass in Gottesdiensten nicht für private Initiativen gesammelt werden soll (egal welcher Art diese sind), dann wäre das wohl legitim. Aber um diese Regel durchzusetzen, bedarf es meines Erachtens keiner üblen Nachrede.

Tatsächlich ist mir noch nie ein Verein begegnet, der so offen und ehrlich mit jeder Art von internen Informationen umgeht, wie Pro Femina (mit Ausnahme natürlich von den persönlichen Daten der beratenen Frauen!). Alle Einnahmen und Ausgaben werden veröffentlicht, das Beratungskonzept ist frei zugänglich, jede Nachfrage wird umgehend beantwortet, nichts wird versteckt. Und das sieht man nicht zuletzt auch an der momentanen unangenehmen Situation. Damit könnte man auch ganz anders umgehen…

Ich möchte nicht spekulieren, was die wahren Beweggründe für das Verbot der Babyflaschenaktionen in den Bistümern sind. Dass man keine „Parallelstrukturen“ bei der Beratung von ungeplant Schwangere haben möchte, kann jedenfalls nur ein vorgeschobenes Argument sein. Zufällig habe ich bei den Babyflaschenaktionen und anderen Gelegenheiten schon einige Mitarbeiterinnen der kirchlichen und kirchennahen Beratungsstellen kennengelernt. Ich war mit ihnen nicht immer einer Meinung, beispielsweise wenn es darum ging, ob man „Beratungsscheine“ ausstellen soll. Aber in einem Punkt waren wir uns immer schnell einig, nämlich dass angesichts von über 100.000 offiziell gemeldeten Abtreibungen in jedem Jahr in Deutschland eigentlich immer noch nicht genug Hilfsangebote zur Verfügung stehen.

Wir haben gerade die „Woche für das Leben“. Und ich wäre für den Anfang sehr zufrieden damit, wenn die Energie, die derzeit in die Sabotage von 1000plus gesteckt wird, von den gleichen Kirchenvertretern zum Schutz des Lebens ungeborener Kinder verwendet würde. So lange in Deutschland auch nur eine einzige Frau aus ihrer Not heraus abtreibt, obwohl sie das eigentlich gar nicht will, gibt es nicht zu viele Beratungsangebote, sondern viel zu wenige.

Ich bin stolz und dankbar, dass es 1000plus gibt. Deutschland wäre sehr viel ärmer ohne diese Initiative. Und ich hätte eigentlich erwartet, dass die Kirchen die ersten sind, die das begreifen.

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Das Turiner Grabtuch: Widerlegt es die Auferstehung?

Harald Stollmeier am 1. Mai 2014

Das Turiner Grabtuch zeigt Vorder- und Rückseite eines Gekreuzigten und auch sein Gesicht. Seit es Mitte des 14. Jahrhunderts in Frankreich auftauchte, hat es polarisiert: Für die einen ist es das echte Leichentuch Christi, für die anderen ein wenn auch schwer zu erklärendes mittelalterliches Kunstwerk. Der englische Kunsthistoriker Thomas de Wesselow legt in seinem Buch Das Turiner Grabtuch und das Geheimnis der Auferstehung (Original: The Sign) eine Lösung für dieses Rätsel vor, und für die Entstehung des Christentums gleich mit.

Gründlich arbeitet de Wesselow Argumente für die Echtheit des Grabtuches heraus und widerlegt die Argumente dagegen, auch die C14-Messung von 1988, die ein Alter des Tuches von (nur)  ca. 700 Jahren ergeben hatte. Zu den Argumenten für die Authentizität gehört, dass die Darstellung des Gekreuzigten nicht zur mittelalterlichen Vorstellung von Kreuzigungen passt, sehr wohl aber zur inzwischen bekannten historischen Realität von Kreuzigungen im römischen Reich. Das gilt namentlich für das Durchbohren der Unterarme anstelle der Handflächen, für die Wunden, die durch die Geißelung entstanden sind und für die Abschürfungen an beiden Schultern durch das Tragen des Kreuzbalkens – in mittelalterlichen Darstellungen trägt Jesus das ganze Kreuz, nicht nur den Balken.

Für de Wesselow ist klar: Es handelt sich um das Grabtuch eines Juden (wegen der Spuren der Leichenwaschung), der im 1. Jahrhundert nach Christi Geburt mit einer Dornenkrone bzw. einer Dornenhaube auf dem Kopf gekreuzigt wurde und ganz sicher (wegen Hinweisen auf Leichenstarre) dabei starb. Und tatsächlich ist uns nur ein einziger Fall überliefert, auf den diese Beschreibung passt: die Hinrichtung von Jesus Christus.

Für die Entstehung des Abbildes liefert de Wesselow unter Berufung auf den Grabtuchexperten Ray Rogers eine plausible, rein naturwissenschaftliche Erklärung: eine Maillard-Reaktion zwischen dem Körpereiweiß des Verstorbenen und den Kohlehydraten im Leinen. Maillard-Reaktionen kennt man aus der Küche; sie erklären beispielsweise die knusprige Bräunung eines Bratens. Mehr oder weniger übernatürliche Erklärungen wie Strahlungsbräunungen infolge von „Auferstehungsenergie“ lehnt de Wesselow ab; er ist entschlossen, es ohne Wunder zu schaffen, und er schafft es.

Er schafft es auch ohne Auferstehung. Seine „Grabtuchtheorie“ zur Erklärung der Entstehung des Christentums ist von verblüffender Einfachheit. Ihr Kern: Die Person auf dem Grabtuch ist nicht eine Spur des Auferstandenen, sondern der Auferstandene selbst. Sowohl die Auferstehungsberichte in den Evangelien als auch das Auferstehungsbekenntnis im 1. Korintherbrief lassen sich mit dieser These in Einklang bringen. Insbesondere eignet sich dafür die ausführliche Erläuterung des Apostels Paulus am Ende des ersten Korintherbriefes zum Wesen des Auferstehungskörpers, der himmlisch, nicht irdisch sei und ganz anders als der sterbliche Körper. Auch die in den Evangelien wiederholt auftauchende Unfähigkeit der Jünger, Jesus sogleich zu erkennen, stützt die „Grabtuchtheorie.“ De Wesselows wichtigste Quelle ist aber das apokryphe Petrusevangelium, das einzige Evangelium übrigens, dass die Auferstehung selbst beschreibt.

De Wesselow beschreibt das Szenario durchaus nicht abschätzig. Er beschreibt aufgrund eigener Erfahrung, dass man in der Nähe des Grabtuchs das Gefühl bekommen kann, nicht allein zu sein. Es ist einleuchtend, dass die Frauen und auch Petrus bei der Entdeckung des Abbildes auf dem Grabtuch an ein Wunder glaubten, und zumindest vorstellbar, dass sie aus dieser Entdeckung auch dann auf eine „Erhöhung“ des Gekreuzigten geschlossen hätten, wenn der Leichnam noch im Grab gewesen wäre (was de Wesselow annimmt). Anders wäre es ja auch nicht vorstellbar, dass sich so viele der Auferstehungszeugen für ihr Bekenntnis zu Tode foltern ließen.

Die Erscheinungen des Auferstandenen laut Paulus in 1 Kor 15,3-9 (erst dem Kephas, dann den 12, dann über 500 Brüdern auf einmal, dann allen Aposteln und schließlich ihm selbst als einer unzeitigen Geburt) wären dann jeweils Vorführungen des Grabtuches gewesen. Dabei sei das Grabtuch über Land gebracht und zwischenzeitlich in Damaskus deponiert worden, wo Saulus/Paulus versucht habe, es zu beschlagnahmen, und dabei bekehrt worden sei. Später habe man das Grabtuch nach Edessa gebracht, wo es Jahrhunderte später als „Mandylion“ wieder aufgetaucht und nach Konstantinopel überführt worden sei, von wo es beim 4. Kreuzzug geraubt worden sei. Schon in Edessa sei es recht bald weggeschlossen worden, worauf sich die nach und nach die Vorstellung von der Auferstehung als Wiederbelebung des Leichnams, ergo vom leeren Grab, etabliert habe. Diese sei dann in die Evangelientexte (anders als in den 1. Korintherbrief) eingeflossen.

Dass in den Texten niemals die Rede von einem Bild ist, ficht de Wesselow nicht an. Er erklärt das mit einer von der unsrigen stark abweichenden Wahrnehmung von Bildern zu jener Zeit und unter gläubigen Juden, um die es ja damals ausnahmslos ging. Obwohl diese Einschätzung angesichts der beträchtlichen Hellenisierung des Heiligen Landes zu weit gehen dürfte, ist es erlaubt anzunehmen, dass das Grabtuch als wundersam und „nicht von Menschenhand“ entstandenes Bild großen Eindruck gemacht haben muss.

Trotzdem stößt de Wesselow hier an seine Grenzen. Denn während manches in den Evangelien und den Paulusbriefen tatsächlich verblüffend gut zur „Grabtuchtheorie“ passt, gibt es eben auch Elemente, die ganz und gar nicht passen. Ganz besonders gilt das dafür, dass der auferstandene Christus in den Evangelien spricht und isst, nicht zu reden vom leeren Grab. Wesselows Lösung, hier ausnahmslos nachträgliche Verfälschungen zu erkennen, bezieht einen großen Teil ihrer Legitimation aus der Einschätzung, die Evangelien seien samt und sonders erst nach dem Jüdischen Krieg und der Zerstörung der Jerusalemer Gemeinde entstanden. Diese Einschätzung ist aber keineswegs unbestritten. Hugo Staudinger beispielsweise (Die historische Glaubwürdigkeit der Evangelien, Seite 40-43) sieht in einem Markus-Fragment mit Absätzen aus dem Jahr 50 einen Beleg dafür, dass zumindest dieses Evangelium bereits lange vor der Zerstörung des Tempels existierte, und zwar als redaktionell bearbeiteter Text; der betreffende Papyrus7Q5 stammt übrigens aus dem im Jahr 68 versiegelten Qumran-Rollen.

The Sign von Thomas de Wesselow ist ein anregendes Buch, besonders wenn man noch nicht viel über das Grabtuch gelesen hat. Der Verfasser argumentiert belesen und kreativ, und mit dem Grabtuch kennt er sich aus. Außerdem gelingt es ihm, eine Erklärung für die Entstehung des Christentum zu finden, die ohne eine übernatürliche Ursache auskommt. Auf den ersten Blick ist diese Erklärung so plausibel, dass es dem gläubigen Leser kalt den Rücken hinunterläuft – besonders bei der Vorstellung, dass der so grausam gemarterte Christus in Wirklichkeit tot geblieben sein sollte.

Gar so weit kommt es am Ende nicht, weil der Verfasser mit den frühchristlichen Quellen doch allzu großzügig umgeht. Es ist nicht überzeugend, wenn man alles, was nicht passt, für gelogen erklärt oder zumindest für einen Irrtum wegen des großen Zeitabstandes, gleichzeitig aber den jedenfalls größeren Zeitabstand des Petrusevangeliums (Entstehung wohl in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts, sogar nach de Wesselows eigener Schätzung also mindestens 50 Jahre später als die synoptischen Evangelien) für so belanglos hält, dass man ihn nicht einmal erwähnt.

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