Ernste Bedrohung für 1000plus

Caroline Stollmeier am 9. Mai 2014

KOMMENTAR

Ich bin traurig, einfach nur traurig. Die immer neuen Hiobsbotschaften aus Heidelberg machen mich sprachlos. Aber dennoch muss etwas dazu gesagt werden. Denn auf keinen Fall dürfen diese Ungeheuerlichkeiten unwidersprochen bleiben.

Seit Jahren unterstütze ich aus tiefster Überzeugung das Projekt 1000plus und den Verein, der dahinter steht: Pro Femina e.V.. Gemeinsam mit den Verantwortlichen durfte ich mich in dieser Zeit immer wieder über die großartige Entwicklung des Projektes freuen. Die Beratungsstruktur für ungeplant Schwangere konnte kontinuierlich ausgebaut werden. Vielen, vielen Frauen wurde in Ihrer Not geholfen und ihre Babys gerettet. Die Nachfrage nach 1000plus-Beratung ist ungebremst.

Besonders beeindruckend ist die positive Entwicklung vor dem Hintergrund, dass die Arbeit von 1000plus ausschließlich aus Spendenmitteln finanziert wird. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, wie schwierig es ist Spender für das wichtige Anliegen des Lebensschutzes zu gewinnen. Denn leider sind nicht viele Menschen bereit, sich wohlwollend damit auseinander zu setzen.

Als wichtiges Instrument haben sich die sogenannten Babyflaschenaktionen erwiesen. Diese Aktionen laufen in der Regel so ab, dass man Kontakt zu einer Gemeinde aufnimmt, im günstigen Fall während eines Gottesdienstes ein paar Minuten Redezeit bekommt und die Arbeit von 1000plus in aller Kürze vorstellen darf. Anschließend werden Babyflaschen verteilt, die die Gemeindemitglieder nach einer vereinbarten Zeit mit Spenden gefüllt zurückgeben.

Ich habe selber schon ein paar Babyflaschenaktionen durchgeführt. Und das habe ich durchweg positiv erlebt. Neben den Spenden, die man sammeln kann, hat man immer auch die Gelegenheit zu informieren und zu guten Gesprächen.

Nun wollen einzelne Bistümer die Unterstützung der Gemeinden für 1000plus unterbinden. Das geht so weit, dass neuerdings Pfarrern mit persönlichen Repressalien gedroht wird, sollten sie Babyflaschenaktionen oder ähnliches zu Gunsten von 1000plus in ihren Gemeinden zulassen. Falls andere Bistümer sich diesem Vorgehen anschließen sollten, wäre das existenzbedrohend für 1000plus, denn die Spenden der katholischen Gemeinden tragen wesentlich zur Finanzierung des Projektes bei. Wer sich die Zeit nehmen möchte, kann hier eine ausführliche offizielle Stellungnahme dazu lesen. Es lohnt sich auf jeden Fall!

Ein großes Problem scheint darin zu bestehen, dass 1000plus keine offizielle kirchliche Einrichtung ist. Dabei bleibt völlig unberücksichtigt, dass gerade das Christsein und die gelebte Nächstenliebe alle Mitarbeiter bei 1000plus antreiben und ihr Engagement im absoluten Einklang mit der kirchlichen Lehre ist.

Im eigenen Haus, darf natürlich jeder die Spielregeln selber festlegen. Und sollte es nur darum gehen, dass in Gottesdiensten nicht für private Initiativen gesammelt werden soll (egal welcher Art diese sind), dann wäre das wohl legitim. Aber um diese Regel durchzusetzen, bedarf es meines Erachtens keiner üblen Nachrede.

Tatsächlich ist mir noch nie ein Verein begegnet, der so offen und ehrlich mit jeder Art von internen Informationen umgeht, wie Pro Femina (mit Ausnahme natürlich von den persönlichen Daten der beratenen Frauen!). Alle Einnahmen und Ausgaben werden veröffentlicht, das Beratungskonzept ist frei zugänglich, jede Nachfrage wird umgehend beantwortet, nichts wird versteckt. Und das sieht man nicht zuletzt auch an der momentanen unangenehmen Situation. Damit könnte man auch ganz anders umgehen…

Ich möchte nicht spekulieren, was die wahren Beweggründe für das Verbot der Babyflaschenaktionen in den Bistümern sind. Dass man keine „Parallelstrukturen“ bei der Beratung von ungeplant Schwangere haben möchte, kann jedenfalls nur ein vorgeschobenes Argument sein. Zufällig habe ich bei den Babyflaschenaktionen und anderen Gelegenheiten schon einige Mitarbeiterinnen der kirchlichen und kirchennahen Beratungsstellen kennengelernt. Ich war mit ihnen nicht immer einer Meinung, beispielsweise wenn es darum ging, ob man „Beratungsscheine“ ausstellen soll. Aber in einem Punkt waren wir uns immer schnell einig, nämlich dass angesichts von über 100.000 offiziell gemeldeten Abtreibungen in jedem Jahr in Deutschland eigentlich immer noch nicht genug Hilfsangebote zur Verfügung stehen.

Wir haben gerade die „Woche für das Leben“. Und ich wäre für den Anfang sehr zufrieden damit, wenn die Energie, die derzeit in die Sabotage von 1000plus gesteckt wird, von den gleichen Kirchenvertretern zum Schutz des Lebens ungeborener Kinder verwendet würde. So lange in Deutschland auch nur eine einzige Frau aus ihrer Not heraus abtreibt, obwohl sie das eigentlich gar nicht will, gibt es nicht zu viele Beratungsangebote, sondern viel zu wenige.

Ich bin stolz und dankbar, dass es 1000plus gibt. Deutschland wäre sehr viel ärmer ohne diese Initiative. Und ich hätte eigentlich erwartet, dass die Kirchen die ersten sind, die das begreifen.

Abgelegt unter 1000plus | Leben,Allgemein | 10 Kommentare

10 Kommentare zu “Ernste Bedrohung für 1000plus”

  1. Annaam 9. Mai 2014 um 18:07

    Danke für deinen Blog und deine Worte, die mir aus der Seele sprechen!!! Auch ich bin froh und dankbar, dass es 1000plus und die dortigen wertvollen Beraterinnen und Mitarbeiter gibt!

  2. Thomas Fuegneram 10. Mai 2014 um 8:40

    Bitte, können Sie die Adressen der Bistümer posten, die für diese Lebensfeindliche Aktion verantwortlich sind?
    Damit wir uns direkt an diese wenden können?
    MfG
    TF

  3. Harald Stollmeieram 11. Mai 2014 um 6:07

    Gern! Ich nehme die im Internet zugänglichen Adressen.

    Für das Bistum Speyer (Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann):
    Bischöfliches Sekretariat

    Domplatz 2, 67346 Speyer, E-Mail: bischof@bistum-speyer.de

    Bischöflicher Sekretär und Persönlicher Referent:
    Manuel Wluka, Diplom-Theologe
    Telefon 0 62 32/6 85 69-12
    E-Mail: manuel.wluka@bistum-speyer.de

    Sekretariat:
    Ilona Spitzfaden
    Telefon 0 62 32/6 85 69-0 Fax 6 85 69-11

    Für das Bistum Augsburg (Bischof Dr. Konrad Zdarsa):

    Bischöfliches Ordinariat
    Fronhof 4
    86152 Augsburg

    Telefon 0821/3166-8200 (Generalvikar Domkapitular Msgr. Harald Heinrich)
    generalvikariat@bistum-augsburg.de

    für das Erzbistum Freiburg (Erzbischof Dr. RobertZollitsch als Apostolischer Administrator)
    Sekretätin Sr. M. Emanuela Tieze
    Erzbischöfliches Ordinariat
    Schoferstraße 2
    79098 Freiburg

    Telefon: 0761 / 2188-239
    E-Mail: sr.emanuela@ordinariat-freiburg.de

    Mit freundlichen Grüßen
    Harald Stollmeier

  4. MisterXam 11. Mai 2014 um 19:48

    Von dieser Kirche ist nicht mehr viel Gutes zu erwarten. Sehen Sie bei 1000plus zu, daß es ohne und eben gegebenenfalls auch gegen die Kirche geht.
    Parallelstrukturen haben den Vorteil, daß die Lok nicht umkippt (zwei Gleise). Und eine Kirche, die inzwischen Religionsfreiheit vertritt (also selbst da pluralistisch ist, wo sie es nicht sein kann) ist schlicht unglaubwürdig mit dieser Argumentation. Man bekämpft schlicht die Konkurrenz. Dabei belebt die bekanntermaßen das Geschäft. Was hier nun das dringendste ist. Ich fürchte nur, daß dies im Grunde eben auch nicht gewünscht ist.
    Ich habe 1000plus von Anfang an unterstützt. Liebe 1000plus-ler: Ihr habt das beste Konzept und arbeitet in gutem Geist. Laßt Euch nicht beirren. Und noch einmal: Seid froh, daß es Euch erspart bleibt, Hoffnung auf diese Kirche zu setzen. Macht Euer Ding.

  5. Dr. Hansmartin Lochneram 12. Mai 2014 um 11:03

    Das Thema “Abtreibung” wird in kirchlichen Kreisen heute weitgehend vermieden. Vermutlich will man damit jene vom Zeitgeist beherrschten Kirchenmitglieder nicht vergrämen, die ja sonst vielleicht aus der Kirche austreten würden. Da letzteres unbedingt vermieden werden soll (“Kirchensteuer!”), kann man eine Organisation nicht brauchen, die in den Gemeinden dieses Thema unüberhörbar anspricht. Kirchlicherseits würde man das ja nie tun und kann es deshalb auch nicht gutheißen. Das liegt auf einer Linie mit der häufig ablehnenden Haltung mancher Ordinariat gegen die Aktionen der “Lebensschützer”, die gerne auch verdächtigt werden, rechtsradikal zu sein.

  6. Donnieam 14. Mai 2014 um 13:28

    Guter Gedanke, Mister X! Warum tut die kath. Kirche nicht mehr gegen die Parallelstruktur der protest. Kirchen und noch viel mehr gegen die innerkath. Parallelstrukturen wie BDKJ oder Caritas?

  7. Davidam 25. Mai 2014 um 20:58

    Hallo, hier ist die Rede von Lebensschützern/innen. Warum kümmert man sich dann ausgerechnet um solche, die noch gar nicht geboren sind, mithin im Leben stehen? Gibt es nicht viel mehr da zu tun, wo Leute in Not und Elend leben müssen? Verstehe diesen (zumal noch reichlich religiös aufgeladenen) Eifer nicht so ganz…

  8. Harald Stollmeieram 26. Mai 2014 um 12:13

    Sehr geehrter Gesprächsteilnehmer David,

    es gibt genug Not auf der Welt. Wenn Ihnen die Not der ungeborenen Kinder und ihrer Mütter in Deutschland nicht dringlich genug erscheint, dann verschwenden Sie keine Zeit mit einer Diskussion darüber, ob unser Einsatz sinnvoll ist – helfen Sie einfach woanders!

    Alles Gute
    Harald Stollmeier

  9. romaam 18. Juli 2014 um 9:25

    Mich berührt Ihre Aktion ungut. Die Posteraktion ist nicht redlich: Warum benutzen Sie echte Kinder und lassen diese für ausgedachte Lebensläufe herhalten, die allesamt falsche, zu hohe, imageorientierte Erwartungen schüren? Was erzählen Sie den kleinen Schauspielern, wenn die groß sind, Verkäuferin, Krankenschwester, Metzger, Schlosser geworden sind? Und warum bleiben Ihre Berater anonym, warum sind das keine ausgebildeten Fachpersonen? Ich arbeite selbst in der Beratung und weiß, daß so eine hochkomplexe Arbeit mit teilweise traumatisierten Frauen nicht auf demselben Niveau durchgeführt werden darf, wie ein Forum. Die gesamte Aktion wirkt merkwürdig, unecht.
    Ich verstehe sehr gut, daß die katholische Kirche sich zurückzieht. Das ist leider nicht seriös, sondern manipulativ und propagandistisch und benutzt das Leid von Frauen für etwas Anderes, was nicht ehrlich ausgesprochen wird.

  10. Harald Stollmeieram 19. Juli 2014 um 12:14

    Sehr geehrter Gesprächsteilnehmer “roma”,

    der Vorwurf der Unredlichkeit sitzt bei Ihnen recht locker, und die Vermischung von Dingen, die man getrennt kritisieren muss (kritisieren darf man immer), macht es jedem redlichen Diskussionsteilnehmer schwer, Ihre Argumente zu bewerten. Ich will es trotzdem tun.

    Sie nehmen Anstoß an den Potenziale-Bildern, mit denen 1000plus dafür wirbt, ungeborenen Kindern eine Chance zu geben. Sofern Sie das tun, weil echte Kinder auf den Bildern sind, kann man nicht weiterdiskutieren. Entweder man findet es zulässig oder nicht. Ich finde es zulässig, weil nach allem, was ich über Kinderagenturen weiß, dort sehr strenge Maßstäbe angelegt werden.
    Sofern Sie Anstoß nehmen, weil diese Kinder vielleicht später einmal nicht Fußballweltmeister, Opernstars oder Bundeskanzer werden, finde ich das übertrieben, denn die generelle Botschaft der “”Potenziale” ist die, dass man bei keinem Kind weiß, was aus ihm werden kann, aber dass es sich bei jedem Kind lohnt, die Entfaltung seines Potenzials abzuwarten (und es nicht im Mutterleib zu töten). Mein persönliches Lieblingsmotiv ist übrigens “Bastian, der freundlichste Automechaniker am Ort.”

    Ihre Kritik an der Beratung selbst wirkt auf mich einigermaßen widersinnig: Die 1000plus-Beraterinnen gehen ja nicht in die Foren, weil sie glauben würden, dass Beratung in Foren ideal wäre, sondern weil die betroffenen Frauen in diesen Foren nach Rat fragen. Sind diese Frauen in Ihren Augen Ratsuchende zweiter Klasse, die man im Stich lassen sollte? Soll man nicht zu den Menschen gehen, dort wo sie in Ihrer Not um Hilfe rufen?

    Ihr Fazit mit der Behauptung, das Vorgehen von 1000plus sei manipulativ und benutze das Leid von Frauen für etwas Anderes, das nicht ehrlich ausgesprochen werde, ist nicht nur deshalb unter dem Niveau, auf dem Sie hoffentlich mit Ihren Klientinnen sprechen, weil Sie offen lassen, was dieses Andere sei, obwohl Sie es ja zu wissen glauben, sondern auch, weil Sie vom hohen Ross aus das Engagement anderer bewerten, deren Gedanken Sie meines Wissens nicht lesen können. Es ist mir übrigens gleichgültig, in welcher Organisation Sie selbst beschäftigt sind – ich versuche ja auch nicht, Ihre Arbeit zu behindern.

    Gottes Segen und den Beistand des Heiligen Geistes für Ihre eigenen Versuche, Frauen in Not zu helfen, wünscht Ihnen
    Harald Stollmeier

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