Monatsarchiv für September 2014

Das Inzesttabu: Hat der Ethikrat Recht?

Harald Stollmeier am 27. September 2014

In Dorothy L. Sayers Roman Gaudy Night (dt. Aufruhr in Oxford) warnt Lord Peter Wimsey: “Das erste, was ein Prinzip tut, ist Menschen zu töten.” Das ist wahr: Wenn es ums Prinzip geht, kommen häufig einzelne Menschen unter die Räder. Und das gilt nicht nur für das Inzestverbot. Es gilt auch für seine Aufhebung. Insofern hat der Ethikrat mit seiner Stellungnahme zum Inzestverbot im § 173 StGB zugleich Unrecht und Recht.

Nach dieser Stellungnahme soll der einvernehmliche Beischlaf zwischen volljährigen Geschwistern nicht mehr strafbar sein. Das gilt auch für den einvernehmlichen Beischlaf zwischen Geschwistern, von denen das jüngere zwischen 14 und 18 Jahren alt ist, wenn die beiden nicht mehr im selben Familenverbund, also wohl nicht mehr im selben Haushalt wohnen.

Der Ethikrat (damit meine ich im folgenden seine Mehrheit) hat in vielen Punkten Recht. Der wichtigste: Das Inzesttabu wird die empfohlene Gesetzesänderung überleben. Es würde sogar eine gesetzliche Verpflichtung zum Inzest überleben. Es ist uns angeboren, übrigens aus gutem Grund. Der Ethikrat erkennt das auch an, hält aber die sexuelle Selbstbestimmung der Individuen für ein höheres Rechtsgut als die immerhin deutliche Verringerung des Risikos erblicher Schädigungen bei ihren Kindern.

Damit hat er sogar Recht. Und man liest es gern, wenn er dann schreibt, dass die zu erwartenden Schädigungen in der Regel nicht geeignet sind, das Nichtgeborenwerden attraktiver zu machen als das Geborenwerden. Trotzdem werfe ich dem Rat an dieser Stelle ein erstes Versäumnis vor: Vor dem aktuellen Hintergrund von Spätabtreibungen und PraenaTest müsste er diese Frage zu Ende denken. Was soll denn geschehen, wenn das erhöhte Risiko erblicher Schädigungen eintritt? Geht der Wunsch, so etwas zu vermeiden, dann via Schwangerschaftsabbruch zu Lasten der betroffenen Kinder?

Zurück zum Inzestverbot: Auch ich finde, dass § 173 StGB eindeutig einen eugenischen Schwerpunkt hat und dass dieses eugenische Ziel die Strafbarkeit des Inzests nicht hinreichend rechtfertigt. Dennoch schließe ich mich eher dem Minderheitsvotum an (mit so angesehenen Unterzeichnern wie Wolf-Michael Catenhusen, Weihbischof Anton Losinger und Professor Eberhard Schockenhoff). Die Minderheit sieht nämlich (in sehr maßvoller Wortwahl) den Schutz der schwächsten Familienmitglieder vor dem Missbrauch von Abhängigkeiten als Hauptzweck des Gesetzes an.

Das heißt: Es geht am Ende nicht um die Abwägung des Rechtsguts “Genetische Sicherheit” gegen das Rechtsgut “Sexuelle Selbstbestimmung”; es geht um die Verteidigung des Rechtsguts “Sexuelle Selbstbestimmung” allein. Das liegt daran, dass die entscheidende Voraussetzung der ganzen Debatte nicht stimmt: Es gibt keinen einvernehmlichen Geschlechtsverkehr in einer Konstellation, die von Abhängigkeiten geprägt ist. Einvernehmen setzt Unabhängigkeit voraus, und die gibt es innerhalb einer Famile nicht. Für Beziehungen zwischen Eltern und Kindern sieht der Ethikrat das auch und will hier keine Veränderungen. Aber die Minderheit hat Recht, wenn sie Abhängigkeiten und Manipulationsmöglichkeiten auch zwischen Geschwistern sieht.

Aber selbst die Minderheit im Ethikrat geht mir nicht weit genug: Wenn man schon sieht, dass der § 173 StGB nur den vaginalen Geschlechtsverkehr bestraft, man aber zu Recht den Schutz der sexuellen Selbstbestimmung in den Mittelpunkt rücken möchte, dann ist die Ablehnung einer Aufweichung des § 173 nicht genug. Dann muss man seine Ausweitung auf alle sexuellen Handlungen fordern.

Und wenn mann dann den § 173 zu diesem Zweck ändert (“sexuelle Handlungen” statt “Beischlaf”), dann sollte man in der Tat auch gleich etwas für die Geschwister-Paare (meist Halbgeschwister-Paare) tun, deren Notlage den Ethikrat überhaupt erst auf den Plan gerufen hatte. Diese Geschwister-Paare, die einander vor ihrer Liebesbeziehung gar nicht gekannt hatten, ja zum Teil nicht einmal voneinander gewusst hatten, sind nämlich nicht nur unschuldig. Sie sind sogar Opfer, nämlich einer Scheidung, und wer das Gesetz in seiner heutigen Fassung auf sie anwendet, schafft definitiv neues Leid, wahrscheinlich aber auch neues Unrecht.

Gerechter wäre ein Zusatz zum § 173 StGB sein, der ungefähr lauten könnte: “Einvernehmliche sexuelle Handlungen zwischen volljährigen Geschwistern sind straffrei, wenn die Geschwister zuvor für mehr als fünf Jahre nicht im selben Haushalt gelebt haben.”

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Konsequent genervt

Caroline Stollmeier am 25. September 2014

Haben Sie die Tage auch mitbekommen, dass ein Umfrageergebnis veröffentlicht wurde, demzufolge 2/3 der Deutschen genervt sind vom frühen Verkaufsstart der Weihnachtsgebäckartikel? Also, wenn ich so etwas lese, dann frage ich mich unweigerlich, was ich geantwortet hätte, wenn ich Proband dieser Befragung gewesen wäre…

Ich mag Zimtsterne und finde es eigentlich schade, dass es sie so selten gibt. Zumal es mir noch nie vernünftig gelungen ist, sie selber zu machen. (Ansonsten könnte ich das ja auch zwischendurch mal tun.) Insofern weiß ich auch gar nicht, ob ich sie im Frühling oder Sommer mögen würde. Aber ich gehe mal davon aus. Denn Spekulatius kaufe ich auch das ganze Jahr über – meistens allerdings in den Niederlanden, wo sie etwas ganz Normales und ständig im Sortiment sind.

Ach, ich mag einfach unsere Einzelhandelstruktur! Wir können hier zu fast jeder Zeit des Jahres fast alles kaufen und haben dabei auch noch eine Riesenauswahl. (Ob wir das wirklich immer tun sollten, ist allerdings ein anderes Thema…)

Ich habe gedacht, ich lese nicht richtig, als ich die Forderung nach einem gesetzlich geregelten Verkaufsstart für Weihnachtsgebäck gesehen habe! Hallo?! Wir sollten vielleicht einen gesetzlich vorgeschrieben Zeitpunkt für die Betätigung der Toilettenspülung in Privathaushalten einführen… Okay, das war jetzt unsachlich!

Dabei ist es doch ganz einfach. Der Wettbewerbsdruck im Lebensmitteleinzelhandel ist groß. Kein Händler belegt seine Verkaufsflächen (und schon gar nicht die Aktionsflächen im Eingangsbereich) dauerhaft mit Ladenhütern! Was sich nicht verkaufen lässt, das fliegt raus oder wird zumindest beim nächsten Mal nicht mehr im gleichen Umfang geordert.

Wir Konsumenten haben es also ganz in der eigenen Hand. Wenn die 2/3 genervten Konsumenten tatsächlich keine Weihnachtsprodukte kaufen, dann merkt das der Händler. Und er wird darauf reagieren. Dafür braucht es keine Gesetze. Das regeln wir ganz alleine. Jeder von uns.

Ich hätte also auf diese Umfrage geantwortet: „Ich finde es vielleicht ein bisschen befremdlich im Spätsommer schon Lebkuchen im Supermarkt zu sehen, aber es nervt mich nicht. Ich finde es gut, wenn jeder kaufen kann, was er mag, auch wenn ich da jetzt gerade keinen Appetit drauf habe.“ Aber diese Antwortmöglichkeit gab es wahrscheinlich nicht. Das hätte ja auch gar nicht so schön polarisiert.

Stattdessen bin ich aber von einem ganz anderen Thema im Zusammenhang mit Weihnachten genervt. Und das wird in diesem Jahr wieder so sicher auf uns zu kommen, wie das Amen in der Kirche (um mir gleich selber das nächste Stichwort zu liefern):

Als christliche Familie hat man ja ständig irgendwie das Gefühl schief angeguckt zu werden, wenn man sich aus Versehen (oder natürlich auch manchmal absichtlich) „outet“. In den Wochen vor dem Weihnachtsfest sind dann aber (nach meinen nicht-repräsentativen Beobachtungen) die Leute am meisten gestresst, denen Weihnachten im eigentlichen Sinne am wenigsten bedeutet. [Wir feiern die Geburt von Jesus Christus.] Und sie verbreiten diesen Stress. Warum feiert eigentlich jemand und gibt nebenbei noch eine Menge Geld aus, wenn es für ihn überhaupt keinen Grund zum Feiern gibt? Also, da würde ich doch meine Nerven schonen und gar nicht erst mitmachen! Es zwingt einen schließlich keiner.

Und wo wir gerade dabei sind… Könnten wir nicht bewegliche Feiertage einführen, die jeder dann in Anspruch nimmt, wenn er sie braucht? Ist es überhaupt noch gerechtfertigt, dass alle Weihnachten (und Ostern und Pfingsten und so weiter) frei haben oder zumindest Feiertagszuschläge kriegen, obwohl doch anscheinend für die Mehrheit der Bevölkerung religiöse Feiertage eine Bedeutung irgendwo zwischen null und Konsumterror haben? Könnte man doch mal drüber nachdenken, oder?

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Kurze Wege

Caroline Stollmeier am 24. September 2014

Jetzt wird es hier auch mal wieder persönlich… Gerade habe ich in der Zeitung gelesen, dass NRWs konfessionelle Grundschulen nun einfacher in Gemeinschaftsgrundschulen umgewandelt werden sollen. Die Begründung ist mal wieder „Diskriminierung“.

Also, kleine Kinder dürfen nicht diskriminiert werden, indem man ihnen zumutet eine vielleicht etwas weiter entfernte Grundschule zu besuchen, damit sie unbehelligt von Religion aufwachsen können. Und Lehrer und Schulleiter dürfen nicht diskriminiert werden, weil sie die falsche oder keine Konfession haben, und sich deshalb auf bestimmte Stellen nicht bewerben können.

Hier stellen sich mir gleich mehrere Büschel Nackenhaare auf. (Zumal die Berichterstattung mal wieder große handwerkliche Defizite aufweist.) Aber dieser Artikel soll jetzt auch nicht 40 Seiten lang werden…

Unsere Kinder besuchen eine städtische Grundschule. Weil es hier keine konfessionelle Grundschule gibt. Das ist aber kein Problem. Wenn man möchte, dass die Kinder mit Gott in Berührung kommen, dann kann man das in der Familie und in der Gemeinde wahrscheinlich sowieso viel besser, als es die Schule bzw. die Lehrer können. Zumal im Religionsunterricht hauptsächlich über allgemeine gesellschaftliche Themen gesprochen wird (was übrigens beim letzten Elternabend als besonderer Bonus vorgestellt wurde).

Es geht ohne konfessionelle Grundschulen. Das sieht man ja alleine auch schon daran, dass es außerhalb von NRW kaum noch andere Bekenntnisschulen gibt. Aber zum Thema „Diskriminierung“ habe ich eine ganz andere Meinung!

Meine Erfahrungen sind natürlich nicht repräsentativ. Aber wenn ich im Gespräch mit anderen Eltern mal erwähne, dass wir am Sonntag in die Kirche gehen (was wir bei weitem nicht jede Woche tun), weil unsere Tochter gerne  im Kirchenchor mitsingt, dann werde ich angeschaut, als würde ich meinen Kindern Gewalt antun oder Vergleichbares. Und das sind dann Eltern, die ihre Kinder selber auf einen katholischen Kindergarten geschickt haben…

Am letzten Samstag war mein Mann beim „Marsch für das Leben“ in Berlin. Obwohl sie natürlich nicht nur christlich ist, endet diese Demonstration für das Lebensrecht – vor allem der ungeborenen Menschen – traditionell mit einem ökumenischen Gottesdienst. In diesem Jahr wurde der Abschlussgottesdienst von Gegendemonstranten allerdings massiv gestört. Hier wurden friedliche Menschen an der freien Religionsausübung gehindert – DAS nenne ich Diskriminierung!

Wenn Menschen nicht (mehr) an Gott glauben, ist das zunächst eine persönliche Entscheidung. Es ist ihr Recht, keiner Konfession anzugehören. Aber es ist nicht ihr Recht andere Menschen in ihrer Religionsfreiheit einzuschränken – vor allem, wenn diese Menschen sich friedlich und im Einklang mit geltendem Recht bewegen, wie Christen das in der Regel tun.

In unserer Gesellschaft werden „humanistische“ Kräfte immer stärker, die vor allem eins eint: der Hass auf jede Form von Religion (sie nennen das: Religionskritik). Eine Sache ist, dass viele Humanisten selbst Atheisten sind. Eine ganz andere Sache ist, dass sie alle Menschen, die an einen Gott glauben, grundsätzlich für intellektuell minderbemittelt halten und auch nicht müde werden, diese Ansicht unters Volk zu bringen. Diesen Leuten möchte ich am liebsten sagen: „Hey, ich verstehe Euch! An diesem Punkt war ich auch schon – vor etwa zehn, fünfzehn Jahren. Aber inzwischen bin ich weiter.“

Aber um auf die Diskriminierung zurück zu kommen… (Eigentlich hasse ich diesen Ausdruck, weil inzwischen alles und jeder diskriminiert sind. Aber ich habe ja auch nicht davon angefangen.) Wenn man in unserer Gesellschaft die Augen auf macht, dann sieht man, dass viele Menschen aufgrund ihres Glaubens diskriminiert werden. Und zwar nicht, weil sie den „falschen“ Glauben haben, sondern weil sie überhaupt einen Glauben haben.

Und falls das hier jetzt aus Versehen jemand liest, der nicht religiös ist, dann fasse sich diese/r jetzt bitte mal kurz an die Nase. Wahrscheinlich ist Ihr Nichtglaube das Ergebnis eines harten, langen, inneren Prozesses, an dessen Ende Sie sich zu der Gewissheit durchgerungen haben, nun endlich alles verstanden zu haben. Und an dieser logischen Erkenntnis möchten Sie jetzt selbstlos andere Menschen teilhaben und sie nicht länger in Verblendung und Irrglaube dämmern lassen?

Okay, Sie haben auf alles eine Antwort. Aber versuchen Sie doch bitte für einen kurzen Augenblick meine zu sich durchdringen zu lassen: Der Weg ist nicht zu Ende an dem Punkt, an dem Sie jetzt stehen. Aber Sie müssen sich selber entscheiden, ob Sie weiter gehen wollen oder nicht. Genau so, wie meine Kinder später ihren eigenen (Glaubens-) Weg gehen sollen. Sie sollen Gott jetzt kennenlernen, damit sie einen Kompass oder meinetwegen ein GPS-Gerät fürs Leben haben und wissen, wie man damit umgeht. Ob sie es später dann benutzen oder nicht, ist ihre Sache.

Wir lehren unsere Kinder Toleranz und Empathie aber auch Selbstbewusstsein gegenüber anderen Menschen (selbst gegenüber Ignoranten). Wir brauchen nicht unbedingt Bekenntnisschulen, um diese Dinge zu vermitteln, die uns wichtig sind. Aber wir brauchen eine Gesellschaft, die Freiheit nicht nur fordert, sondern auch gewährt. Wer glaubt, dass er nicht glaubt, der darf das genau so wie jemand der glaubt. Und die Gesellschaft besteht aus Ihnen und mir. Wenn wir nicht den Unterschied machen, wer denn dann?

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Bemerkungen zum Marsch für das Leben 2014

Harald Stollmeier am 21. September 2014

Marsch für das Leben - vorbei am Bundeskanzleramt

Marsch für das Leben - vorbei am Bundeskanzleramt

Marsch für das Leben mittendrin

Marsch für das Leben mittendrin

Gestern fand in Berlin der jährliche Marsch für das Leben statt. Über 5.000 Menschen demonstrierten für das Lebensrecht Ungeborener und gegen Euthanasie. Ich war dabei, und weil es für mich das erste Mal war, besonders aufmerksam. Was nehme ich mit?

1. Veranstalter und Teilnehmer sind redlich und konsequent: Keine Hassreden, keine plumpen Holocaustvergleiche, keine Forderungen vom Typ “Zurück zur Rechtslage von 1950” – stattdessen Glaubens- und Lebenszeugnisse, zukunftsorientierte Forderungen (Förderung der Palliativmedizin und der Hospizarbeit!) und im Zentrum der gesamten Veranstaltung das Bekenntnis, dass alle Menschen gleich viel wert sind.

2. Eine sympathischere Gruppe junger Menschen als die Jugend für das Leben habe ich noch nicht kennengelernt: allesamt freundlich, christlich, bestrebt, ein gutes Leben zu führen, und völlig frei von Überheblichkeit gegenüber Frauen im Schwangerschaftskonflikt.

3. Die Rückendeckung der Kirche wird stärker – mit Grußwort vom Papst braucht man sich nicht als Sektierer zu fühlen. Gut – es könnten ruhig auch zwei oder drei Bischöfe mitmachen, aber die können ja nicht überall sein.

4. Politiker sieht man kaum. Beatrix von Storch wurde begrüßt, und Hubert Hüppe bekannte sich auf der Bühne zum Marsch für das Leben – ausdrücklich mit Hinweis auf den beträchtlichen Gegenwind von SPD, Grünen und Linken. Danke, Hubert Hüppe!

5. Die Polizei ist superkompetent: Ohne jede Parteinahme, ruhig und freundlich, blitzschnell bei Übergriffen der Gegendemonstranten. Dankeschön!

6. Die Gegenseite blamiert sich, so gut sie kann. Die Verwüstung der Geschäftsstelle des Bundesverbands Lebensrecht zwei Nächte vor dem Marsch ist den Veranstaltern der Gegendemonstration wohl nicht zur Last zu legen, und der Angriff auf Hubert Hüppe (plus Farbbeutelwurf)  ist wohl nicht das gewesen, was die Giordano-Bruno Stiftung im Vorfeld des Marsches mit ihrer scharfen Kritik an Hüppe (Facebookseite der GBS am 18. September) beabsichtigt hatte. Mit dem Stören des Abschlussgottesdienstes und dem systematischen Grölen während der Gedenkminute für die 300.000 Opfer der Nazi-Aktion T4 sieht es aber anders aus, ebenso mit Sprechchorgruppen, die auf den Stelen des Holocaustmahnmales sitzen. Die Texte sind auch nicht gerade umwerfend. Eine repräsentative Auswahl bilden “Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat” (Wie, die wollen keinen Staat?), das unvermeidliche “Hätt’ Maria abgetrieben, wärt Ihr uns erspart geblieben” und “Wir sind die Perversen, wir sind Euch auf den Fersen.” Ach ja: Und “Mittelalter, Mittelalter, hey, hey, hey!”

7. Der Marsch für das Leben wird die Welt nicht verändern, auch im nächsten Jahr nicht. Aber die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden das tun, wenn sie von dieser Begegnung mit Gleichgesinnten motiviert nach Hause kommen und in ihrer Umgebung für mehr “Helfen statt Töten” (Martin Lohman) eintreten. In sehr kleinen Schritten.

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