Bemerkungen zum Marsch für das Leben 2014

Harald Stollmeier am 21. September 2014

Marsch für das Leben - vorbei am Bundeskanzleramt

Marsch für das Leben - vorbei am Bundeskanzleramt

Marsch für das Leben mittendrin

Marsch für das Leben mittendrin

Gestern fand in Berlin der jährliche Marsch für das Leben statt. Über 5.000 Menschen demonstrierten für das Lebensrecht Ungeborener und gegen Euthanasie. Ich war dabei, und weil es für mich das erste Mal war, besonders aufmerksam. Was nehme ich mit?

1. Veranstalter und Teilnehmer sind redlich und konsequent: Keine Hassreden, keine plumpen Holocaustvergleiche, keine Forderungen vom Typ “Zurück zur Rechtslage von 1950” – stattdessen Glaubens- und Lebenszeugnisse, zukunftsorientierte Forderungen (Förderung der Palliativmedizin und der Hospizarbeit!) und im Zentrum der gesamten Veranstaltung das Bekenntnis, dass alle Menschen gleich viel wert sind.

2. Eine sympathischere Gruppe junger Menschen als die Jugend für das Leben habe ich noch nicht kennengelernt: allesamt freundlich, christlich, bestrebt, ein gutes Leben zu führen, und völlig frei von Überheblichkeit gegenüber Frauen im Schwangerschaftskonflikt.

3. Die Rückendeckung der Kirche wird stärker – mit Grußwort vom Papst braucht man sich nicht als Sektierer zu fühlen. Gut – es könnten ruhig auch zwei oder drei Bischöfe mitmachen, aber die können ja nicht überall sein.

4. Politiker sieht man kaum. Beatrix von Storch wurde begrüßt, und Hubert Hüppe bekannte sich auf der Bühne zum Marsch für das Leben – ausdrücklich mit Hinweis auf den beträchtlichen Gegenwind von SPD, Grünen und Linken. Danke, Hubert Hüppe!

5. Die Polizei ist superkompetent: Ohne jede Parteinahme, ruhig und freundlich, blitzschnell bei Übergriffen der Gegendemonstranten. Dankeschön!

6. Die Gegenseite blamiert sich, so gut sie kann. Die Verwüstung der Geschäftsstelle des Bundesverbands Lebensrecht zwei Nächte vor dem Marsch ist den Veranstaltern der Gegendemonstration wohl nicht zur Last zu legen, und der Angriff auf Hubert Hüppe (plus Farbbeutelwurf)  ist wohl nicht das gewesen, was die Giordano-Bruno Stiftung im Vorfeld des Marsches mit ihrer scharfen Kritik an Hüppe (Facebookseite der GBS am 18. September) beabsichtigt hatte. Mit dem Stören des Abschlussgottesdienstes und dem systematischen Grölen während der Gedenkminute für die 300.000 Opfer der Nazi-Aktion T4 sieht es aber anders aus, ebenso mit Sprechchorgruppen, die auf den Stelen des Holocaustmahnmales sitzen. Die Texte sind auch nicht gerade umwerfend. Eine repräsentative Auswahl bilden “Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat” (Wie, die wollen keinen Staat?), das unvermeidliche “Hätt’ Maria abgetrieben, wärt Ihr uns erspart geblieben” und “Wir sind die Perversen, wir sind Euch auf den Fersen.” Ach ja: Und “Mittelalter, Mittelalter, hey, hey, hey!”

7. Der Marsch für das Leben wird die Welt nicht verändern, auch im nächsten Jahr nicht. Aber die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden das tun, wenn sie von dieser Begegnung mit Gleichgesinnten motiviert nach Hause kommen und in ihrer Umgebung für mehr “Helfen statt Töten” (Martin Lohman) eintreten. In sehr kleinen Schritten.

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2 Kommentare zu “Bemerkungen zum Marsch für das Leben 2014”

  1. Claudia Sperlicham 21. September 2014 um 17:01

    Gut war es. Traurig, daß am Ende der Gottesdienst so dumm und boshaft gestört wurde (wie ich von anderen Teilnehmern weiß; ich war nicht da).
    Was die dämlichen Slogans angeht, so habe ich sie ein wenig verbessern können.

  2. Moralblog » Kurze Wegeam 24. September 2014 um 11:09

    […] Am letzten Samstag war mein Mann beim „Marsch für das Leben“ in Berlin. Obwohl sie natürlich nicht nur christlich ist, endet diese Demonstration für das Lebensrecht – vor allem der ungeborenen Menschen – traditionell mit einem ökumenischen Gottesdienst. In diesem Jahr wurde der Abschlussgottesdienst von Gegendemonstranten allerdings massiv gestört. Hier wurden friedliche Menschen an der freien Religionsausübung gehindert – DAS nenne ich Diskriminierung! […]

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