Konsequent genervt

Caroline Stollmeier am 25. September 2014

Haben Sie die Tage auch mitbekommen, dass ein Umfrageergebnis veröffentlicht wurde, demzufolge 2/3 der Deutschen genervt sind vom frühen Verkaufsstart der Weihnachtsgebäckartikel? Also, wenn ich so etwas lese, dann frage ich mich unweigerlich, was ich geantwortet hätte, wenn ich Proband dieser Befragung gewesen wäre…

Ich mag Zimtsterne und finde es eigentlich schade, dass es sie so selten gibt. Zumal es mir noch nie vernünftig gelungen ist, sie selber zu machen. (Ansonsten könnte ich das ja auch zwischendurch mal tun.) Insofern weiß ich auch gar nicht, ob ich sie im Frühling oder Sommer mögen würde. Aber ich gehe mal davon aus. Denn Spekulatius kaufe ich auch das ganze Jahr über – meistens allerdings in den Niederlanden, wo sie etwas ganz Normales und ständig im Sortiment sind.

Ach, ich mag einfach unsere Einzelhandelstruktur! Wir können hier zu fast jeder Zeit des Jahres fast alles kaufen und haben dabei auch noch eine Riesenauswahl. (Ob wir das wirklich immer tun sollten, ist allerdings ein anderes Thema…)

Ich habe gedacht, ich lese nicht richtig, als ich die Forderung nach einem gesetzlich geregelten Verkaufsstart für Weihnachtsgebäck gesehen habe! Hallo?! Wir sollten vielleicht einen gesetzlich vorgeschrieben Zeitpunkt für die Betätigung der Toilettenspülung in Privathaushalten einführen… Okay, das war jetzt unsachlich!

Dabei ist es doch ganz einfach. Der Wettbewerbsdruck im Lebensmitteleinzelhandel ist groß. Kein Händler belegt seine Verkaufsflächen (und schon gar nicht die Aktionsflächen im Eingangsbereich) dauerhaft mit Ladenhütern! Was sich nicht verkaufen lässt, das fliegt raus oder wird zumindest beim nächsten Mal nicht mehr im gleichen Umfang geordert.

Wir Konsumenten haben es also ganz in der eigenen Hand. Wenn die 2/3 genervten Konsumenten tatsächlich keine Weihnachtsprodukte kaufen, dann merkt das der Händler. Und er wird darauf reagieren. Dafür braucht es keine Gesetze. Das regeln wir ganz alleine. Jeder von uns.

Ich hätte also auf diese Umfrage geantwortet: „Ich finde es vielleicht ein bisschen befremdlich im Spätsommer schon Lebkuchen im Supermarkt zu sehen, aber es nervt mich nicht. Ich finde es gut, wenn jeder kaufen kann, was er mag, auch wenn ich da jetzt gerade keinen Appetit drauf habe.“ Aber diese Antwortmöglichkeit gab es wahrscheinlich nicht. Das hätte ja auch gar nicht so schön polarisiert.

Stattdessen bin ich aber von einem ganz anderen Thema im Zusammenhang mit Weihnachten genervt. Und das wird in diesem Jahr wieder so sicher auf uns zu kommen, wie das Amen in der Kirche (um mir gleich selber das nächste Stichwort zu liefern):

Als christliche Familie hat man ja ständig irgendwie das Gefühl schief angeguckt zu werden, wenn man sich aus Versehen (oder natürlich auch manchmal absichtlich) „outet“. In den Wochen vor dem Weihnachtsfest sind dann aber (nach meinen nicht-repräsentativen Beobachtungen) die Leute am meisten gestresst, denen Weihnachten im eigentlichen Sinne am wenigsten bedeutet. [Wir feiern die Geburt von Jesus Christus.] Und sie verbreiten diesen Stress. Warum feiert eigentlich jemand und gibt nebenbei noch eine Menge Geld aus, wenn es für ihn überhaupt keinen Grund zum Feiern gibt? Also, da würde ich doch meine Nerven schonen und gar nicht erst mitmachen! Es zwingt einen schließlich keiner.

Und wo wir gerade dabei sind… Könnten wir nicht bewegliche Feiertage einführen, die jeder dann in Anspruch nimmt, wenn er sie braucht? Ist es überhaupt noch gerechtfertigt, dass alle Weihnachten (und Ostern und Pfingsten und so weiter) frei haben oder zumindest Feiertagszuschläge kriegen, obwohl doch anscheinend für die Mehrheit der Bevölkerung religiöse Feiertage eine Bedeutung irgendwo zwischen null und Konsumterror haben? Könnte man doch mal drüber nachdenken, oder?

Abgelegt unter Allgemein,Glaube | Religion | Keine Kommentare

Trackback URI | Kommentare als RSS

Einen Kommentar schreiben

Der Eisvogel