Monatsarchiv für November 2014

Machen Sie mit?!

Caroline Stollmeier am 30. November 2014

Glück wird größer, wenn man es teilt. Und genau deshalb möchte ich ein kleines Buch mit Dingen, Ereignissen oder Begebenheiten zusammenstellen, die echte Menschen glücklicher gemacht haben und deshalb auch viele andere Menschen ein bisschen glücklicher machen könnten. Alles, was Sie dafür zu tun brauchen, ist mir ein eigenes Babyfoto zu schicken und kurz aufzuschreiben was Sie jetzt in diesem Moment in Ihrem Leben stolz oder dankbar macht. Das kann eine Kleinigkeit sein, aber auch etwas ganz Großes.

Also, machen Sie einfach Ihre alten Kisten auf und scannen Sie ein süßes Baby- oder Kinderfoto von sich in druckfähiger Qualität ein (oder fotografiere es ab). Schreiben Sie mir am besten noch heute ein Wort, einen Satz oder eine Seite dazu auf und schicken Sie alles per E-Mail an: babyfoto@stollmeierundstollmeier.de

Mit der Einsendung stimmen Sie der Veröffentlichung Ihres Beitrags in digitaler und/oder gedruckter Form zu. (Falls Du minderjährig bist, müssen auch Deine Eltern einverstanden sein!) Neben Text und Bild möchte ich gerne Ihren Vornamen und Ihr aktuelles Alter veröffentlichen (teilen Sie mir diese Informationen also bitte noch mit; Sie können sich gerne auch ein Pseudonym geben und beim Alter eine ungefähre Angabe machen ;-), nur das Foto muss wirklich von Ihnen sein). Selbstverständlich werde ich keine anderen persönlichen Daten von Ihnen weitergeben. Toll wäre es auch, wenn Sie selber Freunde, Verwandte oder Bekannte einladen mir ihren Beitrag zu schicken und dazu diesen Link hier verbreiten. Je mehr Menschen (jeden Alters) mitmachen, umso besser!

Danke für Ihre Unterstützung!

Babyfotos

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Wie Kaiser Hadrian die Homosexualität des Judas vertuschen ließ

Harald Stollmeier am 28. November 2014

Buchbesprechung: Daniel Frown, Eine Sünde für die Engelsburg, aus dem Amerikanischen von Thomas Müller

Judas ist unter Christen der Inbegriff des Verräters. Kaum bekannt ist aber, dass er bis ins zweite Jahrhundert hinein darüber hinaus auch noch als homosexuell galt. Das war ein großes Missionshindernis vor allem in der römischen Oberschicht. Erst eine Bereinigung des Lukasevangeliums auf dem Konzil von Eboracum (129 oder 130) hob diesen Konflikt auf und öffnete der römischen Kirche den Weg zur Weltherrschaft.

In seinem spannenden Sachbuch entwickelt Daniel Frown, Dozent für spätantike Frühscholastik an der University of Notre Dame, eine revolutionäre These: Ihr zufolge verdankt das Christentum seinen Durchbruch dem römischen Kaiser Hadrian, der in diesem Zusammenhang bislang als desinteressiert galt.

Frown beruft sich dabei einerseits auf Erkenntnisse des nordnorwegischen Paläographen Per Fraus-Dolus (bekanntgeworden mit seinem Beitrag zur Erschließung der Ibn-Fadlan-Manuskripte), der bereits 1978 in einem weitgehend unbeachteten Aufsatz ein Fragment aus dem 22. Kapitel des Lukasevangeliums publizierte. In der heutigen Fassung lautet Vers 3: „Es war aber der Satan gefahren in den Judas, genannt Ischarioth, der das war aus der Zahl der Zwölfe.“

Im Fragment von Fraus-Dolus heißt es anstelle von Ischarioth „Eromenos“, womit normalerweise der jüngere Partner einer päderastischen Paarung bezeichnet wird. Fraus-Dolus vermutet auf dieser Grundlage, dass Judas ursprünglich als homosexuell beschrieben wurde und erklärt damit die besonders scharfe Verurteilung im Sündenkatalog des Apostels Paulus. Ob Judas tatsächlich homosexuell gewesen ist, lässt Fraus-Dolus ausdrücklich offen (zitiert nach Frown S. 77): “Paulus kannte weder Jesus noch Judas persönlich. Aber er kannte Lukas persönlich.”

Frown will in den lateranischen Archiven in Rom (die Päpste residierten ursprünglich im Lateran) einen sehr kurzen Bericht über das Konzil von Eboracum entdeckt haben. Der bislang unpublizierte Bericht beschreibt ein “Concilium occultum” und spricht von der “rehabilitatio apostolis Iudae in re contra naturem”, von einer Messe für den ertrunkenen kaiserlichen Schützling Antinoos und von einem “imperium contra Iudeos”. Konkret sei “Eromenos” durch “Ischariot” ersetzt worden. “Dieser Beiname war immer ein Schwachpunkt in der Charakterisierung des Judas”, schreibt Frown (S. 185), “denn den so benannten Herkunftsort Queriot in Judäa verbindet mit Judas, der wie alle anderen Apostel Galiläer war, nichts.”

Frown erschließt aus diesen Indizien ein Bündnis der noch schwachen römischen Kirche mit dem homophilen Kaiser Hadrian. Der Preis für die letztlich geringfügige Änderung der Lehre sei die Parteinahme des Kaisers für die Christen und gegen die in dieser Frage intransigenten Juden gewesen.

Für Frowns These spricht die grausame Zerstreuung des jüdischen Volkes nur wenige Jahre später; anders als in der populären Geschichtsschreibung meist angenommen geschah diese Vertreibung nicht unter Vespasian sondern erst unter Hadrian. Damit war der hartnäckigste Rivale der katholischen Kirche im Kampf um die religiöse Vorherrschaft im römischen Reich beseitigt.

Frowns Fazit (S. 357): “Es ist unter diesen Umständen unerheblich, ob Hadrian sein Mausoleum der römischen Kirche bereits in seinem Testament oder erst posthum vermachte. Entscheidend ist die Erkenntnis, dass die Päpste ihre Weltherrschaft nicht vom Lateran sondern von der Engelsburg aus antraten. Es ist nur zu passend, dass sie die Verbindung zur Engelsburg auch vom Vatikan aus immer, auch baulich, wahrten.”

Engelsburg

Die Engelsburg – Kaiser Hadrians Vermächtnis an die katholische Kirche (Foto: Caroline Stollmeier)

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Die Flucht überlebt – und dann?

Caroline Stollmeier am 27. November 2014

„In Deutschland gibt es auch Armut. Wir brauchen keine Flüchtlinge hier!“ So oder so ähnlich denken anscheinend viele Menschen in unserem Land. Flüchtenden stehen sie mindestens skeptisch, manchmal aber sogar offen ablehnend gegenüber. Die Don Bosco Volunteers in Münster haben genauer hingeschaut und sind überzeugt, dass mehr Wissen um die wahre Situation auch zu einem differenzierteren Urteil über die Fremden in unseren Städten führt. Deshalb haben sie Anfang der Woche zu einem Informations- und Diskussionsabend unter dem Motto „geflohen, geduldet, abgeschoben – Münsters Flüchtlinge zwischen Hoffnung und Ausgrenzung“ eingeladen.

Die Aula des Von-Detten-Kollegs war an diesem Abend mehr als gut gefüllt mit engagierten, neugierigen, aufgeschlossenen jungen Menschen. Insbesondere als S. aus Indien, der seit März diesen Jahres in Europa ist und inzwischen in einem benachbarten Männerflüchtlingsheim lebt, schüchtern, aber offen seine Geschichte erzählt, ist es mucksmäusschenstill im Raum. Alle wollen lernen, wollen verstehen, wollen helfen.

Tatsächlich wird schnell klar, dass die Situation der Flüchtlinge kompliziert ist, und dass es leicht ist zu einem falschen Urteil zu kommen, wenn man nicht genügend Fakten kennt. Beispielweise wird deutlich, dass „Armut“ in den meisten Fällen nicht der Grund für die Flucht ist, sondern konkrete, bedrohliche Konflikte. Auch stimmt es nicht, dass „alle Menschen nach Europa wollen“. Der größte Teil der geschätzt 45 Millionen Menschen weltweit, die zur Zeit auf der Flucht sind, bleiben in der Nähe ihrer Herkunftsregionen. Und wenn man alleine auf Deutschland schaut, dann liegen wir mit dem Verhältnis von Asylanträgen zur Einwohnerzahl im europäischen Vergleich gerade mal im unteren Mittelfeld.

In den letzten Jahren starben schätzungsweise 25.000 Menschen beim Versuch, Europa zu erreichen, die meisten von ihnen ertranken im Mittelmeer. Veranschaulicht wurde diese unvorstellbare Zahl durch eine über 40 m lange Tapetenrolle, die die Don Bosco Volunteers mit Informationen über die Verstorbenen beschrieben und im Treppenhaus ausgerollt hatten.

Das Bild, das vom Umgang mit Flüchtlingen in unserem Land gezeichnet wird, ist nicht schön. Die Veranstalter empfehlen als Einstieg in das Thema den Film „Abschiebung im Morgengrauen“. Die Abschiebung ist ein Schicksal, das Flüchtlinge auch nach Jahren in Deutschland noch ereilen kann, wenn sie lediglich „geduldet“ sind.

Die Bearbeitung der Asylanträge und die Wahrscheinlichkeit ihres Erfolgs hängen von auf den ersten Blick undurchschaubar vielen Faktoren ab. Besonders wichtig sind bestimmte Fristen bzw. deren Ablaufen, aber auch der einzelne Mitarbeiter in der Ausländerbehörde hat anscheinend großen Einfluss auf den Einzelfall. Natürlich spielt auch der Grund für die Flucht eine große Rolle. Es muss eine strukturelle Verfolgung und nicht „nur“ eine persönliche Bedrohung vorliegen. Auch religiöse Verfolgung ist in den meisten Fällen schwer nachzuweisen und gilt deshalb praktisch nicht als Grund für Asyl. Wer wirksam etwas Sinnvolles für Flüchtlinge in Deutschland tun möchte oder gar eine Abschiebung verhindern möchte, der braucht quasi Insiderwissen.

Sprachkurse werden beispielsweise erst für Flüchtlinge bezahlt, die schon eine höhere Bearbeitungsstufe erreicht haben. Davor haben die Menschen praktisch keine Möglichkeiten deutsch zu lernen, es sei denn es gibt Organisationen oder Initiativen, die das kostenlos anbieten. Ohne Sprachkenntnisse ist es natürlich noch schwieriger, sich im Behördendschungel zurecht zu finden.

Flüchtlinge können sich in den allermeisten Fällen nicht aussuchen, in welcher Stadt sie untergebracht werden (und aufgrund der Residenzpflicht dürfen sie sich auch nicht weit davon entfernen). Oft kennen sie dort niemanden. Schön, wenn es dann Organisationen gibt, die diese Menschen an einem Ort persönlich willkommen heißen und bei den ersten Schritten behilflich sind.

Sind die Flüchtlinge erst in den Unterkünften (und das sind oft genug Container oder baufällige Gebäude), sind sie meistens sich selber überlassen. S. berichtet davon, dass er sich überwiegend in seiner Unterkunft aufhält, sein Essen kocht und höchstens ab und zu eine Runde mit dem Fahrrad durch die Stadt fährt.

Um Geld geht es in den meisten Fällen vorrangig nicht. Auch S. antwortet auf die Frage, was er sich im Moment am meisten wünscht, bescheiden, dass das eine Verlängerung seines Visums um ein Jahr ist.

Es ist nötig, vom Vorurteil weg und zum Einzelfall hin zu schauen, damit wir sehen, dass sich in unserem Umgang mit Flüchtenden grundsätzlich etwas ändern muss.

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