Kein Heldenstück: Der Shitstorm gegen Bistumspressesprecher Ulrich Lota

Harald Stollmeier am 27. Februar 2015

In ihrem Rundfunkbeitrag “Apo von christlich-rechts” benennt die BR-Journalistin Veronika Wawatschek den Essener Bistumspressesprecher Ulrich Lota als Experten und spielt mehrere O-Töne von ihm ein. Angegriffen werden in dem Rundfunkbeitrag Organisationen wie Kirche in Not, die Evangelische Allianz  und Open Doors, das Portal kath.net, Journalisten und Autoren wie Matthias Matussek und Birgit Kelle und die außerparlamentarische Familienlobbyistin Hedwig von Beverfoerde.

Gegen solche Angriffe (auch ich finde sie unfair) darf man sich wehren. Insbesondere Hedwig von Beverfoerde und kath.net tun das in engagierter Weise. Dabei gerät Ulrich Lota besonders in den Focus. Hedwig von Beverfoerde fragt, ob der Bischof von Essen wohl wisse, was sein Pressesprecher tut, und wirbt für Beschwerden bei Bischof Overbeck; kath.net handelt analog.

“Ich habe Frau Wawatschek im vergangenen Sommer nach einem Vortrag ein Interview gegeben”, sagt Ulrich Lota, “in dem es ausschließlich um kreuz.net und Gloria.tv ging. Und nur auf diese Portale und ihre Umgebung bezogen sich meine Aussagen. Über die Zuordnung zu den im Feature genannten Menschen und Institutionen bin ich eher verwundert.”

Natürlich sind viele Menschen, die das Feature von Veronika Wawatschek unfair finden, der Empfehlung gefolgt, eine Beschwerde an das Bistum Essen zu schicken. In Form und Inhalt sind die meisten dieser Beschwerden sehr unfreundlich. Möglich, dass Ulrich Lota das verdient hätte, wenn er tatsächlich so geurteilt hätte, wie es das Rundfunk-Feature suggeriert. Aber erstens hat er das nicht getan, und zweitens haben ihn weder kath.net noch Hedwig von Beverfoerde gefragt, ob er das getan hat.

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7 Kommentare zu “Kein Heldenstück: Der Shitstorm gegen Bistumspressesprecher Ulrich Lota”

  1. Claudia Sperlicham 27. Februar 2015 um 11:58

    Gerechtigkeit nur vor denen, die man mag, ist gratis. Zu Gerechtigkeit gegenüber Menschen, mit denen schwere Differenzen bestehen, muß man sich oft überwinden – und ja: man muß, man darf nicht nur, es ist absolute Pflicht.

  2. Harald Stollmeieram 4. März 2015 um 21:54

    Nachtrag: Hedwig von Beverfoerde hat an Ulrich Lota geschrieben, eingeräumt, ihm Unrecht getan zu haben – und den ursprünglichen Verteiler angeschrieben mit der Bitte, von weiteren Briefen an Bischof Overbeck abzusehen.

  3. Klaus Ebneram 12. März 2015 um 9:58

    Sehr geehrter Herr Stollmeier,

    gestatten sie mir bitte zwei Fragen:

    1. Wo sehen Sie den großartigen Unterschied zwischen “Gloria TV” und “Kath.net”. Von der redaktionellen Linie scheint mir das sehr ähnlich zu sein, das Personal deckt sich zum Teil mit der früheren “Kreuz.net” Mannschaft. In beiden Portalen schrammt man mitunter dicht am österr. (da ist der Sitz der Portale) § 283 StGB (Verhetzung) vorbei.

    2. Auch bei “Kirche in Not” stellt sich mir Frage, warum eine Institution dieses Zuschnitts einen so großen Teil ihrer Kapazität aufwendet um gegen “Mediengleichschaltung” (ein Begriff den auch die NPD gerne verwendet) und “Gender Ideologie” zu polemisieren. Es mag viele Gründe geben für das Elend in der dritten Welt (das Hauptanliegen von Kirche in Not) – die sogenannte Gender Ideologie ist ganz sicher keiner davon.

  4. Harald Stollmeieram 12. März 2015 um 10:28

    Sehr geehrter Herr Ebner,

    wenn Veronika Wawatschek in ihrem Feature gesagt hätte, Ulrich Lota habe über gloria.tv gesprochen, auf kath.net sei das aber auch anwendbar, dann hätte Ihre These von der Gleichwertigkeit beider Portale mit Bezug auf meinen Blogeintrag einen Sinn. Dann könnte ich als Hörer zwischen der Meinung von Ulrich Lota (Experte) und der Meinung von Veronika Wawatschek unterscheiden. So aber hat Veronika Wawatschek dem als Experten zitierten Ulrich Lota ihre eigene Meinung untergeschoben.
    Wie Sie als aufmerksamer Leser sicher gesehen haben, ist kath.net in meinen Augen keineswegs über jede Kritik erhaben; gerade der Umgang mit Ulrich Lota zeigt die Schwächen dieses Portals deutlich. Ihre Gleichwertigkeitsbehauptung deckt sich aber nicht mit meinen Informationen. Soweit ich weiß, hat kath.net vor (ich bin beim Zeitpunkt nicht ganz sicher) ca. zwei Jahren einen Unvereinbarkeitsbeschluss durchgeführt: Autoren, die bei gloria.tv schreiben, erscheinen seitdem nicht mehr bei kath.net.
    Das Engagement von “Kirche in Not” gegen Gender Mainstreaming etc. wird meiner Meinung nach zu Recht kritisiert, ebenso die Verwendung des Begriffs “Meinungsdiktatur” im Programm einer Tagung, für die Kirche in Not warb. Nach meinem Eindruck sind das aber Randerscheinungen bei einer im Wesentlichen unterstützungswürdigen Organisation, und nach der heftigen Kritik werden sie das vermutlich auch bleiben.

    Freundliche Grüße
    Harald Stollmeier

  5. Klaus Ebneram 12. März 2015 um 14:54

    Vielen herzlichen Dank für Ihre Antwort!
    Falls die erwähnten Zitate von Frau Wawatschek so verwendet wurden, dann finde ich das journalistisch unaufrichtig. Das ändert aber nichts daran, dass Sie auf den unter “kath.blogger” zusammengefassten Blogs nicht sehr lange suchen müssen um solche Zitate zu finden: “Was mich ein wenig wundert ist die Erwartung der Quotenmädels in SPÖSPDÖVPCDUGRÜNEFDP das sie nicht reihenweise abgeschlachtet werden, wenn sie den Mustafas die Füsse küssen. Zum Vergewaltigen dürften Frau Studienabbrecherinnen und Reichsverweserinnen Göring , Burgstaller und Roth kaum noch taugen” Von “Ausländerflut” “dummen frigiden Sozen Weiber” gar nicht zu reden. Das eigentliche Problem ist doch, dass manche Blogger (bei weitem nicht die Mehrheit) ein katholisches Mäntelchen (das sie sich meist durch entschiedene Ablehnung der Abtreibung umhängen) dazu nutzen versuchen um frauenverachtende, rassistische zum Teil geschichtsrevisionistische und antidemokratische Inhalte zu vertreten.

  6. Klaus Ebneram 12. März 2015 um 14:55

    Noch ein Nachtrag: es würde der katholischen Bloggergemeinde gut anstehen, sich dagegen zu wehren und einige Blogger aus dem Portal zu werfen.

  7. Harald Stollmeieram 12. März 2015 um 19:24

    Sehr geehrter Herr Ebner,

    Sie haben leider insofern Recht, als es tatsächlich katholische bzw. sich katholisch nennende Stimmen gibt, für deren Aussagen sich jeder halbwegs ernsthafte Mitkatholik schämen muss. Es ist auch wahr, dass viele von denen bei kath.net kommentieren – und dass der Bischof von Passau ein stärkeres Einwirken der Redaktion auf deren Kommentierstil angemahnt hat. Die katholische Bloggergemeinde ist eher ein Milieu als ein Verein – ausstoßen o. ä. wäre da schwierig. “Austrocknen” durch Nichtloben/Nichtzitieren geht schon eher.
    Das Wawatschek-Feature ist meines Erachtens an dem Versuch gescheitert, die zivilisierten katholischen Konservativen für die unzivilisierten haftbar zu machen. Dieser Versuch war und ist nicht fair.
    Wenn Sie dagegen die Kritik des von mir sehr geschätzten Andreas Püttmann sichten, dann finden Sie dort die Warnung an die zivilisierten katholischen Konservativen, sich nicht die falschen Verbündeten zu suchen, verbunden mit Hinweisen auf einzelne Berührungen, die diese Warnung rechtfertigen – aber noch lange keine Verurteilung.

    Freundliche Grüße
    Harald Stollmeier

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