Monatsarchiv für März 2015

An alle Mitmacher und Vielleicht-doch-noch-Mitmacher

Caroline Stollmeier am 10. März 2015

Liebe Freunde, liebe Leser,

nicht nur bei Euch, sondern auch bei mir ist irgendwie immer etwas anderes los. Trotzdem…

In den nächsten Tagen werde ich endlich mit der Gestaltung meines neuen Buches beginnen. Wer noch mitmachen möchte, hat jetzt die letzte Gelegenheit dazu. Alle Beiträge, die noch bis Ende März eingehen, sind herzlich willkommen und werden gerne aufgenommen.

Um was geht es noch mal?

Nun, ich möchte eine kleine Sammlung von Dingen, Ereignissen und Begebenheiten veröffentlichen, die echte Menschen – also jeden von Euch! – ein bisschen stolz oder ein bisschen glücklicher gemacht haben. Dabei ist es egal, um was es geht und wie viel oder wenig Text Ihr mir dazu schreibt. Vielleicht geht es Euch gerade richtig mies, Ihr seid gestresst oder etwas Schreckliches ist passiert? Dann sind die winzig kleinen Lichtblicke in Eurem Leben besonders wertvoll. Schreibt mir davon!

Schickt Euren Beitrag bitte so schnell wie möglich an meine Adresse: babyfoto/at/stollmeierundstollmeier.de

Besonders schön wäre es, wenn Ihr dazu noch ein altes Babyfoto von Euch einscannen oder abfotografieren könntet. Das ist aber kein Muss!

Und noch ein Hinweis: Einige von Euch haben mir bereits ein Foto oder einen Text geschickt, aber das jeweils andere nicht. Ich danke Euch allen für alles, was Ihr mir zur Verfügung stellt! Ich kann es gut gebrauchen. Solltet Ihr aber Euren Beitrag noch ergänzen wollen, dann macht das bitte in den nächsten Tagen.

Ich freue mich über jede Rückmeldung von Euch. Ihr seid mir eine große Hilfe!

Herzliche Grüße von

Caroline

P.S. Weitere Informationen findet Ihr hier.

Süßes Foto einer lieben Mitmacherin

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Harte Bandagen auf dem Markt der Religionen

Harald Stollmeier am 7. März 2015

Buchbesprechung: Friedrich Wilhelm Graf, Götter global. Wie die Welt zum Supermarkt der Religionen wird, C. H. Beck 2014, 16,95 Euro

Jedes Jahr treten in Deutschland Zehntausende aus ihrer Kirche aus. Aus der Perspektive der betroffenen Kirchen sieht das nach einer sinkenden Religiosität aus („Glaubenskrise“). Aber der evangelische Theologie Friedrich Wilhelm Graf weist in seinem neuen Buch Götter global nach, dass es für Religionen einen gewaltigen Markt gibt und die Vorstellung von der fortschreitenden Säkularisierung nicht von den Fakten gedeckt ist.

Weltweit wachsen nämlich die verschiedenen Religionen, am stärksten das Christentum, dicht gefolgt vom Islam, und das liegt nicht nur am Bevölkerungswachstum: Tatsächlich wird offensiv, manchmal aggressiv  missioniert, und den Verlusten der Einen entsprechen Gewinne von Anderen. Die Verhältnisse in Deutschland und anderen europäischen Ländern sind untypisch und vor allem eine Folge der mehr oder weniger starken Privilegierung (meist) ehemaliger Staatskirchen, die durch hohe Markteintrittsschwellen vor der Konkurrenz durch Neugründungen geschützt werden. Aber sogar in diesen Ländern etablieren sich teils neben, teils in den etablierten Kirchen „Privatchristentümer“ mit synkretistischen Elementen.

Außerhalb dieses Refugiums religiöser Planwirtschaft gewinnen die „harten“ Anbieter, die viel von den Gläubigen verlangen und sich klar vom Wettbewerb abgrenzen. Die römisch-katholische Kirche stellt Graf in diesem Zusammenhang als mittelhart dar: In der Lehre und bei der Auswahl der Päpste ist sie „hart“, bei den Anforderungen an die Gläubigen wird sie vor allem von den Pfingstkirchen in den Schatten gestellt, die ihr deshalb auch in Brasilien und den USA schwer zu schaffen machen.

Nicht nur das Christentum betrachtet Friedrich Wilhelm Graf differenziert. Auch den Islam, von vielen als monolitischer Block verstanden, nimmt er gründlich unter die Lupe. Mit der Unterscheidung von Sunniten und Schiiten sind deutsche Medienkonsumenten ja schon vertraut. Aber die Wirklichkeit ist erheblich komplexer. So zerfällt die Sunna schon seit Jahrhunderten in zwei Hauptgruppen, von denen die größere (die Barelwis) dem Propheten Muhammad eine Erlösungsfunktion als Fürbitter für die Menschen zuweisen, welche von der kleineren Gruppe, den Deobandis, scharf abgelehnt wird. Beide verurteilen die im 19. Jahrhundert entstandene Reformbewegung der Ahmadiyya scharf, und die in Saudi-Arabien herrschenden Wahhabiten haben sie von der Wallfahrt nach Mekka ausgeschlossen.

Je weniger rechtsstaatlich es in den betreffenden Ländern zugeht, desto brutaler sind auch die Mittel, mit denen die jeweils herrschende Gruppe gegen ihre Rivalen vorgeht.

„Wirklich ernst genommenem religiösem Glauben eignet eine Tendenz zum Unbedingten“ (S. 250), also zur Intoleranz, und so sieht Graf reale Gefahren in der Frontstellung vieler dynamischer Religionen gegen die liberale Moderne. Ein besonders deprimierendes Kapitel ist dabei der weltweit wachsende Einfluss des Kreationismus, auch in seiner aktuelleren Variante, dem Intelligent Design. In den USA ist es vielerorts bereits als gleichberechtigte Theorie im Biologieunterricht vorgeschrieben, und auch in Europa kämpfen christliche Fundamentalisten unermüdlich gegen die Darwinsche Evolutionstheorie. Überholt werden die christlichen Kreationisten inzwischen von den muslimischen unter Fürhung von Adnan Oktar, die sich, von der Türkei ausgehend sehr erfolgreich für die Ablehnung einer als gottlos empfundenen Naturwissenschaft einsetzen. Ihr Informationsmaterial haben sich die muslimischen Kreationisten übrigens von den christlichen erstellen lassen (185-189). Die komplementären Aktivitäten der „Brights“ um Richard Dawkins wertet Graf nicht als Verteidigung der Wissenschaft sondern als deren Missbrauch zur Propagierung eigener ideologischer Vorstellungen.

Götter global ist ein sehr gutes, wenn auch beunruhigendes Buch. Etwas Hoffnung macht Grafs Einschätzung, Religion sei durch Religion zu domestizieren (S. 246ff.). Dabei spielt das Christentum mit seiner Ergänzung der Allmacht Gottes durch dessen Menschenfreundlichkeit (und mit seiner Unterscheidung von „Gott“ und „Kaiser“) eine zentrale Rolle; aber auch im Islam und im Judentum entdeckt Graf Ansätze in diese Richtung.

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Blauer Brief für die AfD

Harald Stollmeier am 4. März 2015

Buchbesprechung: Liane Bednarz, Christoph Giesa, Deutschland dreht durch, Carl Hanser Verlag in der Hanser Box, 76 Seiten, 3,99 (nur E-Book)

Die Alternative für Deutschland wächst und gedeiht. Sie ist inzwischen in vier Landesparlamenten und im Europaparlament vertreten. Und immer wieder liest man Stellungnahmen von Konservativen, die im Zorn aus der CDU ausgetreten sind und die AfD für die bessere Wahl halten. Den Zorn kann ich verstehen: Die CDU von heute lässt bei vielen Themen, die Konservativen wichtig sind, zu wünschen übrig. Aber ist die AfD für diese Wünsche ein geeigneter Adressat? Liane Bednarz (konservativ) und Christoph Giesa (liberal) haben die AfD praktisch seit ihrer Gründung kritisch beobachtet und legen nun mit Deutschland dreht durch ihre Auswertung vor. Sie ist verheerend.

Bednarz und Giesa weisen nach, dass der Anspruch der AfD, eine bürgerliche Partei zu sein, konservativ und liberal zugleich, von Anfang an im Widerspruch mit den Zielen zumindest vieler einzelner und oft gewichtiger Parteifunktionäre stand. Sie dokumentieren Dutzende, ja Hunderte von Vorfällen und Aussagen, die im günstigsten Fall bedeuten, dass die neue Partei, die anders als die „Altparteien“ sein will, gezielt am rechten Rand um Zustimmung buhlt. Tatsächlich spricht sogar viel dafür, dass der rechte Rand schon von Anfang an ein Teil der Partei war.

Bednarz und Giesa zeigen, dass diese Grundhaltung im Laufe des Jahres 2014 immer offener zutage trat, als zur Eurokritik die Islamkritik als zweites großes Thema der AfD trat. Öffentliche Toleranz für HoGeSa und öffentliche Zustimmung zu PEGIDA sind einerseits kalkulierte Tabubrüche, andererseits Ausdruck der wahren Überzeugung vieler Menschen, die diese Partei mit ihrem Engagement prägen.

Damit sind AfD-Mitglieder keine Nazis – so einfach geht das nicht, und so einfach machen es sich die Autoren auch nicht. Aber gerade die Menschen, die die AfD aus christlichem Selbstverständnis unterstützen, zum Beispiel wegen der klaren Aussagen gegen Christenverfolgung oder auch gegen das Gender Mainstreaming, wissen oft nicht, welchen Preis sie für diese an sich berechtigten Bestrebungen zahlen: Er besteht in der Zustimmung zu definitiv nicht christlichen Haltungen (und Zielen), die im Kokettieren des Hamburger AfD-Spitzenkandidaten vor der Bürgerschaftswahl 2015 mit gröbsten Fremdenhassklischees ihren traurigsten Ausdruck fanden.

Liane Bednarz und Christoph Giesa legen mit Deutschland dreht durch ein nützliches kleines E-Book vor (Print gibt es nicht), das eines ganz bestimmt leistet: Sollte die Alternative für Deutschland irgendwann in den kommenden Jahren wirklich Schaden anrichten, wird niemand sagen können, das habe man ja nicht wissen können.

Thematisch ist die Darstellung in verschiedene „Mythen“ geordnet (von der Partei neuen Typs, von den Einzelfällen, von der Bürgerlichkeit etc.), die belegreich widerlegt werden (OK: Fußnote 138 habe ich nicht gefunden). Die Sprache ist flüssig, lebendig, beinahe salopp und definitiv nicht neutral – aber Neutralität haben die Autoren auch nicht versprochen.

Man wünscht sich bei so aufmerksamen  Beobachtern ein größeres Interesse dafür, was nichtrechte Mitbürger dazu treibt, rechten bei der Verwirklichung ihrer Ziele zu helfen. Denn daraus könnten sich Lösungshinweise ergeben. Aber diese Aufgabe haben sich die Autoren nicht gestellt. Sie haben sich eine einzige Aufgabe gestellt und sie erfüllt: zu beweisen, dass mit der AfD kein Staat zu machen ist, oder zumindest nur einer, in dem es sehr ungemütlich würde.

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