Karfreitag feiern

Caroline Stollmeier am 3. April 2015

Heute ist Karfreitag. Und heute hat meine kleinste Tochter Geburtstag. Genau das hat mir heute geholfen ein bisschen besser zu verstehen, was da auf Golgatha wirklich geschah. Und ich vermute, zumindest die Mütter unter Euch können das nachvollziehen…

Jesus wurde gekreuzigt, was an sich schon eine ziemlich entwürdigende Art zu sterben war. Aber vorher wurde er noch gequält und musste unvorstellbare Schmerzen ertragen.

Jesus hat gewusst, was auf ihn zu kam. Aber er hat nicht versucht sich aus dem Staub zu machen oder sich irgendwie durchzumogeln. Der Plan war, dass er stirbt, damit jeder einzelne von uns die Möglichkeit bekommt unbelastet mit Gott zu leben – egal wie viele Fehler wir vielleicht gemacht haben. “Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.” (Johannes 3, 16)

Jesus kannte den Plan. Er wurde zu den Menschen geschickt, sollte unter ihnen leben und wirken. Und dann sollte er sterben – und auferstehen (Lukas 24, 26). Für Jesus war am Kreuz nicht alles zu Ende, sondern nur seine Zeit unter den Menschen. Er wusste, was danach kommen würde, nämlich ein großartiges, ewiges Leben bei seinem Vater. Und was ist im Vergleich dazu schon die Kreuzigung, auch wenn sie grausam war?!

Vor genau drei Jahren wurde meine Tochter geboren. Beim dritten Kind ist es vielleicht nicht mehr ganz so, wie beim ersten. Aber irgendwie denkt man während der Schwangerschaft doch oft an die Geburt. Man weiß ja, dass sie unweigerlich bevorsteht. Und man weiß auch, dass sie weh tun wird – so sehr, dass man es sich auch beim dritten Mal (glücklicherweise!) gar nicht vorstellen kann wie. (Und nebenbei bemerkt, ist eine Entbindung insgesamt eine ziemlich entwürdigende Sache für die Mutter, wenn man es nüchtern betrachtet…)

Aber: Nur durch Schmerzen, durch Blut und durch Loslassen kann das Baby geboren werden. Wir Mütter haben all das auf uns genommen, um unseren Kindern einen möglichst guten Start ins Leben zu ermöglichen. Weil wir sie lieben. Weil wir sie schon geliebt haben, bevor wir sie in unseren Armen halten konnten.

Die Geburt ist nicht das Ende, sie ist der Anfang. Und deshalb gratulieren Menschen zur Geburt eines Kindes – und sprechen nicht etwa ihr Bedauern aus. Und im Vergleich dazu wie es sich anfühlt sein Kind lachen und aufwachsen zu sehen, was sind da schon die Schmerzen bei der Geburt?!

Manchmal muss man eben Schmerzen und Leid auf sich nehmen für die Menschen, die man liebt. So ähnlich hat es Jesus damals wohl auch gesehen. Und deshalb ist Karfreitag eigentlich kein Tag der Trauer, sondern ein Tag der Dankbarkeit und Liebe.


(C) C. Stollmeier

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