Der Schatz der Gnade – Gedanken zur Familiensynode

Harald Stollmeier am 19. Mai 2015

(ursprünglich erschienen als Gastbeitrag bei PAPSTTREUERBLOG)

Im Vorfeld der Familiensynode sprechen in Deutschland viele Menschen von einem Paradigmenwechsel. Konkrete Forderungen nach Segnungen für gleichgeschlechtliche Paare und nach Sakramentenzulassung für wiederverheiratete Geschiedene und noch manches andere liegen auf dem Tisch, begründet zumeist mit der Lebenswirklichkeit der Menschen, denen die Lehre unserer Kirche, wie sie im Katechismus steht, nicht mehr plausibel erscheint. Je öfter ich diese Berufung auf die Lebenswirklichkeit lese, desto öfter sehe ich eine Schüssel vor mir, in der ein abgetrennter Kopf liegt. Wenn Johannes der Täufer mit seinem konservativen Eheverständnis die Lebenswirklichkeit für ein theologisches Argument gehalten hätte, wer weiß, vielleicht wäre er erst Jahrzehnte später gestorben, und mit Kopf dran.

Ich habe tiefes Mitgefühl mit Menschen, die nach einer gescheiterten Ehe mit ihrer neuen Liebe christlich leben wollen, und beinahe noch tieferes mit Christen, die nur Menschen des gleichen Geschlechts lieben können. Ich bin deshalb zutiefst einverstanden mit der Suche nach Lösungen für sie, nach Wegen, sie in der Gemeinschaft der Kirche zu halten und in der Liebe Gottes.

Aber diese Wege müssen biblisch begründet sein. Wenn man die Autorität für einen Segen nicht aus der Bibel hat, welchen Wert hat dann der Segen? Wir sind Erben der göttlichen Gnade, eines kostbaren Schatzes, und vielleicht ist noch ein Teil davon auszugraben. Aber lasst uns das mit dem Pinsel des Archäologen tun und nicht mit der Brechstange des Grabräubers. Heiliger Johannes der Täufer, bitte für uns!

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