Missbrauch: Eine Chance für die Grünen

Harald Stollmeier am 22. Mai 2015

Die Alternative Liste in Berlin hat einen Bericht zu ihrer pädophilen Vergangenheit vorgestellt. Der Inhalt (geschätzte 1.000 Opfer) ist besorgniserregend und wird vermutlich auch der grünen Bundespartei noch zu schaffen machen. Und das ist gut so. Nicht weil das die Grünen zerstören kann. Sondern weil es sie retten kann.

Die Grünen sind ihrer Natur nach eine moralische Bewegung. Viele persönlich anständige Menschen machen dort mit, weil sie zu einer gerechteren, humaneren und friedlicheren Welt beitragen wollen. Diese Menschen bekommen jetzt schwarz auf weiß, dass sie Böses gedeckt haben und dass es nicht um Einzelfälle geht, sondern um ein Netzwerk der Begünstigung und Vertuschung des Missbrauchs von Kindern. Als Partei waren und sind die Grünen auf dem pädophilen Auge blind.

Dafür gibt es Erklärungen, die mit der Herkunft der Grünen aus der 68er-Revolte zu tun haben und mit einem sexualmoralischen Kompass, der sich antagonistisch an der Lehre der katholischen Kirche orientierte: Was die Kirche auf diesem Gebiete ablehnte, das konnte in den Augen der frühen Grünen nicht schlecht sein. Aber wer heute noch als Grüner die Augen davor verschließt, was die Folgen dieser Haltung waren, ja sind, der macht sich spätestens ab heute schuldig.

Die Grünen haben jetzt die Chance, mit ihrer pädophilen Vergangenheit zu brechen. Dazu gehört erstens, diese Vergangenheit anzuerkennen; das ist ein Prozess, der bereits begonnen hat. Zu diesem Prozess gehört vor allem die schmerzliche Erkenntnis, dass die pädophilen Netzwerke bei den Grünen ideologisch begünstigt wurden. Der zweite Schritt sollte in der raschen Verabschiedung von führenden Parteifreunden in den Ruhestand bestehen, die eine persönliche pädophile Vergangenheit aufzuarbeiten haben; eine Partei, die Daniel Cohn-Bendit und Volker Beck ehrt (um nur die exponiertesten zu nennen), kann nicht glaubwürdig für Menschenwürde und Menschenrechte eintreten – und schon gar nicht glaubwürdig mit dem Finger auf andere Sünder zeigen. Dabei kommt es übrigens nicht darauf an, ob Cohn-Bendit (hoffentlich nicht) oder Beck (ziemlich sicher nicht) persönlich Kinder missbraucht haben – ihre Schuld besteht in der nachweislichen öffentlichen Verharmlosung von und Ermutigung zu Kindesmissbrauch.

Schließlich sollten die Grünen, besonders die Grünen in Regierungsverantwortung, ihre pädagogischen Konzepte im Lichte der offenbar werdenden pädophilen Verstrickung überprüfen. Die grünen, grün-roten und rot-grünen Bildungspläne, in denen Grundschulkinder den übergriffigen Konzepten von Kentler, Tuider & Co. ausgesetzt werden, sind wahrscheinlich nicht an sich Ausdruck pädophiler Bestrebungen. Aber das beinahe vollständige Unverständnis grüner Politiker für die Eltern, die ihre Kinder vor diesen Konzepten schützen wollen, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Folge der pädophilen Verstrickung; mindestens hat es dieselbe Wurzel wie diese.

Diese drei Schritte sollten die Krise überwinden und den Grünen sowohl die Achtung des politischen Gegners (wichtig)  als auch ihre Selbstachtung (wichtiger) zurückgeben: Anerkennung der pädophilen Erbsünde, Pensionierung persönlich verstrickter Parteifreunde, Überarbeitung der kritisierten Bildungspläne. Das ist nicht leicht. Aber es ist die Mühe wert.

Muss man eigens erwähnen, dass katholischen Christen NICHT zu empfehlen ist, jetzt mit schadenfroh ausgestrecktem Zeigefinger auf die Grünen zu zeigen? Die Sünden von Grünen heben ja die Sünden von Katholiken nicht auf. Wenn Katholiken in dieser Sache etwas zu Grünen zu sagen haben, dann könnte es der Hinweis auf Lukas 15,7 sein: Im Himmel ist mehr Freude über einen Sünder, der Buße tut, als über 99 Gerechte.

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