Wunsch, Traum und Wirklichkeit

Caroline Stollmeier am 21. September 2015

Irgendwie ist es ja ein großes Bisschen so, als wäre man dabei gewesen, wenn man das hier liest. Und das ist sehr tröstlich, wo doch am Samstag zwar mein Herz und meine Gedanken in Berlin waren, der Rest von mir aber am Niederrhein. Tröstlich ist, dass ich nicht gebraucht wurde, um die 7.000 Teilnehmer am “Marsch für das Leben” voll zu machen. Und tröstlich ist es, dass diese Teilnehmer sich wieder einmal nicht haben einschüchtern lassen von den “kreativen, bunten Störaktionen”.

Aber wie auch in den vergangenen Jahren bin ich untröstlich über diese Unverständigkeit der Störer. Was passiert da eigentlich jedes Jahr aufs Neue in Berlin, wenn friedliche Menschen friedlich für das Leben demonstrieren? Wohl gemerkt: dafür! Nicht gegen Frauen, nicht gegen Selbstbestimmung, nicht gegen Sex oder was auch immer. Ist es denn wirklich so schwer zu ertragen, wenn Menschen nicht nur fordern, jammern und blockieren, sondern tatsächlich etwas tun möchten? In diesem Fall vorrangig ungeplant Schwangeren und ihren Babys zu helfen?

Und ich frage mich, wie auch in den vergangenen Jahren: Könnten wir nicht einfach zusammen arbeiten, bis wir all das in unserer Gesellschaft erreicht haben, was beide Seiten wollen: mehr Hilfe für Frauen, mehr echte Wahlfreiheit, mehr finanzielle Unterstützung, mehr Akzeptanz und die vielen anderen Dinge, in denen wir uns im Prinzip einig wären – wenn wir uns das denn endlich eingestehen würden? Und weiterstreiten könnten wir doch einfach danach.

Es ist richtig zu demonstrieren und das, was Tausenden von Frauen in unserem Land passiert, nicht unkommentiert zu lassen. Aber mal ehrlich, wem hilft dieser Streit auf den Straßen Berlins eigentlich? Das will mir nicht so richtig klar werden. Helfen jedoch wollen wir doch eigentlich alle – egal auf welcher Seite wir “marschieren”. Oder?

Wir sind die Menschen, denen es nicht egal ist. Und dass beide Seiten Energie und Ausdauer haben, haben sie gerade erst wieder bewiesen. Was könnte man damit nicht alles erreichen … Gemeinsam.

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