Männer: Ohne Christus nicht zu retten

Harald Stollmeier am 3. Oktober 2015

Buchbesprechung: Beile Ratut, Welt unter Sechs, Ruhland Verlag, 183 Seiten, 18,80 Euro

Beile Ratut Foto

Beile Ratuts Helden waren bislang ausschließlich Heldinnen. In den drei Erzählungen in Welt unter Sechs sind Männer die Hauptfiguren. Helden im klassischen Sinne sind sie nicht; dazu haben sie zuviel mit eigener Schuld zu kämpfen.

Mattei, der akademisch selbstbewusste Pfarrer in “Das Schandmal”, wird zum Aussätzigen und erkennt, wie verlogen er seine geistige Überlegenheit für geistliche ausgegeben und wie kaltherzig er seine ungebildete aber kluge Ehefrau wieder und wieder zurückgewiesen hat. Der Wissenschaftler Heinrich in “Heilige Nacht” hat seinem engelhaften Sohn das “Wissen um die Mannbarkeit” geschenkt, mit schrecklichen Folgen. Der obdachlose Ich-Erzähler in “Flut” hat seine Geliebte zur Abtreibung gezwungen und seine Frau ihrem Mörder in die Arme getrieben.

Drei Männer stehen, jeder auf eigene Weise, jeder durch eigene Schuld, vor den Trümmern ihres Lebens. Und doch gehen alle drei Erzählungen gut aus. Dabei spielen Ehefrauen eine Rolle, die stärker sind, als sie scheinen. Letztlich aber, wie schon in Ratuts Romanen, ist die Quelle der Erlösung allein “ein reines Kind, das zu den Menschen gekommen war, um sich für sie zu opfern” (S. 111).

Mit einer Bildsprache, die an Hermann Hesse erinnert, macht Beile Ratut das Böse und die Schuld so atemberaubend einfühlsam fassbar, dass man nicht aufhören kann weiterzulesen, obwohl man spürt, dass man lieber nicht wissen möchte, was als nächstes geschieht. Es ist ein Segen, dass diese begnadete Autorin sich für das Gute entschieden hat.

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