Was man für ein gutes Sterben tun kann

Harald Stollmeier am 27. November 2015

In der „guten alten Zeit“ gehörte der Tod selbstverständlich zum Leben, hauptsächlich wegen der hohen Kindersterblichkeit. Es ist an sich gut, dass wir diese Selbstverständlichkeit verloren haben. Nicht so gut ist, dass sie durch Unsicherheit ersetzt wurde.

Viele Menschen sind gehemmt, wenn sie Sterbenden begegnen. Manche können es nicht über sich bringen, einen todkranken Nachbarn oder Freund zu besuchen – und haben dann für den Rest ihres Lebens ein schlechtes Gewissen. Sehr viele aber stehen unheilbar kranken Angehörigen oft über sehr lange Zeit bei. Und die meisten von uns tun, was sie können, auch wenn das „nie genug“ ist.

Sterben hat eine körperliche und eine seelische Seite. Auf der körperlichen Seite sind Schmerzen, Atemnot, Durst und Angst die Hauptprobleme. Gian Domenico Borasio, einer der Pioniere der Palliativmedizin in Deutschland, fordert unter anderem eine bessere Schmerztherapie für Todkranke, insbesondere mit Morphinen anstelle von Opiaten, um neben den Schmerzen selbst auch Angst und Atemnot zu bekämpfen.

Auf der seelischen Seite quälen sich Sterbende oft mit unbewältigten Handlungen, mit Versäumnissen und mit Zerwürfnissen, die sie bereuen; auch wer nicht an einen Gott glaubt, kann von Schuld erdrückt werden. Sterbebegleiter berichten immer wieder davon, wie Patienten erst sterben konnten, nachdem sie zum Beispiel über schreckliche Kriegserlebnisse gesprochen hatten, von denen ihre Familie nicht das Geringste wusste.

Angehörige und Freunde von Sterbenden können helfen, indem sie eigene Konflikte ansprechen, behutsam natürlich, und womöglich anbieten, Kontakt zu einem Menschen aufzunehmen, mit dem der Sterbende noch einmal sprechen möchte.

Irgendwann ist der Sterbende tot. Aber für die Angehörigen ist sein Sterben noch nicht zu Ende. Erstens gilt es nun, den Abschied zu organisieren, die Beerdigung vor allem, aber vieles mehr von der Abmeldung bei Versicherungen bis zur Wohnungsauflösung. Und zweitens geht so ein Sterbeprozess an den mittelbar Betroffenen nicht spurlos vorüber; pflegende Angehörige brechen nicht selten ihrerseits gesundheitlich zusammen, wenn ihre Aufgabe beendet ist. Sie sind die „Schattenkinder“ des Sterbens und man kann nicht früh genug auf sie aufpassen.

Ein Wort noch zum Abschied selbst: Als ich vor 15 Jahren, es war im November, hinter dem Sarg meines Vaters herging, da gab es einen einzigen Moment, in dem es mir gut ging. Das war, als ich mich umdrehte und sah, wie viele Menschen mit meinen Brüdern und mir gemeinsam Abschied nahmen. Also: Wenn ein Mensch gestorben ist, den Sie kannten – gehen Sie zur Beerdigung. Und wenn Sie können, sagen Sie den Hinterbliebenen etwas Gutes über den Menschen im Grab. Sie pflanzen damit einen Baum, der jahrzehntelang Früchte trägt.

Strauch

Bild: Agentur “Freunde von uns”

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Ein Kommentar zu “Was man für ein gutes Sterben tun kann”

  1. Claudia Sperlicham 27. November 2015 um 19:19

    Nicht zu vergessen, was man für sein eigenes gutes Sterben tun kann.
    Ich halte den Katholizismus nicht nur für die beste Art zu leben. Ich halte ihn auch für die beste aller möglichen Sterbevorbereitungen – sofern man ihn wirklich praktiziert, Sakramente inklusive.

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