Monatsarchiv für Dezember 2015

Die Flucht nach Ägypten

Harald Stollmeier am 20. Dezember 2015

Lebendige Krippe Neumühl 2015

Jacqueline Priester und Ogie Godfrey als Maria und Josef an der Lebendigen Krippe in Duisburg-Neumühl 2015

Moralblog-Autor Harald Stollmeier schreibt im Blog “Starke Meinungen” über die Flüchtlingskrise, den Asylbewerber Ogie Godfrey und den Duisburger Pater Tobias Breer.

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Nationales an der Krippe

Harald Stollmeier am 19. Dezember 2015

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Klassische Krippendarstellung mit eindeutig afrikanischem Weisen.

 

Im November und Dezember 2015 machte ein Plakat mit Argumenten gegen Fremdenfeindlichkeit die Runde. Es verwies unter anderem auf die Verehrung eines römischen Soldaten, eines türkischen Bischofs und eines aramäischen Wanderpredigers. An dieser Botschaft ist etwas richtig, etwas falsch und etwas ungesagt.

Richtig ist, dass unsere Kultur (“Abendland”) ohne ihre morgenländischen und sonstwie exotischen Bestandteile schal und langweilig wäre. Das gilt nicht nur für den Adventskalender sondern auch für die Schokolade darin.

Falsch ist in mehreren Fällen die Zuordnung der Nationalität. Das stört am meisten beim aramäischen Wanderprediger, dessen jüdische Identität man nicht übersehen kann, ohne Bildungsmängel zu offenbaren (wenn es unbeabsichtigt geschieht). Es ist aber auch beim türkischen Bischof bedeutsam. Denn Nikolaus von Myra war ganz ohne Zweifel Grieche. Heute ist dort, wo er lebte, die Türkei – weil das Land seither von Türken erobert wurde. So etwas kommt vor, und es hatte in diesem Fall kulturelle, sprachliche und religiöse Folgen; unter anderem hält sich die Verehrung des heiligen Nikolaus an seiner historischen Wirkungsstätte in Grenzen.

Ungesagt ist das Wichtigste. Denn während zwar jeder von uns eine Herkunft hat (und man darf, ja soll sie pflegen), ist eine Kernbotschaft des Christentums, dass diese Herkunft unsere Zukunft nicht definiert. Sie definiert, wenn wir uns darauf einlassen, nicht einmal unsere Gegenwart. “Da ist nicht mehr Grieche, Jude, Beschnittener, Unbeschnittener, Nichtgrieche, Skythe, Knecht, Freier, sondern alles und in allen Christus”, heißt es im Kolosserbrief (Kol 3,11). Und unter anderem bedeutet es ganz sicher, dass wir zwar sowohl deutsche als auch türkische Heilige verehren. Aber nicht weil sie Deutsche oder Türken, sondern weil sie Heilige sind.

Ich wünsche allen Mitmenschen, egal welcher Herkunft, zum Geburtstag des jüdischen Wanderpredigers Jesus Christus, der von den Toten auferstanden ist, gesegnete Weihnachten!

 

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Liebe oder Spiegelung?

Harald Stollmeier am 15. Dezember 2015

Palmer

Buchbesprechung: Gesine Palmer, Der Tausch. Eine Elegie in Prosa, epubli, 256 Seiten, Eur 24,99

Wie sind Männer wirklich? Wie sind Frauen wirklich? Wenn Liebe zwischen ihnen so oft scheitert, ist sie dann überhaupt möglich? Gesine Palmer, die Ingeborg Bachmann und Paul Celan liebt, und Kafka mehr als alle anderen, lässt ihre Berliner Ich-Erzählerin an den Geliebten zurückdenken, der sie betrogen und verraten hat. Was in Wirklichkeit geschehen ist, erfährt der Leser nicht. Aber er versteht, was eigentlich geschehen ist.

Wer liebt, ist verwundbar. Wer lieben können will, muss sich erst verwundbar machen. Der Andere ist nur dann mehr als ein Spiegel, in dem wir uns selbst erblicken, wenn wir zulassen, dass er uns das Herz bricht.  Und wenn wir uns auf den Anderen einlassen, so dass unser Herz zerbrechlich wird, dann gibt es keine Garantie, dass der Andere das ebenfalls tut.

Aber wenn er es versucht und dann, plötzlich, Angst vor der eigenen Courage bekommt – und Angst vor uns, weil wir ja sein Herz brechen könnten, dann kann es passieren, dass er aus Angst Böses tut, Böseres als er ohne den Versuch getan hätte, sich zu entspiegeln und sein wahres Ich preiszugeben.

Gesinde Palmers „Der Tausch“ ist ein Intellektuellenroman, ein Künstlerroman. In der Welt ihrer Heldin ist das Plagiat das ultimative Verbrechen, in Verbindung mit Rufmord natürlich. Und wer jemals geistiges Eigentum geschaffen hat, der weiß, wie wahr das ist.

Ich persönlich habe Freude an Gesine Palmers Sprache, ihrem Sinn für Bilder (Spatz in der Hand contra Spatz auf dem Dach) und der Doppelbödigkeit, mit der sie Männer zu verstehen versucht, aber zugleich Frauen verstehbar macht.

 

 

 

 

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Little Drummer Boy

Caroline Stollmeier am 10. Dezember 2015

“Komm’ mit und schau’ dir den neugeborenen König an! Und vergiss nicht ein schönes Geschenk mitzubringen, das eines Königs würdig ist!” – Das haben sie mir gesagt. Aber, kleines Baby, ich bin selber nur ein armer Junge. Ich habe nichts, was ich dir schenken könnte. Soll ich Dir stattdessen vielleicht einfach auf meiner Trommel etwas vorspielen? Deine Mutter hat nichts dagegen. Also spiele ich für dich. Ich spiele so gut ich kann. Und was tust du? Du lächelst mich an, mich und meine Trommel.

Ich finde, dieser kleine Trommler in einem meiner Lieblingsweihnachtslieder* macht es genau richtig! Er lässt sich nicht einschüchtern von Menschen, die ihm sagen wollen, welche Opfer man Gott bringen soll, was man leisten muss, um Gott zu gefallen und was einen nach ihrer Ansicht würdig macht vor Gott zu stehen. Er überlegt einen Moment und besinnt sich dann auf ein Talent, das ihm gegeben ist, nämlich das Trommelspielen. Ein Lied ist kein handfestes Geschenk wie Weihrauch, Myrrhe und Gold, aber es ist doch nicht weniger kostbar. Und schüchtern zwar, aber doch voller Vertrauen geht er hin zum König und bringt seine Gabe dar. Er spielt sein Lied, und strengt sich dabei richtig an. Belohnt wird er dafür mit einem zufriedenen Lächeln von Gott selbst.

Wer will uns sagen, was des Königs würdig ist – außer dem König selbst? Gott kennt uns durch und durch. Er weiß um unsere Schwächen und Unzulänglichkeiten. Na, und?! Er weiß, was wir haben und was wir nicht haben. Wer reich ist, kann mit seinem Geld Gutes tun. Und wer keins hat, ist deshalb noch lange nicht zur Tatenlosigkeit verdammt! Alles, was Gott von uns verlangt, ist, dass wir unsere Talente in Seinem Sinne gewinnbringend einsetzen und sie nicht verkommen lassen. Unser Bemühen in Seinem Namen ist gesegnet.

 

* “Little Drummer Boy” von Katherine K. Davis, Henry Onorati und Harry Simeone, 1958.

Wer eine schöne Version davon hören möchte, findet sie hier.

 

(C) Caroline Stollmeier

 

 

(Freie Übersetzung und Foto: Caroline Stollmeier)

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