Nationales an der Krippe

Harald Stollmeier am 19. Dezember 2015

P1090669

Klassische Krippendarstellung mit eindeutig afrikanischem Weisen.

 

Im November und Dezember 2015 machte ein Plakat mit Argumenten gegen Fremdenfeindlichkeit die Runde. Es verwies unter anderem auf die Verehrung eines römischen Soldaten, eines türkischen Bischofs und eines aramäischen Wanderpredigers. An dieser Botschaft ist etwas richtig, etwas falsch und etwas ungesagt.

Richtig ist, dass unsere Kultur (“Abendland”) ohne ihre morgenländischen und sonstwie exotischen Bestandteile schal und langweilig wäre. Das gilt nicht nur für den Adventskalender sondern auch für die Schokolade darin.

Falsch ist in mehreren Fällen die Zuordnung der Nationalität. Das stört am meisten beim aramäischen Wanderprediger, dessen jüdische Identität man nicht übersehen kann, ohne Bildungsmängel zu offenbaren (wenn es unbeabsichtigt geschieht). Es ist aber auch beim türkischen Bischof bedeutsam. Denn Nikolaus von Myra war ganz ohne Zweifel Grieche. Heute ist dort, wo er lebte, die Türkei – weil das Land seither von Türken erobert wurde. So etwas kommt vor, und es hatte in diesem Fall kulturelle, sprachliche und religiöse Folgen; unter anderem hält sich die Verehrung des heiligen Nikolaus an seiner historischen Wirkungsstätte in Grenzen.

Ungesagt ist das Wichtigste. Denn während zwar jeder von uns eine Herkunft hat (und man darf, ja soll sie pflegen), ist eine Kernbotschaft des Christentums, dass diese Herkunft unsere Zukunft nicht definiert. Sie definiert, wenn wir uns darauf einlassen, nicht einmal unsere Gegenwart. “Da ist nicht mehr Grieche, Jude, Beschnittener, Unbeschnittener, Nichtgrieche, Skythe, Knecht, Freier, sondern alles und in allen Christus”, heißt es im Kolosserbrief (Kol 3,11). Und unter anderem bedeutet es ganz sicher, dass wir zwar sowohl deutsche als auch türkische Heilige verehren. Aber nicht weil sie Deutsche oder Türken, sondern weil sie Heilige sind.

Ich wünsche allen Mitmenschen, egal welcher Herkunft, zum Geburtstag des jüdischen Wanderpredigers Jesus Christus, der von den Toten auferstanden ist, gesegnete Weihnachten!

 

Abgelegt unter Allgemein,Glaube | Religion | Keine Kommentare

Trackback URI | Kommentare als RSS

Einen Kommentar schreiben

Der Eisvogel