Wie in einer Todeszelle

Caroline Stollmeier am 14. Dezember 2016

„Vielen Dank für Ihre Hilfsbereitschaft. Ich hatte heute einen Abtreibungstermin und bin auch dort erschienen. Jedoch als ich die wartenden Frauen im Wartezimmer gesehen habe, fühlte ich mich wie in einer Todeszelle. Ich bin wieder gegangen und hab mich für das Kind entschieden. Nochmals vielen Dank!“

Diese unglaubliche Nachricht hat heute eine meiner Kolleginnen, eine Beraterin von Pro Femina, bekommen. Obwohl sie jeden Tag mit verzweifelten Schwangeren zu tun hat, sind es diese Nachrichten, die sie – und uns alle – zutiefst bewegen, unsere Herzen überströmen und in Jubel ausbrechen lassen, die uns aber gleichzeitig schockieren.

„Wie in einer Todeszelle“ hat sich die junge Frau noch vor wenigen Stunden gefühlt. Aber sie hat die Kraft, den Mut und die Stärke gefunden, um das Wartezimmer zu verlassen – mit ihrem Kind. Wie viele der anderen Frauen, die dort saßen, konnten das nicht? Wie viele von ihnen waren so verzweifelt, geängstigt und unter Druck, dass sie keinen Ausweg gesehen haben, als eine Abtreibung? Heute. Vor wenigen Stunden. Gerade jetzt? Wir beten für diese Frauen – und sind unendlich traurig.

Jede Frau und alle Kinder, die vor einer Abtreibung bewahrt werden können, sind jede unserer Anstrengungen wert. Es kann so viel Leid auslösen, wenn eine ungeplante Schwangerschaft entdeckt wird oder alles nicht so läuft, wie erhofft. Vor allem für die Mutter. Aber gleichzeitig gibt es so viele Wege zu helfen. Wenn man sich dazu entschließt nicht wegzusehen, diese Frauen in ihrer Not alleine zu lassen und sie vielleicht sogar ver(vor)urteilt, sondern stattdessen ansprechbar ist und seine bedingungslose Unterstützung anbietet.

Wenn eine Frau sich für eine Abtreibung „entscheidet“, dann geschieht das meistens nicht frei und unbeeinflusst. Aus unserer Beratung wissen wir, dass die meisten Frauen einem enormen Druck durch ihren Partner oder ihr Umfeld ausgesetzt sind. Sie sind geschockt von der ungeplanten Schwangerschaft und sehen im ersten Moment keine Perspektive für ein Leben mit ihrem Kind. Aber immer wieder stellt sich heraus, dass nicht das Kind das „Problem“ ist, sondern die Lebensumstände der Schwangeren.

Keine Frau wünscht sich eine Abtreibung. Aber mehr als 100.000 Frauen pro Jahr sehen keinen anderen Ausweg. Sie müssen von da an mit dem Wissen leben, dass sie ein Kind hatten, das nicht mehr da ist. Und es wird nie wieder so sein, als hätte es dieses Kind nicht gegeben. Wie furchtbar ist es, damit leben zu müssen, dass man nicht stark genug war, um für sein Kind zu kämpfen? Und wie sehr brauchen gerade diese Frauen unsere Liebe und unser Gebet.

Was ist das für eine Gesellschaft, die schweigt, wenn unzählige Frauen jährlich durch eine Abtreibung zutiefst verletzt und erschüttert werden? Was sind das für Menschen, die einer verzweifelten Frau sogar noch zuraten durch diese „Todeszelle“ zu gehen, in der sie immer auch einen Teil von sich selbst zu verlieren? Wer eine Schwangere „neutral“ alleine lässt, ist kein Freund. Er nimmt ihr die Chance mit der guten Gewissheit aus der Krise gestärkt hervor zu gehen: „Ich habe mich für mein Kind entschieden. Vielen Dank“ – und nie mit Reue zurück blicken zu müssen.

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Ein Kommentar zu “Wie in einer Todeszelle”

  1. Claudia Sperlicham 14. Dezember 2016 um 14:54

    Meine Erfahrung als Ordnerin auf dem Marsch für das Leben zeigt mir leider, daß es auch knallharte Befürworterinnen der Abtreibung gibt. “Ich bin für Abtreibung” – diesen Satz sagte mir eine Frau und wiederholte ihn auf mein ungläubiges Nachfragen wörtlich.
    In den meisten Fällen aber ist es wohl wirklich eine Mischung aus Angst und Ratlosigkeit, die Frauen diesen Schritt gehen lässt.

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