Weihnachtsbaum des Grauens

Caroline Stollmeier am 22. Dezember 2016

Oder: Welcher Tannenbaum-Typ bist Du?

Ein besonderer Freund von mir flippt beim Thema „O Tannenbaum“ förmlich aus. Und das, obwohl er inzwischen – und jetzt muss ich aufpassen, dass ich nichts Unfeierliches sage – gereiften Alters ist. Beim kleinsten Weihnachtsbaum packt ihn das kalte Grauen. Und letztens hat er mir endlich einmal erklärt, warum das so ist…

In seiner Familie gab es früher eine bestimmte Tradition, die ihm die Freude am Immergrünen gänzlich verdorben hat: die Männer der Familie schmückten an jedem 24. Dezember den Baum – und tranken zu jeder aufgehängten Kugel einen Schnaps. Man kann sich also leicht vorstellen, wie der weitere Verlauf war: der Heiligabend uferte in Streit und Schlimmerem aus. In jedem Jahr seiner Kindheit. Und auch noch danach.

Solche „Traditionen“ waren mir bis vor kurzem unbekannt. Gott sei Dank. Aber auch ich stehe dem Thema „Weihnachtsbaum“ ziemlich zwiegespalten gegenüber. Einerseits finde ich geschmückte Tannenbäume (meistens) schön und sie gehören zum Weihnachtsfest irgendwie dazu. Andererseits tun mir die unzähligen Tannenbäume leid, die in jedem Jahr für die kurze Freude „dran glauben müssen“ und nach wenigen Tagen achtlos auf die Straße geworfen werden.

Ich bin nicht so sehr geprägt vom Schnaps, dafür aber um so mehr vom Märchen „Der Tannenbaum“ von H. C. Andersen, in dem es um einen kleinen Tannenbaum geht, der jahrelang vom Weihnachtsfest und von den Menschen träumt, bis er eines Tages endlich in der Stube glänzen darf, aber nach wenigen Tagen entsorgt und vergessen wird. Und mit seinen letzten sehnsuchtsvollen Gedanken wünscht er sich nur noch zurück in seinen Wald, um wieder sein sorgenfreies Leben zu genießen. Das ist natürlich nicht mehr möglich…

Für dieses Dilemma gibt es in unserer Familie allerdings schon seit Jahrzehnten eine annehmbare Lösung: wir verwenden einfach einen künstlichen Tannenbaum, der allerlei Vorteile bietet. Vor allem den, den unsere Kinder schon früh herausgefunden haben: der Weihnachtsbaum ist quasi allzeit bereit und kann ohne größere Vorbereitungen auch schon ein paar Tage vor dem Heiligen Abend aufgestellt werden – und vorfreudige Stimmung verbreiten.

Geschmackssache, ich weiß.

Aber genau das ist es, was ich an Weihnachten mag – neben der eigentlichen Bedeutung versteht sich! Jeder – egal, welche guten oder vielleicht auch nicht so guten Erfahrungen er bisher mit dem Fest gemacht hat, hat die Chance es (noch) besser zu machen. In der Besinnung auf das Wesentliche ist es in jeder Familie, in jedem Jahr aufs Neue möglich, Weihnachten zu einem Fest der Liebe zu machen. Unsere Erfahrungen prägen unsere Vergangenheit, aber wir können entscheiden, ob sie unsere Zukunft bestimmen.

Weihnachten gibt jedem Menschen, jeder Familie immer wieder die Chance, neu anzufangen und sich für alles zu entscheiden, was er oder sie gerne (sein) möchten. Beispielsweise auch, welcher Tannenbaum-Typ man ist.

Wie wunderbar, dass durch 1000plus in diesem Jahr 3500plus Frauen und ihre Kinder genau diese Erfahrung ermöglicht wurde. Damit die Liebe das letzte Wort hat und Weihnachten auch für sie das Fest des Lebens wird:

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