Monatsarchiv für Januar 2017

Bullshit-Bingo

Caroline Stollmeier am 31. Januar 2017

„Fakt ist, du hast ein scheiß Leben, wenn du ein zu gutes Herz hast.“ Diesen Spruch hat gerade einer meiner Facebook-Freunde „geteilt“ und er wird fleißig „geliket“.

Ich weiß ja nicht, wie Ihr mit der Fülle von (Lebens-) Weisheiten umgeht, die die sozialen Medien seit geraumer Zeit fluten. Ich jedenfalls lese sie meistens (sie sind ja auch aufgrund von Schriftgröße und Farben kaum zu übersehen), like oder kommentiere fast nie, aber bleibe jedes Mal gedanklich einen kurzen Augenblick bei meiner Freundin oder meinem Freund hängen, der das gepostet hat. Klar, manche zählen zu den „üblichen Verdächtigen“, die sich einfach nur über Zustimmung freuen. Aber bei Manchen steckt doch mehr dahinter.

Ich frage mich, wann ist ein solcher Spruch – zumal wenn er Wut, Trauer, Enttäuschung beinhaltet – mehr als nur ein Zeitvertreib? Was steckt wirklich dahinter?

Nun, tatsächlich weiß ich nicht, was meinen Bekannten dazu bewogen hat, heute Morgen diesen Spruch zu unterschreiben. Aber zu dem Spruch selber fällt mir spontan eine Menge ein…

Das Erste ist: Bullshit! – Der Spruch stimmt einfach nicht.

Wollte ich provozieren, dann würde ich vielleicht entgegenhalten: ist dein Leben „scheiße“, ist dein Herz vielleicht einfach noch nicht gut genug!

Aber wer provoziert, dem hört am Ende keiner mehr zu. Also lassen wir das. Ist ja auch nicht nett.

Was ist denn ein gutes Herz?

Ein gutes Herz zu haben bedeutet nicht, sich andauernd ausnutzen zu lassen. Es bedeutet nicht, immer wieder die gleichen Fehler zu machen. Es bedeutet nicht, Anderen ihre Pflichten und Aufgaben abzunehmen, die sie eigentlich selber erfüllen müssten. Wer zu oft versucht die Problem Anderer zu lösen, kann allzu leicht zum Teil genau dieses Problems werden, indem er sie in ihrer Untätigkeit und Abhängigkeit letztlich noch unterstützt. Freundschaften und Beziehungen zerbrechen. Und am Ende ist man selber enttäuscht, unzufrieden und zutiefst verletzt.

Ich glaube, in dieser Hinsicht sind viele Menschen gehörig auf dem Holzweg. Vielleicht auch der ursprüngliche Autor dieser „Fakten“ da oben?

Ein gutes Herz ist großzügig, geradezu verschwenderisch mit Aufmerksamkeit, Fürsorge, Freundschaft, Zeit, Geschenken, Liebe, allem Guten eben – und vor allem: Verzeihen. Ein gutes Herz weiß sich selber zu schützen und kennt die unerschöpfliche Quelle von Stärke und Ermutigung.

Fakt ist, es läuft eben nicht immer alles nach unserem Plan. Und Menschen können verletzen und verletzt werden. Man kann krank werden. Oder es kann etwas Anderes gehörig aus dem Ruder laufen. Aber sein ganzes Leben „scheiße“ findet nur derjenige, der verlernt hat, das Gute zu sehen. Doch das kann man immer wieder neu lernen. Es ist eine Entscheidung. Und dafür kann ein Herz gar nicht „zu gut“ sein.

Ich wünsche meinem Facebook-Freund und allen, die diesem Spruch da oben zustimmen, dass sie herausfinden, wie sie ihr Herz besser schützen können. Das heißt nicht hart machen oder undurchlässig. Aber das, was Ihr in Euer Herz rein lasst, macht etwas darin. Beobachtet das. Und lasst es nicht einfach geschehen. Manchmal muss man tatsächlich „nein“ sagen – zu Menschen, zu Filmen, zu Hobbys, zu Situationen – weil einfach nichts Gutes daraus hervorgeht. Weder für einen selber, noch für alle anderen Beteiligten.

Euer Herz ist das Schönste und das Wertvollste, das Ihr habt. Zweifelt nicht ausgerechnet daran. Wenn Ihr so lebt, wie Ihr Euch wünschen würdet, dass es jeder andere genauso täte, dann ändert Ihr die Welt nicht von heute auf morgen. Aber Ihr strahlt. Das beste Leben hat man, wenn man selber spürt, dass man auf dem richtigen Weg ist.

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Zwischen Mord und Menschenrecht: Auf der Suche nach Schnittmengen in der Abtreibungsdebatte

Harald Stollmeier am 25. Januar 2017

Abtreibungsdebatten eskalieren schnell. Bei kaum einem anderen Thema wird die jeweils andere Seite so schnell als böse wahrgenommen. Kein Wunder: Wenn der eine als Menschenrecht fordert, was der andere einen Mord nennt, wie soll da eine Schnittmenge existieren? Gibt es nennenswerte gemeinsame Ziele, auf die sich „Pro Life“ und „Pro Choice“ einigen könnten?

Bei einer Abtreibung wird ein unschuldiger Mensch getötet. Das ist immer ein moralisches Übel, selbst wenn es einmal das kleinere Übel sein sollte. Und auf ein Übel kann es keinen Rechtsanspruch geben. Viele der Reflektierteren unter den Anhängern eines „Rechts auf Abtreibung“ definieren deshalb entweder die Geburt als entscheidende ethische Grenze, vor deren Überschreiten man keine, nach deren Überschreiten man alle Rechte hat, oder sie bestreiten mit der Leidensfähigkeit von Embryonen und Föten auch deren Recht auf Unversehrtheit; manche Vertreter der zweiten Richtung gehen so weit zu erklären, dass auch nach der Geburt eine Tötung nicht tabu sein dürfe.

Das alles kommt für mich nicht in Frage; für mich ist das ungeborene Kind ab dem Vorliegen des doppelten Chromosomensatzes ein Mensch mit dem elementaren Recht, nicht getötet zu werden. Ich werde eher sterben, als ein „Recht auf Abtreibung“ anzuerkennen.

Muss ich mich deswegen aber auch zu der kategorischen Aussage „Abtreibung ist Mord!“ bekennen? Das ist nicht belanglos; unter Lebensrechtlern gilt diese Feststellung weithin als Selbstverständlichkeit. Ich will das aber nicht mehr sagen. Weniger wegen der juristischen Einordnung, obwohl ich sicher bin, dass diese nur im Ausnahmefall zutrifft. Sondern vor allem wegen des mitschwingenden Urteils, jede Schwangere, die ihr ungeborenes Kind töten lasse, sei im Grunde eine Mörderin. Da waren wir schon mal, dahin will ich nicht zurück, und ich kann jede „Pro Choice“-Anhängerin verstehen, die in der Mordbehauptung vor allem eine Kriegserklärung sieht.

Einer Haltung „Pro Choice“ liegt normalerweise im weitesten Sinne eine sehr hohe Wertschätzung für das Selbstbestimmungsrecht vor allem von Frauen zugrunde, und im Zusammenhang damit eine starke Abneigung gegen ungerechte Benachteiligungen von Frauen, die noch bis vor ganz kurzer Zeit völlig normal gewesen sind. Wir brauchen jetzt nicht darüber zu streiten, ob der Gleichberechtigungsfortschritt der, sagen wir, jüngsten 150 Jahre nur sehr groß oder sogar groß genug gewesen ist. Jedenfalls gehörte zu den ungerechten Benachteiligungen der Vergangenheit, dass ein uneheliches Kind in der Regel das Problem seiner Mutter war; der Vater war meist nicht zu belangen. Man hört häufig von „gefallenen Mädchen“, noch weit ins 20. Jahrhundert hinein, und wenn ein solches Mädchen, erst verführt und dann verlassen, seiner Notlage durch eine Abtreibung zu entgehen versuchte, dann war das natürlich ein schreckliches Unrecht. Es war aber auch die Folge eines vorausgegangenen Unrechts, dessen Ahndung nicht vorgesehen war.

Wenn es eine Schwäche gibt, die gerade die Hardliner bei „Pro Choice“ UND „Pro Life“ gemeinsam haben, dann ist es die Annahme, bei der Entscheidung für eine Abtreibung sei die betroffene Schwangere grundsätzlich die Hauptverantwortliche. Dabei braucht man sich gar nicht allzu sehr anzustrengen um herauszufinden, dass es anders ist: So gut wie nie ist ein Schwangerschaftsabbruch identisch mit dem kaltblütigen Mord einer egoistischen Frau an ihrem eigenen Kind. So gut wie immer ist ein Schwangerschaftsabbruch die Folge einer Notlage, und sehr oft wird die betroffene Schwangere von ihrer Umgebung, namentlich vom Vater des Kindes, entweder im Stich gelassen oder gar unter Druck gesetzt. „Er will das Baby nicht“ dürfte die häufigste Begründung in Beratungsgesprächen bei Organisationen wie 1000plus sein. Folgerichtig spricht Kristijan Aufiero, der Leiter von 1000plus, denn auch überhaupt nicht von Mord, sondern von „unterlassener Hilfeleistung in über 100.000 Fällen pro Jahr.“

Zwischen Menschen wie mir und Menschen, die zu meiner Fassungslosigkeit (umso mehr, wenn es kluge Menschen sind) ein Recht auf Abtreibung fordern, gibt es deshalb tatsächlich eine Schnittmenge, einen common ground. Er besteht in der Forderung, dass keine Frau einer Abtreibung zustimmen muss, die das nicht wirklich selber will. Beide „Pro Choice“ und „Pro Life“, können ohne Verrat an ihren Überzeugungen für den Ausbau einer Beratung eintreten, die weit mehr leistet als Straffreiheit zu sichern – einer Beratung, die in Ruhe auf die Situation der Betroffenen eingeht und nicht wertet, dafür aber konkret hilft.

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Frauensache

Caroline Stollmeier am 24. Januar 2017

Am vergangenen Wochenende wurde innenstadtnah in Bochum die Villa Vie eröffnet. Tirza Schmidt, Initiatorin, Betreiberin und Herz der Villa Vie hat eine offene Tür für „Antworten auf Fragen, die jeder hat, aber keiner stellt“. Ganz konkret bietet sie Seminare und individuelle Beratung zu verschiedenen Themen rund um den weiblichen Zyklus und alle möglichen Verhütungsmethoden an. Dazu gibt es guten Kaffee und bei Bedarf auch Kinderbetreuung.

Aber auch noch aus ganz anderen Gründen kann man in die Villa Vie kommen. Tirza Schmidt liegt es ganz besonders am Herzen für Frauen da zu sein, die eine Abtreibung erlebt haben oder unmittelbar mit Abtreibungen zu tun haben.

Manchmal kommt es vor, dass betroffene Frauen sich erst oder noch Jahre später fragen, ob sie damals die richtige Entscheidung getroffen haben. Oder es gab eine schwere Diagnose beim Ungeborenen, die plötzlich alles aus der Bahn geworfen hat. Oder Angehörige medizinischer Berufe spüren, dass der tägliche Umgang mit Frauen, die abtreiben, sie sehr viel Kraft kostet… Alle, die sich in diesen oder ähnlichen Situationen wiederfinden, haben jetzt bei Tirza Schmidt und in der Villa Vie einen Treffpunkt, an dem sie einfach sein dürfen – ohne Vorwürfe oder (Vor-) Verurteilungen.

Tirza Schmidt ist für diesen Dienst am Menschen gut ausgebildet, unter anderem als Hebamme, Familienhebamme und Psychotherapeutin. Außerdem kann sie auf ein breites Spektrum beruflicher Vorerfahrung zurückgreifen, beispielsweise in einem Frauenhaus und in der Schwangerenkonfliktberatung.

Sie selber sagt: „Menschen in besonderen Lebenssituationen zu begleiten ist kein Traumjob – es ist ein Privileg.“ Und mit diesem Selbstverständnis, ihrer Liebe für andere Menschen, einer gehörigen Portion Schaffenskraft und Gottes Segen ist Tirza Schmidt ihrem Traum gefolgt und wird von jetzt an die Welt von Bochum aus noch ein bisschen besser machen.

 

Treffpunkt Villa Vie (Foto: C. Stollmeier)

 

Und wer mehr wissen möchte oder den direkten Kontakt sucht, kann die Villa Vie hier auch online besuchen.

 

Tirza Schmidt (Foto: C. Stollmeier)

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In guten wie in schlechten Zeiten

Caroline Stollmeier am 24. Januar 2017

Vorhin ist mir Gal 5,6 aufs Herz gelegt worden: „Es zählt nur der vertrauende Glaube, der sich in tätiger Liebe auswirkt.“ Genau heute vor einem Jahr bin ich einen großen Glaubensschritt gegangen, und deshalb hat dieser Satz heute eine ganz besondere Bedeutung für mich. Aber strahlt er nicht auch in Euer Leben?

In einem Alltag, in dem Glaube, Liebe und (gute) Taten im Mittelpunkt stehen, ist kaum noch Platz für Angst, Zweifel, Neid und miese Stimmung. Natürlich ist man mal müde, und man kann nicht immer gut drauf sein. Aber was gibt uns Kraft? Wofür machen wir das alles? Was zieht uns runter? Und was baut uns auf?

„Vertrauender Glaube“ – ist das nicht irgendwie doppeltgemoppelt?

Glaube ist Vertrauen.

Weil es zunächst keine „Beweise“ gibt. Weil man einen Vorschuss gibt, (vermeintlich) ohne eine vertragliche Gegenleistung. Und weil Glaube und Misstrauen sich einfach nicht vertragen.

Vertrauen ist Glaube.

Weil man Vertrauen nicht anfassen kann. Weil Vertrauen zwar die Hoffnung auf eine Erwiderung beinhaltet, aber keinen einklagbaren Anspruch. Und weil Vertrauen eine Zuversicht ist, die über die Vernunft hinausgeht.

„Vertrauender Glaube“ – die unumstößliche Gewissheit, dass es etwas, dass es jemanden gibt, der es gut mit einem meint, und mit dem im Team man die eigenen Geschicke besser lenken kann, als man alleine dazu in der Lage wäre. Auch wenn man manches alleine vielleicht ganz anders gemacht hätte…

Vertrauen beinhaltet auch, dass man manchmal akzeptiert, dass man nicht selber das letzte Wort hat. Vor allem aber auch, dass man sich nicht dagegen wehrt, dass ein Anderer einem Gutes tut.

Bestimmt ist jeder von uns – und nicht nur einmal – von Menschen schon zutiefst enttäuscht worden. Diese Enttäuschung wiegt noch schwerer, wenn es Menschen waren, denen man vertraut hat, die man für Freunde gehalten hat. Daraus lernt man. Manchmal lernt man aber eben auch zu viel: nämlich niemandem mehr zu vertrauen. Und damit letztlich auch seinen Glauben zu verlieren?

Einer hat uns allen versprochen, dass er immer nur das Beste für uns will. Und deshalb hat Er uns Sein Bestes geschenkt: Seinen eigenen Sohn. Sein Vertrauen in uns war und ist maßlos. Obwohl Er weiß, wie schwer es uns fällt, dem auch gerecht zu werden. Und dennoch vertraut Er uns und glaubt an uns.

In diesem Sinne ist Er in Vorleistung gegangen. Ist es da nicht das Mindeste, Vertrauen mit Vertrauen zu erwidern, Glaube mit Glauben zu begegnen?

Auch wenn wir nicht verstehen, was an einer Sache, einem Erlebnis, einer Begegnung gut sein soll, so dürfen wir doch vertrauen, dass etwas Gutes dahintersteckt. Und ist es nicht manchmal auch eine Befreiung, nicht alles verstehen zu müssen, sondern sich einfach nur bewahrt zu wissen?

Es ist die Liebe Gottes, die uns umfängt, uns schützt und segnet, uns aufrichtet und vorangehen lässt – wenn wir sie in unserem Leben zulassen. Und wenn wir nicht nur bereit sind sie anzunehmen und wirken zu lassen, sondern auch sie weiter zu geben und unsere Mitmenschen spüren zu lassen. Was wir verschenken, wird uns nicht fehlen. Das gilt für Zeit, Zuneigung aber auch für Geld und andere Dinge.

Wenn wir spüren, dass Gott uns einen Auftrag gibt, dass Er uns herausfordert, dass Er uns eine Chance gibt Sein Werk in dieser Welt fortzuführen, dann wird Er uns im Gegenzug auch Ressourcen, Fähigkeiten und Gleichgesinnte schenken, damit wir diesen Auftrag erfüllen können. Gott hat keinen Spaß daran uns scheitern oder aufgeben zu sehen. Er freut sich an unserer Freude am Gelingen und beflügelt uns.

Alles, was zählt ist der Glaube und eine Liebe, die sich in Taten äußert. Und daneben wird alles andere unwichtig, nebensächlich, austauschbar. Letztlich ist Glaube eine Entscheidung, die wie ein Wagnis daherkommt, aber die größte Chance von allen ist.

 

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