Fastenzeit – Leidenszeit?

Caroline Stollmeier am 1. März 2017

Der Aschermittwoch ist für Christen ja irgendwie so ähnlich wie der erste Januar für alle. Es ist die Zeit der „guten Vorsätze“, die häufig etwas mit Verzicht zu tun haben. Das Gute an der Fastenzeit ist: sie dauert „nur“ 40 Tage. Aber auch die können lang werden…

Das ist jetzt nur eine Meinung und kein Dogma, aber ich finde, dass die Fastenzeit eine sehr persönliche Sache ist. So wie damals, als Jesus in die Wüste gegangen ist: Es ging nur um ihn und um den Vater. Und daraus konnte Wundervolles entstehen.

Bestimmt ist es gut, ganz oder teilweise auf Dinge zu verzichten, die einem schaden oder die einen über Gebühr in Anspruch nehmen. (Das allerdings nicht nur bis Ostern…) Aber die Fastenzeit ist mehr als eine Diät. Sie ist ein Raum, in dem Neues entstehen kann.

Ich stelle mir das so vor wie mit einem überwucherten Garten. Wenn man möchte, dass dort im Frühjahr schöne Blumen oder schmackhaftes Gemüse wachsen, dann muss man vorher eine kleine Ecke oder ein ganzes Beet frei räumen von Unkraut, Steinen und sonstigen Störenfrieden. Erst dann hat die neue Saat eine Chance aufzugehen.

Insofern ist die Fastenzeit nicht nur eine Zeit des Verzichts, sondern auch der Befreiung.

Ich finde es vollkommen in Ordnung, wenn Menschen sagen, dass und wie sie fasten. Aus verschiedenen Gründen: Ich nehme an, es motiviert sie zusätzlich, wenn sie sich auf diese Weise eine „Kontrollgruppe“ geschaffen haben. Außerdem sind sie so vielleicht auch eine Inspiration (aber zumindest eine Erinnerung) für andere.

Andererseits warnt uns die Bibel davor, zu viel Aufhebens vom eigenen Fasten zu machen: „Wenn ihr fastet, dann setzt keine Leidensmiene auf wie die Scheinheiligen. Sie machen ein saures Gesicht, damit alle Welt merkt, dass sie fasten. Ich versichere euch: Sie haben ihren Lohn schon kassiert.“ Sie dürfen deshalb unter Umständen keinen Lohn von Gott mehr erwarten. Und das ist ja irgendwie nicht Sinn der Sache…

Wie gesagt, letztlich ist Fasten seine sehr persönliche Sache. Es dient am Ende dem Guten, wenn es in der richtigen Haltung praktiziert wird. Aber niemand kann einem anderen ins Herz schauen. Und deshalb finde ich Diskussionen (und seien sie auch noch so theoretisch) drüber, ob jemand richtig fastet oder nicht, völlig überflüssig.

Eine meiner Bekannten teilte heute über ihr Facebook-Profil mit: „Fastenzeit: Ich verzichte auf Dinge, die mich traurig machen, Menschen, die mir mein Lächeln rauben, Gedanken, die meinen Weg blockieren.“ So kann man es auch machen.

Vielleicht habt Ihr ja mal Lust von Euren Erfahrungen mit dem Fasten zu erzählen? (Und damit es keine Missverständnisse oder Bauchschmerzen gibt, denkt dabei doch einfach an zurückliegende Jahre und nicht an heute!) Vielleicht könnt Ihr so andere Menschen inspirieren und ermutigen, die Liebe und das Wirken Gottes ganz neu zu erfahren.

Ich werde selber gleich mal den Anfang machen…

 

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Ein Kommentar zu “Fastenzeit – Leidenszeit?”

  1. Caroline St.am 1. März 2017 um 14:31

    Ich habe Euch ja versprochen, dass ich selber den Anfang mache…

    Also, bei mir hat in der Vergangenheit der klassische Verzicht in der Fastenzeit eigentlich keine große Rolle gespielt. Wenn man es überhaupt so ausdrücken kann, dann habe ich wohl am ehesten auf das Nichtstun und die Antriebslosigkeit verzichtet.

    Die Fastenzeit ist für mich eher eine Zeit der Inspiration und des Tatendrangs. So ein Riesending, wie das Spenden-Experiment, das wir auch hier auf dem Blog begleitet haben, http://alcedoschreibt.de/2011/03/09/das-spenden-experiment-ein-selbstversuch/ , ist zwar eher die Ausnahme. Aber in der Zeit vor Ostern spüre ich oft noch mal stärker die Kraft, Dinge neu zu beginnen oder (endlich) abzuschließen. Und meistens liegt dann auch ein ganz besonderer Segen darauf.

    Wie auch immer Deine „Wüste“ aussieht, sie ist Deine Chance Dich frei zu machen von Ballast und beschwingt zu neuen Ufern aufzubrechen. Stell Dich ihr doch ab und zu!

    Gottes Segen!

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