Horror mit feiner Feder

Harald Stollmeier am 2. Juni 2017

Buchbesprechung: Claudia Sperlich, Die Befreier, tredition 2017, 105 Seiten, 7,99.

Die Berlinerin Claudia Sperlich ist bislang vor allem mit Liedern und Gedichten in Erscheinung getreten, die Zeugnis von christlicher Auferstehungshoffnung ablegen. Mit ihrem neuen Kurzgeschichtenband Die Befreier beweist sie, dass sie das Zeug zu einer Horror-Autorin hat. Da gibt es zum Beispiel einen nicht näher bestimmten Rotary Club, wo man als Künstler nur unter größter Vorsicht auftreten sollte. Und das „Amt für Weiteres“, wo man ohne Lateinkenntnisse zum Teufel geht, das meidet man am besten ganz.

Dreizehn Geschichten reihen sich in Claudia Sperlichs neuem Büchlein scheinbar unschuldig aneinander und erinnern an Kafka („Das Amt“), Stanilaw Lem („Die Befreier“) und Edgar Allan Poe („Weihnachtsfeier mit Autorenlesung“). Alle Geschichten zeichnet eine aufmerksame Feinfühligkeit aus, verbunden mit dem Verzicht auf Verurteilungen. Um so kälter läuft es dem Leser den Rücken herunter, wenn ihm selber klar wird, womit er es zu tun hat, um so mehr, wenn der Sprecher sich nicht als böse versteht sondern als gut und beispielsweise aufrichtig hofft, dass man eines Tages keine behinderten Föten mehr entsorgen muss („Genetisch einwandfrei“).

Die Welt, in der Sperlichs Geschichten handeln, ist erkennbar unsere, leicht überzeichnet. Stellenweise nur sehr leicht: Wenn einer Arbeitslosen die Leistungen gestrichen werden, weil sie nicht als “Vollstreckerin” arbeiten will („Ein Job fürs Leben“), dann ist die Analogie zu Hebammen oder Ärzten, die ihren Arbeitsplatz verlieren, weil sie nicht an Abtreibungen mitwirken wollen, nur deshalb nicht sofort offensichtlich, weil Deutschland keine Todesstrafe hat.

Das Büchlein lohnt sich, kostet nicht viel (im Paperback 7,99 Euro) und macht Appetit darauf, dass Claudia Sperlich einmal etwas richtig Langes schreibt.

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