Tafeln in Not

Harald Stollmeier am 26. Februar 2018

In vielen deutschen Städten gibt es Tafeln – ich selbst bin Mitglied bei der Tafel Duisburg. Ich habe Unterstützer, Hauptamtliche, Ehrenamtliche und Kunden kennengelernt. Letztere sind ein weites Feld, von alten Frauen mit schmaler Rente über Migranten und Flüchtlinge bis zu drogenabhängigen Obdachlosen. Je weiter diese Menschen von einer bürgerlichen Normalität entfernt sind, desto wichtiger ist für sie die Hilfe der Tafel; für manche von ihnen ist die Begegnung mit den Tafel-Helfern (meistens Helferinnen) die einzige, bei der sie ihre Menschenwürde spüren.

 

Tafelkunde Thomas: “Für mich ist die Tafel mein Lebensmittelpunkt; meine zweite Familie.” (Bild: Tafel Duisburg)

 

Ich nehme das Engagement der ehrenamtlichen Helferinnen bei der Tafel Duisburg als zutiefst christliches Handeln wahr, auch wenn dieses Motiv kaum zur Sprache kommt, und ich glaube, dass diese Frauen (und Männer) eine gute Chance haben, in den Himmel zu kommen.
Anders als manche Kritiker in Politik und Medien, die sich in Rassismusvorwürfen überbieten, glaube ich das auch vom Team der Tafel Essen, das vor ein paar Tagen in allerdings ungeschickter Weise wegen Überlastung die Notbremse gezogen und die Neuaufnahme ausländischer Kunden gestoppt hat. Ich bezweifle, dass auch nur einer der Rassismusrufer sich Gedanken darüber gemacht hat, wie es weitergehen soll. Der Normalfall bei einer erfolgreichen Stigmatisierung als Nazi-Verein ist nämlich das Ende des betroffenen Vereins, weil entweder die Helfer wegbleiben oder die Spender oder beides. Die Wahrscheinlichkeit dürfte gering sein, dass die Rassismusrufer anschließend eine neue, bessere Tafel gründen, bei der dann alles zum Besten steht.
Gleichwohl ist diese Krise Anlass zu fragen, was Tafeln eigentlich erreichen können. Nachhaltig helfen können die Tafeln offenbar nur einer Minderheit ihrer Kunden. Es ist aber ungerecht, deswegen (man liest das in diesen Tagen oft) den Tafeln mangelnde Nachhaltigkeit vorzuwerfen. Die Tafeln sind ja überhaupt nur entstanden, weil schon vorher die Nachhaltigkeit gefehlt hat. Wer ausgerechnet den Tafeln vorwirft, dass sie Armut und Ausgrenzung nicht heilen können, der würde auch die Feuerwehrleute für den Ausbruch des Feuers verantwortlich machen.
Tafeln lindern Armut. Tafeln lindern Einsamkeit. Heilen können Tafeln beides nicht. Heilung anzustreben ist edel und gut – aber nicht zulasten der Linderung. Ich bleibe bei der Tafel.

Spendenkonto der Tafel Duisburg:
Sparkasse Duisburg
Kontonr. 200 220 150
BLZ 350 500 00
IBAN: DE61 3505 0000 0200 2201 50
BIC: DUISDE33XXX

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