Archiv für die Kategorie '1000plus | Leben'

Neuer Rekord bei 1000plus

Caroline Stollmeier am 30. November 2016

Im Jahr 2009 ist das Projekt 1000plus / Pro Femina e.V. mit der kühnen Vision angetreten, bald 1.000 und mehr Frauen im Schwangerschaftskonflikt zu beraten und ihnen die Informationen und die konkrete Hilfe zur Verfügung zu stellen, die sie brauchen, um Ja zu ihrem Baby sagen zu können. Innerhalb von nur sechs Jahren stiegen die jährlichen Beratungszahlen von 277 auf 2.439. Und Mitte November wandte sich die dreitausendste Frau des Jahres 2016 an die Beratung von Pro Femina!

1000plus ist eine überkonfessionelle Frauenhilfsorganisation, die aus Gewissensgründen keine Beratungsscheine ausstellt, wie sie in Deutschland Voraussetzung für eine straffreie Abtreibung sind. Deshalb wir 1000plus weder aus Kirchensteuermitteln noch staatlich finanziert.

Um immer mehr Schwangere zu erreichen und ihnen eine Perspektive für das Leben zu eröffnen, geht 1000plus schon seit Jahren in die technische Offensive. Die 328.000 Euro umfassende Spendenkampagne zur Finanzierung dieses Ausbaus wurde Mitte Oktober erfolgreich abgeschlossen. Gleichzeitig meldeten sich im selben Monat so viele Schwangere wie noch nie, so dass die bereits erweiterten Beratungsabteilungen kurz vor der Überlastungsgrenze standen. Schon wenige Wochen später wurde so das Jahresziel von 3.000 Beratungsfällen übertroffen.

Durchschnittlich berät 1000plus derzeit circa 290 Frauen im Monat – mehr als noch 2009 innerhalb eines ganzen Jahres. „Die Verzweiflung und Einsamkeit dieser Frauen in ihrer Notlage ist immer wieder aufs Neue erschütternd. So froh und dankbar wir sind, sie erreichen und beraten zu können, so sehr drängt es uns, diese Hilfe noch mehr Schwangeren im Konflikt zur Verfügung zu stellen“, so Kristijan Aufiero, Initiator und Leiter von 1000plus.

Die Beratungsorganisation möchte deshalb die technischen Maßnahmen und ihre Kapazität weiter ausbauen und auf diese Weise im Jahr 2017 mindestens 4.500 und bis zum Jahr 2020 jährlich 10.000 Schwangeren Beratung und Hilfe zur Verfügung stellen.

1000plus wird jetzt schon getragen von vielen tausend Menschen, die sich mit Spenden, Gebeten und tatkräftiger Mithilfe gemeinsam für ungewollt Schwangere einsetzen. Um die Vision wahr werden zu lassen, dass in unserem Land keine Schwangere mehr gegen ihren eigentlichen Willen abtreiben muss, werden noch viel mehr von uns gebraucht. Sind Sie dabei?

 

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Papst Franziskus empfängt 1000plus

Caroline Stollmeier am 24. Juni 2016

In der vergangenen Woche empfing der Heilige Vater, Papst Franziskus, eine sechsköpfige Delegation von 1000plus zu einer Privataudienz – was für eine Ehre! Die Organisation, die sich seit sieben Jahren wirksam für Schwangere in Not einsetzt, wurde dabei vertreten durch den Vorstand, die Beratungsleitung, ein 2-jähriges Mädchen mit seiner Mutter und den Rottenburger Weihbischof Thomas Maria Renz, der 1000plus seit langem kennt und unterstützt. Das zweijährige Mädchen ist eines der zahlreichen Kinder, die dank der Beratung und der ganz konkreten Hilfe von 1000plus das Licht der Welt erblicken konnten.

Papst Franziskus nahm sich die Zeit, sich von Kristijan Aufiero, dem Vorsitzenden von 1000plus, Einzelheiten über das Hilfsangebot erläutern zu lassen. Während Aufieros Ausführungen “in herrlich klingendem Italienisch” (wie eine Ohrenzeugin berichtete) lobte der Papst den Dienst von 1000plus mit den Worten :”Was für eine wunderschöne Arbeit.”

Besonders angetan war der Papst auch von den sogenannten Babyflaschenaktionen. Dabei werden Babyflaschen zu Sammeldosen umfunktioniert, mit denen dann in Gemeinden um Spenden gebeten wird. Diese Aktionen tragen wesentlich zur Finanzierung der Beratung und Hilfe für Schwangere durch 1000plus bei.

Papst Franziskus bedankte sich ausdrücklich für alles, was 1000plus leistet, und spendete anschließend der kleinen Delegation inklusive des “1000plus-Babys” stellvertretend für die gesamte Organisation seinen päpstlichen Segen.

Es ist bekannt, dass Schwangere in Not und ihre ungeborenen Babys Papst Franziskus besonders am Herzen liegen und er sich mehr konkreten Beistand für sie wünscht. Bereits 2013 betonte er in seinem ersten Apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium: “Es ist nicht fortschrittlich, sich einzubilden, die Probleme zu lösen, indem man ein menschliches Leben vernichtet.” Vergangene Versäumnisse eingestehend heißt es weiter: “Doch es trifft auch zu, dass wir wenig getan haben, um die Frauen angemessen zu begleiten, die sich in sehr schweren Situationen befinden, wo der Schwangerschaftsabbruch ihnen als eine schnelle Lösung ihrer tiefen Ängste erscheint, besonders, wenn das Leben, das in ihnen wächst, als Folge einer Gewalt oder im Kontext extremer Armut entstanden ist.” Und er fragt: “Wer hätte kein Verständnis für diese so schmerzlichen Situationen?” [214]

Vor diesem Hintergrund ist das Lob durch das Oberhaupt der katholischen Kirche nicht hoch genug zu bewerten, drückt es doch aus, dass 1000plus genau auf dem verständnisvollen Weg ist, den der Papst sich für seine Kirche im Umgang mit Schwangeren in Not wünscht.

Cornelia Lassay, Leiterin der Direktberatung von 1000plus, steht noch ganz unter dem Eindruck des Papstbesuchs: “Irgendwie habe ich angefangen, Zeit anders zu rechnen: in die Zeit davor und in die Zeit danach.” Mit ihr dürften sich nun auch alle katholischen Unterstützer freuen, denn “der päpstliche Segen bestärkt uns alle sehr in dem, was wir tun.”


Papst Franziskus zeigt sich begeistert von der Babyflaschen-Aktion des Projekts 1000plus. Mit im Bild: Dr. Markus Arnold (stellvertretender Vorsitzender des Vorstands von Pro Femina e.V.), Monika Aufiero (Vorstandsmitglied), Weihbischof Thomas Maria Renz (Diözese Rottenburg-Stuttgart), Kristijan Aufiero (Vorsitzender des Vorstands, v.l.n.r.).
(C) Pro Femina e.V.

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Die Durex-Botschaft

Caroline Stollmeier am 15. Juni 2016

Vor einigen Tagen war hier ausnahmsweise der Fernseher an, und ich habe zufällig mittags gegen zwölf eine Kondom-Werbung gesehen…

“Hmm, Liebling…”
Ich liebe dich.
“Jaa, Süße?”
“Sollten wir nicht ein Kondom benutzen?”
Hast Du eins…?
“Ach, da passiert schon nichts.”
Ich kann rechzeitig aufhören…

Fast alle 5 Minuten entscheidet sich eine Frau in Deutschland für eine Abtreibung.
Sex ohne zuverlässige Verhütung kann zu ungewollten Schwangerschaften führen.
Informiere dich!
Verwende zuverlässigere Verhütungsmethoden.

Diese Botschaft wird unterstützt von Durex.

Kennen Sie den Spot auch? Zugegeben, ich habe kein Ahnung was gerade wann und auf welchem Sender beworben wird. Aber man hört ja so viel… Deshalb war ich gar nicht allzu verwundert oder entsetzt. Im Gegenteil, eigentlich war ich im ersten Moment sogar erfreut über diesen Spot! Immerhin steht hier ein “Ich liebe dich” am Anfang der Bettgeschichte…

Außerdem begegnet mir nicht oft, dass die “normalen” Medien so (relativ) un-beschönigend mit dem Thema Schwangerschaftsabbrüche umgehen (das war ja nicht auf Bibel-TV oder so, wo man es vielleicht erwarten könnte).

Zur Sicherheit habe ich nachgerechnet:
60 min x 24 h x 365 Tage = 525.600 min ./. 5 min = 105.120

Die Zahl der offiziell gemeldeten Schwangerschaftsabbrüche 2015 in Deutschland beträgt: 99.237. Berücksichtigt man dann noch die bekannten, jedoch in der Höhe kaum näher bestimmbaren “Ungenauigkeiten” wie beispielsweise Abtreibungen, die (aufgrund größzügigerer Fristen) im Ausland durchgeführt wurden oder aus welchem Grund auch immer mit einem falschen ICD-Code verschlüsselt wurden und deshalb nicht in der Statistik auftauchen, muss man wirklich sagen, dass Durex nichts schönrechnet.

Eine Abtreibung alle fünf Minuten ist eine realistische statistische Größe. Und wenn es schon mittags im Fernsehen gesagt wird, dann kann doch wirklich NIEMAND mehr behaupten, er hätte nichts davon gewusst!

So weit, so gut…

Aber wir kommen schnell zu dem Punkt, an dem meine Freude über diesen Werbespot einen großen Knacks gekriegt hat, denn was sind schon Statistiken?! Hinter jedem dieser “Fälle” steckt eine Frau, die für sich und ihr Baby keine andere Möglichkeit gesehen hat, als eben diese Abtreibung.

Behauptet wird: “Alle 5 Minuten e n t s c h e i d e t sich eine Frau…” Wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich diese “Information” vielleicht einfach hinnehmen. Aber von einer freien Entscheidung kann doch nun wirklich bei den unzähligen Schwangeren nicht die Rede sein, die entweder alleine gelassen werden in ihrer Not oder sogar noch zur Abtreibung gedrängt werden, obwohl sie unentschlossen sind oder ihr Herz ihnen längst etwas ganz anderes gesagt hat.

Und der Hinweis “informiere dich… verwende zuverlässigere Verhütungsmethoden” irritiert mich auch. Ich dachte immer, es sei vollkommen klar, dass der Coitus interruptus keine Verhütungsmethode ist, weil er absolut unzuverlässig und eine echte Spaßbremse ist. Das hat man doch schon “zu meiner Zeit” aus dem Biologieunterricht gewusst lange bevor es überhaupt zum ersten Kuss oder Händchenhalten kam.

Vielleicht kann man auch wirklich nicht oft genug erklären, dass Sex zu Schwangerschaften führen kann… Irgendwie bin ich ja für diesen Punkt hier fast schon wieder dankbar. Wie leicht wird manchmal vergessen, dass Sex eben nicht nur Spaß und Erfüllung und jede Menge toller Gefühle bringen kann, sondern eben auch Babys.

Die logische Konsequenz (nicht blöd sein, besser verhüten -> dann gibt es auch keine Babys!) gefällt mir allerdings schon wieder nicht. Noch konsequenter wäre nämlich zu sagen: “Wenn du absolut kein Baby willst, dann hab’ einfach keinen Sex.” Aber damit ließe sich wahrscheinlich kein einziges Kondom zusätzlich verkaufen. 😉

Unter dem Strich ziehe ich meinen Hut vor denjenigen, die die Aussagen im Spot so formuliert haben, dass eine Kritik daran praktisch unmöglich ist. Und ich freue mich über jeden, der hinter einer Zahl den Menschen sieht – und hinter der “Entscheidung” für eine Abtreibung die wahre Not.

 

 

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Und alles nur, weil ich dich liebe…

Caroline Stollmeier am 16. Februar 2016

“Caroline, dann musst du mich ja wirklich hassen”, sagte eine Freundin zu mir, als ich ihr in einem eigentlich ganz alltäglichen Gespräch sagte, dass ich Abtreibung nie für die beste Lösung halte. “Ich habe nämlich auch schon mal abgetrieben”, erklärte sie.

Ich war geschockt!

Nicht wegen der Abtreibung! Sie berichtete mir von den damaligen Umständen: der Freund hatte sie unter Druck gesetzt, der Chef mit Kündigung gedroht und ihre Eltern waren keine Hilfe. Ein ganz “normaler” Konflikt eben, wenn man das überhaupt so sagen kann…

Geschockt war ich davon, dass meine Freundin überhaupt auf die Idee gekommen ist, ich könnte sie “hassen”!

Ich wollte rufen, schreien, brüllen: “NEIN! Ich hasse dich doch nicht!” (Da wir im Auto saßen, wäre das aber vielleicht nicht so gut angekommen.) Nein, ich hasse meine Freundin nicht – und auch keine andere Frau in ähnlichen Umständen.

Ich liebe sie.

Mein Herz brennt für jede Frau, die ungeplant schwanger ist und nun nicht weiß, was sie tun soll. Deshalb engagiere ich mich seit Jahren für den Verein Pro Femina (das bedeutet: für die Frau!), der es durch einzigartige Beratung schafft, Frauen eine freie Entscheidung zu ermöglichen. Eine Entscheidung, die nicht unter Druck, Zwang oder Ohnmacht getroffen werden muss.

Eine Frau, die abgetrieben hat, ist doch nicht deshalb ein schlechter Mensch. Wer so etwas behauptet, der hat kein Herz und richtet, wo einem Richten nicht zusteht!

Meine Freundin hat inzwischen einen Ehemann und weitere Kinder, wofür sie sehr dankbar ist. Aber natürlich hat sie ihr erstes Kind nicht vergessen, von dem sie damals fast niemandem erzählen konnte. Sie tut mir unendlich leid, weil sie damals keinen anderen Ausweg gesehen hat.

Ich wünsche mir, dass Frauen, die heute in einer ähnlichen Situation sind, alle Liebe, Hilfe und Unterstützung bekommen, die sie so dringend benötigen. Und deshalb wünsche ich mir, dass noch mehr Frauen diese Telefonnummer anrufen: 0 8000 60 67 67*.

Wir tun das alles, weil wir Euch lieben!

 

 

* Das ist die aus Deutschland kostenlos erreichbare Beratungshotline von Pro Femina e.V.; weitere Kontaktmöglichkeiten sind hier zu finden.

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Haben Sie mal kurz Zeit?

Caroline Stollmeier am 21. September 2015

Blöde Frage, ich weiß! 😉

Aber mal rein theoretisch angenommen, Sie hätten etwas Zeit, dann würde ich Ihnen ans Herz legen, sich diesen Vortrag unseres 1000plus-Vorsitzenden Kristijan Aufiero in Ruhe anzuhören. Sie würden überrascht, bewegt, begeistert sein. (Und wenn nicht, dann könnten Sie sich gerne bei mir beschweren.)

Im letzten Jahr wurden 2.191 Frauen von 1000plus beraten. Unser größter Wunsch ist es, dass das noch viele tausend mehr werden! Und deshalb geht 1000plus jetzt nach Bayern.

Die Rede von Kristijan Aufiero war Teil des 1000plus-Tags, der gleichzeitig der Auftakt für unsere neue Beratungsstelle war. Aber sie war so viel mehr als das … Sie erklärt, was 1000plus ist und warum.

Für den Aufbau unserer neuen Beratungsstelle für ungeplant Schwangere rechnen wir mit Kosten von 297.800 Euro für die ersten zwölf Monate (darin enthalten sind unter anderem die Gehälter für vier hochqualifizierte Beraterinnen, Ausbildungskosten, Miete, Einrichtung, technische Ausstattung und Telefon). Glücklicherweise hat eine kleine Gruppe von Großspendern versprochen, alle Spenden zu verdoppeln, die bis Ende Oktober 2015 für die Beratungsstelle Bayern eingehen, bis zu einer Summe von 148.500 Euro.

So könnten Sie dank unseres Bayern-Verdopplungsfonds also nicht nur rein theoretisch, sondern ganz praktisch helfen. Jeder Euro, den Sie auf unser Spendenkonto bei der Sozialbank München an

Pro Femina e.V.
IBAN DE90 7002 0500 0008 8514 02 | BIC BFSWDE33MUE
Verwendungszweck: Beratungsstelle Bayern

oder über unser Online-Spendenformular überweisen, hilft im Moment doppelt!

1000 DANK dafür!

 

Verdoppelungsfonds

 

 

 

 

(Bild “Verdopplungsfonds Bayern”: 1000plus)

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Wunsch, Traum und Wirklichkeit

Caroline Stollmeier am 21. September 2015

Irgendwie ist es ja ein großes Bisschen so, als wäre man dabei gewesen, wenn man das hier liest. Und das ist sehr tröstlich, wo doch am Samstag zwar mein Herz und meine Gedanken in Berlin waren, der Rest von mir aber am Niederrhein. Tröstlich ist, dass ich nicht gebraucht wurde, um die 7.000 Teilnehmer am “Marsch für das Leben” voll zu machen. Und tröstlich ist es, dass diese Teilnehmer sich wieder einmal nicht haben einschüchtern lassen von den “kreativen, bunten Störaktionen”.

Aber wie auch in den vergangenen Jahren bin ich untröstlich über diese Unverständigkeit der Störer. Was passiert da eigentlich jedes Jahr aufs Neue in Berlin, wenn friedliche Menschen friedlich für das Leben demonstrieren? Wohl gemerkt: dafür! Nicht gegen Frauen, nicht gegen Selbstbestimmung, nicht gegen Sex oder was auch immer. Ist es denn wirklich so schwer zu ertragen, wenn Menschen nicht nur fordern, jammern und blockieren, sondern tatsächlich etwas tun möchten? In diesem Fall vorrangig ungeplant Schwangeren und ihren Babys zu helfen?

Und ich frage mich, wie auch in den vergangenen Jahren: Könnten wir nicht einfach zusammen arbeiten, bis wir all das in unserer Gesellschaft erreicht haben, was beide Seiten wollen: mehr Hilfe für Frauen, mehr echte Wahlfreiheit, mehr finanzielle Unterstützung, mehr Akzeptanz und die vielen anderen Dinge, in denen wir uns im Prinzip einig wären – wenn wir uns das denn endlich eingestehen würden? Und weiterstreiten könnten wir doch einfach danach.

Es ist richtig zu demonstrieren und das, was Tausenden von Frauen in unserem Land passiert, nicht unkommentiert zu lassen. Aber mal ehrlich, wem hilft dieser Streit auf den Straßen Berlins eigentlich? Das will mir nicht so richtig klar werden. Helfen jedoch wollen wir doch eigentlich alle – egal auf welcher Seite wir “marschieren”. Oder?

Wir sind die Menschen, denen es nicht egal ist. Und dass beide Seiten Energie und Ausdauer haben, haben sie gerade erst wieder bewiesen. Was könnte man damit nicht alles erreichen … Gemeinsam.

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Das Beichten von Abtreibungen ist jetzt erlaubt!

Caroline Stollmeier am 2. September 2015

…so oder so ähnlich lauten wohl die einschlägigen Schlagzeilen im Moment. Tatsächlich hat Papst Franziskus in einem kürzlich veröffentlichten Brief Anweisungen gegeben, wie im bevorstehenden Heiligen Jahr der Barmherzigkeit, mit Frauen umgegangen werden soll, die abgetrieben haben, dies nun bereuen und zur Beichte kommen. Kirchenrechtlich ist dies anscheinend ein heikler und aufsehenerregender Schritt.

Aber… Was ich daran vor allem bemerkenswert finde, ist mit welcher Liebe Papst Franziskus über die betroffenen Frauen schreibt: “Ich weiß um den Druck, der sie zu dieser Entscheidung geführt hat. Ich weiß, dass dies eine existentielle und moralische Tragödie ist. Ich bin sehr vielen Frauen begegnet, die in ihrem Herzen die Narben dieser leidvollen und schmerzhaften Entscheidung trugen. Was geschehen ist, ist zutiefst ungerecht. Und doch: Nur wenn man es in seiner Wahrheit versteht, ist es möglich, die Hoffnung nicht zu verlieren.”

Die Beichte, die aufrichtige Bitte um die Versöhnung mit Gott und seine Vergebung, ist keine lästige Pflicht, sondern das größte Geschenk. Manchmal hat man in seinem Leben vielleicht Dinge getan, von denen man später erkennt, dass sie salopp gesagt echt Mist waren. Vielleicht hat man Fehler gemacht, die man sich selber nicht verzeihen kann und die Person, der man dabei geschadet hat, erst recht nicht. Wie soll man weiter leben mit so etwas? Wie soll man es wieder gut machen, wenn man das denn möchte?

Eine Abtreibung ist für manche Frauen so ein Problem. In der damaligen Situation war es die vermeintlich einzige Lösung, aber irgendwann später begreifen sie, was tatsächlich passiert ist. Sie möchten, dass ihr Kind lebt – oder sich zumindest bei ihm entschuldigen. Doch das geht nicht mehr.

Ich war zutiefst beeindruckt von der Begegnung mit einer Frau, die mir eindringlich erzählt hat, wie das damals bei ihr gewesen ist. Erst als sie Jahre nach ihrer Abtreibung zum Glauben gefunden hat und die göttliche Vergebung für ihre Abtreibung gespürt hat, konnte sie ihr Leben wieder richtig leben (und hilft inzwischen anderen betroffenen Frauen auf diesem harten Weg).

Es gibt eben Fehler, die kann nur Gott verzeihen. Und wenn einer sie wieder gut machen kann, dann ist es auch nur Er. Für Frauen, die darunter leiden, ist die Abtreibung ein solcher Fehler. Sicher, man findet bestimmt auch andere Wege, aber nur den einen, der wirklich frei macht. Deshalb ist jeder Schritt begrüßenswert, mit dem die (katholische) Kirche hilfesuchenden Frauen entgegen kommt. Keine echte Beichte geschieht leichtfertig.

“Die Vergebung Gottes für jeden Menschen, der bereut, kann diesem nicht versagt werden, besonders wenn er mit ehrlichem und aufrichtigem Herzen das Sakrament der Vergebung empfangen will, um Versöhnung mit dem Vater zu erlangen”, schreibt Papst Fraziskus. Und wenn Gott etwas vergeben hat, dann darf man es sich auch selbst verzeihen. Die Beichte ist eine Möglichkeit zur Umkehr ohne die unsere Welt schlechter dran wäre.

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Unsere größte Ressource: <3

Caroline Stollmeier am 27. Juli 2015

“Servus, Bayern!” hieß es am vergangenen Samstag beim 1000plus-Tag, denn wir eröffnen eine neue Beratungsstelle in München.

Das ist ein großer Schritt, den wir nicht leichtfertig gehen. Wie durch ein Wunder konnten wir das turbulente letzte Jahr mit einem finanziellen Überschuss abschließen, der einerseits durch besonders sparsames Wirtschaften, andererseits durch die bemerkenswerte Solidariät der 1000plus-Unterstützer erzielt werden konnte.

Das, aber vor allem der unverändert große Bedarf von Frauen im Schwangerschaftskonflikt in unserem Land, haben den Ausschlag dafür gegeben, dass mit der Beratungsstelle Bayern unser Hilfsangebot weiter ausgebaut wird.

Beim 1000plus-Tag haben drei mutige Frauen von der schwersten Zeit in ihrem Leben berichtet, nämlich den Wochen, in denen sie mit sich und ihrem Umfeld um das Leben ihrer Kinder gerungen haben. Alle drei Frauen haben den Weg zu uns gefunden und gemeinsam mit unseren Beraterinnen gute und gangbare Lösungen gefunden. “Es ist nicht immer leicht, aber das hat auch keiner gesagt”, erklärte eine von ihnen. Trotzdem sind alle drei inzwischen stolz auf sich, ihre Kinder und alles, was sie seither geschafft haben. Drei ganz starke Frauen!

Diese drei und auch jede andere Frau, die sich an 1000plus wendet, sind der Grund für alles, was wir tun, für alles, was wir uns vornehmen und für alles, was wir in Zukunft noch erreichen werden. In der Beratungsstelle Bayern werden vier neue Beraterinnen arbeiten. So werden wir insgesamt etwa 1.000 Frauen pro Jahr zusätzlich helfen können. Und es geht jetzt bald los. Die ersten Mitarbeiter sind schon privat nach München umgezogen, die ersten neuen Beratinnen sind eingestellt und werden gerade geschult, die neuen Räume nehmen Formen an…

Natürlich sind mit einer weiteren Beratungsstelle enorme Kosten verbunden, die – wie immer – alleine in Form von Spenden aufgebracht werden müssen. Im Vorfeld haben sich einige großzügige Spender bereit erklärt, jede Spende, die bis Ende Oktober für den Aufbau der Beratungsstelle Bayern eingeht, zu verdoppeln – bis zu einer Gesamthöhe von fast 150.000 Euro!

Kristijan Aufiero, Leiter von 1000plus, erläuterte beim 1000plus-Tag zuversichtlich, wie wir die nötigen finanziellen Mittel zusammen bekommen können, nämlich beispielweise so:

gemeinsam

Während der Veranstaltung sind bereits spontan mehr als 14.000 Euro zugesagt worden. Jeder weitere Euro hilft. Und JEDER ist herzlich eingeladen die zusäzliche Arbeit für 1000plus auch zusätzlich zu unterstützen. Dankeschön! 🙂

Natürlich ist Spenden nicht der einzige Weg, auf dem man 1000plus und somit ganz direkt schwangeren Frauen helfen kann. Das wurde auf dem 1000plus-Tag wieder sehr deutlich. Wir brauchen noch mehr

– Botschafter

– Mitarbeiter in unserem Team für Babyflaschen-Aktionen

– Mit-Beter

– Ehrenamtler, die Frauen in ihrer Nähe konkret helfen (beispielweise als Leih-Oma, Babysitter, bei Behördengängen oder als Umzugshelfer)

Wer das Gefühl hat, dass das etwas für ihn sein könnte, kann sich ganz einfach und ganz unverbindlich bei uns melden. Und dabei spielt es natürlich keine Rolle, ob Sie in Bayern wohnen oder woanders.

1000plus ist im Aufbruch. Und dabei können wir auf unsere wichtigste Ressource setzen, wie Kristijan Aufiero so treffend festgestellt hat: unser Herz. Wir lieben, was wir tun. Und wir wollen, was wir tun. Wir lieben die Frauen, mit denen wir Kontakt haben. Und wir wollen sie nie alleine lassen.

Machen Sie mit?!

 

1000plus redner

(U. a. sprachen auf dem 1000plus-Tag in München: v. l. Weihbischof Thomas Maria Renz, Schirmherrin Johanna Gräfin von Westphalen, 1000plus-Leiter Kristijan Aufiero;

Fotos: (C) Caroline Stollmeier)

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Wer A sagt…

Caroline Stollmeier am 26. Juni 2015

Ich habe schon länger den Verdacht, dass viele Menschenrechts- und Kinderrhilfsorganisationen eine Art Mindestalter für ihre Hilfe definieren: die Geburt. Um es ein bisschen genauer zu wissen, habe ich einige der großen Organisationen angeschrieben und – leider! – fast ausschließlich die erwarteten Antworten erhalten. Praktisch keine der Organisationen sieht es als ihre Aufgabe an, Schwangerschaftsabbrüche, die eine eklatante Verletzung des “Rechts auf Leben” und deshalb eine der häufigsten Todesursachen bei Kindern weltweit sind, zu verhindern. Im Gegenteil: Unter dem Stichwort “Müttergesundheit” kämpfen einige der Organisationen geradezu FÜR Abtreibungen.

Das Kinderhilfswerk UNICEF veröffentlicht, dass “täglich 17.000 Kinder sterben, bevor sie ihren fünften Geburtstag feiern können” und ruft in diesem Zusammenhang dazu auf: “Helfen Sie mit, Kinderleben zu retten!”

Nach Rückfrage bestätigt Rudi Tarneden, Abteilungsleiter Presse aus dem Bereich Kommunikation und Kinderrechte, dass von Abtreibung betroffene Kinder nicht mitgezählt wurden: “Bei den Zahlen zur Kindersterblichkeit handelt es sich um bestmögliche Schätzungen auf der Basis repräsentativer Haushaltsbefragungen und der Auswertung nationaler Statistiken. Fehlgeburten sind darin enthalten.”

“Das Überleben, die Entwicklung und der Schutz von Kindern sind die Kernaufgaben von UNICEF weltweit. In praktisch allen Entwicklungsländern und Krisengebieten führt UNICEF Programme durch, um die Überlebenschancen der ärmsten Kinder zu verbessern – zum Beispiel durch eine bessere Gesundheitsversorgung, bessere Hygiene, Impfprogramme und die Förderung des Stillens.

Die Arbeit beginnt aber schon vor der Geburt der Kinder. UNICEF leistet zum Beispiel Aufklärungsarbeit in Familien, damit diese ihre Töchter nicht früh verheiraten. Weiter werden in vielen Ländern nach dem Train the Trainer Prinzip Hebammen ausgebildet um die Betreuung von werdenden Müttern in der Schwangerschaft und bei der Geburt zu verbessern”, so Herr Tarneden. UNICEF tut zweifellos viele wichtige Dinge, um Kinder zu schützen und zu retten. Aber auch hier fällt auf, was nicht genannt wird: eine klare Positionierung für die Vermeidung von Abtreibungen und somit das Einstehen auch für ungeborene Kinder.

Cornelia Dernbach aus dem Pressereferat von terre des homes / Hilfe für Kinder in Not schreibt mir schlicht: “Die Frage der Rechte von ungeborenen Kindern gehört nicht in unser Betätigungsfeld, d.h. wir können keine Auskunft dazu geben.” Schade. Denn ich würde sagen, Kinder, deren Mütter aus welchem Grund auch immer nicht in der Lage sind ihnen den Schritt ins Leben zu ermöglichen, sind in Not und könnten Hilfe dringend gebrauchen.

Katharina Hopp vom Spenderservice des Save the Children Deutschland e.V. hingegen erläutert: “Das Thema Kinderrechte ist sehr komplex. Für Save the Children besteht zum Beispiel ein starker Zusammenhang zwischen den Überlebenschancen eines Kindes und der Müttergesundheit. Das heißt, wenn wir die Gesundheitssysteme und Angebote für werdende Mütter erweitern, dann steigen auch die Chancen für ungeborene Kinder lebend und gesund auf die Welt zu kommen. Save the Children setzt sich also weltweit dafür ein, die Mütter- und Kindersterblichkeit zu senken.” Bei diesem Ansatz gefällt mir besonders gut, dass das Wohl von Mutter UND Kind im Fokus ist, auch wenn mir der Schwerpunkt klar auf der Vermeidung von Früh- und Fehlgeburten zu liegen scheint.

Sara Fremberg, Pressereferentin von AMNESTY INTERNATIONAL, schreibt mir: “Als Menschenrechtsorganisation orientieren wir uns an internationalen Menschenrechtsabkommen bzw. den Aussagen entsprechender Gremien. UN-Gremien betonen, dass der Schutz des Fötus am besten durch die Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens schwangerer Frauen und Mädchen gewährleistet werden kann – etwa durch Programme zu einer umfassenden medizinischen Versorgung oder ausreichenden Ernährung von Schwangeren.

Internationale Menschenrechtsgremien haben festgestellt, dass rechtliche oder praktische Einschränkungen beim Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen gegen die Verpflichtung von Regierungen verstoßen, die Menschenrechte von Frauen und Mädchen zu schützen. So hat beispielsweise der UN-Ausschuss für die Beseitigung der Diskriminierung der Frau (Committee to Eliminate Discrimination against Women, CEDAW) im Fall eines selbstmordgefährdeten jungen Mädchens, dem ein Schwangerschaftsabbruch nach einer Vergewaltigung verweigert wurde, empfohlen, dass die Regierung Maßnahmen ergreifen muss, um den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen bei Vergewaltigung und Inzest zu gewährleiste. Amnesty hat in den vergangenen Jahren unter anderem Berichte zu derartigen Missständen in El Salvador und Irland veröffentlicht.”

Hierbei finde ich vor allem interessant, was in Frau Frembergs Antwort NICHT steht. Dazu passt auch die nach weiteren Recherchen schnell gefundene “globale Kampagne ‘My Body, My Rights'”, im Zuge derer sich “Amnesty für den Zugang zu sexuellen und reproduktiven Gesundheitsdienstleistungen, gegen diskriminierende Gesetze und für das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper” einsetzt. Sprich: freie Abtreibungen für alle! (Nicht nur für die genannten besonders tragischen Fälle.) Kein Wort über die Rechte ungeborener Kinder…

Einige Rückmeldungen von Hilfsorganisationen stehen immer noch aus. Nichtsdesdotrotz habe ich versucht herauszufinden, was von Seiten der verschiedenen Menschen- und Kinderrechtsorganisationen gezielt zur Unterstützung von ungewollt Schwangeren (und damit ihrer Kinder) unternommen wird. Kein besonders fruchtbares Unterfangen … Wem solche Hilfsangebote bekannt sind, der kann sie gerne als Kommentar unten posten. Ich bin dankbar für solche Hinweise!

Viele Organisationen schließen sich der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen an, durch die Kinderrechte als unverrückbare Menschenrechte in der ganzen Welt verankert werden sollen. Manchmal wird davon ausgegangen, dass die Kinderrechtskonvention erst mit der Geburt des Kindes in Kraft tritt. Allerdings definiert das “Übereinkommen über die Rechte des Kindes” ein Kind lediglich als “jeder Mensch, der das achtzehnte Lebensjahr noch nicht vollendet hat, soweit die Volljährigkeit nach dem auf das Kind anzuwendenden Recht nicht früher eintritt.” Der Beginn des Kindseins wird nicht explizit erläutert. Allerdings heißt es in Artikel 2: “Die Vertragsstaaten achten die in diesem Übereinkommen festgelegten Rechte und gewährleisten sie jedem ihrer Hoheitsgewalt unterstehenden Kind ohne jede Diskriminierung unabhängig von (…) der Geburt oder des sonstigen Status des Kindes(…).” Man sollte doch meinen, das bedeutet, dass ein Kind nicht diskriminiert werden darf, nur weil es noch nicht geboren wurde, oder?

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Jede Organisation hat selbstverständlich das Recht ihr Betätigungsfeld selbst zu definieren und einzugrenzen. Weder eine Organisation noch eine Privatperson rettet die Welt alleine. Und JEDES Bemühen darum Müttern und Kindern wirksam zu helfen ist ehrenwert. Natürlich. Aber wenn es um grundsätzliche Zusammenhänge geht, dann gilt: Wer A sagt, der muss auch A sagen! Ein Mindestalter für Kinderrechte darf es nicht geben!

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Alexandra

Caroline Stollmeier am 2. Juni 2015

Vor etwa zwei Wochen schrieb mir Kristijan Aufiero, der Vorsitzende des Vereins Pro Femina, von Alexandra*, einer jungen Frau, die gerade im Kontakt mit unseren Beraterinnen stand:

“Sie ist bereits in der 18. Schwangerschaftswoche und steht unmittelbar vor der schrecklichen Frage, eine Spätabtreibung in Holland durchführen zu lassen oder nicht.

Mit dem Vater ihres Kindes lebt Alexandra seit zwei Jahren zusammen – gegen den Willen seiner Familie. Doch man hatte die Beziehung toleriert, solange sie nicht schwanger würde. Als sie nun vor einigen Wochen die Schwangerschaft feststellte, war er sofort für eine Abtreibung, doch sie wünschte sich das Baby.

Um die 12. Woche herum eskalierte die Situation, er übte so massiven Druck auf sie aus, dass sie doch einen Abtreibungstermin vereinbarte. Am Abend vorher sollte sie die vorbereitenden Tabletten nehmen und sie weinten beide bitterlich. Schließlich vernichtete ihr Freund die Tabletten und sagte: „Wir schaffen das schon irgendwie!“

Leider war dies noch nicht das glückliche Ende dieses Konflikts. Seit seine Familie von der Schwangerschaft weiß, sind Alexandra und ihr Freund massiven Drohungen ausgesetzt. In seiner Angst gibt er diesen Druck an seine Freundin weiter: Sie soll ihr gemeinsames Kind „wegmachen lassen“.

Zu diesem Zeitpunkt hat Alexandra niemanden an ihrer Seite: Ihre Mutter ließ sie in frühester Kindheit im Stich, mit ihrem Vater hat sie vor Jahren gebrochen. Freunde, auf deren Unterstützung sie zählen könnte, gibt es nicht. Sie hatte bereits mehrere Gespräche in einer Beratungsstelle vor Ort. Dort wurde sie zunächst auch bestärkt, sich gegen die Familie ihres Freundes zur Wehr zu setzen. Doch zuletzt wurde ihr gesagt: „Sortieren Sie erst Ihr Leben, bevor Sie die Verantwortung für ein neues Leben übernehmen.“

Seit drei Wochen sind unsere Beraterinnen im intensivsten Kontakt mit Alexandra. Wir ringen in dieser Minute darum, dass die junge, verzweifelte Frau doch ihrem Herzen und ihrem innigsten Wunsch folgen kann. Es schnürt mir das Herz zu, wenn ich ihre hoffnungslosen Worte lese: „Alle sind gegen mich und ich bin ganz alleine.“

Wir hoffen, durch unsere Beratung Alexandra das Gefühl geben zu können, nicht allein auf der Welt zu sein. Wir haben ihr inzwischen jegliche Hilfe und Unterstützung zugesichert. Doch welche Entscheidung sie treffen wird, wissen wir zu diesem Zeitpunkt nicht.”

Ich weiß, dass in der Zwischenzeit viele Menschen für Alexandra gebetet haben und ihr alles erdenklich Gute gewünscht haben. Letzte Woche dann bekam ich eine weiter Nachricht von Kristijan Aufiero, in der es um Alexandra ging:

“Gestern kurz nach Mitternacht erreichte uns die erschütternde Nachricht, dass Alexandras Baby nicht mehr lebt.

Dies sind Alexandras Zeilen an unsere Online-Beraterin:

„Liebe Anna,

auch wenn ich dir nicht immer schreiben kann, sollst du wissen, dass ich dir unheimlich dankbar bin, dass du mir in den letzten Wochen zugehört hast und mir helfen wolltest.

Letzten Freitag war die Abtreibung in Holland.

Es war schrecklich und das ist es auch immer noch. Ich denke, ich werde eine Zeit brauchen mich damit abzufinden, dass mein Kind tot ist. Ich bin jetzt nicht mehr schwanger.

Ich hoffe so sehr, dass mein Kind mir verzeihen kann. Ich hoffe, ich werde trotzdem noch irgendwann Kinder bekommen können… es wird aber nie wieder dieses Kind sein. Es ist tot. Und es war meine Schuld. Eine Mutter kämpft für ihr Kind. Aber ich konnte es einfach nicht…

Ich wünsche dir einen schönen Abend. Und danke trotzdem, für alles.“

Dies ist so furchtbar und so erschütternd, dass mir in diesem Augenblick die Worte fehlen, all das auszudrücken, was ich empfinde.”

So ging es mir tagelang auch. Aber die Gedanken an Alexandra haben mich nicht mehr los gelassen. Über sie und die mehr als 100.000 Frauen, die in jedem Jahr in Deutschland aus ähnlichen oder ganz anderen Gründen keine Alternative zur Abtreibung sehen, darf nicht geschwiegen werden!

Wir hätten Alexandra nur zu gerne ermöglicht, was ihr Herz ihr ohnehin geraten hat. Aber der Druck aus ihrem Umfeld war einfach zu groß. Natürlich hören wir nicht auf für sie zu beten, an sie zu denken und ihr zu wünschen, dass sie einen Weg erkennt mit ihrem Schmerz umzugehen.

Wir haben unter anderem einen monatlichen Gebetsbrief für die Schwangeren, mit denen wir in Kontakt stehen. Wer sich uns im Gebet anschließen oder uns auf andere Weise helfen möchte, kannhier einfach mit uns Kontakt aufnehmen. Auch wenn wir uns für Alexandras Geschichte eine glücklichere Wendung gewünscht haben, vertrauen wir darauf, dass unsere Gebete gehört werden.

Ich möchte Alexandra und alle Frauen, die ähnliches erlebt haben, ermutigen: Es gibt keinen Menschen ohne Schuld. Versucht zuerst Euch selbst zu verzeihen. Und vielleicht wird so irgendwann Euer größter Fehler zu Eurer wichtigsten Botschaft. Es gibt Menschen, die Euch lieben – auch ohne Euch zu kennen. Es stimmt nicht, dass alle gegen Euch sind. Ihr seid nicht alleine.

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* Name selbstverständlich geändert

 

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