Archiv für die Kategorie 'Glaube | Religion'

Fastenzeit – Leidenszeit?

Caroline Stollmeier am 1. März 2017

Der Aschermittwoch ist für Christen ja irgendwie so ähnlich wie der erste Januar für alle. Es ist die Zeit der „guten Vorsätze“, die häufig etwas mit Verzicht zu tun haben. Das Gute an der Fastenzeit ist: sie dauert „nur“ 40 Tage. Aber auch die können lang werden…

Das ist jetzt nur eine Meinung und kein Dogma, aber ich finde, dass die Fastenzeit eine sehr persönliche Sache ist. So wie damals, als Jesus in die Wüste gegangen ist: Es ging nur um ihn und um den Vater. Und daraus konnte Wundervolles entstehen.

Bestimmt ist es gut, ganz oder teilweise auf Dinge zu verzichten, die einem schaden oder die einen über Gebühr in Anspruch nehmen. (Das allerdings nicht nur bis Ostern…) Aber die Fastenzeit ist mehr als eine Diät. Sie ist ein Raum, in dem Neues entstehen kann.

Ich stelle mir das so vor wie mit einem überwucherten Garten. Wenn man möchte, dass dort im Frühjahr schöne Blumen oder schmackhaftes Gemüse wachsen, dann muss man vorher eine kleine Ecke oder ein ganzes Beet frei räumen von Unkraut, Steinen und sonstigen Störenfrieden. Erst dann hat die neue Saat eine Chance aufzugehen.

Insofern ist die Fastenzeit nicht nur eine Zeit des Verzichts, sondern auch der Befreiung.

Ich finde es vollkommen in Ordnung, wenn Menschen sagen, dass und wie sie fasten. Aus verschiedenen Gründen: Ich nehme an, es motiviert sie zusätzlich, wenn sie sich auf diese Weise eine „Kontrollgruppe“ geschaffen haben. Außerdem sind sie so vielleicht auch eine Inspiration (aber zumindest eine Erinnerung) für andere.

Andererseits warnt uns die Bibel davor, zu viel Aufhebens vom eigenen Fasten zu machen: „Wenn ihr fastet, dann setzt keine Leidensmiene auf wie die Scheinheiligen. Sie machen ein saures Gesicht, damit alle Welt merkt, dass sie fasten. Ich versichere euch: Sie haben ihren Lohn schon kassiert.“ Sie dürfen deshalb unter Umständen keinen Lohn von Gott mehr erwarten. Und das ist ja irgendwie nicht Sinn der Sache…

Wie gesagt, letztlich ist Fasten seine sehr persönliche Sache. Es dient am Ende dem Guten, wenn es in der richtigen Haltung praktiziert wird. Aber niemand kann einem anderen ins Herz schauen. Und deshalb finde ich Diskussionen (und seien sie auch noch so theoretisch) drüber, ob jemand richtig fastet oder nicht, völlig überflüssig.

Eine meiner Bekannten teilte heute über ihr Facebook-Profil mit: „Fastenzeit: Ich verzichte auf Dinge, die mich traurig machen, Menschen, die mir mein Lächeln rauben, Gedanken, die meinen Weg blockieren.“ So kann man es auch machen.

Vielleicht habt Ihr ja mal Lust von Euren Erfahrungen mit dem Fasten zu erzählen? (Und damit es keine Missverständnisse oder Bauchschmerzen gibt, denkt dabei doch einfach an zurückliegende Jahre und nicht an heute!) Vielleicht könnt Ihr so andere Menschen inspirieren und ermutigen, die Liebe und das Wirken Gottes ganz neu zu erfahren.

Ich werde selber gleich mal den Anfang machen…

 

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Der heilige Josef als Erzieher

Harald Stollmeier am 2. Februar 2017

Stellen Sie sich vor, Sie sind mit Ihrem zwölfjährigen Kind in Rom. Bei der Heimreise, auf dem Weg zum Flughafen ist Ihr Kind bei Freunden in der Pilgergruppe. Aber beim Check-in ist es weg. Sie verpassen das Flugzeug und suchen Ihr Kind überall. Am Abend verschwitzt und verzweifelt, gehen Sie zum Petrusgrab, um dort zu beten. Und wer plaudert vor dem vatikanischen Postamt angeregt mit zwei Bischöfen? Richtig: Ihr altkluger Adoptivsohn. Von Ihrer Frau zur Rede gestellt, teilt er Ihnen beiden mit, es sei doch klar gewesen, dass er im Haus seines Vaters habe sein müssen.

Im Lukasevangelium (2, 41-52) steht eine ähnliche Geschichte, ergänzt um die dürren Worte, Jesus sei mit Maria und Josef heimgekehrt und ihnen gehorsam gewesen. Die Information, dass Maria dieses Ereignis in ihrem Herzen bewahrte, ist die Quellenangabe – Lukas kann ja die Geschichten über Geburt und Kindheit Jesu, wenn er sie nicht erfunden hat, nur von Maria selber haben.

Wie würden Sie Ihrem altklugen (Adoptiv-) Sohn begreiflich machen, das sein Verhalten unangebracht war? Falls Sie nicht vorhaben, einfach vor ihm auf die Knie zu fallen und ihn zu preisen, was in den meisten Erziehungssituationen wenig adäquat wäre. Ich selbst sähe mich in meiner eigenen Vaterrolle dazu nicht in der Lage. Dennoch hatte der Beichtvater recht, der mir vor kurzem riet, bei Stress mit meinen Kindern in ihnen das Jesuskind zu sehen und mein Verhalten ihnen gegenüber daran auszurichten. Wie leicht ist man doch zu unfreundlich oder gar zu grob!

Der heilige Josef, ein gerechter und besonnener Mann, der noch dazu wusste, dass es mit seinem Adoptivsohn eine göttliche Bewandtnis hatte, wird wohl eher nicht daran gedacht haben, den Zwölfjährigen an den Ohren aus dem Tempel zu ziehen. Andererseits schreibt Lukas, das Jesus fortan gehorsam gewesen sei: Von diesem Zeitpunkt an verschwindet er für geschlagene achtzehn Jahre aus der Öffentlichkeit, und eingesperrt hat der heilige Josef ihn wohl nicht. Wie hat er das also erreicht?

Zu Beginn seines öffentlichen Wirkens nimmt Jesus an einer Hochzeit teil, der Wein ist ausgegangen, und Maria bittet ihren Sohn um Hilfe; jedenfalls versteht er sie so, und er weist sie zurück. Mit der Aussage: “Meine Stunde ist noch nicht gekommen” (Johannes 2,4). Wenige Minuten später sieht er das anders und sorgt für erstklassigen Wein im Überfluss.

Wahrscheinlich ist der Wortlaut der Reaktion Jesu ein achtzehn Jahre altes Echo des heiligen Josef. Dieser wird seinem Adoptivsohn seinerzeit die Eingangsverse aus dem dritten Kapitel des Buches Kohelet/Prediger vorgetragen haben: “Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine Zeit.” Der Anerkennung des göttlichen Auftrags Jesu hätte Josef jedenfalls seinen eigenen göttlichen Auftrag gegenüberstellen können und die Überzeugung, dass dieser noch nicht erfüllt war: “Deine Stunde ist noch nicht gekommen.”

Was auch immer der göttliche Auftrag meiner Kinder ist – mein eigener lautet ziemlich sicher, sie zu schützen und dazu beizutragen, dass ihre Weisheit zunimmt und sie Gefallen finden bei Gott und den Menschen (Lukas 2, 52).

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In guten wie in schlechten Zeiten

Caroline Stollmeier am 24. Januar 2017

Vorhin ist mir Gal 5,6 aufs Herz gelegt worden: „Es zählt nur der vertrauende Glaube, der sich in tätiger Liebe auswirkt.“ Genau heute vor einem Jahr bin ich einen großen Glaubensschritt gegangen, und deshalb hat dieser Satz heute eine ganz besondere Bedeutung für mich. Aber strahlt er nicht auch in Euer Leben?

In einem Alltag, in dem Glaube, Liebe und (gute) Taten im Mittelpunkt stehen, ist kaum noch Platz für Angst, Zweifel, Neid und miese Stimmung. Natürlich ist man mal müde, und man kann nicht immer gut drauf sein. Aber was gibt uns Kraft? Wofür machen wir das alles? Was zieht uns runter? Und was baut uns auf?

„Vertrauender Glaube“ – ist das nicht irgendwie doppeltgemoppelt?

Glaube ist Vertrauen.

Weil es zunächst keine „Beweise“ gibt. Weil man einen Vorschuss gibt, (vermeintlich) ohne eine vertragliche Gegenleistung. Und weil Glaube und Misstrauen sich einfach nicht vertragen.

Vertrauen ist Glaube.

Weil man Vertrauen nicht anfassen kann. Weil Vertrauen zwar die Hoffnung auf eine Erwiderung beinhaltet, aber keinen einklagbaren Anspruch. Und weil Vertrauen eine Zuversicht ist, die über die Vernunft hinausgeht.

„Vertrauender Glaube“ – die unumstößliche Gewissheit, dass es etwas, dass es jemanden gibt, der es gut mit einem meint, und mit dem im Team man die eigenen Geschicke besser lenken kann, als man alleine dazu in der Lage wäre. Auch wenn man manches alleine vielleicht ganz anders gemacht hätte…

Vertrauen beinhaltet auch, dass man manchmal akzeptiert, dass man nicht selber das letzte Wort hat. Vor allem aber auch, dass man sich nicht dagegen wehrt, dass ein Anderer einem Gutes tut.

Bestimmt ist jeder von uns – und nicht nur einmal – von Menschen schon zutiefst enttäuscht worden. Diese Enttäuschung wiegt noch schwerer, wenn es Menschen waren, denen man vertraut hat, die man für Freunde gehalten hat. Daraus lernt man. Manchmal lernt man aber eben auch zu viel: nämlich niemandem mehr zu vertrauen. Und damit letztlich auch seinen Glauben zu verlieren?

Einer hat uns allen versprochen, dass er immer nur das Beste für uns will. Und deshalb hat Er uns Sein Bestes geschenkt: Seinen eigenen Sohn. Sein Vertrauen in uns war und ist maßlos. Obwohl Er weiß, wie schwer es uns fällt, dem auch gerecht zu werden. Und dennoch vertraut Er uns und glaubt an uns.

In diesem Sinne ist Er in Vorleistung gegangen. Ist es da nicht das Mindeste, Vertrauen mit Vertrauen zu erwidern, Glaube mit Glauben zu begegnen?

Auch wenn wir nicht verstehen, was an einer Sache, einem Erlebnis, einer Begegnung gut sein soll, so dürfen wir doch vertrauen, dass etwas Gutes dahintersteckt. Und ist es nicht manchmal auch eine Befreiung, nicht alles verstehen zu müssen, sondern sich einfach nur bewahrt zu wissen?

Es ist die Liebe Gottes, die uns umfängt, uns schützt und segnet, uns aufrichtet und vorangehen lässt – wenn wir sie in unserem Leben zulassen. Und wenn wir nicht nur bereit sind sie anzunehmen und wirken zu lassen, sondern auch sie weiter zu geben und unsere Mitmenschen spüren zu lassen. Was wir verschenken, wird uns nicht fehlen. Das gilt für Zeit, Zuneigung aber auch für Geld und andere Dinge.

Wenn wir spüren, dass Gott uns einen Auftrag gibt, dass Er uns herausfordert, dass Er uns eine Chance gibt Sein Werk in dieser Welt fortzuführen, dann wird Er uns im Gegenzug auch Ressourcen, Fähigkeiten und Gleichgesinnte schenken, damit wir diesen Auftrag erfüllen können. Gott hat keinen Spaß daran uns scheitern oder aufgeben zu sehen. Er freut sich an unserer Freude am Gelingen und beflügelt uns.

Alles, was zählt ist der Glaube und eine Liebe, die sich in Taten äußert. Und daneben wird alles andere unwichtig, nebensächlich, austauschbar. Letztlich ist Glaube eine Entscheidung, die wie ein Wagnis daherkommt, aber die größte Chance von allen ist.

 

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So etwas bekommt man nicht alle Tage

Caroline Stollmeier am 23. Dezember 2016

Oder: Welcher Weihnachtskarten-Typ bist Du?

„5x lieben Dank für eure alljährliche tolle Weihnachtskarte, diesmal sogar mit Überraschung…!!! Wir haben uns riesig gefreut, so etwas bekommt man ja nicht alle Tage… Schon gar nicht heutzutage. Euch wünschen wir natürlich auch ganz schöne und fröhliche Feiertage und hoffen, dass wir bald vielleicht doch `mal wieder ein Treffen zustande bekommen…“ Das und noch mehr Liebes stand in der Weihnachtskarte, die wir von langjährigen Freunden bekommen haben. Und als ich das gelesen habe, ist mir wieder neu klargeworden, wie Recht sie damit haben: so etwas bekommt man nicht alle Tag, vor allem nicht heutzutage.

Unsere ganze Familie liebt Weihnachtskarten! Wir freuen uns nicht nur über jede einzelne, die wir bekommen, sondern es macht uns auch große Freude, zahlreiche Karten selber zu schreiben. Und bei allem, was im Advent sonst zu tun ist, finden wir immer die Zeit, unsere Karten und Überraschungen vorzubereiten und mehr oder weniger rechtzeitig vor Weihnachten zu verschicken oder zu verteilen.

Wir finden es auch bedauerlich, dass es uns nicht gelingt, unsere Lieben so oft zu sehen, wie wir gerne möchten. Aber trotzdem sind sie irgendwie immer bei uns. Und mindestens zu Weihnachten wollen wir das gerne auch mal wieder sagen oder besser gesagt: schreiben. In jeder Weihnachtskarte steckt deshalb auch ein kleines Stückchen unserer Herzen.

Wir wissen, dass es unter unseren Freunden manche gibt, die „aus Prinzip“ keine Weihnachtskarten schreiben. Das macht nichts. Wir wissen, dass es unter unseren Freunden manche gibt, die es einfach nicht schaffen Weihnachtskarten zu schreiben. Das macht auch nichts. Wir freuen uns einfach, dass noch nie jemand unsere Weihnachtskarten „abbestellt“ hat, sondern jeder sich einfach freut.

Genau das ist es, was ich an Weihnachten mag – auch wenn es kitschig klingt: nur die Liebe zählt. Und Liebe ist kein Geben und Nehmen, sondern ein Geschenk. Das gilt zwar nicht nur für Weihnachten, sondern immer, aber in diesen Tagen ganz besonders.

Deshalb finde ich es auch so wunderbar, dass nicht zuletzt mit der Hilfe von 1000plus in diesem Jahr 3500plus Frauen und ihre Kinder die Chance bekommen haben, selber heraus zu finden, was Weihnachten für sie bedeutet und beispielsweise auch, welcher Weihnachtskarten-Typ sie sind…

Und auch, wenn man mal nicht weiß, wie man sich ausdrücken soll, so ist doch eigentlich nur eins wichtig: dass die Liebe im Leben immer das letzte Wort hat. Heutzutage. Morgen. Und immer.

 

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In der Weihnachtsbäckerei

Caroline Stollmeier am 23. Dezember 2016

Oder: Welcher Plätzchen-Typ bist Du?

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Zugegeben, mir geht es schon ziemlich auf den Keks, wenn meine Kinder in Endlosschleife „In der Weihnachtsbäckerei“ singen. Obwohl sie von Jahr zu Jahr besser darin werden. Das vorbeifliegende Ei haben sie inzwischen sogar schon richtig gut drauf, ebenso wie das Bedauern über den verbrannten Teig…

Bei aller Verwunderung über Weihnachtsartikel im Spätsommer freue ich mich doch alle Jahre wieder, wenn ich die ersten Zimtsterne in den Supermarktregalen entdecke. Und bei allem, was es im Advent sonst zu tun gibt, backe ich auch gerne zwischendurch selber Weihnachtsplätzchen.

Mein absolutes Lieblingsrezept geht so: 300 g Mehl, 250 g Butter, 100 g Zucker, 100 g gemahlene Mandeln, 1 TL Zimt, 1 TL Kakao mit etwas Nelken und Kardamom gründlich verkneten, den Teil ruhen lassen, ausrollen und Plätzchen ausstechen. Meistens lässt sich der Teig sehr gut verarbeiten (wenn er nicht zu kalt geworden ist) und die Motive behalten auch beim Backen ihre Form. Anschließend verklebe ich noch jeweils zwei Kekse mit etwas Johannisbeergelee und streue Puderzucker drüber. Diese Plätzchen sehen nicht nur toll aus, sondern sie schmeckt auch super!

Ist alles Geschmacksache, ich weiß.

Aber genau das ist es, was ich an Weihnachten mag – neben der eigentlichen Bedeutung versteht sich! Jede Familie hat ihre eigenen geheimen oder traditionellen oder einfach nur schnellen Plätzchen-Rezepte (oder weiß wo man die leckersten Kekse kaufen kann). Weihnachtsplätzchen braucht man nicht wirklich. Aber sie duften so herrlich. Und unsere Nase hat nun einmal das beste Gedächtnis. Egal, welcher Plätzchen-Typ man ist, vor Weihnachten wird man doch gerne mal zum niedlichen Krümmelmonster.

Ich finde es wunderbar, dass mit der Hilfe von 1000plus in diesem Jahr 3500plus Frauen und ihre Kinder die Chance bekommen haben, ihre ganz eigenen Rezepte für eine gemeinsame Weihnachtszeit zu (er)finden. Vielleicht brennt mal was an. Und nicht immer gelingt alles perfekt. Aber es kommt doch auf das Wesentliche an, nämlich, dass die Liebe und das Leben das letzte Wort haben – nicht nur zu Weihnachten.

 

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Weihnachtsbaum des Grauens

Caroline Stollmeier am 22. Dezember 2016

Oder: Welcher Tannenbaum-Typ bist Du?

Ein besonderer Freund von mir flippt beim Thema „O Tannenbaum“ förmlich aus. Und das, obwohl er inzwischen – und jetzt muss ich aufpassen, dass ich nichts Unfeierliches sage – gereiften Alters ist. Beim kleinsten Weihnachtsbaum packt ihn das kalte Grauen. Und letztens hat er mir endlich einmal erklärt, warum das so ist…

In seiner Familie gab es früher eine bestimmte Tradition, die ihm die Freude am Immergrünen gänzlich verdorben hat: die Männer der Familie schmückten an jedem 24. Dezember den Baum – und tranken zu jeder aufgehängten Kugel einen Schnaps. Man kann sich also leicht vorstellen, wie der weitere Verlauf war: der Heiligabend uferte in Streit und Schlimmerem aus. In jedem Jahr seiner Kindheit. Und auch noch danach.

Solche „Traditionen“ waren mir bis vor kurzem unbekannt. Gott sei Dank. Aber auch ich stehe dem Thema „Weihnachtsbaum“ ziemlich zwiegespalten gegenüber. Einerseits finde ich geschmückte Tannenbäume (meistens) schön und sie gehören zum Weihnachtsfest irgendwie dazu. Andererseits tun mir die unzähligen Tannenbäume leid, die in jedem Jahr für die kurze Freude „dran glauben müssen“ und nach wenigen Tagen achtlos auf die Straße geworfen werden.

Ich bin nicht so sehr geprägt vom Schnaps, dafür aber um so mehr vom Märchen „Der Tannenbaum“ von H. C. Andersen, in dem es um einen kleinen Tannenbaum geht, der jahrelang vom Weihnachtsfest und von den Menschen träumt, bis er eines Tages endlich in der Stube glänzen darf, aber nach wenigen Tagen entsorgt und vergessen wird. Und mit seinen letzten sehnsuchtsvollen Gedanken wünscht er sich nur noch zurück in seinen Wald, um wieder sein sorgenfreies Leben zu genießen. Das ist natürlich nicht mehr möglich…

Für dieses Dilemma gibt es in unserer Familie allerdings schon seit Jahrzehnten eine annehmbare Lösung: wir verwenden einfach einen künstlichen Tannenbaum, der allerlei Vorteile bietet. Vor allem den, den unsere Kinder schon früh herausgefunden haben: der Weihnachtsbaum ist quasi allzeit bereit und kann ohne größere Vorbereitungen auch schon ein paar Tage vor dem Heiligen Abend aufgestellt werden – und vorfreudige Stimmung verbreiten.

Geschmackssache, ich weiß.

Aber genau das ist es, was ich an Weihnachten mag – neben der eigentlichen Bedeutung versteht sich! Jeder – egal, welche guten oder vielleicht auch nicht so guten Erfahrungen er bisher mit dem Fest gemacht hat, hat die Chance es (noch) besser zu machen. In der Besinnung auf das Wesentliche ist es in jeder Familie, in jedem Jahr aufs Neue möglich, Weihnachten zu einem Fest der Liebe zu machen. Unsere Erfahrungen prägen unsere Vergangenheit, aber wir können entscheiden, ob sie unsere Zukunft bestimmen.

Weihnachten gibt jedem Menschen, jeder Familie immer wieder die Chance, neu anzufangen und sich für alles zu entscheiden, was er oder sie gerne (sein) möchten. Beispielsweise auch, welcher Tannenbaum-Typ man ist.

Wie wunderbar, dass durch 1000plus in diesem Jahr 3500plus Frauen und ihre Kinder genau diese Erfahrung ermöglicht wurde. Damit die Liebe das letzte Wort hat und Weihnachten auch für sie das Fest des Lebens wird:

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Der Tag nach Halloween

Caroline Stollmeier am 23. Oktober 2016

Wir haben in unserer Familie einen selbstetablierten Brauch zu Allerheiligen: Wir suchen gemeinsam mit unseren Kindern einen Friedhof aus, den wir gemeinsam besuchen, sobald es dunkel wird. „Bewaffnet“ sind wir dabei mit Taschenlampen und einer ganzen Kiste voller Grablichter (die mit dem Blechdeckel drauf).

Bereits Tage vorher beginnen unsere Vorbereitungen. Es gilt zu entscheiden, welcher Friedhof es in diesem Jahr werden soll. Gelegentlich ist es einer, auf dem Gräber von verstorbenen Angehörigen sind. Aber das ist nicht ausschlaggebendes Kriterium. Früher war es etwas leichter, als wir noch neben einem Friedhof gewohnt haben. Aber die letzten Jahre haben uns auch auf Friedhöfe geführt, auf denen wir nie zuvor gewesen sind. Wir besorgen die Lichter, suchen nach unseren Taschenlampen und besprechen erneut den Plan.

Wenn wir unterwegs sind, halten wir alle Ausschau nach verwilderten, offensichtlich ungepflegten Gräbern. Natürlich wissen wir nichts über die Menschen, die dort begraben sind, und ihre Angehörigen. Aber wir sprechen darüber, dass es nicht unbedingt Nachlässigkeit oder Groll sein muss, weswegen sich niemand um diese Gräber kümmert.

Es könnte ja auch einfach sein, dass die Menschen gestorben sind, ohne Angehörige und Freunde zu hinterlassen – was sehr traurig wäre. Oder die Familien wohnen inzwischen einfach zu weit weg. Auf manchen Friedhöfen gibt es über 100 Jahre alte Gräber. Das sind vielleicht die letzten Spuren dieser Menschen in dieser Welt – von anderen existieren oft nicht einmal welche. Auch das ist irgendwie eine traurige Vorstellung.

Aber alles in allem ist es trotzdem jedes Mal ein schönes Erlebnis für uns. Denn wir zünden auf den verwahrlosten Gräbern unsere Lichter an, und freuen uns, wenn inmitten des Gestrüpps eine kleine Flamme aufleuchtet. Manchmal schließen wir damit die einzige dunkle Lücke in einem Gang voll geschmückter, erleuchteter Gräber und heben so für ein paar Stunden den vergessenen Eindruck auf, den dieses Grab macht.

Wir stellen uns vor, wie später am Abend vielleicht doch noch ein alter Freund des Verstorbenen vorbei kommt und froh ist, das er nicht der einzige ist, der das Grab besucht. In manchen Fällen hat der oder die Verstorbene es nach menschlichen Maßstäben vielleicht sogar verdient, vergessen zu werden. Aber auch davon wissen wir ja nichts. Wir wünschen uns einfach, dass niemand verloren geht. Und gerade deshalb zünden wir diese Lichter an.

Wir glauben nicht, dass die Verstorbenen wirklich in den Gräbern liegen. Aber die Symbolik von Gräbern und Friedhöfen ist einfach da. Doch es gibt noch so viel mehr als an Allerheiligen teuren Blumenschmuck auf die Gräber zu legen (oder ein schlechtes Gewissen zu bekommen, weil man sich den nicht leisten kann oder gerade absolut keine Zeit dafür hat).

Bei unseren Allerheiligen-Friedhofbesuchen fühlen wir uns Gott und den Verstorbenen für kurze Zeit besonders nah. Es ist schön, Licht zu sein in dieser Welt. Und es macht Spaß, etwas von dieser Liebe auszugießen, die kein Ziel hat und keinen Anlass. Das verstehen sogar schon die Kinder mit einer Intuition, die viele Erwachsene verloren haben.

Natürlich ist es nach Einbruch der Dunkelheit auch ein bisschen gruselig auf dem Friedhof. Aber an Allerheiligen ist man dort nie alleine und kann auch manchmal etwas beobachten, das auf den ersten Blick mindestens so verwunderlich scheint, wie unsere eigene Aktion: Familien, die am Grab ihrer Angehörigen picknicken und bunte Laternen aufgehängt haben, zum Beispiel. Und die Kinder rechnen doch irgendwie immer noch ein bisschen damit, einem kleinen Gespenst zu begegnen…

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Einheit und Frieden. Oder?

Caroline Stollmeier am 23. Februar 2016

!Vorsicht Meinung!

 

Welche Rolle spielt der Geist Gottes in Eurem Leben? Welche Rolle spielt er in Deinem Leben?

Der Geist Gottes macht alle Christen zu Brüdern und Schwestern: “Alle, die sich vom Geist Gottes führen lassen, die sind Gottes Söhne und Töchter.” (Röm 8,14) Und als solche, stehen wir nicht mehr unter dem Zwang, unserer selbstsüchtigen Natur zu folgen. (Röm 8,12)

Das ist eine große Chance. Wir stehen nicht mehr unter dem Zwang, unserer selbstsüchtigen Natur zu folgen. Das heißt, wir haben eine Wahl. Wir können alles laufen lassen, wie es ist – Geist hin oder her. Aber wir können ihn auch um seine Hilfe bitten, und dann kommt er.

Die Selbstsucht der Menschen hat tausend Gesichter. Sie zieht sich durch alle Bereiche das Lebens. Natürlich auch bei Christen. Ich denke an dieses spontane Gefühl, dass man doch eigentlich ein viel besserer Christ ist als der da drüben. Oder wenn man eifersüchtig wird, weil eine andere Gemeinde viel mehr Mitglieder gewinnen kann als die eigene…

Es heißt aber, dass jeder von uns so leben soll, dass die Gemeinschaft der Christen gefördert und Gemeinde aufgebaut wird. (Röm 15,2) DIE Gemeinschaft, DIE Gemeinde – insgesamt – nicht eine bestimmte! Und wir sollen nicht in Streit geraten über verschiedene Auffassungen und Rituale. (Röm 14,1) So weit es möglich ist, und da, wo es auf uns ankommt, sollen wir den Frieden untereinander bewahren. (Röm 12,18)

Wir wünschen uns doch alle, dass möglichst viele Menschen gerettet werden, oder? Jeder von uns kann für Andere eine Sprosse auf der langen Leiter in den Himmel sein. Lasst nicht zu, dass beobachtbar eifersüchtiges, selbstsüchtiges oder überhebliches Verhalten Andere davon abhält, auch nur die unterste Sprosse zu betreten oder auf halber Höhe wieder abzuspringen! Und schubst um Himmels willen nicht sogar jemanden hinunter!

“Hören wir also auf, uns gegenseitig zu verurteilen! Seid viel mehr kritisch gegen euch selbst, wenn ihr euch im Glauben stark fühlt, und vermeidet alles, was einem Bruder oder einer Schwester Anstoß bereiten oder sie zu Fall bringen kann.” (Röm 14,13) Ich finde das ziemlich klar und eindeutig.

Am Ende wir sich jeder Einzelne von uns für sein Tun verantworten müssen. (Röm 14,12)

Wir alle sind Gottes Söhne und Töchter. Wir alle sind dadurch Brüder und Schwestern. Jeder Christ. Egal zu welcher Kirche oder Gemeinde er gehört. Wir dürfen uns nicht entzweien an Stilfragen oder Ritualen. Und schon gar nicht dürfen wir auf einander herabsehen.

Klar gibt es die, die “reifer” im Glauben sind. Aber insbesondere die haben die Pflicht, andere Menschen mit einem schwacheren Glauben mitzutragen, anstatt selbstgefällig nur an sich zu denken. (Röm 15,1)

Welche Rolle spielt der Geist Gottes in Deinem Leben?

ALLE, die sich vom Geist Gottes führen lassen, sind Brüder und Schwestern. Wir stehen nicht mehr unter dem Zwang, unserer selbstsüchtigen Natur zu folgen. Und jeder für sich ist für sein eigenes Tun verantwortlich. Lasst uns einander also annehmen, so wie Christus jeden von uns angenommen hat. DAS dient zum Ruhm und zur Ehre Gottes! (Röm 15,7)

 

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Nationales an der Krippe

Harald Stollmeier am 19. Dezember 2015

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Klassische Krippendarstellung mit eindeutig afrikanischem Weisen.

 

Im November und Dezember 2015 machte ein Plakat mit Argumenten gegen Fremdenfeindlichkeit die Runde. Es verwies unter anderem auf die Verehrung eines römischen Soldaten, eines türkischen Bischofs und eines aramäischen Wanderpredigers. An dieser Botschaft ist etwas richtig, etwas falsch und etwas ungesagt.

Richtig ist, dass unsere Kultur (“Abendland”) ohne ihre morgenländischen und sonstwie exotischen Bestandteile schal und langweilig wäre. Das gilt nicht nur für den Adventskalender sondern auch für die Schokolade darin.

Falsch ist in mehreren Fällen die Zuordnung der Nationalität. Das stört am meisten beim aramäischen Wanderprediger, dessen jüdische Identität man nicht übersehen kann, ohne Bildungsmängel zu offenbaren (wenn es unbeabsichtigt geschieht). Es ist aber auch beim türkischen Bischof bedeutsam. Denn Nikolaus von Myra war ganz ohne Zweifel Grieche. Heute ist dort, wo er lebte, die Türkei – weil das Land seither von Türken erobert wurde. So etwas kommt vor, und es hatte in diesem Fall kulturelle, sprachliche und religiöse Folgen; unter anderem hält sich die Verehrung des heiligen Nikolaus an seiner historischen Wirkungsstätte in Grenzen.

Ungesagt ist das Wichtigste. Denn während zwar jeder von uns eine Herkunft hat (und man darf, ja soll sie pflegen), ist eine Kernbotschaft des Christentums, dass diese Herkunft unsere Zukunft nicht definiert. Sie definiert, wenn wir uns darauf einlassen, nicht einmal unsere Gegenwart. “Da ist nicht mehr Grieche, Jude, Beschnittener, Unbeschnittener, Nichtgrieche, Skythe, Knecht, Freier, sondern alles und in allen Christus”, heißt es im Kolosserbrief (Kol 3,11). Und unter anderem bedeutet es ganz sicher, dass wir zwar sowohl deutsche als auch türkische Heilige verehren. Aber nicht weil sie Deutsche oder Türken, sondern weil sie Heilige sind.

Ich wünsche allen Mitmenschen, egal welcher Herkunft, zum Geburtstag des jüdischen Wanderpredigers Jesus Christus, der von den Toten auferstanden ist, gesegnete Weihnachten!

 

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Little Drummer Boy

Caroline Stollmeier am 10. Dezember 2015

“Komm’ mit und schau’ dir den neugeborenen König an! Und vergiss nicht ein schönes Geschenk mitzubringen, das eines Königs würdig ist!” – Das haben sie mir gesagt. Aber, kleines Baby, ich bin selber nur ein armer Junge. Ich habe nichts, was ich dir schenken könnte. Soll ich Dir stattdessen vielleicht einfach auf meiner Trommel etwas vorspielen? Deine Mutter hat nichts dagegen. Also spiele ich für dich. Ich spiele so gut ich kann. Und was tust du? Du lächelst mich an, mich und meine Trommel.

Ich finde, dieser kleine Trommler in einem meiner Lieblingsweihnachtslieder* macht es genau richtig! Er lässt sich nicht einschüchtern von Menschen, die ihm sagen wollen, welche Opfer man Gott bringen soll, was man leisten muss, um Gott zu gefallen und was einen nach ihrer Ansicht würdig macht vor Gott zu stehen. Er überlegt einen Moment und besinnt sich dann auf ein Talent, das ihm gegeben ist, nämlich das Trommelspielen. Ein Lied ist kein handfestes Geschenk wie Weihrauch, Myrrhe und Gold, aber es ist doch nicht weniger kostbar. Und schüchtern zwar, aber doch voller Vertrauen geht er hin zum König und bringt seine Gabe dar. Er spielt sein Lied, und strengt sich dabei richtig an. Belohnt wird er dafür mit einem zufriedenen Lächeln von Gott selbst.

Wer will uns sagen, was des Königs würdig ist – außer dem König selbst? Gott kennt uns durch und durch. Er weiß um unsere Schwächen und Unzulänglichkeiten. Na, und?! Er weiß, was wir haben und was wir nicht haben. Wer reich ist, kann mit seinem Geld Gutes tun. Und wer keins hat, ist deshalb noch lange nicht zur Tatenlosigkeit verdammt! Alles, was Gott von uns verlangt, ist, dass wir unsere Talente in Seinem Sinne gewinnbringend einsetzen und sie nicht verkommen lassen. Unser Bemühen in Seinem Namen ist gesegnet.

 

* “Little Drummer Boy” von Katherine K. Davis, Henry Onorati und Harry Simeone, 1958.

Wer eine schöne Version davon hören möchte, findet sie hier.

 

(C) Caroline Stollmeier

 

 

(Freie Übersetzung und Foto: Caroline Stollmeier)

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