Archiv für die Kategorie 'Tierrechte'

Das Rätsel der verschwundenen Geier

Caroline Stollmeier am 6. September 2016

(Zuerst erschienen als Gastbeitrag auf “Faszination Geier”)

 

Tatort: Erlebnis Zoo Hannover. Bereits vom Parkhaus aus bemerken wir mit Schrecken, dass die große Gänsegeiervolliere fast vollständig demontiert ist, drum herum nichts als Baustelle. Wo zum Geier sind die Geier?

Beim letzten Besuch in Hannover gab es dort noch mehrere Arten, nun keine mehr.

Im Laufe des Tages verwickeln wir einige Zoomitarbeiter in nette Gespräche. Sie wirken kompetent in ihren jeweiligen Bereichen, können aber größtenteils nur die wenig überraschende Auskunft geben: die Geier sind weg. Wohin? Wissen sie auch nicht genau.

Endlich finde ich eine Trainerin, die mir erzählt: „Alle Geier sind nach Walsrode umgezogen.“

Hm, ich finde es erstaunlich, dass der Weltvogelpark so viel freien Platz gehabt haben soll. Aber glücklicherweise waren wir in Hannover ja nur auf der Durchreise nach Walsrode. Und so hatten wir bald Gelegenheit der Fährte der Geier zu folgen…

Einen Tag später im Weltvogelpark Walsrode: Wir sehen viele verschiedene Geier – auch an der beeindruckenden Flugshow nehmen welche Teil. Aber sind darunter die Geier aus Hannover?

Endlich gelingt es auch hier ein paar Tierpfleger und -trainer ins Gespräch zu verwickeln. Jedoch: „Geier aus Hannover? – Haben wir nicht!“ Mein komisches Bauchgefühl war also berechtigt.

Was nun?

Das Rätsel um die verschwundenen Geier ließ unserer ganzen Familie keine Ruhe. Natürlich haben wir auch die ganze Zeit „Schwestie“ Bettina auf dem Laufen gehalten, die natürlich sehr besorgt war.

Wieder zuhause schrieb ich eine E-Mail an den Erlebnis Zoo Hannover, die innerhalb weniger Tage beantwortet wurde:

„Leider haben Sie bei der Auskunft über den Umzug unserer Geier keine korrekten Informationen erhalten, daher möchten wir Ihnen gerne im Folgenden die neuen Aufenthaltsorte bzw. den Verbleib unserer Greifvögel mitteilen:

Unsere vier Gänsegeier wurden Anfang März 2016 an den Artis Zoo in Amsterdam abgegeben. Der letzte bei uns verbliebende Bartgeier verließ den Erlebnis-Zoo bereits im Oktober 2014 und zog in die Greifvogelstation in Haringsee (Österreich).

Von unseren beiden Andenkondoren starb das weibliche Tier im Juni 2013 (mit beinahe 53 Jahren), der männliche Kondor wurde im März 2015 an den Vogelpark Irgenöd (Ortenburg) in Bayern abgegeben.“

Zumindest die Information über den Verbleib des Bartgeiers konnte Bettina inzwischen überprüfen und bestätigen. Damit konnte das Rätsel um die verschwundenen Geier von Hannover also doch noch gelöst werden.

Bleibt noch eine Bitte an Euch alle, Leute: Jeder Tierpfleger, den ich bisher kennen gelernt habe, weiß Geschichten darüber zu erzählen, wie sich Besucher geradezu unverantwortlich benommen und damit das Leben von Zootieren gefährdet haben. Lasst das einfach! Den (meisten) Zoos und ihren Mitarbeitern liegt das Wohl der Tiere sehr am Herzen. Und Euch doch auch, oder?! Kein Füttern, kein Streicheln, nicht in die Gehege fassen oder klettern. Ihr richtet vielleicht selber keinen Schaden an. Aber Ihr könntet beobachtet werden von Anderen, die sich von Euch „anstecken“ lassen und weniger vorsichtig sind. Und manchmal ist einem vielleicht auch gar nicht klar, dass man die Tiere großen Risiken aussetzt, obwohl man es doch nur gut meint (z.B. wenn man einen Pinguin mit dem Fisch füttert, der eigentlich für die Pelikane gedacht war oder schädliche Verunreinigungen durch seine Schuhen in die Gehege bringt).

Geier und viele andere Tiere sind bedroht. Zoos können wirksam zu deren Arterhaltung beitragen und fühlen sich dieser Aufgabe (zumeist) verpflichtet. Lasst uns sie unterstützen anstatt sie zu sabotieren!

(C) Caroline Stollmeier

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Blut ist dicker als Aas (oder so)

Caroline Stollmeier am 16. Februar 2013

Geier sind schmutzig, hässlich und gefährlich? Das werden Sie nicht mehr denken nachdem Sie dieses Buch in der Hand gehabt haben: „Der kleine Geier mit der großen Angst – und den vielen wilden Freunden“.

Die beiden Autorinnen, Bettina Boemans und Katja Wolfram, engagieren sich seit Jahren für den Schutz und die Erforschung von Geiern in der ganzen Welt. Ihr Fachwissen ist ebenso wie ihre ganze Liebe zu den missverstandenen, vom Aussterben bedrohten Raubvögeln in dieses Buch eingeflossen. Beim Lesen und Betrachten der rührenden Geschichte über Freundschaft, Angst und das Erwachsenwerden kann man nebenbei viel über verschiedene Geierarten, ihre Lebensweise und ihre besonderen Fähigkeiten lernen. Das, was dieses Buch aber wirklich einmalig macht, sind die detaillierten, farbenfrohen Illustrationen. Vor allem durch sie macht sowohl das Lesen als auch das Vorlesen richtig Spaß!

Der kleine Geier mit der großen Angst

Katja Wolfram und Bettina Boemans: Der kleine Geier mit der großen Angst – und den vielen wilden Freunden, Berlin, 2013.

(Eine englische Version wird voraussichtlich noch in diesem Jahr erscheinen. Die Übersetzung in weitere Sprachen ist in geplant. Interessierte Verlage werden gebeten sich mit den Autorinnen in Verbindung zu setzen.)

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Achtung statt Vermenschlichung – Ergebnisse unserer Online-Befragung

Caroline Stollmeier am 13. Februar 2013

Vor einiger Zeit haben wir zur Teilnahme an unserer ersten Online-Befragung eingeladen. Es ging um die Rolle von Tieren im Alltag jedes Einzelnen. Um es vorweg zu nehmen: insgesamt haben nur 37 Personen mitgemacht. Deshalb sind die Ergebnisse natürlich nicht verallgemeinerbar,  liefen aber dennoch ein interessantes Meinungsbild.

Zuerst zum Allgemeinen: etwa zwei Drittel der Befragten sind weiblich, dementsprechend etwa ein Drittel männlich. Von 37 % der Befragten wissen wir, dass sie zwischen 30 und 39 Jahren alt sind; 21 % sind jünger, 32 % älter, die anderen haben keine Angaben gemacht.

45 % der Befragten gab an, dass ihnen durch ihre Haustiere der alltägliche Kontakt zu Tieren am meisten bewusst wird. Das ist mit Abstand die größte Gruppe.

Die Hälfte aller Befragten hat ein oder mehrere Haustiere. Die andere Hälfte hat keine (zum Teil aus zwingenden persönlichen Gründen). Auffallend ist, dass die Befragten, die angeben haben beruflich mit Tieren zu tun zu haben, keine eigenen Haustiere halten.

Der großen Mehrheit von 81 % aller Befragten ist eine möglichst artgerechte Haltung und Ernährung von Haustieren besonders wichtig. Dass Tier und Besitzer sich gut verstehen oder dass kein Dritter durch die Haustierhaltung beeinträchtigt wird, wurde selten als besonders wichtig eingestuft.

56 % der Befragten gaben an, häufig Fleisch, Wurst und andere tierische Produkte zu verzehren; 35 % tun dies selten. In der Summe kann man sagen, dass Tiere für die Ernährung eine große Rolle spielen.

Beim Zoobesuch möchten 45 % der Befragten vor allem Tiere in Ruhe beobachten können und etwas über sie erfahren. 32 % finden, dass moderne, artgerechte Tiergehege unbedingt sein müssen. Ein grundsätzliches Desinteresse an Zoos gab es unter den Befragten eher selten. Ebenso die Einstellung, dass Zoos ausschließlich der Unterhaltung dienen.

Wir wollten wissen, ob sich die Befragten vorstellen können. ihren Umgang mit Tieren zukünftig zu verändern (hierbei waren Mehrfachnennungen möglich). Über die Hälfte der Befragten gab an, bereits besonders achtsam mit Tieren umzugehen und sich keine Änderung ihres Verhaltens vorstellen zu können. Immerhin 29 % gaben an möglicherweise weniger bzw. gar kein Fleisch und andere tierische Produkte mehr zu verzehren. Alle anderen Antwortmöglichkeiten wie der Verzicht auf Haustier oder die Nutzung von Tieren für das Freizeitvergnügen sowie vermehrte Spenden an Tierschutzorganisationen wurden so gut wie gar nicht berücksichtigt.

54 % der Befragten gaben an, traurig zu sein, wenn sie vom Aussterben bestimmter Tierarten erfahren, aber nur 24 % möchten in dieser Situation auch etwas unternehmen. 29 % fordern, dass bedrohte Tierarten verstärkt nachgezüchtet und ausgewildert werden.

48 % gaben an, dass Tierquälerei stärker bestraft werden sollte. 29 % sind dafür, dass Tiere nicht mehr zu Unterhaltungszwecken (z.B. Filme, Zirkus, Tier-Shows) herangezogen werden dürfen. Die Nutzung von Tieren durch Menschen (z. B. als Blindenhunde, Wachhunde, Milchvieh, Schlachtvieh) hält eine Mehrheit von 64 % der Befragten für legitim. 35 % haben keine Probleme damit, Fleisch und andere tierische Produkte zu verzehren, dies liege in der Natur des Menschen.

29 % können sich ein Leben ohne Haustier nicht vorstellen; davon ist der überwiegende Teil der Befragten weiblich. Besonders bemerkenswert ist, dass 59 % der Befragten fordern, dass zukünftige Haustierhalter zuerst eine Art „Führerschein“ für diese Tierart machen und nachweisen sollen, dass sie eine artgerechte Haltung sicherstellen können. Diese Forderung wird übrigens von Haustierhaltern häufiger erhoben als von Befragten ohne eigenes Tier.

Mit Abstand am häufigsten wünschen sich die Befragten, dass Tiere nicht vermenschlicht werden dürfen, der Mensch ihnen jedoch mit Respekt begegnet.

(C) Caroline Stollmeier

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Mögen Sie Tiere?

Caroline Stollmeier am 24. Juni 2012

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wir möchten wissen: Welche Rolle spielen Tiere in Ihrem Leben? Bitte nehmen Sie an unserer kleinen, anonymen Umfrage teil. Es dauert nur wenige Minuten. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse!

Klicken Sie hier für die Umfrage

Mit herzlichen Grüßen aus der Moralblog-Redaktion

Caroline Stollmeier

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Soll ich heute einen Hund bei Zajac kaufen?

Caroline Stollmeier am 20. Januar 2012

STANDPUNKT

Heute Vormittag hat endlich der Hundeverkauf bei Zoo Zajac in Duisburg-Neumühl begonnen. Der Parkplatz ist nicht übermäßig voll, aber einige Ü-Wagen kann ich ausmachen. Bereits im Eingangsbereich des nach eigenen Angaben größten Zoofachhandels der Welt werde ich von mehreren Sicherheitsleuten und Angestellten begrüßt. „Zu den Hunden gehen Sie einfach den Gang bis zum Ende und dann links“, erhalte ich freundlich Auskunft.

Bis ich mich durch die Traube von Journalisten in die erste Reihe vor die Gehege gedrängelt habe, dauert es ein paar Minuten. Hinter der Glasscheibe sitzt eine Tierpflegerin und spielt unaufgeregt mit niedlich tollenden Dackelwelpen herum. Eine Journalistin spricht mich an: „Sind Sie aus privatem Interesse hier? Möchten Sie einen Hund kaufen?“ Ich höre, wie Inhaber Norbert Zajac unter Scheinwerferlicht in eine der Kameras spricht: „Bei diesem Medienrummel haben die Endverbraucher bestimmt Lampenfieber. Aber ab morgen rechne ich mit den ersten Verkäufen…“

Tierschützer haben seit gut einem Jahr versucht, die Aufnahme von Welpen in das Sortiment des Zoohandels zu verhindern. Es ist in Deutschland zwar nicht verboten, diese Tiere im Geschäft zu verkaufen, aber bisher war es unüblich. Wer ein Hund als Haustier haben wollte, musste sich direkt an einen Züchter oder ein Tierheim wenden.

Die Kritik an Zajac bezieht sich auf die Art, wie die Tiere in seinem Geschäft betreut werden. Außerdem gibt es noch den allgemeinen Vorwurf, dass er mit einer Kommerzialisierung des Welpenhandels zur „Überproduktion“ von Haustieren beiträgt. Die Tierheime sind doch wahrlich voll genug! Diesen konstruierten Zusammenhang finde ich nicht überzeugend.

Norbert Zajac begegnet allen Vorwürfen der Tierschützer gelassen und selbstbewusst. Seine Tierpfleger und Tierärztinnen sind rund um die Uhr auf Abruf für die Tiere da, die Gehege sind größer, als sie sein müssten. Er wählt die Züchter und Familien, aus denen seine Hunde kommen, sorgfältig aus. Beispielsweise achtet er streng darauf, keine Tiere aus Massenzucht anzubieten. Bei der Beratung und Nachbetreuung von Käufern arbeitet Zajac mit Tierschutzorganisationen zusammen. Und spontane Mitleidskäufe schließt er unter anderem aufgrund der relativ hohen Verkaufspreise aus. Das habe ich alles bereits im Vorfeld gelesen. Und es klingt konsequent. Auch jetzt, als er die ewig gleichen Fragen der Journalisten geduldig beantwortet, wirkt er nicht so, als wäre er bei bestimmten Themen verlegen oder würde versuchen etwas zu beschönigen.

Der bereits etablierte Verkauf von Katzen bei Zoo Zajac ist ein Indiz, dass auch der Hundeverkauf ein Erfolg werden wird. Zajac bedient eine ungeheuere Nachfrage. Er tut glaubhaft vieles dafür, die Tiere in seinem Geschäft gut zu betreuen und schnell in verantwortungsvolle Hände zu übergeben.

Die Tierschutzorganisation PeTA, die maßgeblich hinter den Protesten gegen Zajac steht, geht über die Kritik am Tierverkauf im Zoohandel hinaus und kritisiert das Halten von Haustieren grundsätzlich: „Selbst Menschen, denen etwas an Tieren liegt, sind oft nicht imstande, die vielen Bedürfnisse eines Tieres zu erkennen oder zu erfüllen. Domestizierte Tiere sind in einer sehr zwiespältigen Lage: sie können nicht mehr auf sich alleine gestellt überleben, haben jedoch noch viele ihrer Grundinstinkte und -antriebe behalten. Sie werden gewöhnlich von ihren natürlichen Herden oder Rudeln getrennt, ihre Körper und Seelen sehnen sich danach umherzustreifen, aber aus Sicherheitsgründen werden sie im Haus oder Garten gehalten, sind immer abhängig von ihren Haltern, selbst für einen Schluck Wasser oder einen Happen zu Essen oder für etwas sozialen Kontakt. Solange Menschen Tiere als Spielzeug, Besitztum oder Ware ansehen anstatt als lebende Individuen mit Gefühlen, Familien und Freundschaften, werden die vielen Fälle von Vernachlässigung und Missbrauch nicht aufhören.“ Und weiter: „Menschen, die die Zeit, das Geld, die Liebe und die Geduld aufbringen, um die lebenslange Verpflichtung für ein Tier zu übernehmen, können wirklich helfen, indem sie ein solches Tier aus dem Tierheim aufnehmen oder einem streunenden Tier von der Straße ein gutes Zuhause geben.“

Viele Menschen wollen Haustiere haben. Und sie haben viele – manchmal auch gute – Gründe dafür diese nicht aus einem Tierheim oder von der Straße zu holen. Auch, wenn sie Tiere mögen. Und auch, wenn sie wissen, dass die Tierheime voll sind. Diese Menschen wenden sich in der Regel an Züchter.

Ich kann nicht beurteilen, wie Tiere bei Züchtern behandelt werden. Bestimmt gibt es da große Bandbreiten. Kontrolliert werden können Züchter nur schwer, insbesondere, wenn sie privat oder im Ausland sind. Und was tun Züchter mit Tieren, die nicht verkauft werden können, die nicht gesund sind oder die nicht den Schönheitsidealen entsprechen?

Bei Zajac ist alles irgendwie öffentlich. Der Inhaber lädt alle Interessierten ein, sich seine Verkaufsräume, die Unterbringung seiner Tiere und den Umgang mit diesen genau anzusehen. Ladenhüter gibt es nicht, wie Zajac selbst sagt. Und den Tierschützern bietet er immer wieder Gespräche an, worauf diese nicht immer eingehen.

Wer ein Haustier haben möchte, der sollte sich grundsätzlich seiner Verantwortung bewusst sein, sich gut beraten lassen und auch nicht leichtfertig bei der Wahl der Bezugsquelle sein. Mein Eindruck ist, dass man bei Zajac gut und auch kritisch beraten wird. Zajacs Argument, dass der Verkauf von gesunden Tieren die wichtigste Werbung für sein Geschäft ist, finde ich im Übrigen einleuchtend.

Seit gut einem Jahr verfolge ich die Proteste gegen Zajac. Bisher habe ich kein stichhaltiges Argument dagegen gefunden, Hunde (oder andere Tiere) ausgerechnet bei Zajac zu kaufen. Mein Eindruck ist, dass es viel schneller auffallen würde, wenn es den Tieren bei Zajac schlechter ginge als beispielsweise bei Züchtern. Und als Käufer entscheide letztlich nur ich, wo ich mein Haustier kaufe und zu welchen Bedingungen. Der Journalistin, die mich heute angesprochen hat, habe ich aber gesagt: „Nein, ich möchte grundsätzlich keine Haustiere haben.“ Denn das ist aus meiner Sicht der beste Tierschutz.

Welpenverkauf bei Zoo Zajac

Am 20. Januar hat der Hundewelpenverkauf bei Zoo Zajac in Duisburg-Neumühl begonnen.

Welpenverkauf bei Zoo Zajac

Journalisten belagern die neue Hundeanlage.

Norbert Zajac im Interview zum Welpenverkauf

Inhaber Norbert Zajac gibt zahlreiche Interviews.

(Fotos: Caroline Stollmeier)

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Ethik-Preis für Peter Singer – ein Ausdruck der Meinungsfreiheit

Caroline Stollmeier am 6. Juni 2011

Die Träger des mit 10.000 Euro dotierten Ethikpreises der Giordano-Bruno Stiftung sind der australische Philosoph und Ethiker Prof. Peter Singer sowie die italienische Philosophin Paola Cavalieri. Am 3. Juni 2011 wurde der Preis feierlich in der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt übergeben. Im Vorfeld der Preisverleihung gab es einige Proteste, die sich vor allem gegen Positionen Peter Singers zur Euthanasie richteten; diese standen allerdings in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit dem Anlass der Ehrung.

Die wissenschaftsorientierte und religionskritische Giordano-Bruno Stiftung (gbs) ehrte Peter Singer und Paola Cavalieri nicht etwa für ihr Lebenswerk als ethischste Menschen überhaupt, sondern ganz konkret für ihren engagierten Einsatz für die Tierrechte, insbesondere für ihr 1993 initiiertes Great Ape Project.

Das Great Ape Project fordert einige jener Privilegien für Orang-Utans, Gorillas, Bonobos und Schimpansen, die bisher nur für Menschen gelten: das Recht auf Leben, das Recht auf Freiheit und ein Verbot der Folter. Da Menschenaffen über ein Bewusstsein verfügen, sich mental in andere Wesen hineinversetzen und in die Zukunft denken können, sollen sie als Personen anerkannt und als Individuen respektiert werden.

Gründer und Vorstandssprecher der gbs Dr. Michael Schmidt-Salomon begründete die Vergabe des Ethikpreises für die Initiatoren des Great Ape Project damit, dass sie dazu betragen könnte den „Speziesismus“ zu überwinden und sie das Prinzip der gleichen Berücksichtigung gleichwertiger Interessen verträten. Außerdem wertete er das Projekt als Türöffner für andere Forderungen der Tierrechtsbewegung und eine Chance das „größenwahnsinnige Weltbild der Menschen at acta zu legen“.

In seiner Laudatio auf die Preisträger stellte Dr. Colin Goldner fest, dass ernsthafte Tierrechtler Tierschützer ablehnen, die „Hund und Katzen streicheln, aber Hühner und Kühe essen“. Man wolle sich Tieren nicht „von oben herab“ zuwenden, nur weil man sie niedlich findet, sondern man fordert Grundrechte für Tiere ein, weil das logisch sei.

Als Grundlage für die Tierrechtsbewegung gilt Singers Buch Animal Liberation, erstmal erschienen 1975. Darin formuliert er die These, dass die Zugehörigkeit zur Spezies Homo sapiens nicht ausreicht, um moralische Überlegenheit zu rechtfertigen. Stattdessen beruft er sich auf den Begriff der „Person“, der nicht auf die Zugehörigkeit zur Spezies Homo sapiens abzielt, sondern auf Eigenschaften wie Selbstbewusstsein, Selbstkontrolle, Sinn für Zukunft und Vergangenheit, die Fähigkeit, Beziehungen aufzubauen, sich um andere zu kümmern, Kommunikation und Neugier.

Schimpansen und Bonobos sind mit Menschen genetisch näher verwand als mit Gorillas oder Orang-Utans. Singer und andere Wissenschaftler regen an, insbesondere die vier Großen Menschenaffen unter den Personenbegriff zu fassen und leiten daraus ihre Forderungen nach Grundrechten ab.

Der Personenbegriff Singers beinhaltet allerdings einige Tücken. Demzufolge kann nämlich ein Mitglied der Spezies Homo sapiens unter bestimmten Umständen zwar als Mensch, nicht aber als Person gelten und damit unbedingt schützenswert seien. Dies gilt beispielsweise für ungeborene Kinder oder schwerst hirngeschädigte Neugeborene.

Es gibt gute Gründe, diese Positionen Singers zu kritisieren. Keineswegs jedoch ergibt sich aus der Ablehnung bestimmter Positionen Singers zwingend die Ablehnung aller seiner Positionen oder schlichtweg seiner Person. Und überhaupt nicht zu rechtfertigen ist die Einschränkung der Meinungsfreiheit, die manchen Singer-Kritikern angemessen erscheint.

Noch heute kann man sich „fremdschämen“ für die Auswüchse der Anti-Singer-Proteste in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren, bei denen es regelmäßig gelang, die Veranstaltungen mit Singer zu sprengen – und bei denen die Entgleisungen vom Niederbrüllen bis zu tätlichen Angriffen reichten. In einem Fall wurde die Meinungsfreiheit in Form von Peter Singers gewaltsam heruntergerissener Brille sogar buchstäblich mit Füßen zertreten. Auch der Vorwurf der Nazi-Ideologie ist nicht nur sachlich unberechtigt sondern auch gefühllos einem Mann gegenüber, von dessen vier Großeltern drei in deutschen Konzentrationslagern ermordet wurden.

Bei der Preisverleihung in Frankfurt kam es nicht zu Ausschreitungen – die anwesenden Kritiker verhielten sich zurückhaltend. Ein Teil der öffentlich vorgetragenen Kritik ist darüber hinaus vielleicht Ausdruck eines Missverständnisses.

Denn Singer setzt nicht Behinderte mit Tieren gleich. Er selbst sagt immer wieder ausdrücklich, dass er sich für Grundrechte bestimmter Tiere einsetzt, weil er sie auf moralisch gleicher Stufe mit Menschen sieht: Das ist eine Aufwertung der Tiere, nicht notwendigerweise eine Abwertung der Menschen. Dieser Unterschied ist der Giordano-Bruno-Stiftung wichtig. „Wir wissen“, erklärte Dr. Schmidt-Salomon am vergangenen Freitag wörtlich, „dass der Name Peter Singer in Deutschland immer noch für irrationale Reflexe sorgt. (…) Aber seien Sie versichert, dass wir Peter Singer nicht ehren würden, wenn er tatsächlich gegen Behinderte wäre.“

 

 

Peter Singer bedankt sich für den Ethik-Preis der gbs
(Peter Singer bei der Verleihung des Ethik-Preises der gbs in Frankfurt a.M., 3. Juni 2011, Foto: C. Stollmeier)
 
 
→ Empfehlenswerte Literatur dazu von Peter Singer: „Animal Liberation. Die Befreiung der Tiere“ und „Praktische Ethik. Neuausgabe“

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Der Eisvogel