In guten wie in schlechten Zeiten

Caroline Stollmeier am 24. Januar 2017

Vorhin ist mir Gal 5,6 aufs Herz gelegt worden: „Es zählt nur der vertrauende Glaube, der sich in tätiger Liebe auswirkt.“ Genau heute vor einem Jahr bin ich einen großen Glaubensschritt gegangen, und deshalb hat dieser Satz heute eine ganz besondere Bedeutung für mich. Aber strahlt er nicht auch in Euer Leben?

In einem Alltag, in dem Glaube, Liebe und (gute) Taten im Mittelpunkt stehen, ist kaum noch Platz für Angst, Zweifel, Neid und miese Stimmung. Natürlich ist man mal müde, und man kann nicht immer gut drauf sein. Aber was gibt uns Kraft? Wofür machen wir das alles? Was zieht uns runter? Und was baut uns auf?

„Vertrauender Glaube“ – ist das nicht irgendwie doppeltgemoppelt?

Glaube ist Vertrauen.

Weil es zunächst keine „Beweise“ gibt. Weil man einen Vorschuss gibt, (vermeintlich) ohne eine vertragliche Gegenleistung. Und weil Glaube und Misstrauen sich einfach nicht vertragen.

Vertrauen ist Glaube.

Weil man Vertrauen nicht anfassen kann. Weil Vertrauen zwar die Hoffnung auf eine Erwiderung beinhaltet, aber keinen einklagbaren Anspruch. Und weil Vertrauen eine Zuversicht ist, die über die Vernunft hinausgeht.

„Vertrauender Glaube“ – die unumstößliche Gewissheit, dass es etwas, dass es jemanden gibt, der es gut mit einem meint, und mit dem im Team man die eigenen Geschicke besser lenken kann, als man alleine dazu in der Lage wäre. Auch wenn man manches alleine vielleicht ganz anders gemacht hätte…

Vertrauen beinhaltet auch, dass man manchmal akzeptiert, dass man nicht selber das letzte Wort hat. Vor allem aber auch, dass man sich nicht dagegen wehrt, dass ein Anderer einem Gutes tut.

Bestimmt ist jeder von uns – und nicht nur einmal – von Menschen schon zutiefst enttäuscht worden. Diese Enttäuschung wiegt noch schwerer, wenn es Menschen waren, denen man vertraut hat, die man für Freunde gehalten hat. Daraus lernt man. Manchmal lernt man aber eben auch zu viel: nämlich niemandem mehr zu vertrauen. Und damit letztlich auch seinen Glauben zu verlieren?

Einer hat uns allen versprochen, dass er immer nur das Beste für uns will. Und deshalb hat Er uns Sein Bestes geschenkt: Seinen eigenen Sohn. Sein Vertrauen in uns war und ist maßlos. Obwohl Er weiß, wie schwer es uns fällt, dem auch gerecht zu werden. Und dennoch vertraut Er uns und glaubt an uns.

In diesem Sinne ist Er in Vorleistung gegangen. Ist es da nicht das Mindeste, Vertrauen mit Vertrauen zu erwidern, Glaube mit Glauben zu begegnen?

Auch wenn wir nicht verstehen, was an einer Sache, einem Erlebnis, einer Begegnung gut sein soll, so dürfen wir doch vertrauen, dass etwas Gutes dahintersteckt. Und ist es nicht manchmal auch eine Befreiung, nicht alles verstehen zu müssen, sondern sich einfach nur bewahrt zu wissen?

Es ist die Liebe Gottes, die uns umfängt, uns schützt und segnet, uns aufrichtet und vorangehen lässt – wenn wir sie in unserem Leben zulassen. Und wenn wir nicht nur bereit sind sie anzunehmen und wirken zu lassen, sondern auch sie weiter zu geben und unsere Mitmenschen spüren zu lassen. Was wir verschenken, wird uns nicht fehlen. Das gilt für Zeit, Zuneigung aber auch für Geld und andere Dinge.

Wenn wir spüren, dass Gott uns einen Auftrag gibt, dass Er uns herausfordert, dass Er uns eine Chance gibt Sein Werk in dieser Welt fortzuführen, dann wird Er uns im Gegenzug auch Ressourcen, Fähigkeiten und Gleichgesinnte schenken, damit wir diesen Auftrag erfüllen können. Gott hat keinen Spaß daran uns scheitern oder aufgeben zu sehen. Er freut sich an unserer Freude am Gelingen und beflügelt uns.

Alles, was zählt ist der Glaube und eine Liebe, die sich in Taten äußert. Und daneben wird alles andere unwichtig, nebensächlich, austauschbar. Letztlich ist Glaube eine Entscheidung, die wie ein Wagnis daherkommt, aber die größte Chance von allen ist.

 

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1000plus mal Weihnachten

Caroline Stollmeier am 23. Dezember 2016

Unzählige Kinder werden in diesem Jahr zum ersten Mal Weihnachten feiern, weil ihre Mütter sich im Konflikt der Beratung und Hilfe von Pro Femina e.V. / 1000plus anvertraut haben, durch die sie zu einer echten Entscheidung für ihr Kind ermutigt und befähigt wurden.

1000plus mal Weihnachten heißt:

->1000plus mal die Chance auf schöne neue Traditionen (hier)

-> 1000plus mal die Chance auf bisher unentdeckte Erfolgsrezepte (hier)

-> 1000plus mal die Chance auf Worte, die zu Herzen gehen (hier)

Danke an alle, die 1000plus mal Weihnachten möglich gemacht haben – vor allem natürlich den wundervollen, mutigen Mamas! Ihr seid die Besten!

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So etwas bekommt man nicht alle Tage

Caroline Stollmeier am 23. Dezember 2016

Oder: Welcher Weihnachtskarten-Typ bist Du?

„5x lieben Dank für eure alljährliche tolle Weihnachtskarte, diesmal sogar mit Überraschung…!!! Wir haben uns riesig gefreut, so etwas bekommt man ja nicht alle Tage… Schon gar nicht heutzutage. Euch wünschen wir natürlich auch ganz schöne und fröhliche Feiertage und hoffen, dass wir bald vielleicht doch `mal wieder ein Treffen zustande bekommen…“ Das und noch mehr Liebes stand in der Weihnachtskarte, die wir von langjährigen Freunden bekommen haben. Und als ich das gelesen habe, ist mir wieder neu klargeworden, wie Recht sie damit haben: so etwas bekommt man nicht alle Tag, vor allem nicht heutzutage.

Unsere ganze Familie liebt Weihnachtskarten! Wir freuen uns nicht nur über jede einzelne, die wir bekommen, sondern es macht uns auch große Freude, zahlreiche Karten selber zu schreiben. Und bei allem, was im Advent sonst zu tun ist, finden wir immer die Zeit, unsere Karten und Überraschungen vorzubereiten und mehr oder weniger rechtzeitig vor Weihnachten zu verschicken oder zu verteilen.

Wir finden es auch bedauerlich, dass es uns nicht gelingt, unsere Lieben so oft zu sehen, wie wir gerne möchten. Aber trotzdem sind sie irgendwie immer bei uns. Und mindestens zu Weihnachten wollen wir das gerne auch mal wieder sagen oder besser gesagt: schreiben. In jeder Weihnachtskarte steckt deshalb auch ein kleines Stückchen unserer Herzen.

Wir wissen, dass es unter unseren Freunden manche gibt, die „aus Prinzip“ keine Weihnachtskarten schreiben. Das macht nichts. Wir wissen, dass es unter unseren Freunden manche gibt, die es einfach nicht schaffen Weihnachtskarten zu schreiben. Das macht auch nichts. Wir freuen uns einfach, dass noch nie jemand unsere Weihnachtskarten „abbestellt“ hat, sondern jeder sich einfach freut.

Genau das ist es, was ich an Weihnachten mag – auch wenn es kitschig klingt: nur die Liebe zählt. Und Liebe ist kein Geben und Nehmen, sondern ein Geschenk. Das gilt zwar nicht nur für Weihnachten, sondern immer, aber in diesen Tagen ganz besonders.

Deshalb finde ich es auch so wunderbar, dass nicht zuletzt mit der Hilfe von 1000plus in diesem Jahr 3500plus Frauen und ihre Kinder die Chance bekommen haben, selber heraus zu finden, was Weihnachten für sie bedeutet und beispielsweise auch, welcher Weihnachtskarten-Typ sie sind…

Und auch, wenn man mal nicht weiß, wie man sich ausdrücken soll, so ist doch eigentlich nur eins wichtig: dass die Liebe im Leben immer das letzte Wort hat. Heutzutage. Morgen. Und immer.

 

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In der Weihnachtsbäckerei

Caroline Stollmeier am 23. Dezember 2016

Oder: Welcher Plätzchen-Typ bist Du?

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Zugegeben, mir geht es schon ziemlich auf den Keks, wenn meine Kinder in Endlosschleife „In der Weihnachtsbäckerei“ singen. Obwohl sie von Jahr zu Jahr besser darin werden. Das vorbeifliegende Ei haben sie inzwischen sogar schon richtig gut drauf, ebenso wie das Bedauern über den verbrannten Teig…

Bei aller Verwunderung über Weihnachtsartikel im Spätsommer freue ich mich doch alle Jahre wieder, wenn ich die ersten Zimtsterne in den Supermarktregalen entdecke. Und bei allem, was es im Advent sonst zu tun gibt, backe ich auch gerne zwischendurch selber Weihnachtsplätzchen.

Mein absolutes Lieblingsrezept geht so: 300 g Mehl, 250 g Butter, 100 g Zucker, 100 g gemahlene Mandeln, 1 TL Zimt, 1 TL Kakao mit etwas Nelken und Kardamom gründlich verkneten, den Teil ruhen lassen, ausrollen und Plätzchen ausstechen. Meistens lässt sich der Teig sehr gut verarbeiten (wenn er nicht zu kalt geworden ist) und die Motive behalten auch beim Backen ihre Form. Anschließend verklebe ich noch jeweils zwei Kekse mit etwas Johannisbeergelee und streue Puderzucker drüber. Diese Plätzchen sehen nicht nur toll aus, sondern sie schmeckt auch super!

Ist alles Geschmacksache, ich weiß.

Aber genau das ist es, was ich an Weihnachten mag – neben der eigentlichen Bedeutung versteht sich! Jede Familie hat ihre eigenen geheimen oder traditionellen oder einfach nur schnellen Plätzchen-Rezepte (oder weiß wo man die leckersten Kekse kaufen kann). Weihnachtsplätzchen braucht man nicht wirklich. Aber sie duften so herrlich. Und unsere Nase hat nun einmal das beste Gedächtnis. Egal, welcher Plätzchen-Typ man ist, vor Weihnachten wird man doch gerne mal zum niedlichen Krümmelmonster.

Ich finde es wunderbar, dass mit der Hilfe von 1000plus in diesem Jahr 3500plus Frauen und ihre Kinder die Chance bekommen haben, ihre ganz eigenen Rezepte für eine gemeinsame Weihnachtszeit zu (er)finden. Vielleicht brennt mal was an. Und nicht immer gelingt alles perfekt. Aber es kommt doch auf das Wesentliche an, nämlich, dass die Liebe und das Leben das letzte Wort haben – nicht nur zu Weihnachten.

 

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Weihnachtsbaum des Grauens

Caroline Stollmeier am 22. Dezember 2016

Oder: Welcher Tannenbaum-Typ bist Du?

Ein besonderer Freund von mir flippt beim Thema „O Tannenbaum“ förmlich aus. Und das, obwohl er inzwischen – und jetzt muss ich aufpassen, dass ich nichts Unfeierliches sage – gereiften Alters ist. Beim kleinsten Weihnachtsbaum packt ihn das kalte Grauen. Und letztens hat er mir endlich einmal erklärt, warum das so ist…

In seiner Familie gab es früher eine bestimmte Tradition, die ihm die Freude am Immergrünen gänzlich verdorben hat: die Männer der Familie schmückten an jedem 24. Dezember den Baum – und tranken zu jeder aufgehängten Kugel einen Schnaps. Man kann sich also leicht vorstellen, wie der weitere Verlauf war: der Heiligabend uferte in Streit und Schlimmerem aus. In jedem Jahr seiner Kindheit. Und auch noch danach.

Solche „Traditionen“ waren mir bis vor kurzem unbekannt. Gott sei Dank. Aber auch ich stehe dem Thema „Weihnachtsbaum“ ziemlich zwiegespalten gegenüber. Einerseits finde ich geschmückte Tannenbäume (meistens) schön und sie gehören zum Weihnachtsfest irgendwie dazu. Andererseits tun mir die unzähligen Tannenbäume leid, die in jedem Jahr für die kurze Freude „dran glauben müssen“ und nach wenigen Tagen achtlos auf die Straße geworfen werden.

Ich bin nicht so sehr geprägt vom Schnaps, dafür aber um so mehr vom Märchen „Der Tannenbaum“ von H. C. Andersen, in dem es um einen kleinen Tannenbaum geht, der jahrelang vom Weihnachtsfest und von den Menschen träumt, bis er eines Tages endlich in der Stube glänzen darf, aber nach wenigen Tagen entsorgt und vergessen wird. Und mit seinen letzten sehnsuchtsvollen Gedanken wünscht er sich nur noch zurück in seinen Wald, um wieder sein sorgenfreies Leben zu genießen. Das ist natürlich nicht mehr möglich…

Für dieses Dilemma gibt es in unserer Familie allerdings schon seit Jahrzehnten eine annehmbare Lösung: wir verwenden einfach einen künstlichen Tannenbaum, der allerlei Vorteile bietet. Vor allem den, den unsere Kinder schon früh herausgefunden haben: der Weihnachtsbaum ist quasi allzeit bereit und kann ohne größere Vorbereitungen auch schon ein paar Tage vor dem Heiligen Abend aufgestellt werden – und vorfreudige Stimmung verbreiten.

Geschmackssache, ich weiß.

Aber genau das ist es, was ich an Weihnachten mag – neben der eigentlichen Bedeutung versteht sich! Jeder – egal, welche guten oder vielleicht auch nicht so guten Erfahrungen er bisher mit dem Fest gemacht hat, hat die Chance es (noch) besser zu machen. In der Besinnung auf das Wesentliche ist es in jeder Familie, in jedem Jahr aufs Neue möglich, Weihnachten zu einem Fest der Liebe zu machen. Unsere Erfahrungen prägen unsere Vergangenheit, aber wir können entscheiden, ob sie unsere Zukunft bestimmen.

Weihnachten gibt jedem Menschen, jeder Familie immer wieder die Chance, neu anzufangen und sich für alles zu entscheiden, was er oder sie gerne (sein) möchten. Beispielsweise auch, welcher Tannenbaum-Typ man ist.

Wie wunderbar, dass durch 1000plus in diesem Jahr 3500plus Frauen und ihre Kinder genau diese Erfahrung ermöglicht wurde. Damit die Liebe das letzte Wort hat und Weihnachten auch für sie das Fest des Lebens wird:

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Das Gute, das Böse und unsere Optionen

Harald Stollmeier am 21. Dezember 2016

Der Lkw-Mordanschlag von Berlin hat zwölf Menschen das Leben gekostet – Menschen, die in wenigen Tagen Weihnachten feiern wollten, und das Leid der Verletzten sollte man auch nicht vergessen. Es steht noch nicht fest, dass der Anschlag das Werk von Islamisten ist, aber die Analogie zum Anschlag von Nizza macht das wahrscheinlich. Wie gehen wir damit um?
Am leichtesten haben es die mutmaßlichen Urheber, die Da’esh-Barbaren. Sie brauchen sich nur zu dem Anschlag zu “bekennen” und zu hoffen, dass ihre Saat aufgeht. Auch führende AfD-Politiker brauchen sich nicht mit Nachdenken aufzuhalten: Sie wissen schon, dass die Bundeskanzlerin schuld ist.
Mehr aber und Weiseres erwarte ich von jenen Mitmenschen, die das Herz auf dem rechten Fleck haben und das mit dem Bekenntnis zu unseren Werten und unserer Freiheit zeigen. Ich erwarte Weiseres von ihnen als die achselzuckende Feststellung, absolute Sicherheit könne es nicht geben. Sollten wir mehr nicht zu bieten haben als tapferes Nichtstun? Ich glaube, gar so hilflos sind wir nicht.

Erstens betrifft das die Frage der Sicherheit: Die wenigsten Mitmenschen fordern “absolute” Sicherheit. Die meisten wären mit “nennenswert mehr” Sicherheit zufrieden, und mehr Sicherheit bedeutet vor allem: mehr Polizisten. Das kostet Geld, und es geht nicht von einem Tag auf den anderen. Im Gegensatz zu schärferen Gesetzen, deren Einhaltung sowieso nicht flächendeckend sichergestellt werden kann, bringt es aber nachhaltigen Nutzen.

Zweitens haben wir alle, wirklich alle, Einfluss auf die Aufmerksamkeitsökonomie, in deren Rahmen Terrorismus stattfindet und überhaupt nur eine Wirkung hat. Terrorismus ist Kommunikation, und das Ziel dieser Kommunikation ist in diesem Fall die Zerstörung des inneren Friedens. Die Da’esh-Terroranschläge in Europa wollen den Bürgern das Vertrauen in den Rechtsstaat nehmen und Muslimen und Nichtmuslimen das Vertrauen zueinander. AfD & Co. wirken bei diesem Projekt als nützliche, vielleicht auch willige Idioten mit. Dasselbe gilt aber auch für Muslime, egal ob privat oder in einem Verbandsamt, die keine Gelegenheit vorüberstreichenlassen können, sich und ihre Glaubensgeschwister als unterdrückt zu zelebrieren.

Keine Frage: Natürlich müssen Probleme angesprochen werden. Aber wer immer nur die Probleme beschreibt (oder anklickt!) und niemals die Lösungen, der macht die Arbeit der Terroristen. Erinnern Sie sich noch an die “Scharia-Polizei”? Ein halbes Dutzend Jugendlicher mit improvisierten Kostümen belästigen ein paar Dutzend Passanten und werden zum Top-Nachrichtenereignis. Oder erst kürzlich: Ein Berliner Busfahrer schickt eine Halbstarke mit Kopftuch nach wiederholter Ermahnung wegen Döneressens aus dem Bus (vielleicht unnötig rigide) – und wird als “Rassist” zum Gegenstand eines Shitstorms.

Wenn bei guten Taten und geglückten Projekten das Verhältnis von Aufwand und öffentlicher Aufmerksamkeit ähnlich wäre, mal im Ernst: Würden dann nicht echte und weniger echte Diskriminierungen von Muslimen (und anderen Minderheiten) ebenso wie die meisten islamistischen Aktivitäten als das behandelt, was sie sind, nämlich Ausnahmen in einer Gesellschaft, in der erstaunlich viel friedlich gelingt? Natürlich würde es dann immer noch islamistische Terrormorde geben. Aber den meisten von uns wäre klar, dass die zwar möglicherweise etwas mit dem Islam zu tun haben, aber ziemlich sicher nichts mit den Muslimen, denen wir auf der Straße oder in der S-Bahn begegnen. Auch weil denen wiederum nicht nur wie schon heute klar ist, dass sie unschuldig sind, sondern auch, dass sie keinen größeren Feind haben als die Fanatiker, die in ihrem Namen morden.

“Bad news are good news”, heißt es bei Zeitungsverlegern und natürlich auch bei Twitter und Facebook. Aber für wen? Und vor allem: Durch wen? Ich denke, durch uns. Und das muss nicht so bleiben.

 

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Wie in einer Todeszelle

Caroline Stollmeier am 14. Dezember 2016

„Vielen Dank für Ihre Hilfsbereitschaft. Ich hatte heute einen Abtreibungstermin und bin auch dort erschienen. Jedoch als ich die wartenden Frauen im Wartezimmer gesehen habe, fühlte ich mich wie in einer Todeszelle. Ich bin wieder gegangen und hab mich für das Kind entschieden. Nochmals vielen Dank!“

Diese unglaubliche Nachricht hat heute eine meiner Kolleginnen, eine Beraterin von Pro Femina, bekommen. Obwohl sie jeden Tag mit verzweifelten Schwangeren zu tun hat, sind es diese Nachrichten, die sie – und uns alle – zutiefst bewegen, unsere Herzen überströmen und in Jubel ausbrechen lassen, die uns aber gleichzeitig schockieren.

„Wie in einer Todeszelle“ hat sich die junge Frau noch vor wenigen Stunden gefühlt. Aber sie hat die Kraft, den Mut und die Stärke gefunden, um das Wartezimmer zu verlassen – mit ihrem Kind. Wie viele der anderen Frauen, die dort saßen, konnten das nicht? Wie viele von ihnen waren so verzweifelt, geängstigt und unter Druck, dass sie keinen Ausweg gesehen haben, als eine Abtreibung? Heute. Vor wenigen Stunden. Gerade jetzt? Wir beten für diese Frauen – und sind unendlich traurig.

Jede Frau und alle Kinder, die vor einer Abtreibung bewahrt werden können, sind jede unserer Anstrengungen wert. Es kann so viel Leid auslösen, wenn eine ungeplante Schwangerschaft entdeckt wird oder alles nicht so läuft, wie erhofft. Vor allem für die Mutter. Aber gleichzeitig gibt es so viele Wege zu helfen. Wenn man sich dazu entschließt nicht wegzusehen, diese Frauen in ihrer Not alleine zu lassen und sie vielleicht sogar ver(vor)urteilt, sondern stattdessen ansprechbar ist und seine bedingungslose Unterstützung anbietet.

Wenn eine Frau sich für eine Abtreibung „entscheidet“, dann geschieht das meistens nicht frei und unbeeinflusst. Aus unserer Beratung wissen wir, dass die meisten Frauen einem enormen Druck durch ihren Partner oder ihr Umfeld ausgesetzt sind. Sie sind geschockt von der ungeplanten Schwangerschaft und sehen im ersten Moment keine Perspektive für ein Leben mit ihrem Kind. Aber immer wieder stellt sich heraus, dass nicht das Kind das „Problem“ ist, sondern die Lebensumstände der Schwangeren.

Keine Frau wünscht sich eine Abtreibung. Aber mehr als 100.000 Frauen pro Jahr sehen keinen anderen Ausweg. Sie müssen von da an mit dem Wissen leben, dass sie ein Kind hatten, das nicht mehr da ist. Und es wird nie wieder so sein, als hätte es dieses Kind nicht gegeben. Wie furchtbar ist es, damit leben zu müssen, dass man nicht stark genug war, um für sein Kind zu kämpfen? Und wie sehr brauchen gerade diese Frauen unsere Liebe und unser Gebet.

Was ist das für eine Gesellschaft, die schweigt, wenn unzählige Frauen jährlich durch eine Abtreibung zutiefst verletzt und erschüttert werden? Was sind das für Menschen, die einer verzweifelten Frau sogar noch zuraten durch diese „Todeszelle“ zu gehen, in der sie immer auch einen Teil von sich selbst zu verlieren? Wer eine Schwangere „neutral“ alleine lässt, ist kein Freund. Er nimmt ihr die Chance mit der guten Gewissheit aus der Krise gestärkt hervor zu gehen: „Ich habe mich für mein Kind entschieden. Vielen Dank“ – und nie mit Reue zurück blicken zu müssen.

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Neuer Rekord bei 1000plus

Caroline Stollmeier am 30. November 2016

Im Jahr 2009 ist das Projekt 1000plus / Pro Femina e.V. mit der kühnen Vision angetreten, bald 1.000 und mehr Frauen im Schwangerschaftskonflikt zu beraten und ihnen die Informationen und die konkrete Hilfe zur Verfügung zu stellen, die sie brauchen, um Ja zu ihrem Baby sagen zu können. Innerhalb von nur sechs Jahren stiegen die jährlichen Beratungszahlen von 277 auf 2.439. Und Mitte November wandte sich die dreitausendste Frau des Jahres 2016 an die Beratung von Pro Femina!

1000plus ist eine überkonfessionelle Frauenhilfsorganisation, die aus Gewissensgründen keine Beratungsscheine ausstellt, wie sie in Deutschland Voraussetzung für eine straffreie Abtreibung sind. Deshalb wir 1000plus weder aus Kirchensteuermitteln noch staatlich finanziert.

Um immer mehr Schwangere zu erreichen und ihnen eine Perspektive für das Leben zu eröffnen, geht 1000plus schon seit Jahren in die technische Offensive. Die 328.000 Euro umfassende Spendenkampagne zur Finanzierung dieses Ausbaus wurde Mitte Oktober erfolgreich abgeschlossen. Gleichzeitig meldeten sich im selben Monat so viele Schwangere wie noch nie, so dass die bereits erweiterten Beratungsabteilungen kurz vor der Überlastungsgrenze standen. Schon wenige Wochen später wurde so das Jahresziel von 3.000 Beratungsfällen übertroffen.

Durchschnittlich berät 1000plus derzeit circa 290 Frauen im Monat – mehr als noch 2009 innerhalb eines ganzen Jahres. „Die Verzweiflung und Einsamkeit dieser Frauen in ihrer Notlage ist immer wieder aufs Neue erschütternd. So froh und dankbar wir sind, sie erreichen und beraten zu können, so sehr drängt es uns, diese Hilfe noch mehr Schwangeren im Konflikt zur Verfügung zu stellen“, so Kristijan Aufiero, Initiator und Leiter von 1000plus.

Die Beratungsorganisation möchte deshalb die technischen Maßnahmen und ihre Kapazität weiter ausbauen und auf diese Weise im Jahr 2017 mindestens 4.500 und bis zum Jahr 2020 jährlich 10.000 Schwangeren Beratung und Hilfe zur Verfügung stellen.

1000plus wird jetzt schon getragen von vielen tausend Menschen, die sich mit Spenden, Gebeten und tatkräftiger Mithilfe gemeinsam für ungewollt Schwangere einsetzen. Um die Vision wahr werden zu lassen, dass in unserem Land keine Schwangere mehr gegen ihren eigentlichen Willen abtreiben muss, werden noch viel mehr von uns gebraucht. Sind Sie dabei?

 

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Der Tag nach Halloween

Caroline Stollmeier am 23. Oktober 2016

Wir haben in unserer Familie einen selbstetablierten Brauch zu Allerheiligen: Wir suchen gemeinsam mit unseren Kindern einen Friedhof aus, den wir gemeinsam besuchen, sobald es dunkel wird. „Bewaffnet“ sind wir dabei mit Taschenlampen und einer ganzen Kiste voller Grablichter (die mit dem Blechdeckel drauf).

Bereits Tage vorher beginnen unsere Vorbereitungen. Es gilt zu entscheiden, welcher Friedhof es in diesem Jahr werden soll. Gelegentlich ist es einer, auf dem Gräber von verstorbenen Angehörigen sind. Aber das ist nicht ausschlaggebendes Kriterium. Früher war es etwas leichter, als wir noch neben einem Friedhof gewohnt haben. Aber die letzten Jahre haben uns auch auf Friedhöfe geführt, auf denen wir nie zuvor gewesen sind. Wir besorgen die Lichter, suchen nach unseren Taschenlampen und besprechen erneut den Plan.

Wenn wir unterwegs sind, halten wir alle Ausschau nach verwilderten, offensichtlich ungepflegten Gräbern. Natürlich wissen wir nichts über die Menschen, die dort begraben sind, und ihre Angehörigen. Aber wir sprechen darüber, dass es nicht unbedingt Nachlässigkeit oder Groll sein muss, weswegen sich niemand um diese Gräber kümmert.

Es könnte ja auch einfach sein, dass die Menschen gestorben sind, ohne Angehörige und Freunde zu hinterlassen – was sehr traurig wäre. Oder die Familien wohnen inzwischen einfach zu weit weg. Auf manchen Friedhöfen gibt es über 100 Jahre alte Gräber. Das sind vielleicht die letzten Spuren dieser Menschen in dieser Welt – von anderen existieren oft nicht einmal welche. Auch das ist irgendwie eine traurige Vorstellung.

Aber alles in allem ist es trotzdem jedes Mal ein schönes Erlebnis für uns. Denn wir zünden auf den verwahrlosten Gräbern unsere Lichter an, und freuen uns, wenn inmitten des Gestrüpps eine kleine Flamme aufleuchtet. Manchmal schließen wir damit die einzige dunkle Lücke in einem Gang voll geschmückter, erleuchteter Gräber und heben so für ein paar Stunden den vergessenen Eindruck auf, den dieses Grab macht.

Wir stellen uns vor, wie später am Abend vielleicht doch noch ein alter Freund des Verstorbenen vorbei kommt und froh ist, das er nicht der einzige ist, der das Grab besucht. In manchen Fällen hat der oder die Verstorbene es nach menschlichen Maßstäben vielleicht sogar verdient, vergessen zu werden. Aber auch davon wissen wir ja nichts. Wir wünschen uns einfach, dass niemand verloren geht. Und gerade deshalb zünden wir diese Lichter an.

Wir glauben nicht, dass die Verstorbenen wirklich in den Gräbern liegen. Aber die Symbolik von Gräbern und Friedhöfen ist einfach da. Doch es gibt noch so viel mehr als an Allerheiligen teuren Blumenschmuck auf die Gräber zu legen (oder ein schlechtes Gewissen zu bekommen, weil man sich den nicht leisten kann oder gerade absolut keine Zeit dafür hat).

Bei unseren Allerheiligen-Friedhofbesuchen fühlen wir uns Gott und den Verstorbenen für kurze Zeit besonders nah. Es ist schön, Licht zu sein in dieser Welt. Und es macht Spaß, etwas von dieser Liebe auszugießen, die kein Ziel hat und keinen Anlass. Das verstehen sogar schon die Kinder mit einer Intuition, die viele Erwachsene verloren haben.

Natürlich ist es nach Einbruch der Dunkelheit auch ein bisschen gruselig auf dem Friedhof. Aber an Allerheiligen ist man dort nie alleine und kann auch manchmal etwas beobachten, das auf den ersten Blick mindestens so verwunderlich scheint, wie unsere eigene Aktion: Familien, die am Grab ihrer Angehörigen picknicken und bunte Laternen aufgehängt haben, zum Beispiel. Und die Kinder rechnen doch irgendwie immer noch ein bisschen damit, einem kleinen Gespenst zu begegnen…

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Sex und Selbstverwirklichung

Caroline Stollmeier am 8. Oktober 2016

Kürzlich habe ich ein bemerkenswertes Buch gelesen: „Pornographie – die größte Illusion der Welt“. Darin beschreibt Shelly Lubben autobiografisch wie sie zunächst zur Prostituierten und dann zur gefragten Porno-Darstellerin wurde. Nichts für schwache Nerven! Aber was das Buch auf jeden Fall lesenswert macht, ist die neue Perspektive, die sich eröffnet. Fragt sich der Ottonormal-Pornokonsument eigentlich jemals, wie es hinter den Kulissen aussieht? Das bezweifle ich einfach mal! Denn wer darüber nachdenkt, dem vergeht doch die Lust (es sei denn er ist vielleicht Sadist).

Lubben beschreibt eindrücklich und glaubhaft, wie es am Porno-Set von sexueller Nötigung, Vergewaltigung, Drogenmissbrauch und Krankheiten nur so wimmelt.  Und dabei macht sich jeder, der sich Pornos ansieht, selber die Finger schmutzig in diesem dreckigen Geschäft. Egal, wie gut die Lust geschauspielert wird und was man sich selber beim Zuschauen vielleicht vormacht!

Kaum einer macht sich klar, welchen Schaden die eigene Sexualität nehmen kann, wenn man zu früh oder zu oft oder überhaupt Pornos angeschaut hat – egal ob Mann oder Frau. Und wie sehr wird das eigene (Sex-) Leben schon fremdbestimmt? Jeder, der behauptet, nicht porno-süchtig zu sein, obwohl er regelmäßig konsumiert, sollte einfach mal den Selbsttest machen: wie lange halte ich es ohne aus? Das könnte manch überraschende, wenn auch nicht durchweg angenehme Erkenntnis bereiten. Aber mal Hand aufs Herz: ist es wirklich das, was Ihr wollt – Sex im Kopf anstatt im Bett?!

Dazu passt auch gut, was kürzlich von der bekannten Schauspielerin Pamela Anderson zu lesen war: „Einfach ausgedrückt müssen wir uns selbst und unseren Kindern beibringen, dass Pornos etwas für Verlierer sind – eine langweilige, schmutzige Sackgasse für Menschen, die zu faul sind, sich auf den aussichtsreichen Weg hin zu einer gesunden Sexualität zu machen.“ Sehr deutlich sagt sie hier, was sie von Porno-Konsumenten hält. Gerade sie, die inzwischen wahrscheinlich ganze Generationen in ihre feuchten Träume begleitet hat. Das gefällt mir sehr. Und ich hoffe, dass Andersons Worte nachhallen, wenn mal wieder jemand begehrlich auf ihre Oberweite starrt.

Pornos sind nicht harmlos. Das spricht sich zum Glück langsam herum. Sie sind nicht harmlos für die Darstellerinnen und Darsteller. Und sie sind nicht harmlos für die Konsumenten. Außerdem beeinträchtigen sie auch Dritte, die auf den ersten Blick gar nichts damit zu tun haben: Ehefrauen, die – zumindest in Gedanken – betrogen werden, Opfer von Verkehrsunfällen, die von abgelenkten LKW-Fahrern verursacht wurden, Partner von Schauspielerinnen, die sich mit einer Geschlechtskrankheit angesteckt haben, Kinder, die nicht wirksam vor der Pornosammlung des Vaters geschützt wurden und von Anfang an mit einem verdrehten Männer- und Frauenbild aufwachsen…

Ein anderes Thema, aber artverwandt, ist die Prostitution. Auch hier: Gewalt, Drogen und Missbrauch an der Tagesordnung. Die Opfer wie so häufig: überwiegend Frauen. Und die „Täter“, die Männer: machen sich vor, dass es den Frauen auch noch gefällt! Jede Prostituierte, die ihren „Job“ so gut macht, dass der Freier ihren Widerwillen nicht bemerkt hat (oder nicht bemerken musste), trägt noch dazu bei, dass der Mythos von Freiwilligkeit lebendig bleibt.

Ich fand es sehr unschön, was sich da kürzlich in unserem Gesetzgebungsverfahren abgespielt hat. Und ich frage mich: was spricht dann eigentlich gegen ein Gesetz, das im Zweifelsfall den Freier bestraft und nicht die „Dienstleisterin“? Wenn alles tatsächlich so easy ist, wie immer gesagt wird, dann gibt es ja gar keinen Streit und die Männer haben nichts zu befürchten. Die Prostituierte, die ihren Herzensfreier (und die 13 anderen in dieser Nacht) mit Schmetterlingen im Bauch empfängt, wird ja wohl etwas Besseres zu tun haben, als ihn anzuzeigen, wenn er sich mal wieder mehr genommen hat, als vereinbart gewesen ist. Ja, ja, als Außenstehende kann man gut reden. Aber für mich passt da einiges nicht zusammen. Würde es wirklich um den Schutz und die Rechte der Frauen gehen, dann hätte man noch ganz andere Möglichkeiten, um sie stark zu machen…

Porno und Prostitution – zwei Bereiche, in denen Lob und Anerkennung bestimmt so manche Frau zu Dingen verlocken, zu denen sie normalerweise nie bereit gewesen wäre, wenn sie echte Chancen im Leben bekommen hätte. Stattdessen ist es irgendwem irgendwann gelungen den Frauen nicht nur zu sagen, dass sie „darin“ besonders gut wären, sondern auch, dass sie zu nichts anderem taugten. Es ist ein Teufelskreis – im wahrsten Sinne des Wortes.

Wenn ich zurückdenke an die Gespräche meines Erwachsenwerdens, dann kann ich mich nicht daran erinnern, dass es je ein Mädchen gegeben hätte, das gerne Pornostar oder Prostituierte geworden wäre. Treue galt als Ideal, das nicht immer zu erreichen war. Enthaltsamkeit bis zur Ehe war kein Thema, Liebe schon. Und eine Partnerschaft war auf Dauer ausgelegt, nicht auf Egoismus. Ich glaube, daran hat sich nichts Wesentliches geändert. Aber an welcher Stelle im Leben kommt die Weiche, an der man sich entscheiden muss: halte ich fest an meinen Idealen, oder lasse ich mich auf Abwege bringen?

Es ist nicht erwachsen, sich irgendwann mal Pornos anzuschauen. Das ist doch gerade heutzutage überhaupt keine Herausforderung mehr! Echt Erwachsensein ist doch so viel mehr als das. Es bedeutet, Dinge zu erkennen, die einem selber schaden und den Mut zu haben, diese Dinge zu unterlassen – auch wenn man damit (scheinbar) gegen den Strom schwimmt. Und es ist überhaupt keine Schande, sich von echten Freunden ermutigen zu lassen – nicht zu einem gemeinsamen Bordellbesuch oder Porno-Abend, sondern zu dem, was viel schwieriger ist: standhaft „nein“ zu sagen angesichts diverser Verlockungen.

In unserem Land, das der Puff Europas geworden ist, und in dem unglaubliche Zugriffszahlen auf pornografische Inhalte belegt sind, wird es Zeit, gegen den Strom zu schwimmen! Als Frau ist es relativ leicht, sich bei diesen Themen zu positionieren, aber wirklich schwer, etwas zu bewirken. Wer ein kleines, aber unübersehbares Zeichen setzen möchte, dem kann ich nur empfehlen am „Walk for Freedom“ teilzunehmen. Eine Stunde „in ihren Schuhen“ kann die eigene Sicht auf die Dinge für immer verändern – und macht öffentlich wirklich Eindruck.

Männer könnten so viel mehr tun – wenn sie nur wollten. Es fängt damit an, dass sie aufhören könnten „sexuelle Dienstleistungen“ in Anspruch zu nehmen. (Okay, ich weiß, es hat ja eh keiner von Euch nötig „dafür“ zu bezahlen, aber sagt es doch bitte auch Euren Kumpels weiter…). Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Das ist bei Pornos nichts anders als im Privatfernsehen allgemein: wenn die Quoten nicht stimmen, wird abgesetzt. Es liegt also in Eurer Hand! Wer konsumiert ist Teil des Problems, egal, welcher Lüge er glaubt.

Jeder Mensch möchte doch mit Achtung und Respekt behandelt und geliebt werden. Und auf dieser Basis ist auch der Sex am schönsten – wer das noch nicht wusste, sollte es vielleicht einfach mal ausprobieren. (Aber das ist eine Mutprobe, die vielen vielleicht doch etwas zu weit geht, oder?).

Und kommen wir mal zurück aufs Erwachsensein. Vielleicht haben wir in unserer Jugend etwas Falsches gelernt. Von unseren Eltern oder den falschen Freunden. Das mag sein. Aber wenn wir älter werden, dann kommen wir in die Lage, genau das zu erkennen. Und wie Anderson gesagt hat: „wir müssen uns selber (…) beibringen“ was erfüllte Sexualität ist, sollten wir auf Abwegen sein. Das kann kein Anderer für uns machen. Du machst mit dem besten Entwöhnungsprogramm niemanden zum Nichtraucher, der das nicht selber will. Genauso ist es hier: Wer wieder clean sein will, wer sich zurückbesinnen möchte, auf das, wovon er früher überzeugt war, wer seine eigenen Träume und Ideale zurück erobern möchte, der muss das selber tun. Sein eigenes Herz zu schützen ist eine der wichtigsten und auch der schwierigsten Aufgaben. Aber hierin liegt die wahre Selbstverwirklichung.

 

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